Lieber Journalisten-Nachwuchs (Teil 2)

Ich hätte niemals gedacht, dass mein vorheriger Blogpost so viele Reaktionen hervorruft. So viele Retweets, kommentierte Retweets, Kommentare und ein paar Blogposts (Gute Studie darüber, was wie genutzt wird, übrigens.) Offenbar herrscht da ein großer Diskussionsbedarf.

Die Reaktionen waren gemischt, manche stimmten mir zu, viele warfen mir vor, zu pauschal zu urteilen, zu polemisieren, alle über einen Kamm zu scheren.

Aber warum?

Vielleicht hätte ich klarer machen sollen, dass es natürlich auch den anderen Journalisten-Nachwuchs gibt. Der sich auf Vorstellungsgespräche vorbereitet, aneckt, kreativ und neugierig ist – und damit auch Erfolg hat bzw. haben wird. (Ich empfehle Martin Gieslers Antwort auf mein Posting.)

Vielleicht hätte ich auch weiter ausholen sollen, erklären, wie ich Talente fördere, wie ich, wie Christian in den Kommentaren schreibt, an dem Sieb rüttele, um die Spreu vom Weizen zu trennen: beim Eingang des Bewerbungsschreibens, nach dem Vorstellungsgespräch und/oder während des Praktikums. Vielleicht von der Freude berichten, wenn man sieht, wo diese Rohdiamanten, an denen man feilt, am Ende dann landen – als Volontäre, Journalistenschüler oder Freie Mitarbeiter.

Vielleicht hätte ich auch schreiben können, wie wichtig es mir ist, Gespräche zu führen, Feedback zu geben, zu definieren, welche Aufgaben Mitarbeiter und Praktikanten übernehmen sollen. Wie überrascht ich jedes Mal bin, wenn sich Praktikanten oder Freie Mitarbeiter bei mir bedanken. Für Feedback, Rückmeldungen, Tipps oder andere Hilfestellungen – kurzfristig nach bestimmten Texten, zwischendurch, am Ende des Praktikums. Offenbar machen wir da was, was andere nicht tun.

Hätte ich alles schreiben können. Aber hätten wir dann darüber diskutiert?

7 Antworten zu “Lieber Journalisten-Nachwuchs (Teil 2)”

  1. Leon sagt:

    Vielleicht…

    hätten Sie den Nachwuchs aber auch ernster nehmen können. Denn der ist, so wie ich ihn kennengelernt habe, hoch motiviert und strengt sich beileibe an. Und das trotz der mühsamen Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt.

  2. Ich kann nur immerzu eselsgleich nicken, auch wenn es in meinem Bereich nicht um den journalistischen Nachwuchs geht, sondern um das, was uns die wirtschafts- und kulturwissenschaftlichen Fakultäten ausspucken. Da klaffen Anspruch, Leistungsbereitschaft und Wirklichkeit manchmal eklatant auseinander. Ich glaube nicht, dass der Nachwuchs von denjenigen zu wenig ernst genommen wird, die sich später beruflich mit ihm auseinander setzen müssen – ganz im Gegenteil! Uns ist es doch gerade das Anliegen zu fördern, dafür dürfen wir aber auch fordern.

  3. Holger sagt:

    Das wäre die Art und Weise gewesen, die ich in meinen Blog-Post gefordert hatte. Aber ich gebe zu, dann wäre hier nie eine Diskussion entstanden.

    Danke, damit haben Sie sich in meinen Augen rehabilitiert :) (auch wenn Sie darauf sicher getrost verzichten können, wer bin ich schon ^^) Zumindest was den Nachwuchs betrifft. Denn Sie scheinen sich ja doch „liebevoll“ um uns zu kümmern.

    Dennoch bleibe ich bei meiner Meinung, siehe Blog, was die Verantwortungslosigkeit betrifft. In Ihrer Position sollten Posts wie dieser nicht öffentlich stattfinden.

  4. Albert Hamann sagt:

    Natürlich wollten sie nur die Diskussion anregen und nicht sich und ihr Blättchen in der Öffentlichkeit bis zur Untragbarkeit bloßstellen. Von einer selbsternannten „Webexpertin“ hätte man auch kein Fingerspitzengefühl für die Dynamik der Blogsphäre erwarten können. Wenigstens besticht nun diese Richtigstellung durch raffinierte Argumentation und erweckt nicht den Eindruck eines halbgaren Zurückruderns

  5. […] (so Rants schei­nen diese Woche Trend zu sein). Tref­fer, ver­senkt. Im Nach­trag lie­fert sie dann auch eine wun­der­bare Erklä­rung für den Rant: „Hät­ten wir sonst […]

  6. Patricia sagt:

    Zurückrudern ist gar nicht nötig. Ich musste bei Deinem ersten Posting daran denken, wie schwierig es am Anfang war, Kritik einzustecken und sich im Regelwerk der journalistischen Arbeit zurechzufinden. Mittlerweile kann ich die Standpunkte beider Seiten gut verstehen – die des Lernenden und die des Lehrenden.

  7. franziska sagt:

    War gar nicht so zurückrudernd gemeint. Nur so der Vollständigkeit halber.. :)

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