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Daniel Kehlmann – Ruhm

Tolles Buch. Toller Autor. Daniel Kehlmann erzählt neun Geschichten, die für sich stehen können. Es aber nicht tun. Wie wir mal in den Kopf des berühmten Schauspielers blicken können, der plötzlich nicht mehr angerufen wird. Oder den Techniker erleben, der sich ein Handy kauft und die Nummer jenes berühmten Schauspielers erhält. Und alle kommen in Berührung mit Ruhm kommen, im engen wie im weiten Sinne. Und dann diese Leichtigkeit, mit der Kehlmann sich als Autor mit in die Geschichten bringt, wie die handelnden Personen (Die Frau, die zum Sterben in die Schweiz fährt) gegen ihr Schicksal rebellieren und sich ein Dialog zwischen Person und Autor ergibt.
Und ja: Nicht schlimm, dass Kehlmann von einem ‚Internetblogger‘ (allein dieses Wort schon) schreibt, den man wirklich nicht begegnen möchte.

Geschichten in Geschichten in Geschichten. Man weiß nie, wo eine endet und eine andere beginnt! In Wahrheit fließen alle ineinander. Nur in Büchern sind sie säuberlich getrennt.

FILM: Zeiten des Aufruhrs

Auch wenn es langweilig ist: Ich find’s doof, wenn deutsche Filmtitel so wenig aussagen. Gerade dann, wenn der Original-Titel so viel besser ist: „Revolutionary Road“* heißt er und trägt den Namen der Straße, in dem sich das Paar, Frank und April Wheeler, ein Haus suchen, um ihre Kinder groß zu ziehen. Die Revolutionary Road liegt liegt irgendwo auf dem Land in der Nähe New Yorks. Es sind die 50er Jahre, die Männer fahren allmorgendlich mit Anzug und Hut bekleidet in die Stadt, die Frauen kümmern sich um den Nachwuchs.
Weil April so langsam verzweifelt (Als sich die beiden kennenlernten, feierte sie erste Erfolge als Schauspielerin) und auch Frank in seinem Job in der New Yorker Firma nicht wirklich glücklich weil wenig gefordert ist, beschließen die beiden, sich den Traum zu erfüllen, den sie schon hegten, als sie noch keine Kinder hatten: allem entfliehen und nach Paris auswandern. Doch der Entschluss, das angepasste Leben hinter sich zu lassen, verändert das Paar. Die Aussicht, allem zu entfliehen, verleiht ihm eine Leichtigkeit und Unangepasstheit im Job, die dazu führt, dass sein Boss ihm einen höher dotierten und verantwortungsvolleren Job anbietet. Während April alle Vorbereitungen trifft, so schnell wie möglich den Plan in die Tat umzusetzen, beginnt Frank zu zweifeln. So kommt es ihm gerade recht, als seine Frau ihm verkündet, erneut schwanger zu sein.
Sam Mendes ist ein intensiver Film gelungen. Es ist extrem bedrückend, anzusehen, wie aus der starken April eine so verzweifelte und gebrochene Frau wird. Wie sie ihrer Umwelt etwas vormachen und immer wieder versuchen, die Risse zu kitten und sich doch immer weiter voneinander entfernen. Beeindruckt hat mich vor allem Kate Winslet. Sie war angepasste Mutter und gleichzeitig die Schauspielerin mit Träumen; Sexsymbol und Hausfrau. Guter Film.

*Jaja, das Buch heißt auch so. Weiß ich. Trotzdem doof.

Film: Juno

Wenn ich mit 16 schwanger geworden wäre, dann wäre ich sicherlich nicht so verdammt cool und emotionslos durch die Gegend gelaufen wie Juno. Einmal Sex gehabt, gleich schwanger geworden. So kann es gehen. Juno will das Kind zur Adoption freigeben und sucht mit ihrer ebenso durchgeknallten Freundin ein passendes Adoptionspaar aus, dem sie das „thing“ – wie sie immer sagt – nach der Geburt anvertrauen will. Dooferweise findet Juno in fortgeschrittener Schwangerschaft heraus, dass nur Jennifer Garner das Kind wirklich will und ihr Ehemann noch nicht bereit für diesen Schritt ist. Und dann passiert das, womit ich nicht gerechnet hatte: Trotz großer Krise und dem Verlust des Glaubens an die große Liebe verbunden mit dem großen Glück entscheidet sich Juno, ihr Kind Jennifer Garner zu überlassen.
So richtig warm wurde ich mit diesem Film nicht. Erstens: weil mich Juno und ihre altkluge Art nervte. Zweitens: weil ich offenbar die vielen popkulturellen Anspielungen, auf die mich der Liebste hinwies, wegen fehlender Kenntnisse nicht verstand. Drittens: weil Juno wirklich erst nach der Geburt heulte. Wenigstens dann. Pah.

