Urlaub (2)

(Vielleicht sollte ich eine neue Rubrik einführen, Zeitungen im Test.)

Gibt es ihn wirklich, den großen Unterschied zwischen Lokalzeitungen in den alten und neuen Bundesländern? Wie sehr habe ich mich doch immer darüber aufgeregt, dass die Aufmacherthemen in Magdeburg immer so regional waren. Da kündigte ein Kanzler Neuwahlen an und die Lokalpresse titelte mit irgendeinem langweiligen Thema aus Sachsen-Anhalt. Furchtbar. Die Ostsee-Zeitung macht ihre Zeitung zwar seit Tagen mit dem Drama in Bad Reichenhall auf, allerdings ist der Rest der Zeitung so langweilig, dass man gar nicht drum herum kommt, sich doch noch eine Süddeutsche oder andere überregionale Zeitung zu kaufen. Zeitungsjunkie eben.
Während es in anderen Blättern ein Wochenendjournal gibt, verfügt die Ostsee-Zeitung über ein Montagsjournal. Besonders spannend ist dieses aber auch nicht. Eher langweilig, von gestern oder eben alt. Oder wie sollte man ein Blatt bezeichnen, das allen Ernstes Absinth als das neue In-Getränk feiert??? Eine weitere Seltsamkeit dieser Zeitung ist die „Medienseite“, also die Seite, auf der das Fernsehprogramm abgedruckt wird. Dort befindet sich auch jeweils eine TV-Kritik. Keine schlechte Idee eigentlich, wenn sich diese nicht immer mit dem TV-Film vom Vortag befassen würde. So konnte ich gestern lesen, wie der erste Teil von Dieter Wedels Film war. Dabei hätte ich doch viel lieber lesen wollen, wie der zweite Teil wird.
Und dann kann ich auch sehr gut verstehen, warum viele der jungen Leser einfach keine Lust mehr haben, diese Zeitungen zu lesen. Auf den Bildern im Lokalteil starren mich seit Montag alte Menschen an. Gerne einmal mit Blumenstrauß, Scheck oder ähnlichem Scheiß. Die Artikel beschäftigen sich mit dem schlechten Wetter (Der Winterdienst in Rostock war mit dem Schneeaufkommen überfordert, für Fahrradfahrer und Rentner eine große Gefahr), der wieder gerade gerückten Ampelanlage und ähnlichen Belanglosigkeiten. Es geht also sehr gut auch ohne.

Nachtrag: Ich bin schon eine arrogante Sau. Immer wieder muss ich lachen, wenn ich unter den Börsenkursen auf der Wirtschaftsseite die Quellenangabe „Ostseesparkasse Rostock“ lese.

Und jetzt geht ihr alle zu den Tankstellen und Büdchen dieser Welt und kauft euch schnell die Süddeutsche von gestern, damit ihr noch schnell das Interview im Wochenendteil lesen könnt. Hat Alexander Gorkow geführt und es ging um Gäste. Super!

(Und ich war diejenige, die hier an der Aral-Tankstelle die letzte FAS gekauft hat. Ha!)

Harald Schmidt: Mulatten in gelben Sesseln

Harald Schmidt. Zu oft gesagt, was ich von ihm halte. Und deshalb war es auch klar, dass ich irgendwann dieses Buch haben wollte. Gelesen? Ja. Zumindest in Teilen. Nachdem ich dieses seltsame Tagebuch durchhatte, hatte ich auch leider genug. Denn alte Focus-Kolumnen muss ich nicht wirklich lesen. Lese ja die aktuellen nicht einmal. Weil ich nie Focus lese. Entweder habe ich den höreren Anspruch dieses Buches nicht verstanden, oder mein Urteil gilt: Es ist Dreck. Leider. Leider, leider. Aber zumindest die paar Bilder mit den dazugehörigen Bildunterschriften sind ganz witzig. Manchmal.

„Die Fans kennen bereits seit einem Monat die Songs, via Internet. Die Presse tut sich da schwerer, denn man braucht komplizierteste Programme, um das wertvolle Liedgut downzuloaden – das schaffen nur Minderjährige.“

Joachim Lottmann in der Süddeutschen über das Strokes-Konzert in Berlin.

Na, auch einen Immobilienfonds im Depot? Think about it.

