Tagebuch einer Tochter

Viel erreicht, ein bisschen Kraft gegeben. Jetzt heißt es abwarten und da sein. Am Telefon jederzeit und nun auch wieder öfter vor Ort.

Flori, ich bring dich ganz groß raus!

Ich verspreche, dass ich am heutigen Samstagabend wirklich nur zufällig auf das Erste geklickt habe. Und ich verspreche auch, dass es nur pure Neugier war, dass ich dort mehr als 3 Sekunden verharrte. Denn, you know what, Florian Silbereisen kündigte nicht etwa den nächsten Schlageract an, nein, das tat wenig später Gunter Emmerlich für ihn, er, der Florian und Wunsch-Schwiegersohn aller Damen jenseits der 70, durfte singen. Naja, singen ist vielleicht ein bisschen übertrieben, er durfte das Mikro halten, den Mund bewegen und ein wenig hin und herwiegen. Muss man ja auch können. Zwischendurch hat der liebe Florian dann auch mal verschmitzt gelächelt, pädagogisch wertvoll den Zeigefinger geschwungen, muss er ja machen, wenn der Text es verlangt, weil Performen will ja in Zeiten von Dee! und Co. gelernt sein. A propos, muss gelernt sein: Flori, da müssen wir aber noch mal ran. Du kannst doch nicht zwischen Augenzwinkern, Arme schwingen und Mund bewegen nicht auch noch die ganze Zeit treudoof nicken?

Die Ex-Freundin

Noch vor zwei Jahren dachte ich, das ist eine dieser einzigartigen Freundschaften. Diese, in denen man sich monate-, manchmal jahrelang nicht hörte und dann, beim nächsten Wiedersehen nicht einmal 5 Minuten braucht, bis das Eis wieder aufgetaut ist und die Wellenlänge wieder stimmt.

Wir kannten uns vom Zaubern. Ja, vom Zaubern. Taten das auf Kindergeburtstagen, Ferienveranstaltungen im Ort oder Freizeiten. Wir hatten immer großen Spaß, waren ein wunderbares Team. Auch sonst.

Doch dann kommt es, wie es immer kommt. Die Treffen werden seltener, die Anrufe rarer und das Band wird dünner. Sie zog mit ihrem Freund zusammen, konnte mein unbeständiges Leben nicht verstehen. Ich besuchte sie in ihrer Wohnung und nie fühlte ich mich in einer solchen Behausung fremder. Fremd mit einer Person, der ich eigentlich einmal so nah stand. Ich fragte sie aus, nach ihrem Leben, zeigte echtes Interesse, doch zurück kam nichts. Kein „Was machst du so?“, nicht einmal eine oberflächliche Frage nach dem Fortschritt des Studiums. Enttäuscht fuhr ich davon, dann herrschte Funkstille. Nach elf Monaten meldete sie sich bei mir. Fragte, ob sie bei mir übernachten könne. Doch ich war verletzt. Hatte keine Lust auf weitere Oberflächlichkeiten, kein Lust, meine Wohnung mit ihr zu teilen. Machte ihr klar, dass wir uns gerne treffen könnten. Nur nicht in meiner Wohnung. Zog eine Grenze, so wie man sie zieht, wenn man sich irgendwann mit dem Ex wieder trifft. Wenn der erste Schmerz abgeklungen ist, man letzte Sachen austauscht und die Option auf eine Freundschaft getestet wird.

Es kam nicht dazu, nicht einmal Weihnachtsgrüße. Ich wollte nicht mehr. Ganz ohne Option. Und wie das wiederum bei Exfreunden manchmal so ist, melden sie sich manche irgendwann noch einmal nach Jahren. Und so erhielt ich vor einigen Tagen eine Karte von ihr. Mit herzlichen Grüßen und der freudigen Nachricht: Sie haben geheiratet. Wohnen in der Stadt ihrer Eltern, beide mit Job, noch ohne Nachwuchs. Es gäbe sicher viel zu erzählen.

