Goldene Blogger Quartett: Ein Gespräch mit dem Volksverpetzer

Es gibt sie die Helden im Internet. Die, die Fakten aufdecken, Verschwörungstheorien aufklären, gegenhalten. Einer davon ist Thomas Laschyk. Er betreibt seit 2015 das Blog Volksverpetzer. Während er sich damals vor allem mit Unrichtigkeiten und Stimmungsmache in Bezug auf Geflüchtete und Politik beschäftigt hat, ist er seit einigen Wochen nun damit beschäftigt, verdrehte Fakten rund um die Corona-Pandemie aufzuklären. Und davon gibt es derzeit genug. Die Themen werden abgedrehter, sagt Laschyk und auch, dass es gefährlicher werde. In seinem aktuellen Instagram-Post erklärt er, dass er noch nie so viele Beleidigungen, Hassmails und Bedrohungen erhalten habe wie derzeit. 

Eine Stunde lang sprechen wir in unserem „Goldenen Blogger Quartett“ mit Thomas Laschyk. Wie alles entstanden ist und darüber, wie es weiterging und was passierte, nachdem der Volksverpetzer im März zum Blogger des Jahres gewählt wurde.

Wir sprechen darüber, wie Social-Media-Kanäle zu Brandbeschleunigern werden können. Das ist nicht neu, nur dass der Messengerdienst Telegram dabei mittlerweile eine größere Rolle spielt. Messengerdienste fungieren dabei quasi als ‚Hochfrequenznewsletter’ – was für ein treffender Begriff. 

Verschwörungstheorien machen süchtig, sie reduzieren Komplexität, wecken gleichzeitig den Spieltrieb, Rätsel werden gelöst, Menschen wollen mehr davon. Nur eine gute Geschichte gibt den richtigen Kick. Sie leisten einen Beitrag, das Leben zu meistern, geben Orientierung. Und für alle Internetkritiker: Verschwörungstheorien gibt es schon immer, das Internet begünstigt nur die Verbreitung. 

Laschyk setzt sich mit seinem Team tagtäglich mit diesen Phänomenen auseinander, recherchiert, be- und widerlegt und hält aus. Das kommt auch in unserem Gespräch rüber. „Es ist in Ordnung, pointiert zu sein“, sagt er ganz nebenbei und beschreibt dabei ganz nebenbei, wie gutes Storytelling funktioniert: Fakten alleine liest keiner, es kommt drauf an, diese in Geschichten zu verpacken. 

Warum ich das schreibe? Weil ich dir diese Stunde Talk mit Thomas Laschyk wirklich ans Herz legen will. Bei Youtube kannst du das Gespräch anschauen.

Die Podcast-Version folgt in den kommenden Tagen. 

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Liest du noch oder scannst du schon?

Alle paar Jahre wird untersucht, wie im digitalen Raum gelesen wird. Natürlich hat sich das in den vergangenen Jahren verändert – zum einen wird digital weniger gelesen, zum anderen haben neue Geräte Einfluss ausgeübt. Spannend ist allerdings: In den vergangenen 23 Jahren, seit dem wir digital lesen, haben sich unsere Gewohnheiten kaum verändert: Immer noch scannen wir Texte eher, als das wir sie wirklich intensiv lesen. Zu diesem Schluss kommt die Nielsen Norman Group, die das in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder untersucht hat im neuesten Report „How people read online„. Natürlich hat sich die Art des Scannens verändert, aber grundsätzlich tun wir dies eben immer noch. Und damit du nicht den kompletten Text lesen bzw. scannen musst, gibt’s hier schön zugespitzt die wichtigsten Erkenntnisse:

Erstens: Menschen lieben Gewohnheiten und wollen online nicht das Gefühl haben, Zeit zu verschwenden. Tipp: Bereite Inhalte so auf, dass der Lesende nicht bemerkt, dass er Zeit verschwendet. Achte auf Kriterien wie Relevanz, Spannung und vermeide Rumgeschwafel.

Zweitens: Strukturiere deine Inhalte mit Zwischenüberschriften, um Inhalte in konsumierbare Häppchen zu teilen. Gleichzeitig unterstützen sie den Lesenden beim Scannen – , er kann so schneller die Aspekte im Text findet, die ihn interessieren. (Mir hilft dabei auch immer das Prinzip des F-Schemas im Kopf zu haben, das ebenfalls immer noch seine Gültigkeit hat, trotz mobilem Shift.)

Drittens: Strukturiere Texte so, dass die wichtigsten Informationen jeweils zu Beginn von neuen Abschnitten kommen UND/ODER in Sonderelementen wie beispielsweise Aufzählungen oder Fettungen. Augen können gelenkt werden, auch beim Scannen.

Viertens: Einfache, klare Sprache, wenig Verschachtelungen.