Vögel sind wichtig

(Nein, in der Überschrift fehlt kein Buchstabe.)

Welt Online hat ein Interview mit Jonathan Franzen geführt. Die schönste Frage-Antwort-Passage:

WELT ONLINE: Letzte Woche konnte man Sie in einem entlegenen Winkel Brandenburgs finden, wo Sie an Ihrem neuen Roman gearbeitet haben. Versichert sich ein Schriftsteller aus New York in einem winzigen Dorf an der Oder der Verschiedenartigkeit der Welt?

Jonathan Franzen: Das ist eine schöne Idee, aber in meiner Wohnung gab es eine High-Speed-Internetverbindung und Satellitenfernsehen. Die Landwirtschaft in der Gegend ist hochtechnisiert, nicht anders als in Frankreich oder Kalifornien. Besonders entlegen kommt einem der Ort nicht vor. In Polen allerdings, auf der anderen Seite der Oder, war es anders. Man konnte es gleich an den Vögeln merken. Kaum war man über die Grenze, gab es viel mehr Vogelarten und, was genauso verblüffend und wichtig ist, mehr Vögel.

Ich krieg sie alle rum

Seltsamer Tag. Erst bekomme ich folgende Mail (Achtung anonymisiert):

Die Wahrscheinlichkeit, dass ich irgendwann mal twittere, hat zugenommen. Nicht nur deshalb, weil ich neugierig bin. Gestern sah ich zum Beispiel, dass XXX auch twittert und las mir ein bisschen durch, was er schrieb und fand es interessant, dass auch Menschen, die – ich sag mal – menschlich nicht immer ganz einfach sind, an Sympathie gewinnen, weil sie bei Twitter in einem aufgeregten Ton schreiben, der sie ja fast wieder zu Teenagern werden lässt. Das fand ich interessant.

(Ein paar Stunden später hatte er sich angemeldet.)

Und kurz vor dem Zu-Bett-Gehen werde ich dann bei Facebook (Überhaupt! Dieses Facebook!) angechattet. Von B., der sich dafür bedankte, dass ich letztens das hier verlinkt hatte und dann auch gleich noch dafür, dass ich ihm vor einigen Jahren mal von Blogs erzählt hatte. Ich war ein bisschen gerührt.

Wer also noch bekehrt werden will – gerne! Anfragen per Mail, Twitter oder die anderen üblichen Kommunikationskanäle. Ok, ich mach das auch per Telefon.

Dies und das

In den vergangenen Wochen habe ich öfter mal „Doppelpass“ geschaut. Verstehe so langsam, warum Udo Lattek sowas wie Kult ist. Finde Hans Meyer fast sympathisch. Fußball ist eine ernste Sache. Hab ich jetzt auch kapiert.

Man kann es nicht oft genug schreiben: Ich finde, dass es immer noch nichts Schöneres gibt, als sonntags im Café zu sitzen, mit dem großen Paket an Sonntagszeitungen. Dieses Blättern, dieses Hängenbleiben an Texten, auf die man durch das selektive, selbstbestimmte Lesen im Internet nie stoßen würde. Das kann das Internet nicht. Nicht nur wegen der Haptik.

Diese Sünde von Liz Lemon hat es dann endlich auch zu Youtube geschafft. Ich hatte direkt nach der Folge schon danach gesucht, aber nix gefunden. #30rock

Bitte lesen Sie diese Gedanken zur derzeitigen Debatte ums Urheberrecht von Tim Renner.

Nach dem Lesen dieses Textes hatte ich einen Kloß im Hals. (via)

Flori Silbereisen war letztens auf einem Tina-Turner-Konzert. (via)

Kommunikation 3.0 (oder so)

Herr Fiene macht da ein Experiment und belästigt deswegen Leute mit seinen Fragen. Ich will nicht, dass er scheitert. Deshalb hier meine Antworten auf die von ihm gestellten Fragen.

1. Wie kommunizieren Menschen in Zukunft?
Da wird sich wenig ändern. Es wird auch in Zukunft nonverbale und verbale Kommunikation geben. Blicke, Berührungen, Gesten, Worte – gesprochene, geschriebene. Ich glaube, dass viele, seit es das Internet gibt, mehr über das geschriebene Wort kommunizieren. Indem sie bloggen, twittern, facebooken, mailen, chatten. Erst haben wir den Computer gebraucht, jetzt immer mehr das Handy. Da wird es sicherlich noch den einen oder anderen heißen Scheiß geben.

