Tagebuch einer Hamburg-Besucherin (2)

Nach einem langen Tag müsste ich mich jetzt eigentlich über diese furchtbaren Journalisten ärgern. Diese Menschen, die so selbstverliebt durch die Welt laufen, denken, dass sie die Größten sind. Kritikunfähig, hängen an Worten, merken nicht, wenn ihren Artikeln der Pepp fehlt. Ich müsste mich fragen, ob ich vielleicht den Job mache, weil ich nur wirklich selten an Worten hänge. Aber egal. Es ist spät, ich bin nicht dazu gekommen, mir was zu Essen zu kaufen. So habe ich mich vorhin in ein gefährliches Unterfangen gewagt: Pommes am U-Bahnhof Schlump. Vorher bin ich allerdings durch die Gegend geirrt. Wer geht schon in Imbissbuden, wo keine Menschenseele zu sehen ist? Zu risikoreich. (pommes kann man da meiner meinung aber essen. gab ja auch leute da drin.)

Was sind das eigentlich für Leute, die jeden Abend im Internetcafé sitzen? Seltsam ist vor allem diese abgetrennte Ecke, in der die Spieler sitzen. Sie reden nie, starren auf den Bildschirm und navigieren Autos durch die Wüste. Egal, wie spät, die Plätze dort sind immer besetzt. Haben die kein Zuhause? Oder: Haben die zuhause keinen Rechner? Kann man solche Spiele nur in vorhergesehen Locations spielen? Und was passiert, wenn ich mich einfach mal an einen von „ihren“ Rechnern setze und einfach nur ein bisschen surfe? Vielleicht sollte ich das mal ausprobieren.

Tagebuch einer Hamburg-Besucherin (1)

Und dann waren da meine ersten drei Tage in Hamburg. Wenig online sein, dafür viel unterwegs. Tagsüber viel rumsitzen, wenig bewegen, zuhören. Seit der Uni musste ich nicht mehr so lange still sitzen. Ich hätte nicht geglaubt, dass das so hart sein kann. Und dann diese Müdigkeit. Spätestens um 3 Uhr nachmittags hänge ich meist so durch, dass ich weder in der Lage bin, den Stift aufrecht zu halten, noch einen klaren Gedanken zu fassen. Vielleicht habe ich bisher auch nur die falschen Drogen genommen.

Abends laufe ich viel herum. Nach einem sonntäglichen Spaziergang durch das Schanzenviertel – das Revier erkunden – hab ich gestern bei Herrn Kerner vorbeigeschaut. Bolero, ein mexikanisches Restaurant mit freundlicher Bedienung, schicken Menschen. Seltsamer Laden. Heute dann der Vorsatz, ein bisschen durch die Innenstadt zu bummeln. Bis zum Hauptbahnhof laufen war der Vorsatz. Scheiterte allerdings. Hab mich verlaufen und entdeckte plötzlich, dass ich den vor mir aufbauenden Laden doch schon zu einem anderen Termin kennengelernt hatte: Der Springer-Verlag. Schnell vorbei, zur U-Bahn, die brachte mich dann auch zum Bahnhof. Und nach Hause.
Und sonst? Nicht viel nachdenken. Immer wieder ablenken, die vielen Telefonate. Immer wieder beruhigende Worte an meine Mutter, die ich schon bald selbst nicht mehr glauben kann. Aber ich muss. Am Wochenende besuche ich sie. Und ihn natürlich.

(tagebuchmodus stellt sich schon wieder ab, keine angst.)

Ankunft in Hamburg

Regen, der in Hagel übergeht. Ja, Hamburg liebt mich. Egal. Ab ins Taxi. Erst redet er gar nicht, dann plötzlich, jaja, die Hamburger, ein ganzer Redeschwall. Wie war Silvester? Zug pünktlich gewesen? Diese Deppen vom Dorf, die von ganz rechts noch auf die Linksabbiegerspur wollen. Geht gar nicht. Er hat ja ein gebrauchtes Taxi, da hätte er es ruhig drauf anlegen können, einfach draufhalten, aber das macht man ja nicht, wenn man gerade Fahrgäste hat. Ja, denke ich, zum Glück und ’so genau wollte ich es nicht wissen‘. Aber er hört nicht auf. Da sei ja gerade eine große Baustelle, da fährt er lieber einen kleinen Umweg. Doof, denke ich, ich bin ihm ausgeliefert. Aber er fährt mich zu meiner Bleibe, hilft beim Aussteigen. Quittung? Ja, danke, vielleicht kann ich sie gebrauchen. Dann Sachen abladen, die Gegend erkunden. Chicken Jalfrezi, Internetcafe.

Hilfe!

Ich habe einen Jamba-Ohrwurm!

