So cool war die re:publica 2018

Teuer, verwirrend, unflexibel: Sky

Ich bin mal wieder auf dem Weg nach Essen und arbeite im Zug meine Leseliste ab. Teuer, verwirrend, unflexibel: Warum der Pay-TV-Ansatz von Sky in der Netflix-Welt ein Auslaufmodell ist. Gute Überschrift, denke ich und muss lachen, als ich beim Draufklicken sehe, dass der Text von meinem Mann stammt.

Gebookmarkt hatte ich mir den Text, weil ich derzeit ein Seminar gebe, in dem es um das Thema „Paid Content“ geht. Zu Beginn des Seminars diskutieren wir dort auch kurz darüber, welche Modelle es derzeit gibt – von Freemium über die verschiedenen Metered-Modelle bis hin zur Spendenfinanzierung – und sprechen auch darüber, warum wir bei der Entwicklung eines Geschäftsmodells für Verlagsinhalte keinen Königsweg gibt. Und diese Überschrift trifft ziemlich gut, was in den vergangenen Jahren schief gelaufen ist. Denn ein Modell, dass einfach nur aus der alten Welt in die neue übertragen werden soll, kann nicht funktionieren. Es missachtet die Bedürfnisse, Nutzungsgewohnheiten der Menschen, ignoriert, dass mittlerweile mindestens 70 bis 80 Prozent der Menschen mobil unterwegs sind. Das E-Paper war doch über Jahre das einzige Angebot, dass Lesern gemacht wurde! Und es ist noch gar nicht so lange her, dass wir, um es überhaupt lesen zu können, auf die Zugangsdaten warten mussten, die einem Tage nach digitaler Abobestellung per Post zugesandt wurden.

Wer den Kunden ignoriert, hat es nicht anders verdient, als es schwer zu haben. Und Sky ist dafür ein ziemlich gutes Beispiel.

(Der Text war Teil meines wöchentlichen Newsletters, den du hier abonnieren kannst)

Nachdenken über Kommunikation

Weint der Sohn, weil ihm etwas weh tut oder weil es ihm eigentlich um etwas anderes geht? Warum habe ich den Eindruck, dass das mir gegenübersitzende Pärchen in der Bahn gerade ziemlichen Zoff hat? Was kann ich tun, um auf einer Party, auf der ich niemanden kenne, möglichst schnell jemanden zum quatschen zu finden? Und was kann ich tun, um möglichst alle in der Gesprächsrunde mit einzubeziehen?

Mit solchen und ähnlichen Fragen beschäftige ich mich seit vergangener Woche. Der Grund: Ich habe eine NLP-Practitioner-Ausbildung begonnen und sitze seitdem nicht mehr aufs Smartphone starrend in der Bahn, sondern schaue mir die Menschen an. Beobachte Körpersprache, schaue, wie synchron sie unterwegs sind. In meinem neuen Seminar, das ich seit Montag an der Medienakademie Ruhr gebe, habe ich diesmal nicht danach gefragt, welche Erwartungen die Teilnehmer an das Seminar haben, sondern darum gebeten, mir zu erzählen, was im Fall eines optimal verlaufenden Seminars am Ende des Tages wohl anders sei. Weil ich selbst die Erfahrung gemacht habe, dass ich dann viel besser konkretere Vorstellungen entwickeln kann. Und über fünf Dinge denke ich gerade immer noch intensiv nach.

Erstens: Sich das „Ich Hier Jetzt“ bewusst machen. Die Annahme: Du kann viel besser mit bestimmten Situationen umgehen, wenn du dir bewusst machst, wer du gerade bist (Führungskraft, Mutter, Ehefrau, Tochter…), wo du gerade bist (Küche, Büro, Konferenzraum, Bühne) und wann.

Zweitens: Im NLP gibt es den Begriff des Rapports, der soviel wie „gemeinsamer Takt“ bedeutet, den wir unbewusst immer suchen, wenn wir beispielsweise bei einer Party auf fremde Menschen treffen. Das kann unbewusst oder bewusst entstehen. Mich fasziniert, wie schnell sich Menschen in Gruppen unbewusst angleichen, um diese gemeinsame Basis herzustellen.

Drittens: Verändert die digitale Kommunikation gerade auch die Offline-Kommunikation?

Viertens: Nach unzähligen Seminaren als Trainerin war ich das erste Mal mal wieder selbst Teilnehmerin. Und das war manchmal gar nicht so einfach, weil ich immer wieder aus meiner Rolle herausfiel und zur Beobachterin wurde und Übungen, Timings und diverse Kleinigkeiten in „spannende Ansätze“ oder „Das würde ich ja niemals so machen“ einordnete.

Zu guter Letzt: Kinder bis zu einem bestimmten Alter verwechseln gerne mal die 7 und die 4. Also, wenn man sie anders schreibt. Ich bin mir sicher, dass du dir auch erklären kannst, woran das liegt. :)

(Dieser Text war Teil meines Newsletters, den du hier abonnieren kannst)

Goldene Blogger 2018 – und was das alles mit der Zukunft des Journalismus zu tun hat (weil ich ständig danach gefragt werde)

„Cooles Format und die Leute waren wirklich begeistert von dieser nichtkommerziellen Art des Journalismus.“ Über diesen Satz denke ich jetzt schon ein paar Tage nach. Das Format sind die „Goldenen Blogger“, die Christiane, Daniel, Thomas und ich Ende Januar bereits zum zwölften Mal verliehen haben. Es war wieder einmal großartig, und ich bereue es jedes Jahr wieder, mir den Kalender davor nicht weiträumig geblockt zu haben. Aber wenn ein Jahresauftrag reingeflattert kommt, sagst die Selbstständige selbstverständlich nicht Nein.

