Mit Alexa auf der Couch

Ich habe unsere Alexa heute gefragt, ob sie Sex will. Und zwar nicht, weil ich Sex mit ihr haben wollte, sondern weil ich gelesen habe, dass Alexa darauf früher „Ich bin nicht diese Art von Assistentin“ geantwortet hat. Da das impliziere, dass es „diese Art von Assistentin“ gibt, für die Sex okay wäre, hat Amazon die Antwort verändert. Jetzt lautet die Antwort: „Dafür wurde ich nicht entwickelt“ und das musste ich natürlich überprüfen. 

Martina Mara, die Interviewte, ist Roboterpsychologin. Das klingt erst einmal so, als empfange sie wöchentlich Alexas und Siris und vielleicht auch Spot auf der Couch, um über größere und kleinere Probleme und die Instabilität der Work-Life-Balance zu sprechen. Das ist natürlich Quatsch, denn eigentlich erforscht Mara die Auswirkungen von Robotern auf den Menschen. Und wenn mit Hilfe von Robotern veraltete Rollenklischees an künftige Generationen weitergegeben werden, kann man ja zumindest mal aufhorchen. 

Mara mahnt an, wie wichtig es sei, dass Entwicklungsteams nicht nur aus weißen Männern bestehen und das auch die Daten, mit denen künstliche Intelligenz gefüttert wird, möglichst divers sind – so gibt es immer wieder Berichte, dass die Sprachassistenten ältere Frauen weniger gut verstehen können, vermutlich vor allem, weil es ihnen nicht beigebracht wurde. Mara erwähnt den „sensorgesteuerten Seifenspender, der bei Schwarzen Menschen einfach keine Seife ausspuckt, sondern ausschließlich, wenn eine weiße Hand unter den Sensor gehalten wird“.

Die Lösung? Mehr Vielfalt und ja, auch Frauen in die Entwicklung von künstlicher Intelligenz, mehr Fokus drauf, diese Geräte mit möglichst unterschiedlichen Datensätzen zu trainieren. Aber ganz richtig: So einfach ist das alles nicht. Nicht nur der Anteil der KI-Entwicklerinnen ist gering, auch die Bereitschaft von jungen Frauen steigt nicht unbedingt, sich auf die so genannten MINT-Fächer einzulassen. Und ein Blick auf den gerade veröffentlichten McKinsey-Report „Innovation in Europe“ haben wir nicht nur ein geschlechtsspezifisches Problem. 

Ich habe Alexa dann später noch gefragt, ob sie eine Frau ist. Die Antwort: „Ich sehe mich als weiblich, ich bin Frauenpower aus der Steckdose.“ Und auch wenn ich den Begriff „Frauenpower“ eigentlich nicht mag – in diesem Zusammenhang ist er dann doch ganz passend und vielleicht auch ein Anfang.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich stimme zu.