Medienkompetenz für alle

Ich erinnere mich nicht an DEN einen Moment, aber wenn ich darüber nachdenke, warum ich mich während meines Studiums darum bemüht habe, irgendwas mit Journalismus zu machen, dann haben die Lehrenden an meiner damaligen Schule schon einen Beitrag dazu geleistet. Nachrichtenkompetenz zu vermitteln, stand da durchaus auf der Tagesordnung. Ein Lehrer gab uns FAZ-Artikel, der andere bevorzugte die SZ und fotokopierte immer wieder Artikel, die wir dann im Unterricht besprachen. In einer der höheren Klassen nahmen wir dann auch am FAZ-Projekt „Jugend schreibt“ teil und erhielten somit ein Jahr lang die FAZ-Papierberge nach Hause.

Umso mehr haben mich in den vergangenen Tagen die Ergebnisse einer Umfrage erschrocken, nach der Lehrende in bestimmten Teilen Deutschlands das Vermitteln von Nachrichtenkompetenz als nicht allzu wichtig einordnen, selbst ein verzerrtes Bild des deutschen Mediensystems haben und vor allem im Osten Deutschlands Medien kein großes Vertrauen entgegen bringen. Immerhin 19 Prozent der Lehrkräfte glauben sogar, dass Nachrichten, die eigentlich wichtig seien, verschwiegen werden und nur in sozialen Netzwerken zu finden sind.

In der Pressemitteilung bezeichnet Dietmar Wolff, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Digitalpublisher und Zeitungsverleger, die Ergebnisse als besorgniserregend und fordert „gerade in Zeiten von Corona“ gut ausgebildetes Lehrpersonal, „das flexibel auf Informationsbedürfnisse reagiere“. Nachrichtenkompetenz sei für ihn eine Schlüsselkompetenz. Dem kann man nicht widersprechen. In der taz wünscht sich Wolff eine regelmäßige Fortbildung der Lehrkräfte.

Den Punkt finde ich spannend: Auch wenn die Verlage mit Programmen wie „Jugend schreibt“ natürlich vor allem den Nachwuchs für den Journalismus begeistern wollen und das Vermitteln von Medienkompetenz eher mitgeliefert wird, wäre ein „Lehrkraft schreibt“ bei der FAZ oder eine Lehrenden-Version der Texthelden bei der Rheinischen Post zumindest eine Idee, wie man Medien- und Nachrichtenkompetenz vermitteln könnte. Auch wenn diese Programme natürlich den bitteren Beigeschmack haben, vor allem die geschriebenen Medien – ob gedruckt oder digital – kompetent zu nutzen.

Wichtig wäre aus meiner Sicht aber auf jeden Fall ein Umdenken. Denn wenn der Fokus in der Debatte um die Vermittlung von Medienkompetenz bisher vor allem auf den Kindern und Jugendlichen liegt, sollten so schnell wie möglich auch Erwachsene und vor allem Lehrende berücksichtigt werden.

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