Gossip in der Philipshalle

Gossip

Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob ich geschockt sein oder es einfach mal so hinnehmen soll, dass Beth Ditto nicht nur „I will always love you“ von Whitney Houston, sondern auch Tina Turners „What love got to do with it“ gespielt wurde (und eine nicht geringe Zahl an Menschen in der ausverkauften Philipshalle in der Lage waren, lautstark mitzusingen!). Derzeit tendiere ich zum hinnehmen, weil es ja durchaus amüsant war. Besonders auch, weil ich Beth Ditto ja auch schon verziehen habe, dass sie sich zwischen all den Songs ein klitzekleines Bisschen zu sehr ans Publikum rangeschmissen hat. Hab echt noch niemanden anderes erlebt, der häufiger die Künstlerfloskel „Ich liebe Deutschland“ in allen Variationen losgeworden ist. Glücklicherweise hat sie nicht versucht, das ganze zu lokalisieren, denn ein ständiges „Ich liebe Düsseldorf“ hätte ihr wohl keiner abgenommen.

Und auch wenn ich hier so negativ klinge, schön war’s – faszinierend, welche Kraft diese Frau hat, welche Wucht in der Stimme, wie charmant sie eben auch ist und ehrlich („I’m human“). Zusätzlich war es ja auch das erste Konzert vom Früchtchen, um das ich bei dem Gedrängel an der Garderobe schon ein bisschen Angst hatte. Ein Platz am Rand abseits des großen Gerangels ließen mich dann aber in Sicherheit wiegen, auch wenn die Luft mit fortschreitender Länge des Konzerts mieser wurde – Dinge, auf die man früher nie so recht geachtet hat. Während insbesondere zu Beginn noch kräftig getreten wurde, beruhigte sich das Früchtchen mit zunehmender Dauer. Da ich mittlerweile gelernt habe, dass es Geschaukeltwerden ganz großartig findet, bewegte ich einfach ein bisschen die Hüften und wiegte das Früchtchen in den Schlaf. So einfach ist das also.

Über Ina Müller

Eigentlich war ich ja auf der Suche nach Informationen, was Lukas Hilbert eigentlich jetzt so macht. Gelandet bin ich bei Youtube und Ina Müller. Nicht, weil Lukas Hilbert da auch mal war (Hab ich zumindest nicht gefunden), sondern wegen Frau Catterfeld (Den Text zu „Für dich“ hat ja der Lukas gesungen). Die hat nämlich auch schon mal mit Ina Müller da gesungen und mich hat der Blick ihres Freundes im Hintergrund so gerührt:

Aber Ina Müller schafft es eben doch ständig, mich mit ihren Duetten in „Inas Nacht“ zu verzaubern. Meine Lieblingssongs:

Jochen Distelmeyer

Nils Frevert

Selig

Hugo-Egon Balder

Mia

Ron Diva

Hach, wie schön.

Die Rückfahrt

Wie sehr Dinge fehlen, die man einmal gemacht hat und dann halt eine ganze Weile gar nicht, also nicht mit Absicht, sondern eher so nebenbei, weil es einfach so kommt, mit dem Alltag, den Gewohnheiten, die sich ändern. Wie sehr einem Dinge fehlen, merkt man erst, wenn man sie wieder tut. Ich habe am Donnerstag wieder angefangen, den Ohrensessel zu hören und weil ich das wirklich eine Weile nicht mehr gemacht habe, hörte ich während der acht (nein, sieben, in der ersten Stunde hab ich ja den neuen Distelmeyer angehört) Stunden Autofahrt, was die Jungs von Herbst 2008 bis Januar 2009 so erzählt haben. Zu hören, dass da noch einer „Immer nie am Meer“ geguckt hat, oder die Konsequenz, mit der Kay Otto zu Weihnachten Western empfiehlt. Oder wie sie sich im Podcast zu „Eureka“ auch wirklich knappe 20 Minuten mit der Serie beschäftigen und dann im Anschluss noch all die anderen wichtigen Fragen klären, die aber mit der Serie nix zu tun haben. Einer meiner Lieblingspodcasts: der zu P.T. Anderson. Nicht weil auch mich „Magnolia“ verzaubert hat, sondern weil die drei so viele tolle Worte zu diesen Filmen finden, die so treffend sind und es schaffen, dass ich mich wirklich an all das wieder erinnere und am liebsten rechts ran fahren mag, um ganz schnell den Film noch einmal zu schauen.

Aufgehört, also diesmal weil die Fahrt zu Ende war, habe ich mitten im Magdeburg-Podcast, kurz nachdem Ben und Bernd „Wall:E“ zu einem der Lieblingsfilme des Jahres 2008 gekürt haben.

