10 Dinge, die den März schön gemacht haben

13 Jahre Muttersein
  1. 13 Jahre Mutter sein. Hätte man mich vor 13 Jahren gefragt, was sich durch das Muttersein verändern würde, ich hätte geantwortet: nichts. Zum einen, weil es schwer vorstellbar ist, wie ein Leben mit Kindern ist, wenn man keine Kinder hat. Zum anderen, weil ich fest davon überzeugt war, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf schon funktioniert. Wenn man denn will, dass es funktioniert.

    13 Jahre später hat sich meine Sicht darauf zumindest ein wenig verändert. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf kann funktionieren, wenn Frau und Mann wollen, dass sie funktioniert. Aber es gibt eben auch Dinge, die Frau, Mann und Kinder nicht in der Hand haben. Und das sind vor allem Faktoren, die unser gesellschaftliches Miteinander betreffen.
    „Geht das denn überhaupt mit Kind?“
    „Die will doch bestimmt kürzertreten.“
    „Jetzt hat sie doch dafür keine Zeit mehr.“
    „Warum kommt eigentlich immer nur der Mann?“
    „Die ist ja ständig unterwegs. Wie kann sie da für ihre Kinder da sein?“
    „Kein Wunder, dass sie ständig krank ist.“

    Vollberufstätige Mütter brauchen mindestens ein gutes, wertschätzendes Umfeld und ein dickes Fell.
  2. Fahrradtouren mit dem kleinen Sohn. Endlich Frühling.
  3. Konzerte in der Wohnung. Ich liebe es, wenn ich in der Küche stehe und im Kinderzimmer die Gitarre höre. Höre, wie der Sohn immer wieder diese eine Passage spielt, damit sie ihm endlich gelingt. Und wie er, voller Stolz, dann zum Vorspielen kommt und auch ein bisschen stolz ist, wenn ich ihn dabei filme.
  4. Seit Wochen, nein, Monaten hat sich dieses eine Projekt gezogen, weil entweder noch eine weitere Anforderung dazu kam, oder technische Lösungen her mussten, die wir zunächst recherchieren mussten. Und wie befreiend dieses Gefühl, endlich die Abschlussrechnung schreiben zu können.
  5. Ich habe Sophie Passmann das erste Mal bei den Goldenen Bloggern getroffen, es war 2017 in Berlin und seitdem verfolge ich, was sie so treibt. Mal intensiver, mal weniger intensiv und als mich eine Freundin fragte, ob ich nicht mitkommen wolle ins Schauspielhaus zu einer dieser „Düsseldorfer Reden“ sagte ich natürlich sofort zu. Wir erlebten eine Sophie, die klug und gewitzt über Humor spricht und am liebsten hätte ich die Rede aufgezeichnet und sie mir noch mal in 0,8facher Geschwindigkeit angehört, weil soviel Gutes dabei war, das ich in der vorgetragenenen 1,5fachen Geschwindigkeit gar nicht alles erfassen konnte.
  6. Bochum. Zum ersten Mal dort gewesen. Keine Currywurst gegessen.
  7. Indisch gekocht und zwar mehrfach und so langsam bekomme ich ein Gefühl für Timings in der Zubereitung von begleitendem Reis und Naanbrot. Aber um hinter das Geheimnis von perfekt gekochtem Reis zu kommen, muss ich wohl noch ein paar Mal üben.
  8. Buchclub. Ich liebe es, wenn ich durch den Austausch über Bücher noch einmal eine andere Perspektive auf das Buch bekomme und Lust bekomme, ein Buch direkt noch einmal zu lesen. Plus: Die anderen Werke der Autorin Claire Keegan sind jetzt auf der Will-ich-lesen-Liste gelandet!
  9. Fünf Tage allein zu Hause. Wenn du zunächst darüber nachdenkst, ob das wirklich eine gute Idee ist, du zwischendurch entschlossen bist, doch der Familie hinterherzufahren und am letzten Tag der Meinung bist, dass ein Tag länger jetzt auch noch ginge.
  10. 86 Tage italienisch. Hätte nicht gedacht, dass mir das Lernen dieser Sprache so viel Spaß macht.

Gelesen

Muskelfaserrissbedingt habe gerade gegen Ende des Monats viel Zeit auf dem Sofa verbracht und viel gelesen.

Elizabeth Strout – Die Unvollkommenheit der Liebe: Teil 1 der Lucy-Barton-Reihe und ja, in diesem Buch geht es um die Unvollkommenheit der Liebe, aber warum muss das der Titel dieses Buchs sein? Im Englischen heißt das Buch „My name is Lucy Barton“ und ich empfinde ihn als den besseren Titel, weil wir hier verstehen, wer diese Lucy ist, die nach langer Zeit ihrer Vergangenheit begegnet, derer sie sich geglaubt, entledigt zu haben. Lucy liegt im Krankenhaus und die Mutter kommt und wacht ein paar Nächte an ihrer Seite. Die reden über vieles und doch nicht explizit über das, was zwischen ihnen liegt. Der Schmerz, die Fragen, die Wut. Weil es eben die eigene Mutter ist. 