2. Wo und wie sollen mir klassische Medien im Netz begegnen?
Wenn ich nach Informationen suche, erwarte ich, dass es verlässliche Partner gibt, die mich informieren. Das können klassische Medien sein. Es gibt in Redaktionen jede Menge Fachwissen und Experten zu den unterschiedlichsten Themen – doch nur wenig davon gelangt bisher ins Netz. Wer als verlässlicher Partner für Informationen und Nachrichten wahrgenommen werden will, sollte jede Chance nutzen (Und damit meine ich nicht nur das Schreiben oder Zuhören, sondern auch das Kommunizieren!), sein Wissen und seine Fachleute unters Volk zu bringen. Gerade im Internet.

3. Wer gewinnt mein Vertrauen?

Derjenige, der in der Informationsflut durch tolle Geschichten, großartige Köpfe, Authenzität, Qualität oder auch Kreativität hervorsticht. Das können Köpfe sein, aber auch Marken oder Instanzen.

4. Welche Chancen hat Qualitätsjournalismus im Netz?
Wer nach Informationen sucht, will verlässliche Informationen. Wer sich für Nachrichten interessiert, will aktuelle, gut recherchierte, gut geschriebene. Das Netz bietet Qualitätsjournalismus die Möglichkeit, eine viel größere Zielgruppe zu erreichen. Wenn es gelingt, diese Zielgruppe zu monetarisieren, dann wird es Qualitätsjournalismus auch weiter geben. Vermutlich werden nur die Instanzen, die dahinter stehen, sich verändern.

5. Wann brauche ich verlässliche Information?
Wenn ich Informationen will, dann natürlich immer verlässliche. Komische Frage, Herr Fiene.

FILM: Sex and the City

Man kann wirklich nicht sagen, dass das ein guter Film war. Der Anfang – zog sich ewig in die Länge und man hoffte sogar schon darauf, dass bei der Hochzeit zwischen Carrie und Mr. Big, der plötzlich nur noch John hieß, irgendwas schief geht. Kam ja auch so, nur viel spannender wurde es nicht. Viel mehr plätscherte die Handlung stetig vor sich hin. Die Frauen tauschten sich über ihre Probleme aus, die sich nicht mehr um ihr Singleleben, sondern eher um ihr Beziehungsleben drehten. Charlotte war glücklich, Miranda nicht so, weil Job und Familie schwer unter einen Hut zu bringen waren, Samantha gab die managende Hausfrau und lechzte einfach nur nach dem scharfen Nachbarn und Carrie war nach der Pleite mit der Hochzeit ziemlich unglücklich. Und trotzdem und ich schiebe es einfach mal darauf, dass ich gestern einen extrem emotionalen Tag gehabt haben muss: Nach der Pleite mit Mr. Big kam ich aus dem Heulen nicht heraus. Die traurige Carrie im Hotelbett in Mexico, das einsame Silvester-Essen, die Geburt von Charlottes Tochter, die Versöhnung von Steve und Miranda, alles Tränen-Content. Aber wie gesagt: Hat nichts mit der Qualität des Filmes zu tun. Ich heul ja manchmal auch bei Pilcher-Schnulzen.

Auto-Tuning

Was diese Jungs aus relativ langweiligen Beiträgen von amerikanischen News-Sendern machen, ist schon bemerkenswert.

Mehr davon in diesem Youtube-Kanal.

(via)

Rick Astley

Das ist wirklich rührend. Ich weiß nicht, ob ihr das alle mitbekommen habt, deshalb nochmal ausführlich. Die „Time“ bestimmt jedes Jahr die einflussreichsten Menschen der Welt, auch online. Auf der Webseite konnten die User abstimmen. Gewonnen hat „Moot“, ein 21-jähriger junger Mann, der sehr unscheinbar wirkt, aber eines der einflussreichsten Imageboards gegründet hat. Die Plattform heißt 4chan und der eine oder andere kennt sie als US-Vorbild für Krautchan (Die mit den Bernds.). Seit der Re:publica weiß ich ja auch, dass dieser „Moot“ mit seinem Board den einen oder anderen Trend im Netz gesetzt hat. Zum Beispiel das „Rickrolling“ (Bitte klicken Sie jetzt nicht hier!).

Was ich aber eigentlich schreiben wollte: Moot hat also die Online-Umfrage bei „Time“ gewonnen, weil seine Jungs da wohl ein bisschen rummanipuliert haben, und die „Time“ sagt, dass der Gewinner der Umfrage auf jeden Fall in der Top 100 vorkommen wird. Den Text zu „Moot“ hat kein anderer als Rick Astley geschrieben, als Widmung sozusagen. Und das, was er da schreibt, ist, ach, lest selbst.

Und so geht’s los:

Back in the ’80s, I was known for being reclusive, often shying away from media attention. It’s perhaps ironic that the Internet phenomenon of Rickrolling should bring my video for „Never Gonna Give You Up“ to a new generation. But that’s one of the great things about the Internet. Young people now have easy access to material that they ordinarily wouldn’t have been exposed to.