Hannelore und das Monsta

Sie hat den – Monsta-Body
mit dem – Monsta-Blick
und ihr – Monsta-Boom Boom
gibt mir den Kick
Sie ist ein – Monsta..Monsta
Sie macht mir Angst doch ich weiß wie sie tickt
Sie ist ein – Monsta..Monsta
Sie macht mir Angst doch ich weiß was ich will

Das ist der Refrain von Culcha Candelas „Monsta“. Monsta-Body, Monsta-Blick, sie macht ihm Angst – was für eine Frau, die da besungen wird. Interessanterweise ertönte dieses Lied – genau wie viele andere Hits der Spaß-Kombo Culcha Candela am Samstag auf der SPD-Wahlkampfauftaktveranstaltung in der Düsseldorfer Philipshalle. Und weil das so war, denke ich seit Samstag darüber nach, ob das eigentlich so ok sein kann, wenn eine solche Band mit solchen Texten auf einer Wahlkampfveranstaltung auftreten sollten.

Nun ist es in diesen Wahlkampfzeiten natürlich schwer, über ein solches Thema zu schreiben, ohne dass einem gleich Parteilichkeit vorgeworfen wird. Aber insbesondere Hannelore Kraft war textsicher bei diesem Song, während die erste Reihe der angereisten SPD-Prominenz vor allem mitklatschte und -schunkelte.

Warum ich mich so anstelle? In „Monsta“ beschreibt die Spaß-Kombo eine Frau in einer Disco, die „nur spielen“ will. Sie weiß, dass sie schön ist und nutzt ihren Körper, um Aufmerksamkeit zu erregen. Klar, der Typ in den Song ist ein Depp, aber wenn man das Lied so in seiner Gänze und es in den Zusammenhang mit all den anderen Erfolgssongs von Culcha Cundela bringt, dann vermitteln die Jungs ein Bild, dass das weibliche Geschlecht auf ihren Körper, ihr Aussehen reduziert. Glaubt ihr nicht? Hier mal den Refrain des Knallersongs „Hamma“:

Du bist hamma, wie Du dich bewegst in dei’m Outfit, hamma!
Einzigartig. Unglaublich. Hamma.
Du weißt, dass Du übertrieben hamma bist.
Warum bist du nicht geblieben?

Oder ein paar Zeilen aus „Eiskalt“:

Plötzlich seh ich, wie heiß du bist,
und ich spüre wie das Eis zerbricht.
Deine Kurven glühn im Discolicht
Dein Körper kocht, doch du kriegst mich nicht!
Plötzlich seh ich, wie heiß du bist,
und ich spüre wie das Eis zerbricht.
Deine Blicke haben sich festgekrallt
Du brennst vor Verlangen, doch das lässt mich kalt!

Eiskalt, Stepp ich im Club mit meinen Jungs,
Eiskalt, Alles gefriert um uns herum.
Eiskalt, Tau mich auf Girl, ich will’s sehn,
Eiskalt, Kann ich deiner Hitze wiederstehn.

Nun kann man natürlich sagen, Mannmannmann, die Franziska, die sieht das aber heute eng. Können diese SPDler bei ihrem Wahlkampfauftakt nicht einfach ein bisschen Spaß haben? Haben doch nur eine erfolgreiche deutsche Band engagiert, die die Masse ein wenig zum Toben bringt. Aber sind nicht auch die Auftritte der Künstler, wenn man Culcha Candela denn als Künstler bezeichnen kann, nicht irgendwie auch ein Statement?

Ich finde schon.

3 Antworten zu “Hannelore und das Monsta”

  1. Mithos sagt:

    Passt doch prima zur populistischen Politik in letzter Zeit: Beides ist oberflächlich, plattitüdenhaft, stereotype und simpel gestrickt. (Mir fallen da grad noch mehr ähnliche Adjektive ein, aber vier sollten reichen)

  2. Kai sagt:

    Die SPD will auch mal hip und trendy wirken, vielleicht hat man (endlich) bemerkt, dass es auch junge Menschen gibt, die ein Kreuzchen machen (und eventuell keine „Stammwähler“ sind?).

  3. sanddorn sagt:

    Hamma = Zeichen der Arbeiterbewegung oder so.
    Ich hätte ja Prodigy „Smack my bitch up“ vorgeschlagen oder besser „Paint it black“. Bei letzterem müsste man dann nicht mal den Text ändern, wie bei der Telekom Werbung damals „i see a magenta door and …“.

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