FILM: Fleisch ist mein Gemüse

Das Foto zeigt die Schlussszene des Filmes. Sie steht nicht im Buch, sie wurde hinzugefügt und man sieht die Protagonisten: Gurki („Swing times are good times“), Heinz Strunk, Anna Fischer als Freundin von Heinz und der Film-Heinz. Sie tanzen und singen den Hit von Heinz und Anna, deren Namen im Film ich leider schon wieder vergessen habe. Diese Schlusszene ist ziemlich gaga. Leider bestätigte dieser Film auch eines der Vorurteile, die ich gegenüber Buchverfilmungen (von Literatur kann man in diesem Fall ja wirklich nicht reden) hege. Ich fand den Film mittelmäßig, zu viel Gaga, zu wenig Wortwitz, zu wenig Leid des Heranwachsenden. Schade.

Tapetenwechsel

Nach ungefähr anderthalb Jahren brauchte ich mal wieder ein bisschen Abwechslung. Und als ich dieses Blog sah, hab ich mich verliebt: ins Layout.

Einige Anpassungen und Stunden später isses fertig. Und ich find’s super.

Ach ja, wem das Foto da links nicht gefällt, der kann gerne ein anderes einschicken oder selber eins knipsen.

Das Internet hat ein Problem

Guardian-Kolumnist Paul Carr:

And that is precicely where the internet has a problem. What we read on the web is shaped almost entirely by what our friends recommend to us or what other people have decided is popular. And because what’s popular is meanness, that almost all that we read – page after page of cynicism, meanness, ranting and rage.

Jetzt will er sein Twitter- und Blog-Verhalten ändern. Spannender Text.

Heinz Strunk – Fleckenteufel

Dies ist einer dieser Texte, die man nur mit einem „eigentlich“ beginnen kann. Denn: Eigentlich mag ich Heinz Strunk. Und seine Arbeit. Doch dieses Buch ist eines, das man ganz schnell wieder vergessen will.

Es ist 1977 und der 16-jährige Thorsten Bruns fährt mit seiner Gemeinde auf Familienfreizeit an die Ostsee. Thorsten ist in der Pubertät, geplagt von Geltungsdrang, Minderwertigkeitskomplexen und nicht zu vergessen: Körperlichkeiten. Denn Strunks Protagonist denkt den größten Teil seines Tages über seine Verdauung nach. Er träumt von Susanne Bohm, die auf der Freizeit kein Wort mit ihm wechselt und er braucht eine Weile, bis er Anschluss an eine Doppelkopfrunde gefunden hat.

Nicht nur wegen des Covers wird „Fleckenteufel“ mit Charlotte Roches „Feuchtgebiete“ verglichen. Auch die penetranten Geschichten aus dem Verdauungstrakt und die Vorliebe für bestimmte Hygienestandards lassen stark an Helen Memels Auseinandersetzungen mit ihrem Körper erinnern.

Strunks Buch über Thorsten Bruhns könnte eine dieser netten, kleinen Coming-of-Age-Geschichten erzählen, wenn er auf all diese Details verzichtet hätte. Die sind peinlich. Und das hat der Heinzer ja eigentlich auch nicht nötig.

Die andere Meinung: Tobias Rüther auf faz.net

The Curious Case of Benjamin Button

Per E-Mail in den vergangenen Wochen diese Kurzgeschichte von F. Scott Fitzgerald gelesen. Toll. Besonders der Schluss.

He did not remember clearly whether the milk was warm or cool at his last feeding or how the days passed–there was only his crib and Nana’s familiar presence. And then he remembered nothing. When he was hungry he cried–that was all. Through the noons and nights he breathed and over him there were soft mumblings and murmurings that he scarcely heard, and faintly differentiated smells, and light and darkness.

Then it was all dark, and his white crib and the dim faces that moved above him, and the warm sweet aroma of the milk, faded out altogether from his mind.

Hihi

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(via)