Ein tolles Buch über die Liebe von Töchtern zu ihren Müttern und umgekehrt, die unvollkommene Liebe, trotz Verletzungen und Misshandlungen in der Kindheit. Ein tolles Buch und ein toller Start in die Reihe von Elizabeth Strout.

Elizabeth Strout – Alles ist möglich: Teil 2 der Lucy-Barton-Reihe und hier erfahren wir ganz viel über die Leben der Menschen, die im ersten Buch kleine Nebenrollen hatten, aber alle irgendwie einen Bezug zu Lucy Barton haben. Menschen aus ihrer Kindheit und Jugend, die Hass, Neid, Einsamkeit, Wut und Liebe erleben. Es sind Familiengeschichten. Und dann taucht auch Lucy nach 17 Jahren wieder in ihrer Heimatstadt auf, die sie geglaubt hat, hinter sich gelassen zu haben. Tolles Buch, man hätte auch mit diesem Buch in diese Reihe starten können.

Elizabeth Strout – Oh William!: Im dritten Teil der Reihe lernen wir William kennen, den ersten Ehemann von Lucy Barton, der sie betrogen hat und von seiner dritten Frau verlassen wird, mit der er noch einmal ein Kind hat. Wie viele ältere Männer interessiert er sich für seine Vergangenheit und macht dabei eine Entdeckung, die sein Leben nochmal ziemlich auf den Kopf stellt. Gemeinsam mit Lucy begibt er sich auf eine schmerzhafte Spurensuche. Hab ich auch sehr gemocht.

Elizabeth Strout – Am Meer: Der vierte und vorerst letzte Teil der Lucy-Barton-Reihe, der 2020/2021 spielt, als auch in den USA Lockdowns waren und gerade in New York viele Menschen an der Krankheit starben. Lucys Ex-Mann William sorgt dafür, dass seine Lieben New York verlassen, bevor die Pandemie zu sehr wütet. Gemeinsam mit Lucy mietet er ein Haus am Meer in Maine. Es ist eine Geschichte des Annäherns, des Verarbeiten von Trennung und Tod des Mannes, eine Geschichte über die Angst, die lieben Menschen im Leben womöglich schneller zu verlieren, als einem lieb ist. Und es ist eine Geschichte der Reflexion über das Leben, über Kompromisse, die man eingeht.

Gehört

Neben den üblichen Podcasts war mein absolutes Highlight in diesem Monat „Kleine Dinge wie diese“ von Claire Keegan. Das Hörbuch, gelesen von Stefan Wilkening, gibt es auf Spotify und das Buch auch gerade mal 116 Seiten umfasst, war es auch nicht sonderlich lang. Aber sowas von intensiv.

Es handelt vom Kohlenhändler Billy Furlong, der in einer kleinen Stadt in Irland lebt und hart arbeitet, um seine Familie zu versorgen. 1985 herrschen wirtschaftlich schwierige Zeiten in Irland. Die Kirche spielt eine wichtige Rolle im Leben der Stadtbewohner und entscheidet darüber, wer gute Bildung genießt und wer nicht. Als Billy bei seiner morgendlichen Kohlelieferung ans Kloster eine zutiefst verstörende Entdeckung macht, muss er eine Entscheidung treffen, die mit der großen Frage zusammenhängt, wie wir miteinander leben wollen. Wovor man die Augen verschließt, und wo das nicht mehr möglich ist.

Dankbar gewesen, dieses intensive Hörerlebnis im Nachgang im Buchclub besprochen haben zu können. Einfach, weil es nochmal andere Perspektiven gebracht hat. Denn mit katholischer Vorbildung lassen sich da noch viele Anspielungen erkennen. Und der schönste Impuls kam von V., die mir einen Tag nach dem Buchclub in einer Sprachnachricht den Impuls gab, auch über das Ende nochmal ganz anders nachzudenken.

Geschaut

Die Endlich-Wittwer-Reihe mit Joachim Krol. Unterhaltsam.

Kungfu Panda 4: Mit den Jungs im Kino. Mit Popcorn und einer Lebensweisheit: Jeder Schritt hinterlässt einen Abdruck und sei er auch noch so klein.

Kafka: Tolle Miniserie in der Mediathek, die extrem gut besetzt ist. Plus: Das Drehbuch stammt von Daniel Kehlmann. Alles höchst anspruchsvoll mit vielen kleinen Anspielungen, die man wohl nur als Kafka-Kenner deuten kann. Ich hab’s trotzdem geliebt, aber ich lieb ja auch Kafka.

Und sonst so: Noch 29 Tage bis zu den Goldenen Bloggern. Du willst live dabei sein? Tickets gibt’s hier.

Und so war der Februar.

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