Blaues Auge

Donnerstag gab es nur Schmerzen. Freitag dann Schmerzen mit dem Anschwellen der rechten Wange. Hamsterbacken. Heute bemerkte ich dann bereits beim Aufwachen eine neue Veränderung. Nicht nur, dass die Wange noch dicker geworden ist, nein, auch mein rechtes Auge fühlte sich seltsam matschig an. Beim Blick in den Spiegel war dann klar: Es muss einen nächtlichen Boxkampf gegeben haben. Ein blau unterlaufenes Auge, dazu das Dröhnen des Kopfes. Der letzte Schlag, der saß.

Update

Pausbäckig.

Wie es mir geht, wollte sie wissen und ich konnte mir das Grinsen nicht verkneifen. ‚Großartig. Ich freu mich riesig, dass Sie da jetzt in meinem Mund rumwühlen wollen‘, nahm Platz und wartete auf mein Schicksal. Auf ans Werk. Schon war ich mit einem grünen Tuch bedeckt, die grelle Lampe auf mich gerichtet und der Bohrer gezückt. Nichts hätte ich mir in dem Moment lieber gewünscht, als furchtbar laute Musik auf den Ohren, so dass ich dieses bohrende Geräusch nicht hören muss.
Jetzt warte ich auf das Nachlassen der Spritze, die ganz hervorragende Arbeit geleistet hat, so dass ich mich gleich mit Schmerztabletten betäuben kann. Um dann darüber nachzudenken, ob in ihrer Stimme nicht doch eine Prise Zynismus versteckt war, als sie mich mit den Worten ‚Gute Besserung‘ verabschiedete. Denn sie allein ist doch Schuld daran.

Angst

„Hast du eigentlich Angst?“ Ich weiß nicht, wie oft mir gestern eben diese Frage gestellt wurde. „Ja“, wollte ich antworten, „jetzt schon. Danke der Nachfrage.“ Schön auch, wenn aus dem Gegenüber dann gleich die eigene Zahnziehgeschichte sprudelte. Kurz gefolgt von besonders schönen Kommentare wie „Wie, nur örtliche Betäubung?“

Nein. Die rechten Weisheitszähne gehen heute. Nachmittags. Und ja. Mittlerweile macht sich Aufregung breit. Gemischt mit ein wenig Angst. Jetzt habt ihr mich soweit.

Alphabet

Vater

Selten sind diese offenen Gespräche zwischen Vater und Tochter. Eigentlich nie am Telefon. Höchstens mal bei einer Abendzigarette oder damals, als er mich allein in Berlin besuchte. Fast rührend deshalb seine tröstenden Worte. ‚Such dir so einen wie mich.‘ Und so verzeih ich sogar meiner Mutter, die nur Sätze wie ‚Da musst du jetzt alleine durch‘ und ‚Es kommen auch wieder bessere Zeiten‘ für mich übrig hatte.

Die mit dem Kies

Nee, is klar: Wer nach Alicia Keys sucht, gibt bei Google auch gerne diese Worte ein: alischa kies.

Verletzt. Traurig. Und auch sehr wütend. So sieht es gerade in mir aus.

Hamburg

Zwei Tage Hamburg. Regen. Die Frisur sitzt.

Bravo-Kritik Teil 5

Seltsam, dass ich mich immer wieder (1, 2, 3, 4) gezwungen sehe, ein Wort über diese Jugendzeitschrift zu verlieren. Andererseits ist es nur ein weiterer Teil in einer immer umfassender werdenen Blattkritik. Lehnen Sie sich zurück und genießen Sie ein paar Worte über die legendäre Foto-Love-Story. Folgendes trägt sich in der aktuellen Ausgabe zu.

Da wünscht sich die süße Marianne (16), die Sonnenbrand, Heavy Metal und Physik gar nicht mag, endlich einen Boyfriend, um bloß nicht als eiserne Jungfrau zu enden. Kaum verschwindet Freundin Chrissie (17), die wiederum – Achtung! Pädagogischer Anspruch Teil 1 – Alcopops und Langweiler nicht mag, zum Schwimmen, kleckst es auch schon auf Mariannes Rücken.
Nein, wer wie ich nun vermutete, dass die schöne Marianne von den Ausflüssen eines Vogels getroffen wurde, irrt. Denn: Der niedliche Mick (17), der übrigens auf beiden Seiten Ohrringe trägt und leider gar nicht auf Zicken, Soaps, Schule und Gemüse steht, hat getropft. Besser gesagt sein Eis benetzte ihren Rücken. Ja, keine schlechte Anmache denkt der Leser, und siehe da, nachdem der erste Ärger verflogen ist (‚Na toll, jetzt fahren sämtliche Wespen auf mich ab‘) wird auch schon wild geflirtet.
Problematisch nur, dass die schöne Marianne, nachdem Mick verschwunden ist, an der „Bar“ nun den Karrieretypen Jonas (19) trifft, der gern das Manager-Magazin liest und ebenfalls sofort auf die brünette Schönheit abfährt.

Was für ein Tag für Marianne – erst keinen Kerl abgekriegt und nun gleich zwei an der Angel. In ihrem jugendlichen Leichtsinn wird sie nun übermütig und kommt auf die wahnwitzige Idee, so zu tun, als ob sie ein Zwillingspaar – Anne und Marie – ist und verabredet sich gleich für den nächsten Tag mit beiden Typen. Damit die Geschichte nun auch an Tiefe gewinnt und zum Schluss auch ein vielschichtiges pädagogisch wertvolles Fazit gezogen werden kann, stellt sich heraus, dass die beiden Jungs nicht nur WG-Genossen, sondern auch Freunde sind. Gute Freunde, die gemeinsam durch dick und dünn gehen.

Der Rest ist schnell erzählt. Marianne alias Marie und Anne trifft sich mit beiden Typen, natürlich wird jeweils gleich geknutscht und just in dem Moment, in dem sich Marianne endlich sicher ist, dass der ohrengepiercte Mick der Traummann ist, läuft sie unbedacht durch dessen Wohnung und begegnet Jonas. Jonas, mit dem sie einige Tage zuvor noch wild in einem „anspruchsvollen, französischen Film“ saß. Das Kino war natürlich leer, der Streifen wirklich zu hoch, weshalb nur noch wildes Knutschen in Frage kam. Aber das erzählte ich ja bereits.

Großartig! Finale, denn die Moral von der Geschicht: Eine wahre Männerfreundschaft lässt sich nicht durch eine Frau zerstören. Hey, das ist nicht abgedroschen, keineswegs, man muss es nur mal klar machen und warum nicht in einer solch von Romantik strotzenden Geschichte? Die Jungs halten natürlich zusammen, so dass die arme Marianne weinen muss, bei Chrissie, und weiter Single ist. Weil sie mit dem Feuer spielte und so gleich beide Typen verloren hat. Schöner kann ein Ende nicht sein. Und damit es auch wirklich jeder kapiert, schreibt Bravo: ‚So ein Spielchen wird sie garantiert nie wieder ausprobieren‘.

Nein, ganz bestimmt nicht, denn daraus hat Marianne gelernt. Und mit ihr tausende Mädchen. Und dann sagt noch mal einer, dass Bravo keinem Bildungsauftrag gerecht wird.