3. November 2016

„Geh lieber noch nicht zu Bett, sagt die Kollegin. Es ist halb elf Ortszeit, doch mein Körper kann nicht mehr, nach 22 Stunden auf den Beinen braucht er eine Pause und deshalb liege ich nun im Bett und versuche mich mit dem Schreiben dieses Textes noch ein wenig wach zu halten. 

Wenn man so kurz vor der US Wahl auf dem Weg nach Washington unterwegs ist, ist es sehr einfach mit Menschen ins Gespräch zu kommen. Das fängt mit dem kleinen Sohn an, der, während ich die letzten Dinge in meine Tasche packe, fragt, ob ich heute nach Amerika reise (und ob er mit darf). 

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Im Zug nach Frankfurt sitze ich neben einer Frau aus der Finanzbranche, die sich sogleich besorgt zeigt, sollte Donald Trump die Wahl gewinnen. Sie geißelt zudem den Einfluss von Hedgefonds auf politisches Geschehen wie im Fall von Griechenland und fragt sich, in was für einer Welt ihre Kinder immer leben werden, wenn all die Werte die ihr wichtig sind derzeit erschüttert werden.


Im Flieger sitzt neben mir ein US-Soldat, der gerade auf dem Weg nach Hause ist. Washington ist für ihn nur ein Zwischenstopp, am Ende seiner Reise wird er fast zwei Tage unterwegs gewesen sein. So lange dauert es von Afghanistan nach Florida reisen möchte. „Wie ist die Lage in Afghanistan?“, frage ich. „Worse“, antwortet er nur und will aber nicht ins Detail gehen. Eine verrückte Wahl sei das in diesem Jahr fügt er später noch hinzu.

Der Taxifahrer ist ja deutlich positioniert. Er ist ein Immigrant und werde Hillary Clinton seine Stimme geben. So wie die meisten Ausländer sagt er. Mr. Trump ist crazy, fügt er hinzu. Seine Wortwahl fällt mir auf: Während er von Mr. Trump erzählt und die gute Wirtschaftslage während Bill Clintons Ära lobt, spricht er immer von Mister Trump und Mister Clinton. Redet er von der jetzigen demokratischen Kandidaten sagt er „Hillary Clinton“. Vier Stimmen werde er ihr geben, die seiner Frau, seiner beiden Söhne und seine eigene. „So bekommen wir das schon hin“, gibt er sich optimistisch. 

Und während die anderen alle beim Termin in der deutschen Botschaft sind, treffe ich im Hotel ein. Nachdenklich. Und neugierig.

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