Babymassage

Dienstags ist Massagetag. Also der Tag, an dem wir außer Haus gehen zum Massieren. Mittags ein paar Straßen weiter, ein Stündchen in einem für Erwachsene viel zu warmen Raum. In der Theorie geht das so: ankommen, Baby nackig machen, bisschen plaudern, wie die Woche war, die Griffe der Vorwoche wiederholen, neue hinzufügen, Baby wieder anziehen, bis nächste Woche.

In der Praxis funktioniert meistens so: Die Mütter trudeln nach und nach mit ihren Babys ein, mindestens zwei schreien, weil sie gerade aufwachen. Die Kursleiterin begrüßt jeden mit warmen Worten und einem Glucksen für das Baby und legt den Müllsack für die vollen Windeln bereit. Die ersten Babys werden ausgezogen, mindestens eins schreit, weil es jetzt doch lieber erst essen will. Die Kursleiterin fragt, wie die Woche war und zieht ihrem Plastikbaby den Strampler und den Body aus. Mutter 1 und 2 ziehen sich aus, weil sie ihr Baby stillen oder weil die Schweißperlen ihr Gesicht hinunterrinnen. Mutter 3 sitzt auf dem Pezziball, um ihr Kind zu beruhigen. Die Kursleiterin erzählt irgendwas oder flirtet mit den Kindern, die gerade entspannt auf dem Boden liegen. Nach 20 Minuten führt die Kursleiterin die ersten Griffe an ihrem Plastikbaby vor. Mutter 4 sucht hektisch in ihrer Tasche nach einer weiteren Plastikunterlage, weil das Baby vor ihr gerade ein Geschäft erledigt hat. Sie flucht, weil sie für sich kein Wechselshirt dabei hat. Die Kursleiterin betont, dass es nicht schlimm sei, wenn die Kinder gerade nicht wollen und lobt das Kind von Mutter 3, weil es das Köpfchen so schön hebt. Mutter 4 und 5 massieren ihre Babys. Mutter 6 fragt, was denn heute neu dazu kommt, weil sie spürt, dass ihr bisher ruhiges Kind so langsam genug hat. Die Kursleiterin mahnt, dass man die Übung doch gleich zusammen machen sollte. Mutter 1 und 2 beginnen mit der Massage. Die Kursleiterin zeigt Mutter 1 nochmal, wie man dem Baby beim Aufdenrückendrehen helfen kann. Das Kind von Mutter 6 schreit. Die Kursleiterin erklärt die Kopfmassage. Das Kind von Mutter 5 schreit. Das Kind von Mutter 2 pupst bei der Bauchmassage, das Kind von Mutter 1 pupst und kackt dabei, Mutter 1 sucht daraufhin hektisch in ihrer Tasche nach einer weiteren Wickelunterlage. Die Kursleiterin versucht Blickkontakt zwischen den Babys von Mutter 2 und 3 herzustellen und wedelt mit roten Tüchern. Das Kind von Mutter 3 hat genug und schreit. Das Baby von Mutter 4 wird kurz vor dem Wutausbruch angedockt. Das Baby von Mutter 5 hat keine Lust auf anziehen und schreit. Die Kursleiterin verabschiedet sich und wünscht eine schöne Woche.

5 Antworten zu “Babymassage”

  1. Köstlich! Genauso war das, ist das offenbar immer noch und wird es wohl auch immer sein. Mit Kind 1 war ich da genau 1x, mit Kind 2 habe ich es gar nicht erst probiert.

    Euch viel Spaß mit Kind – das geht auch unmassiert ;-)

  2. Nico sagt:

    Und du warst nochmal welche Mutter? Nummer 2?

  3. Kiki sagt:

    Wie sind wir und die Generationen vor uns nur ohne so einen Zirkus durch ihre glückliche Kindheit gekommen?

  4. Melanie sagt:

    ha, unser kurs fängt anfang juli an – dann weiß ich ja schonmal, worauf ich mich gefasst machen darf!

  5. […] uns bei der babymassage erwarten wird, hat ja schon franziskript geschrieben. ich dachte so, sei klug und tu vorher noch mal was für dich selbst. rückbildung muss […]

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