Ein Jahr zu viert

Ein Jahr ist es jetzt schon her, dass du zu uns gekommen bist. Ein Jahr, was so viel verändert hat. Das einfachste: das Zu-Viert-Sein. Klingt banal, aber es gibt immer noch Momente, in denen man merkt, dass insbesondere der große Sohn noch immer nicht so ganz akzeptiert hat, dass er sich das Nummer-Eins-Sein jetzt teilen muss. Du hast damit kein Problem, denn du kennst es ja nicht anders. Und du liebst deinen großen Bruder. Lachst dich schlapp, wenn er Faxen macht. Gehst mit ihm schon wie ein Großer in den Schwertkampf. Machst die Türme kaputt, die er für dich baut. Klaust ihm seine Bausteine, auch wenn er das gar nicht mag. Und spielst mit seinen Playmobilrittern, als ob es deine sind. Es wird wohl auch nicht mehr lange dauern, dann kletterst du selbst zu ihm aufs Hochbett, an der Leiter stehst du ja schon. Seitdem du bei deinem Bruder im Zimmer schläfst, schläfst du auch länger. Strahlst ihn am Morgen an, auch wenn er noch ganz morgenmuffelig ist. Doch diese Muffeligkeit verfliegt dann meistens sehr schnell.

  
Du bist ungeduldig, wenn du dein Essen nicht sofort bekommst. Wenn du deine Milch nicht sofort bekommst. Wenn du irgendwas nicht sofort bekommst. Du liebst dein Mittagessen. Dabei ist es dir egal, welches Gemüse es gibt, du magst bisher alles. Selbst Spinat verdrückst du in großen Mengen. Wie dein Bruder liebst du Fisch. Im Urlaub hast du mir regelmäßig den Kibbeling vor der Nase weggefuttert.

Du findest Tauben toll. Und Enten. Und Möwen. Du liebst das Meer, auch wenn es dir ein bisschen kalt ist und Sand. Auch im Mund. Am liebsten jedoch räumst du die Küchenschränke aus. Die Schüsseln und Töpfe und Plastikdosen.

Du bist wundervoll. Und jetzt also ein Jahr alt.

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