Kettcar – Im Taxi weinen

Na dann herzlichen Glückwunsch.
noch ein ganz kleines Stück Jungs.
das böse fiese Leben erdrückt uns.
Ich mein: Hat nichts zu bedeuten, kostet halt nur Leben.
Meins, deins, seins – ich würd mal sagen von jedem.
Es ist auch nur die Angst, die bellt,
wenn ein Königreich zerfällt in ziemlich genau gleich große Teile.
Past und present future und Selbstmitleid für alle.
Jeder bringt sich selbst nach Haus und fast vernünftig aber raus.
Die Kuh vom Eis und was es heißt,
ab jetzt wird eingetauscht.
Das Gegenteil von gut ist gut gemeint
in Empfindsamkeit vereint. hier.
Befindlichkeitsfixierter Aufstand.
Hetero und männlich, blass und arm
weil wir bleiben wie wir warn
und „Feuer frei und weiteratmen“
das gute Wissen ist nicht billig
zwischen „…glaub ich nicht…“ und „…will ich…“
und das ist lustig wie ein Grab
ist man jetzt wo man nicht mehr high ist,
froh dass es vorbei ist?
Der Tag an dem wir uns
„we’re gonna live forever“ auf die Oberschenkel tätowierten,
war der Tag, an dem wir wussten,
die Dinge, die wir sehen, und die Dinge, die wir wollen, sind 2 Paar Schuhe.
Nur bitte was für ein Verständnis
von Erkennen und Erkenntnis,
wenn ich sage: Geld allein macht auch nicht glücklich.
Aber irgendwie ist es doch besser
im Taxi zu weinen als im HVV-Bus, oder nicht?
Und wer hält was er verspricht,
wenn er nicht glaubt was er sagt?
Ich hab zuerst gefragt!
das Gegenteil von gut ist gut gemeint…

Und vielleicht erzähle ich demnächst auch die Geschichte zu dem Song. Eine traurige …

Pearl Jam – Alive

Er ist und bleibt etwas ganz Besonderes. Er ist es, von dem man immer wieder redet. In Frauengesprächen. Erinnerungen an Kämpfe mit den Eltern. Besonders mit dem Vater. Der auch in seinem Leben einen solchen Stellenwert einnimmt, dass er nach all den Jahren immer noch fragt: Und was macht er jetzt so?
Es ist derjenige, den man nie vergisst. Wirklich nie. Nie war man aufgeregter. Nie fiel die Trennung schwerer, weil er der Erste war. Das Spüren, dass es so nicht mehr gehen kann. Sich weiterentwickelt haben. Neues erleben zu wollen. Schmerz, auch wenn man selbst dafür gesorgt hat. Erinnern, wie es damals war. Vergleichen, ob es wieder so sein kann. Bekennen, dass es schön war. Damals. Aber schöner wurde. In all den Jahren.
Insipiriert durch Erinnerungen von Jens.

Blind Melon – No rain

Während man am Samstag meist in die im nächsten Dorf gelegende Disko fuhr, wagte man am Freitag oftmals den Weg in die etwas weiter entlegende Location. Der Vorteil: Die Musik war um einiges besser. Auch wenn so immer einer von uns fahren musste und sich aus diesem Grund nicht wirklich so benehmen konnte, wie er vielleicht wollte. Das war auch der erste Ort, bei dem ich lernte, dass man nicht vor halb eins in einer solchen Einrichtung auftauchen sollte. Denn wirklich erst mit dem Gong irgendwann nach eins wurde die Musik schlagartig besser, was man auch daran erkannte, dass der junge Mann im Queens-T-Shirt (er trug es wirklich jeden Freitag) nicht mehr alleine auf der Tanzfläche herumhüpfte. Ich schreibe absichtlich von einem Herumhüpfen, weil rocken war das nicht und tanzen schon gar nicht. Er tanze nicht wie ein Mann, eher wie ein Männchen und seine Bewegungen ähnelten einem Wiegeschritt. Und seine Haare wippten im Takt.

Im vorletzten Jahr war ich mal wieder dort, so dass ich sehen konnte, dass sich manche Dinge wirklich nie ändern. An seiner Art sich zu bewegen, erkannte ich ihn wieder. Nur sein T-Shirt war ein anderes. Zeiten ändern sich doch, er trug schwarz auf weiß die Marke ‚Afri-Cola‘.
Insipiriert durch Erinnerungen von Jens.