Nick Hornby: Mein Leben als Leser

Ich hatte die Kolumnen von Nick Hornby damals schon gesehen. Damals, als ich noch ab und zu Monopol durchblätterte. Wirklich gelesen habe ich nur die damals und auch in diesem Buch erste Kolumne (die über Salinger) und für langweilig befunden. Als mir meine Mutter nun aber dieses Buch schenkte und ich sah, dass sie sich auf einem Zettel, den sie im Buch vergessen hatte, eifrig Buchtitel notiert hatte, versuchte ich es doch noch einmal.
Erstaunlicherweise ging das gut. Kurzweilige Bemerkungen über gelesene (und ungelesene) Bücher, die Kunst des Schreibens (und Lesens) und ein bisschen was Persönliches. Alles sehr schön zu lesen. Und nun habe ich auch so eine Liste.

Zeitschriften im Test: Stern


Sagen wir es mal so: Ich habe den Stern für mich entdeckt. Angefangen hat es vor ein paar Monaten. Recht zögerlich blätterte ich immer wieder darin herum und als mich der Job dann im Sommer nach Magdeburg verschlug, fand ich Gefallen. Kaufte ihn mir immer häufiger. Und deshalb nehme ich die aktuelle Ausgabe mal zum Anlass, ihn über den grünen Klee zu loben. Die hat mir gestern abend nämlich viel Freude bereitet.

Die Gründe:
1. Man kann sagen, was man will, aber die Titeloptik ist immer ein Blickfang. Ein guter.
2. Kaum ein Magazin hat so viele gut geschriebene und gut recherchierte Geschichten.
3. In keiner anderen Publikation habe ich ein so gutes Bild von Susanne Osthoff erhalten wie in dieser Ausgabe des Stern. Ein wahnsinnig packendes Porträt von einem Journalisten, der sie mehrfach getroffen hat und eigentlich eine ganz andere Geschichte erzählen wollte.
4. Die Leserbriefe.
5. Dieser Artikel von Jürgen Steinhoff im Geld Journal Trends 2006. Über den Dachs Dax. Sowas kann nur der Stern.
6. Die Titelgeschichte. Überhaupt: Die meisten Titelgeschichten. Hier über Hypochondrie. Die Krankheit unter die Lupe genommen mit tollen Beispielen von Betroffenen (auch wenn mich das Thema überhaupt nicht interessiert, lese ich diese Beispiele meistens, liegt wohl an meiner Neugier und dem Klatschfaktor). Ach ja, und das A bis Z von Peter Pursche.
7. Gern gelesen habe ich u.a. auch das Douglas-Porträt, die Begegnung mit Haruki Murakami).
8. Die Rubrik „Was macht eigentlich…?“. Immer wenn ich das lese, denke ich sowas wie „Stimmt, an den hatte ich schon gar nicht mehr gedacht“ oder „Erst letztens hatte ich mich doch gefragt, was der jetzt eigentlich macht“. Besser geht’s nicht.

Also: Stern lesen.

PS: Bitte bitte aber jetzt keine Diskussion über den Jörges, ja?

Im Stern lese ich gerne die Leserbriefe, weil sie meist sehr unterhaltsam sind. So wie dieser hier, den ein Herr zu einem Artikel, der im Heft 48 erschienen ist. Es ging darum, dass wir Deutschen Frau Merkel einfach nicht mögen. Und so ging der Brief:
„Fazit der Merkel-und-ihr-Volk-Analyse: Wir wollen unsern alten Kaiser Wilhelm wiederhaben.“

Danke.

Jörg Böckem: Lass mich die Nacht überleben

Ich weiß gar nicht, wie lange dieses Buch auf meiner Wunschliste stand, eine Ewigkeit muss es gewesen sein. Vor zwei Wochen entdeckte ich es dann als Taschenbuch im Buchladen und griff zu. Ein sehr einfühlsamer Bericht über die Drogensucht des Journalisten, die ihn 20 Jahre lang begleitete. Sehr fesselnd, sehr traurig, sehr verzweifelt.

Am Kiosk

Ach ja, und dann noch für all die Menschen, die auf dieser Seite landen, weil sie bei Google nach „PM Sudoku“ gesucht haben. Ihr Lieben, das neue Heft gibt’s seit vergangener Woche am Zeitschriftenkiosk eures Vertrauens.