Sagt der Wessi zum Ossi: „Wir sind ein Volk!“ Lächelt der Ossi: „Wir auch.“

„Berliner Verlag: Kaufen sich zwei Ostberliner eine Zeitung“ titelt ZEIT ONLINE in einem Artikel über den Verkauf des Berliner Verlags an ein Unternehmerpaar. „Sie gelernte Bürokauffrau, er gelernter Werkzeugmacher“ geht es weiter, obwohl ein paar Zeilen später klar wird, dass beide studiert haben, in angesehenen und international agierenden Unternehmen gearbeitet und offenbar nicht allzu unerfolgreich gegründet bzw. Geschäfte in Unternehmen geführt haben.

Und ja, vielleicht liegt es an meinem eigenen Lebenslauf, dass mich dieses Spiel mit Stereotypen und Vorurteilen so kurz vor dem 30. Jahrestag des Mauerfalls dann doch ein wenig traurig stimmt. Nicht erst die letzten Landtagswahlen haben gezeigt, wie tief gespalten unser Land noch immer ist, dass wir einander nicht verstehen und vielleicht auch nicht verstehen wollen.

Die „Berliner Zeitung“ hat am Mittwoch ein Interview mit seinen neuen Eigentümern geführt, dass ich dir ans Herz lege. Über das Zitat „Wir machen das nicht aus einem Mäzenatentum, sondern aus einem bürgerlichen Engagement heraus und weil unser Ehrgeiz angestachelt ist“ habe ich eine Weile nachgedacht. Ich bewundere den Mut der beiden, in diesem wirklich schwierigen Berliner Medienmarkt mitmischen zu wollen und würde mir wirklich wünschen, dass ausgerechnet ein branchenfremdes Unternehmerpaar aus dem Osten Berlins diejenigen sind, die ein Geschäftsmodell für lokalen bzw. regionalen Journalismus im digitalen Zeitalter finden.

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