Alles gut

Es gibt diese Momente, in denen man sofort weiß, dass alles gut ist. Zwischen den beiden, die seit Stunden in einem Auto sitzen. Die Situation: Irgendwo auf der Autobahn. Im Radio: Das neue Lied von Rosenstolz, Nummer 1 der Hitparade vom Radiosender Eins Live. Die einhellige Meinung: Furchtbares Gedudel. Obwohl der Beifahrer weder die Band kennt, noch von irgendwie geartete Kenntnissen in Sachen Popmusik vorweisen kann. Zumindest hat er sich in dieser Hinsicht bisher nicht hervorgetan.
Ob das gut gehen kann? Eine Frage, die die Fahrerin ab und an doch immer wieder beschäftigte. Es kann. Breit ist ihr Grinsen, als er plötzlich den Nirvana-Klassiker fröhlich mitpfeift. Glück gehabt. Auch wenn er keine Ahnung hat: Die Intuition stimmt.

Musik für die Autobahn

Franz Ferdinand

Air: „Talkie Walkie“

Ende der neunziger Jahre machte Air mit einem exzellenten Album auf sich aufmerksam: „Moon Safari“ durfte in keiner guten Plattensammlung fehlen. Jetzt hat die französische Formation mit „Talkie Walkie“ endlich wieder ein Album herausgebracht, das jeder Musikfan besitzen sollte.

Air heißt Luft. Und leicht wie die Luft kommt auch „Talkie Walkie“ daher. Schweben möchte man, dahingleiten nach den zauberhaften Klängen der beiden Franzosen, die ihre Musik selbst als „sehr romantisch“ beschreiben. Dazu strahlt das Album eine Ruhe aus, die zum Träumen, Schweigen und Genießen anregt. Je öfter man die Platte hören, desto schönere Klänge und interessantere Details entdeckt man.

Beispielsweise beim letzten Song, „Alone in Kyoto“. Air schrieben ihn für den Oscar-nominierten Film „Lost in Translation“ der amerikanischen Jung-Regisseurin Sofia Coppola. Mit diesem Song fühlt man sich zurückversetzt in den wunderbaren Film. Zurück in das einsame Tokio, in dem sich zwei verlorene Menschen finden und ein bestimmtes Gefühl miteinander teilen: den Moment des Schweigens, der Verlorenheit in einer fremden Welt.

Einfach verzaubernd.

DVD: Coldplay

Wer einmal bei einem Konzert von Coldplay war, weiß, dass die Jungs aus England einfach grandios sind. Das haben nun auch die Amerikaner mitbekommen, die Coldplay zunächst auf ihrer Tour durch die Staaten und dann auf den letzten MTV American Music Awards feierten. Jetzt ist endlich die DVD zur legendären Tour erschienen.

Sicher, nicht jeder mag die beiden CDs von der Band um Chris Martin. Vielen erscheinen die Songs zu kuschelig, langsam und für ein gutes Konzert eindeutig ungeeignet. Bei dieser Band, die sich übrigens an einem englischen College zusammenfand, liegt man mit dieser Einschätzung jedoch falsch: Wer dann doch auf einem der Konzerte in Deutschland im letzten Winter war, war schier begeistert. Denn die Band schafft es, mitzureißen. Kuschelsongs werden plötzlich rockig, schnelle Beats wechseln sich mit langsamen perfekt ab. Zusätzlich eine wohl abgestimmte Lichtshow und einen Chris Martin, der auf der Bühne wirklich alles gibt!

Sitzt er am Klavier, wie bei „The Scientist“, hat der 26-Jährige eine solche Präsenz, dass es einem kalt dem Rücken herunter läuft. Tanzt er auf der Bühne bei „Trouble“ wild umher, möchte man einfach nur mit ihm tanzen. Wild. Auf der Bühne alles geben!
Aber auch andere Songs bringen auch auf der DVD die phänomenale Stimmung des Konzertes rüber. Besonders schön „Trouble“ und Everything’s not lost“. Bei „Yellow“ bekommt der Zuschauer neben der Band zusätzlich noch eine perfekte Lichtshow geboten.