Nun frage ich mich, ob sie Recht hat. Und ob ich bereit bin. Für einen Neuanfang mit ihr.

Tagebuch einer Hamburg-Besucherin (2)

Nach einem langen Tag müsste ich mich jetzt eigentlich über diese furchtbaren Journalisten ärgern. Diese Menschen, die so selbstverliebt durch die Welt laufen, denken, dass sie die Größten sind. Kritikunfähig, hängen an Worten, merken nicht, wenn ihren Artikeln der Pepp fehlt. Ich müsste mich fragen, ob ich vielleicht den Job mache, weil ich nur wirklich selten an Worten hänge. Aber egal. Es ist spät, ich bin nicht dazu gekommen, mir was zu Essen zu kaufen. So habe ich mich vorhin in ein gefährliches Unterfangen gewagt: Pommes am U-Bahnhof Schlump. Vorher bin ich allerdings durch die Gegend geirrt. Wer geht schon in Imbissbuden, wo keine Menschenseele zu sehen ist? Zu risikoreich. (pommes kann man da meiner meinung aber essen. gab ja auch leute da drin.)

Was sind das eigentlich für Leute, die jeden Abend im Internetcafé sitzen? Seltsam ist vor allem diese abgetrennte Ecke, in der die Spieler sitzen. Sie reden nie, starren auf den Bildschirm und navigieren Autos durch die Wüste. Egal, wie spät, die Plätze dort sind immer besetzt. Haben die kein Zuhause? Oder: Haben die zuhause keinen Rechner? Kann man solche Spiele nur in vorhergesehen Locations spielen? Und was passiert, wenn ich mich einfach mal an einen von „ihren“ Rechnern setze und einfach nur ein bisschen surfe? Vielleicht sollte ich das mal ausprobieren.

Tagebuch einer Hamburg-Besucherin (1)

Und dann waren da meine ersten drei Tage in Hamburg. Wenig online sein, dafür viel unterwegs. Tagsüber viel rumsitzen, wenig bewegen, zuhören. Seit der Uni musste ich nicht mehr so lange still sitzen. Ich hätte nicht geglaubt, dass das so hart sein kann. Und dann diese Müdigkeit. Spätestens um 3 Uhr nachmittags hänge ich meist so durch, dass ich weder in der Lage bin, den Stift aufrecht zu halten, noch einen klaren Gedanken zu fassen. Vielleicht habe ich bisher auch nur die falschen Drogen genommen.

Abends laufe ich viel herum. Nach einem sonntäglichen Spaziergang durch das Schanzenviertel – das Revier erkunden – hab ich gestern bei Herrn Kerner vorbeigeschaut. Bolero, ein mexikanisches Restaurant mit freundlicher Bedienung, schicken Menschen. Seltsamer Laden. Heute dann der Vorsatz, ein bisschen durch die Innenstadt zu bummeln. Bis zum Hauptbahnhof laufen war der Vorsatz. Scheiterte allerdings. Hab mich verlaufen und entdeckte plötzlich, dass ich den vor mir aufbauenden Laden doch schon zu einem anderen Termin kennengelernt hatte: Der Springer-Verlag. Schnell vorbei, zur U-Bahn, die brachte mich dann auch zum Bahnhof. Und nach Hause.
Und sonst? Nicht viel nachdenken. Immer wieder ablenken, die vielen Telefonate. Immer wieder beruhigende Worte an meine Mutter, die ich schon bald selbst nicht mehr glauben kann. Aber ich muss. Am Wochenende besuche ich sie. Und ihn natürlich.

(tagebuchmodus stellt sich schon wieder ab, keine angst.)

