DLD19: So war Tag 2


Quelle: Richard Gutjahr

Ich habe den zweiten Tag genutzt, um möglichst viele Sessions zu verfolgen – Inspiration pur. Manchmal hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht, aber alles in allem war das wirklich ein guter Tag.

Der Überraschungsgast des Tages war für mich Diego Piacentini, der nach Karrieren bei Amazon und Apple nach Italien zurückkehrte und die italienische Regierung in Sachen Digitalisierung berät. Fun Fact Nummer 1: Wenn wir wollen, dass wir in 2030 alle wichtigen Aktivitäten rund um die public administration in einer App lösen wollen, dann müssen wir jetzt anfangen, diese zu entwickeln. Fun Fact Nummer 2: Der deutsche Staat ist genauso undigital wie der italienische, nur funktioniere bei uns der analoge Part. Super Humor der Mann, total hands on – das hat richtig Spaß gemacht. (Talk bei Youtube)

Der Preis für den zweitunterhaltsamsten Talk (more to come weiter unten) geht an Rachel Botsman, die mich mehrfach dazu brachte, wirklich laut aufzulachen – richtig gut gemacht. Muss man sagen. Sie sprach über „The Currency of Trust“, machte das ganze wunderbar interaktiv und war das perfekte Vorprogramm für Sheryl Sandberg. (Talk bei Youtube)

Vertrauen, darum ging es auch Sheryl Sandberg. Denn nach dem sehr turbulenten Jahr 2018 hat Facebook so einiges gut zu machen und schickte Sheryl Sandberg auf die Bühne. Perfekt gestylt, gekleidet und vorbereitet betrat sie die Bühne und spulte ihre Rede herunter. Was mich beeindruckte: Wie schwer das Publikum es Sandberg machte – kein Klatschen zwischendurch, keine Reaktionen zu kleineren Jokes. Da saß ein Publikum, das beinahe verletzt schien und jetzt mal hören wollte, was die Frau aus Amerika mitgebracht hatte. Die Rede war gut – keine Frage – aber sie war ein Monolog. Schade, denn eigentlich wäre ein Dialog notwendiger. Ich würde mir wünschen, wenn es dazu noch kommt. Und dennoch: Was für eine beeindruckende Frau, diese Sheryl Sandberg.

Wer tiefer einsteigen will, dem empfehle ich den Text bei t3N und meinen ehemaligen Kollegen vom Handelsblatt. (Talk bei Youtube)

Fun Fact aus dem „Workplace of the future“-Talk: Gale Moutrey von Steelcase hat, weil sie so oft unterwegs ist, einen Roboter, der für sie im heimischen Büro an Meetings teilnimmt. Das Plädoyer von Siemens-Frau Janina Kugel, sich nicht nur um die Zukunft von Büroarbeit zu kümmern, sondern eben auch die ganz normalen Arbeiter zu berücksichtigen, fand ich überzeugend. (Talk bei Youtube)

McKinsey-Partner Cornelius Baur pries die Agilität Organisationsform der Zukunft und und beschrieb in seinen Talk die von McKinsey begleitete Transformation der ING in die Agilität. (Talk bei Youtube)

Der Preis für den unterhaltsamsten Talk geht an das Duo Martin Sorrell und Scott Galloway, die launig um Redeanteile der ohnehin knappen 20 Minuten on stage rangen und darüber stritten, ob Sheryl Sandberg oder Mark Zuckerberg nun nach all den Skandalen der vergangenen Monate bei Facebook zurücktreten sollten. Die wichtigsten Thesen: Eigentlich müssten beide gehen. Eigentlich müsste Sheryl gehen, aber keiner traut sich, die Frau rauszuschmeißen. Eigentlich müsste Zuckerberg gefeuert werden – andere CEOs wurden für viel weniger rausgeschmissen.

Spannend zu sehen, dass die beiden Amerikaner doch sehr genau sehen, was in China abgeht.

Die Provokation des Tages stammt von Scott Galloway: „Twitter, Pinterest, Buzzfeed, Vox, Refinery29, Vice – they are all out of business, they just don’t know it yet.“ Antwort von Martin Sorrell: „You didn’t mention Snap.“

Diese beiden Männer und Stage haben das Zeug für ein regelmäßiges Format.
(Talk bei Youtube anschauen)

Wen ich leider verpasst habe: Wolfgang Ischinger, den Leiter der Münchener Sicherheitskonferenz, der laut Twitter große Sorgen um Europa macht: „Europe falls apart on almost every issue. If the EU wants to take its destiny in its own hands, it will need to introduce decision making by majority vote.“
(Talk bei Youtube)

Noch ein paar Gedankenfetzen des Tages:

1. Der heutige Tipp fürs Leben: Irgendwas kommt immer. Die Frage ist halt nur was.
2. Der Talk über AI-Superpowers muss der Hammer gewesen sein.
3. 83 Prozent des Leitungswassers beinhaltet Plastik.
4. Es gibt so viele sehr beeindruckende Frauen. Meine Edition vom 20.1.: Rachel Botsman, Viviane Reding, Claudia Nemat, Janina Kugel, Sheryl Sandberg.
5. Bis 2025 wird das Smartphone verschwunden sein. Quelle: Accenture-Guy.
6. Über die Zukunft des Fliegens nachdenken: Airbus hat da ein paar spannende Fakten genannt. Und so richtig mag ich über pilotenfreie Flugzeuge – den Rest regelt KI – nicht nachdenken.
7. Apfelstrudel geht immer.

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