Auf der DVD ist außerdem eine 40-minütige Reportage über den Konzert-Verlauf, in dem die Jungs immer wieder auf ihre Aktion „Make trade fair“ hinweisen. Grund: Chris Martin reiste im Februar diesen Jahres für Oxfam herum und unterstützte eine Kampagne zur Änderung der Welthandelsgesetze. Seitdem trägt er auf allen Konzerten auf der rechten Handrücken „Make trade fair“.

Wer selbst das Glück hatte, Coldplay einmal live zu sehen, wird verstehen: Diese DVD ist bestens geeignet, in Erinnerungen zu schwelgen und leise vor sich hin zu träumen.

David Bowie: „Reality“

Eigentlich bedarf es bei ihm keiner außergewöhnlichen Aktionen, um ein neues Album zu präsentieren. Denn mit David Bowie ist es wie bei all den wenigen wirklich großen Stars: Viele mögen ihn, einige hassen ihn, aber jeder kennt ihn.

Und trotzdem setzte David Bowie bei der Vorstellung von „Reality“ wieder einmal – neue Maßstäbe. So, wie er es bereits 1999 mit „Heros“ tat, als er als erster Musikstar das Internet zum Verkauf seiner CD nutzte. Passend zum Titel „Reality“ stellte er sich der Realität, indem er den Live-Auftritt über das Internet und in verschiedene Kinosäle der Welt übertrug. Denn bei großen Konzerten starrt das begeisterte Publikum eh nur auf die Videoleinwand.

David Bowie versteht sich selbst hauptsächlich als Künstler und experimentiert mit allen Stilen der Musik. Und wenn die Medien auf eines seiner neuen Werke hinweisen, dann mag keiner wirklich urteilen. Schließlich steht der Engländer, der seine größten Erfolge in den siebziger und achtziger Jahren feierte, über jeder Kritik. Lieber werden Interviews mit ihm veröffentlicht, in denen er sich erklären kann.

Doch was ist das für ein Album, welches mittlerweile sein 26. ist? „Reality“ entstand in New York, und weil Bowie mit der Arbeit daran nach dem 11. September 2001 begann, wird dies auch in einigen Titeln thematisiert. Das mag man gut heißen oder auch nicht. Es ändert nichts.

Mit „Reality“ vernachlässigt der mittlerweile 56-Jährige große elektronische Einflüsse und besinnt sich wieder auf Handgemachtes. Das Album ist rockiger und auf das Wesentliche reduziert. Manche Songs wie z.B. „New Killer Star“, „Never get old“ erinnern an seine großen Hits aus den siebziger Jahren.

Fazit: Ein bisschen „retro“ schadet nicht. Besonders nicht, wenn David Bowie sich auf Sachen besinnt, die er selbst geschaffen hat.

Blumfeld: Jenseits von Jedem

Pop ist in. So sind es auch Blumfeld, die in dieser Woche ihr mittlerweile fünftes Studioalbum veröffentlicht haben. „Jenseits von Jedem“ berührt, verwirrt und ist so, wie es sein soll: ein Blumfeld-Album.
„Jenseits von Jedem“ kommt zur richtigen Zeit. Wir haben genug von Dieter-Bohlen-Hymnen, die über die Radio- und TV-Sender dudeln. Deutscher Pop muss nicht hirnlos sein. Auch nicht abgehoben, verkopft und weltverbesserisch, wie man es vor allem Sänger und Texteschreiber Jochen Distelmeyer des Öfteren vorwirft. Mit diesem Album melden sich die Hamburger Jungs zurück: Intelligenter Pop mit eingängigen Melodien und doppelgründigen Texten.
Der Einstieg kommt mit „Sonntag“ mit einer bisher ungewohnten Leichtigkeit daher („So singe ich und tanze/ und schwinge meinen Zepter/ geh aufs Ganze“) – ähnlich wie die erste Auskopplung „Wir sind frei“. Für jede Gefühlslage ist etwas dabei: tröstend mit „Alles macht weiter“, aufrüttelnd mit „In der Wirklichkeit“ und im wohl besten Lied „Neuer Morgen“, so hoffnungsvoll wie nie zuvor. Schwächer wirken hingegen „Krankheit als Weg“ und „Der Sturm“.

Fazit: Blumfeld überzeugt mit „Jenseits von Jedem“ in Wort und Ton. Sie liefern guten Gitarrenpop und diese Platte ist bestens geeignet für Blumfeld-Einsteiger.

Coldplay: The Scientist

Nobody said it was easy
No one ever said it would be this hard
Oh take me back to the start