Neues macht Angst

Neulich fühlte ich mich ertappt: Monatelang hatte mir mein Mann in den Ohren gelegen, dass er gerne einen neuen Fernseher anschaffen wollte. Und monatelang habe ich ihn hingehalten: Das neue Ding würde viel größer werden, schon wieder eine Umgewöhnung in Sachen Fernbedienungen (noch eine mehr?!) bedeuten und sowieso nicht richtig ins Wohnzimmer passen (gibt ja nix Kleines mehr!). Ich hatte jede Menge Ausreden parat! Und dann war das neue (sehr große!) Gerät da. Wir räumten ein wenig um und es war am Ende gar nicht schlimm, sondern sogar besser: Aus drei Fernbedienungen wurde sogar nur eine. Du ahnst schon, warum ich mich ertappt fühlte: Einerseits mache ich seit Jahren Menschen Mut, sich auf neue Abläufe, Kanäle und Arbeitsweisen einzulassen, andererseits hadere ich monatelang mit der Entscheidung für einen neuen Fernseher. Was für ein Witz!

Auch die derzeitige Hysterie in Bezug auf diesen neuartigen Corona-Virus ist ein Ausdruck von Angst, Angst vor dem Unbekannten. Eine Angst, die wiederum zu irrationalen Handlungen führt. Zum Beispiel Hamsterkäufe, obwohl es Lieferdienste gibt. Hyperventilierenden Medien, die stündlich die Zahl der positiv auf Corona getesteten Menschen per Eilmeldung an ihre Leser bringen, ohne richtige Einordung zu liefern. Veranstaltungen werden abgesagt, obwohl das Corona-Virus lange nicht so ansteckend wie Masern ist. Hinzu kommt, dass der Krankheitsverlauf bei den meisten Infizierten bisher so mild verläuft, dass diese die Symptome nicht einmal als solche bemerken. Und ja: Das Robert-Koch-Institut schätzt die Sterblichkeit auf 0,3 bis 0,7 Prozent, dreimal so viel wie bei der Grippe. Das liegt aber auch daran, dass bisher nicht flächendeckend, sondern nur Risikogruppen und schwer Erkrankte getestet wurden. 

Natürlich vergleiche ich hier Äpfel mit Birnen und an einem neuen Fernseher werden vor allem ältere und kranke Menschen auch nicht sterben können, wie es bei der Lungenkrankheit Covid 19 der Fall ist. Dennoch könnten wir versuchen, verantwortungsvoller und weniger irrational mit diesem Neuen umzugehen: Auch im Kampf um die Aufmerksamkeit sollten Medien, ihrer Verantwortung, die sie als vierte Gewalt im Staat haben (wollen), stets gerecht werden (Offtopic, aber WTF!). Zweitens: Eigenes Hinterfragen und Medienkompetenz ist wichtiger denn je, auch und vor allem bei Medien selber. 
Und drittens: Mithelfen, den Virus auszubremsen. Indem wir Abstand halten, ohne auszugrenzen, in Armbeugen husten und niesen, enge, schlecht belüftete Räume meiden und Hände waschen. Apropos!

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