2005

Ich weiß nicht, warum jetzt alles auf einmal kommt. Warum nun auch noch mein Vater von dieser Krankheit heimgesucht wird. Warum nicht einfach alles besser werden konnte, zum Jahresende. Sondern doch wieder schlimmer. Auch wenn es einige Lichtblicke gab.

Ich hoffe, dass es bei euch da draußen besser läuft. Habt ein gutes 2005.

Verf**kte Sch**ße

Und wenn man denkt, dass es nicht mehr schlimmer kommen kann, kommt der nächste Schlag ins Gesicht. Der Vater ist der nächste. Montag OP. Mal sehen, was es diesmal ist.

Jahresendzeitfragebogen 2004

Zugenommen oder abgenommen? Scheiß Thema. Weiter.
Haare länger oder kürzer? Anders aber alles in allem gleiche Länge.
Kurzsichtiger oder weitsichtiger? Da ich auch in diesem Jahr nicht beim Augenarzt war, keine Ahnung. Die Brille hilft auf jeden Fall.
Mehr ausgegeben oder weniger? Wahrscheinlich mehr. Der Umzug, das neue Notebook, die vielen Zugreisen.
Der hirnrissigste Plan? Ein entspanntes Weihnachtsfest?
Die gefährlichste Unternehmung? Ich bleib dabei: Eine Woche ohne Schokolade. Absolut unerträglich für meine Umwelt.
Der beste Sex? War zufrieden.
Die teuerste Anschaffung? Tja, da das alte seinen Geist aufgab, ein neues Notebook. Es macht sich ganz gut, das schicke Ding.
Das leckerste Essen? Das war im Sommer. Ein super Samstag bei einer lieben Freundin. Gegessen haben wir noch bis vier Uhr Nachmittags. Die Stimmung stimmte. Die Gäste auch. Und auch das Essen war einfach nur passend.
Das beeindruckenste Buch? Ich hab’s verschlungen: Jeffrey Eugenides – Middlesex.
Der ergreifendste Film? Ergreifend? Mich hat 5 mal 2 fasziniert.
Die beste CD? Hui, das ist schwer. Konnte mich ja nicht mal für Herrn Waldar entscheiden. Das Morrissey-Album, das Kante-Album, Franz Ferdinand, das Cure-Album und nicht zu vergessen Gott Cave.
Das schönste Konzert? Kante im Zakk.
Die meiste Zeit verbracht mit…? dem lieben Kollegen in meinem Zimmer.
Die schönste Zeit verbracht mit…? So vielen. Es gab wunderbare Abende mit Freunden, wunderbare Tage in Prag und wunderbare Tage allein.
Vorherrschendes Gefühl 2004? ‚Oh nee, nicht auch das noch‘
2004 zum ersten Mal getan? Um einen Verstorbenen getrauert. Weisheitszähne ziehen lassen.
2004 nach langer Zeit wieder getan?
3 Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen? der Tod meines Opas, Weihnachten, Weisheitszähneziehen
Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte? siehe 2004.
2004 war mit 1 Wort…? Besser, aber auch verdammt anstrengend.

Back to life, back to reality

8 Euro kostet die Fahrt zurück in die Jugend. 8 Euro, die ich – dort angekommen – dem Taxifahrer in die Hand drückte. Stimmt so. Raus aus dem Auto. Der Geruch verrät mir, wo ich mich befinde: Hier verdienen sich noch Bauern ihren Lebensunterhalt. Es riecht nach ‚Kuh‘. Hier schon, denn hier ist der Name ‚Tanzgaststätte‘ Programm.

Die Jugend brüllt mir ins Gesicht. Es ist warm. Warm und dunkel. Wir zwängen uns an kreischenden Mädchen vorbei, sie sind hübsch, aufgehübscht und betrunken. Diese Mädchen, die noch vor einigen Jahren recht ansehnlich erschienen, nun aber nur noch gebärfreudig wirken. Nicht weit entfernt drängeln kleine Jungs mit roten Mützen. Sie schubsen, eine kleine Rangelei – es gehört dazu. Weiter zur Garderobe 1 Euro, dann Cola-Korn 1,30 Euro, Selters genausoviel. Die ist aber uncool.

Die obligatorische Runde um die Tanzfläche, vorbei an den Theken, wo sie sich tümmeln, kein Wunder bei den Preisen und der Musik. Aus den Boxen wummert der neueste Kirmestechno. Master Blaster, hoch den Arm und mitgehämmert. Wenig später dann die Oldie-Phase. ‚Last Christmas‘ – gern gesehener Klassiker, geht immer, zumindest hier. Da schunkeln die Dauergewellten und Durchgestuften, tänzeln die Milchbuben und fußwippen die Coolen. Mitsingen ist Pflicht. Hier füllt sich die Tanzfläche noch, wenn aus den Lautsprechern Scooter schreit, wenn Christina Aguilera schmalzt und Destiny’s Child die Hüften schwingen. Hier schon. Und bei ‚westerland‘ weiß jeder den Text, auch wenn der eine oder andere 1988 noch gar nicht geboren war. Genau wie bei ‚zu spät‘ oder dem blutigen Sonntag von U2.

