Inspirieren wie Kafka

Ich bin in meiner Sommerpause, war an der Nordsee, um etwas genauer zu sein, mitten im Grün. Wenn ich aus dem Küchenfenster schaute, sah ich ein Kornfeld, Weizen um genau zu sein. In der Ferne sah ich den Deich und manchmal fuhr dort ein „Turm“ vorbei, der zu einem der großen Schiffe gehörte. Für mich war das in diesem Jahr nicht nur ein Sommerurlaub, sondern auch eine Reise zurück in die alte Heimat, denn hier habe ich meine Jugend verbracht, Abitur gemacht.

Apropos Abitur, mein Deutsch-Abitur habe ich über Franz Kafka geschrieben, den ich in den vergangenen Wochen wiederentdeckt habe. Grund: Nachdem ich im Buchladen gehört hatte, dass dort das Buch „Die Kakerlake“ von Ian McEwan empfohlen wurde, in dem eine Kakerlake in den Körper des britischen Premierministers Jim Sams schlüpft, um mal eben das Wirtschafts- und Gesellschaftssystem umzudrehen. Wer Satiren mag, wer wissen will, wie die Kakerlake das anstellt und welche Rolle die deutsche Bundeskanzlerin dabei hat, dem empfehle ich die Lektüre.

Du ahnst nun vermutlich bereits, was das ganze mit Kafka zu tun hat. Denn vor knapp 100 Jahren ist „Die Verwandlung“ erschienen, in der ein junger Mann namens Gregor Samsa sich in einen Käfer verwandelt und das Leben seiner Familie sagen wir mal vorsichtig ziemlich durcheinander bringt.

Was mich nach der Lektüre so beeindruckt hat? Vor allem die Kraft, die ein 100 Jahre altes Buch noch haben kann, so dass selbst Autoren wie Ian McEwan diese in ihren aktuellen Werken huldigen. Die Aktualität, denn Kafka spricht Dinge an, die uns natürlich auch heute noch beschäftigen und die durch die Corona-Krise aktueller denn je erscheinen. Welche Rolle spielt Familie in deinem Leben? Was ertragen wir, weil Familienmitglieder hinter bestimmten Handlungen stecken? Welche Rolle spielt Arbeit in deinem Leben? Welche Werte sind dir wichtig und wie sehr vertrittst du sie auch sichtbar?

Eine Frage beschäftigt mich seitdem besonders: Wäre es nicht ebenso faszinierend, wenn es dir gelingen könnte, heute einen Inhalt zu erschaffen, ein Produkt, das deine Nachfahren noch in 100 Jahren inspiriert? Oder müssen wir das auch dann noch Kafka überlassen?

Dieser Text ist zuerst in einer abgewandelten Version in meinem Newsletter erschienen. Abonniere ihn hier.

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