Silbereisen-Bashing

Floris Glücksschlüpfer. Laut BILD: „Damit sie auch immer schön weich ist, darf nur Silbereisens Mama Helga (51) an das wertvolle Teil. Silbereisen: „Sie wäscht meine Glücks-Unterhose immer nur kalt mit der Hand – nur so geht sie nicht kaputt und bleibt immer schön kuschelweich.““

Und die Entstehungsgeschichte stelle ich mir so vor.

Managerin von Flori: „Wir haben am Samstag Sendung, ein bisschen Aufmerksamkeit könnte nicht schaden. Wir sollten versuchen, in die BILD zu kommen. Ich ruf da mal an.“
BILD-Redakteur: „Zuletzt haben wir ja ein Liebesinterview mit Flori und seiner Freundin gemacht. Wir brauchen halt einen guten Aufhänger. Kriselt es bei den beiden vielleicht? Hat er sie betrogen?“
Managerin von Flori: „Nee, die beiden sind superglücklich.“
BILD-Redakteur: „Ja, wir brauchen aber irgendwas mit Sex, nackter Haut oder so.“
(Im Hintergrund packt Flori gerade seinen Koffer. Die Managerin von Flori entdeckt ein rotes Etwas.)
Managerin von Flori zu Flori: „Was ist das denn, Flori?“
Flori: „Das ist meine Glücksschlüpfer, mit dem hatte ich vor zwei Jahren ne Traumquote!“
BILD-Redakteur, der das Gespräch mitgehört hat: „Ok, das nehmen wir!“

Zeitschriften im Test: Das Wettermagazin


– Ganz schön kalt draußen, was?
– Ja, aber ich hab heute morgen gehört, dass es jetzt wieder wärmer werden soll.
– Wirklich?
– Ja.
– Aber wenn der Winter in diesem Jahr so kalt ist, dann wird der Sommer bestimmt sehr heiß, alte Bauernregel.
– Ja, davon hab ich auch schon gehört.

Ist es nicht seltsam, dass es „Das Wettermagazin“ erst seit einer Woche am Zeitschriftenkiosk gibt? Ein Magazin über das Smalltalk-Thema Nr. 1! Eigentlich unfassbar. Aber gut, alles kommt einmal auf den Markt, schauen wir uns das Heft, das von der Deutschen Meteorologischen Verlagsgesellschaft für 4,90 Euro, mir scheint monatlich, herausgegeben wird.

Und hey, keiner kann sagen, dass die Macher ihr Thema nicht Ernst nehmen. Das Heft ist ein bunter Mix aus kleinen Meldungen, Reportagen, Nutzwertkram und Nerd-Content. Da erfahre ich beispielsweise, in welchen Sendungen ich mich im Fernsehen über das Wetter informieren kann, es wird erklärt, wie Kugelblitze eigentlich entstehen und ich erwische mich dabei, dass ich das alles mit großem Interesse lese. Alles eigentlich ganz ordentlich geschrieben, besser würde es wohl nur bei Geo oder Mare gehen. Mir werden die Symbole der Wetterkunde erklärt, ich kann mich über das neue Erlebniscenter zum Thema Wetter und Klima informieren, das gerade in Bremerhaven gebaut wird und bis zum Frühjahr 2008 fertig gestellt sein soll. Festgelesen habe ich mich auch bei der Geschichte über die weltgrößte Klimatestanlage bei Wien, in der „Hersteller von Schienenfahrzeugen, Autos und Hubschraubern“ ihre „Gefährte auf Wettertauglichkeit überprüfen“. Die Geschichte ist garniert mit hübschen Bildern, auf denen vor allem eingeeiste Autos zu sehen sind.