Und es gibt sie noch, die guten Songs, die nach einem Abend in dieser Location keine mehr sind. Lieder, die man gerade noch mochte. Die dann aber, nachdem sie DJ Ingo oder so verwurstet hat, nicht mehr liebenswert sind. Bei denen man dann, wenn sie wieder einmal im Radio oder TV ertönen diese Bilder assoziiert, die man in jener Nacht gesehen hat, sehen musste. Ja, und dann lief da dieses Stück, über das man jetzt plötzlich nicht mehr reden darf, geschweige denn spielen. Da schappte diese ‚perfekte Welle‘ über das Jungvolk, ein eigentlich hörbares Stück und mein Gegenüber fragte mich, ob man dieses Lied jetzt noch mögen kann. Nein, war meine eindeutige Antwort, nein, auf keinen Fall und nie wieder, will es nie mehr hören. Nicht nachdem ich die Dorfjugend auf das Stück rumprollen gesehen habe, nachdem Männer mit gegelten Haaren, hellen Jeans und beigefarbenen Sweatshirts und einem Bier in der Hand laut mitgröhlten. Ihre Augen dabei glänzen, als ob sie gerade auf ihrer ganz persönlichen perfekten Welle surfen. Glücklich scheinen, aber nur betrunken sind.

Nur wenig später hatte ich genug gesmalltalkt, geguckt und innerlich geweint. Ich schnappte mir meine Jacke, ging allein in die Kälte, stieg ins Taxi und fuhr nach Hause. Allein und ohne Tränen in den Augen.

Mein Handy ist schwanger!

… könnte man zumindest meinen, schaut man sich die Klappe von meinem Handy an. Die beult sich nämlich gewaltig, was wohl daran liegt, dass der Akku dicker wird. So dick, dass der vorhergesehene Platz nicht mehr ausreicht. Da auch ich bereits von explodierenden Handys gelesen habe, mache ich mich auf in einen T-Punkt. Schließlich ist der Vertrag von T-Mobile.

‚Der Akku wird dicker, kann man da was machen? Ist das gefährlich?‘ Durchaus verunsichert und sichtlich neugierig löchere ich den Mitarbeiter. Er guckt auf mein Handy. Holt den Akku raus. Stellt fest, dass der wohl etwas dicker ist. ‚Normal ist das nicht.‘ Oh, einer von der schnellen Sorte. Doch er geht in die Analysephase. ‚Das kommt manchmal davon, wenn Leute ihr Telefon Tag und Nacht am Ladegerät haben.‘ – ‚Mach ich nicht.‘ Mach ich nie. ‚Ja, normal ist das nicht‘, stellt er wiederum fest. Ganz groß. Legt den Akku wieder ein und bittet mich, meine Nummer wieder einzutippen. Schnell greift er wiederum nach meinem Telefon. ‚Ja, funktionieren tut es noch‘, erkläre ich. Es ist halt nur zu dick für das Gehäuse. Ob das denn nun gefährlich ist, möchte ich wissen – große Augen starren mich an. ‚Das kann ich Ihnen wirklich nicht sagen‘. Soso. Dafür müsste ich dann schon mal die Serviceleitung anrufen, die man mit der vierstelligen Telefonnummer über das Handy kostenlos erreicht. ‚Die verbinden Sie dann mit einem Techniker.‘ Soso. Der Techniker macht dann die Ferndiagnose. Und wenn der Akku dann live explodiert, wissen wir wenigstens alle, woran es gelegen hat.
Deppen, die.

Nachtrag oder Ende der Geschichte: Kundendienst angerufen, zunächst fast am Sprachtelefon verzweifelt. Dann aber mit einem kompetenten Herrn gesprochen, der mir verriet, dass ich mir schleunigst einen neuen Akku kaufen soll. Hersteller gibt nur 6 Monate Garantie darauf.
(nur für den fall, dass auch dein handy mal in andere umstände gerät.)

Der Morgen Mittag danach

Schöner Abend. Und wer es noch nicht weiß: Elle hat ne Hammer-Lache. Ich hab nun zwei Hammer-CD-Ständer erwichtelt. Und will immer noch nicht mit Don tauschen, der einen Hammer-Kalender bekommen hat. Ansonsten: Viel getrunken, viel gelacht. Können wir gerne wiederholen.