Ankunft in Hamburg

Regen, der in Hagel übergeht. Ja, Hamburg liebt mich. Egal. Ab ins Taxi. Erst redet er gar nicht, dann plötzlich, jaja, die Hamburger, ein ganzer Redeschwall. Wie war Silvester? Zug pünktlich gewesen? Diese Deppen vom Dorf, die von ganz rechts noch auf die Linksabbiegerspur wollen. Geht gar nicht. Er hat ja ein gebrauchtes Taxi, da hätte er es ruhig drauf anlegen können, einfach draufhalten, aber das macht man ja nicht, wenn man gerade Fahrgäste hat. Ja, denke ich, zum Glück und ’so genau wollte ich es nicht wissen‘. Aber er hört nicht auf. Da sei ja gerade eine große Baustelle, da fährt er lieber einen kleinen Umweg. Doof, denke ich, ich bin ihm ausgeliefert. Aber er fährt mich zu meiner Bleibe, hilft beim Aussteigen. Quittung? Ja, danke, vielleicht kann ich sie gebrauchen. Dann Sachen abladen, die Gegend erkunden. Chicken Jalfrezi, Internetcafe.

Hilfe!

Ich habe einen Jamba-Ohrwurm!

2005

Ich weiß nicht, warum jetzt alles auf einmal kommt. Warum nun auch noch mein Vater von dieser Krankheit heimgesucht wird. Warum nicht einfach alles besser werden konnte, zum Jahresende. Sondern doch wieder schlimmer. Auch wenn es einige Lichtblicke gab.

Ich hoffe, dass es bei euch da draußen besser läuft. Habt ein gutes 2005.

Verf**kte Sch**ße

Und wenn man denkt, dass es nicht mehr schlimmer kommen kann, kommt der nächste Schlag ins Gesicht. Der Vater ist der nächste. Montag OP. Mal sehen, was es diesmal ist.

Jahresendzeitfragebogen 2004

Zugenommen oder abgenommen? Scheiß Thema. Weiter.
Haare länger oder kürzer? Anders aber alles in allem gleiche Länge.
Kurzsichtiger oder weitsichtiger? Da ich auch in diesem Jahr nicht beim Augenarzt war, keine Ahnung. Die Brille hilft auf jeden Fall.
Mehr ausgegeben oder weniger? Wahrscheinlich mehr. Der Umzug, das neue Notebook, die vielen Zugreisen.
Der hirnrissigste Plan? Ein entspanntes Weihnachtsfest?
Die gefährlichste Unternehmung? Ich bleib dabei: Eine Woche ohne Schokolade. Absolut unerträglich für meine Umwelt.
Der beste Sex? War zufrieden.
Die teuerste Anschaffung? Tja, da das alte seinen Geist aufgab, ein neues Notebook. Es macht sich ganz gut, das schicke Ding.
Das leckerste Essen? Das war im Sommer. Ein super Samstag bei einer lieben Freundin. Gegessen haben wir noch bis vier Uhr Nachmittags. Die Stimmung stimmte. Die Gäste auch. Und auch das Essen war einfach nur passend.
Das beeindruckenste Buch? Ich hab’s verschlungen: Jeffrey Eugenides – Middlesex.
Der ergreifendste Film? Ergreifend? Mich hat 5 mal 2 fasziniert.
Die beste CD? Hui, das ist schwer. Konnte mich ja nicht mal für Herrn Waldar entscheiden. Das Morrissey-Album, das Kante-Album, Franz Ferdinand, das Cure-Album und nicht zu vergessen Gott Cave.
Das schönste Konzert? Kante im Zakk.
Die meiste Zeit verbracht mit…? dem lieben Kollegen in meinem Zimmer.
Die schönste Zeit verbracht mit…? So vielen. Es gab wunderbare Abende mit Freunden, wunderbare Tage in Prag und wunderbare Tage allein.
Vorherrschendes Gefühl 2004? ‚Oh nee, nicht auch das noch‘
2004 zum ersten Mal getan? Um einen Verstorbenen getrauert. Weisheitszähne ziehen lassen.
2004 nach langer Zeit wieder getan?
3 Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen? der Tod meines Opas, Weihnachten, Weisheitszähneziehen
Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte? siehe 2004.
2004 war mit 1 Wort…? Besser, aber auch verdammt anstrengend.