To do: „Boogie Nights“ gucken, und „Miller’s Crossing“, und „Burn after Reading“ und so. Und dann noch über „Into the Wild“ schreiben, den ich eben geschaut habe. Auch wegen Eddie Vedder, also das Schreiben.

Jochen (und Lars!) in Essen

Als Blumfeld sich aufgelöst haben, war ich traurig. Ich ging noch einmal in ein letztes Konzert (damals in Köln). Und dann waren sie erst einmal weg. Bei mir war das dann so, dass ich erstmal die Finger von Blumfeld ließ. Und so verging der Rest von 2007, das ganze Jahr 2008 und das erste Halbjahr von 2009. Dann erzählte mir Philipp plötzlich, dass Jochen Distelmeyer jetzt was Eigenes macht und auch auf Tour geht. Das Konzert: in Essen. Also ganz in der Nähe.

Als Jochen dann da auf der Bühne stand und nach anderthalb Jahren seine neuen (und auch ein paar alte) Songs spielte, da wurde mir erst einmal klar: Man weiß erst, dass etwas (und wenn es „nur“ Musik ist) fehlte, wenn man es wieder hat. Der Distelmeyer spielte gerade zu Beginn viel härtere Lieder, aggressiv spielte er seine Gitarre, auch der Ton war ein anderer. Ein anderer zumindest verglichen mit den Apfelmann-Zeiten. Was ich damit meine, kann man ganz gut auf der neuen Distelmeyer-Webseite hören: „Hass“. Fast klar, dass Distelmeyer dann auch vor allem die Songs aus seinem großen Repertoire spielte, die da gut dazu passten. Ein weiteres Highlight war für mich die Besetzung auf der Bühne. Denn aus der alten Band hatte Distelmeyer doch noch jemanden dabei: Lars Precht, der Bassist mit den schrägen, teilweise etwas unbeholfenen Musiker-Posen stand da auf der Bühne. Andere Frisur, aber immer noch die gleichen Moves. Großartig.

Und wie ich es so insgesamt fand? Richtig gut. Weil anders. Und ich interpretiere in Jochen Distelmeyers Auftritt auch noch ein bisschen mehr hinein: Vielleicht lag es ja an der wirklich winzigen Location (Grend in Essen), aber noch nie habe ich Jochen Distelmeyer so viel mit dem Publikum plaudern hören und noch nie hat mich ein Jochen Distelmeyer in höchst begemannscher Art dazu aufgefordert, bei einem Song mitzuklatschen und mitzusingen. Das war fast ein bisschen verstörend, ich glaube aber, dass ich mich daran gewöhnen kann. Hauptsache, der Jochen ist jetzt erstmal wieder da.

Ach ja.
Philipp Holstein war auch da.

Im Delta Park in Essen

Herrlich. Wirklich. Der gesamte Tag. Schöne Musik. Ein paar Überraschungen (Muff Potter, The Kilians). Regen. Sonne. Und weil es schon so spät ist: Steckbrief zum Festival.

Gegessen: Bratwurst im Brötchen mit Ketchup UND Senf, Chips

Getrunken: Cola, Wasser, Radler (Kann mal einer irgendwo festschreiben, dass Alster verdammt nochmal mit Sprite gemischt wird?)

Mitgesungen: Beim Thees.

Das Puh-bin-doch-noch-jung-Gefühl: Element of Crime

Das Puh-bin-ich-alt-Gefühl: Rückenschmerzen vom vielen Rumstehen, wie klein sind bitte die Kilians-Jungs?, mit „Hallo, Frau Bluhm“ angesprochen werden und keinen Schimmer haben, woher man den jungen Mann nochmal kennt.

Die Überraschung des Tages: Der leider sehr unlustige Johann König sieht in echt zwar ein bisschen alt aus (ungefärbte Haare!), trug aber eine unheimlich gut aussehende Jeans und hat offenbar einen guten Musikgeschmack.

Johann König

Gisbert zu Knyphausen

Muff Potter

Simon den Hartog

Regen

Thees Uhlmann

Sven Regener mit Trompete

Bernd in Krefeld


Das lange Warten. Klar, beginnen Konzerte nie zu der Zeit, die auf der Karte steht. Doch anderthalb Stunden warten, ohne dass auf der Bühne ein Mikro steht?



Irgendwann kam er dann. Hektisch packte er seine Sachen aus. Und spielte die erste Halbzeit in schwarzem T-Shirt, heller Jeans und Turnschuhen.

Und Begemann-Konzerte sind auch Konzerte, zu denen ich einmal im Monat gehen könnte. Weil sie immer anders sind.