Tschüss, FTD

Die Financial Times Deutschland war eine der ersten Tageszeitungen, die ich abonnierte. Genauer gesagt: die zweite. Die erste war der Tagesspiegel. Denn als ich Ende der 90er Jahre nach Berlin zum Studieren ging, da gehörte es noch dazu, eine Zeitung zu haben. Ich hatte wenig Geld, aber mir war es wichtig, eine Zeitung zu lesen.

Als die Financial Times nach Deutschland kam, wollte ich wissen, wie eine neue Zeitung, die selbst antrat, Dinge anders zu machen, sich schlägt.

Ich blieb ihr eine ganze Weile treu. Liebte die Aufteilung und ganz besonders das letzte Buch. Wie sehr ich mich immer auf den Freitag gefreut habe, wo damals per Infografik aufgeschlüsselt wurde, was bestimmte Dinge des täglichen Lebens eigentlich kosten.

Ein paar Jahre ging das gut. Und zu Beginn habe ich sie wirklich gerne gelesen. Doch irgendwann hörte das auf. Durch den Job las ich immer mehr online, der Blick in die morgendliche Zeitung wurde zu einem professionellen. Scannen, welche Themen die anderen gemacht haben, besondere Drehs, Gedankenspiele. Was aktuell passierte, darüber informierte ich mich in Nachrichtenagenturen, im Internet. Zeitung lesen wurde beruflich, im Internet lesen Normalität.

Mittlerweile lese ich fast alles nur noch online. Und mit online meine ich meine Definition von online. Am Rechner auf Webseiten, am Rechner in Form von E-Paper, auf dem Tablet in Apps oder mobil auf meinem iPhone. „Ich bin mobilversaut“, habe ich letztens zugegeben. Und in der Tat ist mein Smartphone das Gerät, auf dem ich das meiste lese: E-Mails (Ok, das zählt jetzt nicht), Twitter, Facebook, Google+, RSS-Feeds, mit denen ich vor allem amerikanische Seiten und Weblogs verfolge, Nachrichtenseiten, Applikationen. Wenn der Spiegel nicht eine iPhone-App hätte, ich müsste mich zwingen, mir am Montag im Büro Zeit für ihn zu nehmen. So gehe ich am Montagmorgen ins Büro und habe die wichtigsten Sachen bereits gelesen. Und der Blick in die Bild-Zeitung abends im Bett gehört ebenfalls zu diesen Routinen, die ich nicht mehr missen will. Ich kann die Medien konsumieren, wann ich will und wie ich will. Perfekt.

Das Ende der Financial Times Deutschland ist auch eine Geschichte von verändertem Mediennutzungsverhalten. Ich glaube kaum, dass man das wieder zurückdrehen kann.

3 Antworten zu “Tschüss, FTD”

  1. Roland Tichy sagt:

    …ich denke, G+J hat 4 folgenschwere Managementfehler gemacht.
    1. Sie haben den Anzeigenboom Ende der 90er, der die New Economyblase aufgepumpt hat, für eine Dauereinrichtung genommen. Das war aber seit Herbst 2000 pffffttt….
    2. Stellt euch vor, damals gabs schon Internet – und eine entsprechende Diskussion über die Zukunft von Print. Verschlafen. Schlimmer noch: Im Zuge der Sparmaßnahmen wurde ausgerechnet am Internet gespart und die FTD, die da am Anfang vorne war, fiel weit zurück.
    3. Es tut zwar weh, und ich weiß wovon ich spreche, aber wenn es nicht läuft und man nicht einfach eine Art Teitungssteuer einführen und bei Bedarf erhöhen kann wie ardzdf, dann muss man hält zusperren – und nicht noch funktionierende Magazine wie Capital für die Tote Opfern.
    4. Wie weit wäre G+J und wir Freunde des Nachmachens, wenn die diese 250 Mio. Statt in totes Holz in das Netz investiert hätten! Unvorstellbar.

    Jetzt kann man weinen – einer alten Medientechnologie nachhelfen oder über die Kunst, das Falsche zu machen und dies auch nicht noch korrigieren.

  2. Romuald von Schnittlauch sagt:

    Ich kann mich Herrn Tichy nur anschliessen. Zu ergänzen wäre noch das Inhaltsproblem, das die FTD nicht erkannt hat. Die Leser wollen andere Inhalte als noch vor 12 Jahren. Für Information und Kommentare haben sie das Internet, und wer Fremdprachen beherrscht, hat eine grosse Auswahl.

  3. franziska sagt:

    Mit ging es in dem Text nicht darum, welche Managementfehler gemacht worden sind, sondern eher mein ganz persönliches Problem mit der FTD aufzuschreiben.

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