Doch kommen wir nun zu den erheiternden Geschichten in diesem Heft. Da gibt es eine große Karte, die auf die „besonderen Wetterereignisse“ im Dezember hinweist. So erfährt der liebe Leser, dass die Schneefälle vor Weihnachten in Japan mindestens 6 Tote gefordert haben, dass Sydney von einer Hitzewelle mit Temperaturen bis 40 Grad geplagt wurde und ein Blitzschlag in Malawi am 18. Dezember elf Tote gefordert hat. Doch noch nicht genug Nerd-Content. Denn auf den folgenden Seiten gibt’s dann den großen Witterungsreport für den Monat Dezember. Und hört, hört, wenn ich „groß“ schreibe, dann meine ich das auch so. Denn auf 10 Seiten (!) kann ich mich noch einmal haargenau darüber informieren, welches Wetter wir denn nochmal am 22. Dezember hatten. Natürlich ausführlich nach Witterung, Temperatur, Niederschlag, Sonne und Wind aufgeschlüsselt. Antwort: War windig, aber Orkanböen gab’s nur am 15., 16. und 19. Dezember. Auf dem Brocken, übrigens.

Neben sehr vielen wirklich gelungenen Inhalten gibt’s aber auch ein paar Peinlichkeiten. So zum Beispiel eine Reportage über einen Mann, der sich aus dem Nordwesten Kanadas nach Grönland aufmachte. Leider war die allerdings schon 2003. Aber vielleicht tickt ein Wettermagazin einfach anders. Des weiteren sollte man Wettermagazin-Macher wohl lieber keine Interviews führen lassen. Die Jungs haben sich nämlich gedacht, Ole von Beust, den Bürgermeister von Hamburg über sein Interesse am Wetter zu befragen. Leider ist es das belangloseste Gespräch, das ich jemals gelesen habe. Oder wollt ihr gerne wissen, woher sein Interesse am Wetter kommt, wie hoch er den Wahrheitsgehalt von Wetterberichten einschätzt, wie sehr das Wetter sein Amt als Bürgermeister beeinflusst, welcher private Termin durchs Wetter mal „ins Wasser“ (hahaha) gefallen ist“, ob er bei einem Flug schon einmal eine gefährliche Wettersituation erlebt hat, was er bei heftigen Unwetter denkt, bei welchem Wetter er sich wohl fühlt und was er macht, wenn es am Sonntag Nachmittag regnet? Ja, ihr wollt das wissen? So völlig im Ernst und ohne zu lügen? Ja, wenn das so ist. Dann verrate ich euch auch, dass der erste Extremwetterkongress am 16./17. Februar in Hamburg stattfindet. Alles klar?

Schlimme Prognosen

Ich bin mir ziemlich sicher, dass es in zwei bis drei Jahren laut Duden erlaubt ist, „für’s“, „auf’s“ und ähnliche Grausamkeiten zu schreiben. Erst letztens in der ARD hieß der Film „Suche impotenten Mann für’s Leben“ und das Handelsblatt macht’s (sic!) auf seinem Flyer zur Lesung ja auch falsch.

Lesenlesenlesen!

Stefan Niggemeier in der FAS: „Das Publikum an der Macht“. Wichtigwichtigwichtig!

Aus den Kommentaren gefischt: Stefan Niggemeier hat den Text jetzt auf seine eigene Seite gestellt. Klick!

Premium-Content im Vinoblog. Mannmannmann.

„Der Kindergeburtstag ist vorbei“. Die WELT über die Zukunft von Sarah Kuttner.

Wann hat Moritz von Uslar eigentlich das letzte Mal eines seiner legendären 100-Fragen-Interviews im SZ-Magazin gehabt? Muss eine halbe Ewigkeit her sein. Morgen gibt’s allerdings wieder eins. Mit Mariah Carey. Könnte gut sein.

(via)

PS: Hier isses.

Der Sudoku-Wahn greift weiter um sich. Jetzt können sogar die Omas welche lösen: „Das neue Blatt“ hat nun auch zwei pro Heft.

R. Gerhardt, H. Leyendecker: Lesebuch für Schreiber

Mindestens einmal im Leben wird einem Journalisten empfohlen, das Buch „Deutsch für Profis“ von Wolf Schneider zu lesen. Bei meinem Journalistikkurs im Rahmen des Volontariats vor genau einem Jahr riet einer der Referenten sogar, mindestens einmal im Jahr in diesem Buch zu blättern und zu lesen. Um sprachlich Wichtiges in Erinnerung zu rufen. Und so. Um ein wenig Abwechslung in die Lektüre zu bringen, kann man sicherlich im Wechsel auch mal zu „Lesebuch für Schreiber“ greifen. Mein Lieblingskapitel beginnt auf S. 36 und trägt den Titel „Sprach-Schablonen“.