Ein paar Tage später interviewte mich der Bayerische Rundfunk für sein Medienmagazin und fragte, ob Blogs der bessere Journalismus seien. Noch so eine Frage, die ein bisschen in eine ähnliche Richtung ging. Natürlich gibt es unterschiedliche Formen von Journalismus, wobei die Einordnung in gut oder schlecht doch eigentlich sehr subjektiv ist und aus meiner Sicht keineswegs pauschal beantwortet werden kann. Aus meiner Sicht gibt es Journalismus und es gibt keinen Journalismus. Es nervt mich seit Jahren, wenn einige Medien davon sprechen, Qualitätsjournalismus zu betreiben.

(Unsere diesjährigen Sponsoren:

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Doch es gibt ein paar Dinge, die sind an dieser Form zu Publizieren ziemlich gut: Demut gegenüber den Lesern. Diskussionen auf Augenhöhe. Während der Veranstaltung interviewte ich Natalie Grams, die sich auf Twitter engagiert mit Ihren Kritikerin auseinandersetzt, obwohl der Hass, wie sie sagte, überwiegt. Ich freute ich, dass Robin Alexander auf meine Frage, warum er so engagiert auf Twitter unterwegs sei, doppeldeutig antwortete, dass sie bei der Welt alles machen, „um unser Zeug an den Mann zu kriegen“.

Und ich war sehr stolz auf die Akademie und die online Abstimmenden, dass am Ende Jasmin Schreiber für ihr digitales Engagement in der Sterbebegleitung zur Bloggerin des Jahres gewählt wurde. Aus meiner Sicht, weil sie in jedem ihrer Texte berührt, und gleichzeitig aufklärt, dass es manchmal fast unheimlich ist. Die Unternehmensberaterin und Digitalexpertin Anja Hartmann schreibt auf „Bucketrides“, dass wir mit den Goldenen Bloggern die „Tugenden des digitalen Lebens“ zeigen. Was mich sehr rührt, aber lies bitte selbst diesen großartigen und inspirierenden Text.

Und natürlich: In vielen der nominierten und prämierten Blogs dieses und der vergangenen Jahre treffen Leidenschaft für ein Thema, Engagement, die große Offenheit zur Diskussion und der Wille zum Netzwerken aufeinander. Dabei entstehen sogar Geschäftsmodelle in Nischen, in denen Medienunternehmen kein Geschäft vermuten würden. Weil mit Authentizität, Community und Nische eben doch ziemlich viel geht.

Zum Thema: Niemanlab

(Dieser Text war Teil meines Newsletters, den du hier abonnieren kannst)

Alle Preisträger der Goldenen Blogger 2018 im Überblick

Blogger*in des Jahres (Akademie- & Online-Voting)
Jasmin Schreiber / Sterben Üben

Newcomer*in des Jahres (Online-Voting)
Not Just Down

Bester Blogtext des Jahres (Online-Voting)
DieJuraMama: „Raus aus meinem Uterus. Der § 219a und seine Freunde.

Blogger*in ohne Blog (Saal-Voting)
Milena Glimbovski

Blocker*in des Jahres (Saal-Voting)
Bundeswehr

Bestes Food- & Weinblog des Jahres (Akademie-Voting)
Ye Olde Kitchen

Bestes Tagebuchblog des Jahres (Akademie-Voting)
Russische Provinz und Frau Nessy

Bestes Sportblog des Jahres (Akademie-Voting)
120 Minuten

Bestes Nachhaltigkeitsblog des Jahres (Akademie-Voting)
Wasteland Rebel

Bestes Themen- & Nischenblog des Jahres (Akademie-Voting)
Augen geradeaus

Bestes Heimatblog des Jahres (Akademie-Voting)
Hofhuhn

Bester Podcast des Jahres (Online-Voting)
Gästeliste Geisterbahn

Bester Instagram-Account des Jahres (Online-Voting)
News-WG

Bester Twitter-Account des Jahres (Online-Voting)
Natalie Grams

Bester Hashtag des Jahres (Saal-Voting)
#wirsindmehr

Beste Social-Media-Präsenz einer Celebrity (Akademie-Voting)
Barbaradio (Regiocast) und Jan-Josef Liefers und Dieter Bohlen

Markenbotschafter*in des Jahres (Online-Voting)
VreniFrost

Sonderpreis für das Lebenswerk
Robert Basic

Warten in der Süßen Ecke in Velbert

„Mein Mann sagt ‚Du bist wohl mit nem Putzlappen zur Welt gekommen‘“, erzählt sie ihrer Freundin, als sie dich gerade die Jacke anzieht. Sie haben einen Pott Kaffee getrunken, hier in der süßen Ecke, am Samstag. Dazu ein Stück Kuchen, das können sie sich gönnen, sie haben Wochenende.

Seit 23 Jahren gibt es die süße Ecke, draußen steht in Leuchtbuchstaben „Baumkuchenbäckerei“ geschrieben. Das Geschirr ist noch das von vor 23 Jahren, von Rosenthal, aber nachkaufen könne man es längst nicht mehr.

Es gibt Kuchen dort, Torten, Klassiker und Ungewöhnliches, aber auf jeden Fall mit Sahne und Buttercreme.

Es ist nicht so voll wie in der Bäckerei am Supermarkt, wo ich eigentlich sitzen und warten wollte. Ich bin froh, dort keinen Platz gefunden zu haben und stattdessen hier zu sitzen. Auch wenn man mich alleine herumsitzend, auf dem Smartphone tippend, argwöhnig beäugt.