Die zu Beginn gute, aber dann doch seltsame Newsletter-Strategie der Grünen

Am 19. April war ich ein klitzekleines bisschen begeistert zu beobachten, wie geschickt das Kampagnenteam von Bündnis90/Die Grünen in den Wochen davor auf E-Mail-Adressenfang gegangen war. Das Ziel: Am 19. April um kurz vor 11 Uhr in vielen Postfächern der Republik zu landen mit der Botschaft, jetzt doch bitte schnell mal auf Youtube zu gehen, denn da werde die Kanzlerkandidatin verkündet. E-Mail-Lesende wussten mehr. Tolles Best Practice in Sachen Vorteilskommunikation – so kann man jede Menge Adressen einsammeln. 

Tja, seitdem bin ich auf einem Verteiler, über den mich Michael Kellner, der Bundesgeschäftsführer von Bündnis 90/ Die Grünen, seit Start der Kampagne drei weitere Male angeschrieben hat. Am 4. Juni mit der Betreffzeile „Bereit, weil Ihr es seid!“, um mich zu mobilisieren, ins Wahlkampfteam der Grünen zu kommen. Am 12. Juni mit der Betreffzeile „Mit Dir: für die Freiheit, die wir meinen“, um mich auf die Schmutzkampagne gegen Annalena Baerbock hinzuweisen und gleichzeitig um Spendengelder für die Kampagne zu bitten. Gestern kam die bisher letzte Mail mit der Betreffzeile „Das ist Rufmord!“, in der mich Kellner aufforderte, mit seinem Tweet zu interagieren oder in meinen Kanälen meine Solidarität mit Baerbock zu erklären. 

Vier E-Mails, zweimal eine Schmutzkampagne als Anlass. Dabei – nach dem guten Start ins Wahlkampf-E-Mailmarketing – hatte ich mir wirklich mehr erhofft. Also ganz banal: Inhalte zum Beispiel. Würde ich mich nicht eher dazu bereit erklären, in einem Wahlkampfteam mitzuwirken, wenn ich mehr über Werte, Haltung und Ziele erfahren würde? Wäre ich nicht bereiter, Geld zu spenden FÜR die gute Sache als gegen eine Kampagne gegen die Spitzenkandidatin? Isses wirklich damit getan, ein Zitat von Christian Schertz zu lesen und ein bisschen herumzutwittern? Eigentlich schade, dass die Grünen so wenig mit meiner E-Mailadresse anzufangen wissen. Und keine Sorge: Für die Ausgewogenheit abonniere ich gleich einmal die Newsletter der anderen Parteien.

(Der Text war Teil meines Newsletters. Hier kannst du ihn abonnieren.)

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