George Lindt: Provinzglück

Passend zur Reiseroute dieses Buch hier gelesen. Ein Typ um die 30 bekommt einen Job in seiner Heimatstadt angeboten und muss dafür sein locker flockiges Leben in Berlin aufgeben. Belanglos, falls es irgendjemanden interessiert.

Zeitschriften im Test: Rosenkrieg

Wo sucht man ein Magazin, in dem es um „Trennung, Scheidung und Neuanfang“ geht? Natürlich im Regal für Haus, Familie und Tiere. Logisch oder? Schließlich geht es ja genau darum: Um die Aufteilung des Hauses, die zerrüttete Familie und die Frage, wer von nun an den Hund nimmt. Nur leider war ich da nicht selbst drauf gekommen und musste die überaus hilfsbereite (‚Fragen Sie mal an der anderen Theke‘) Kassiererin danach fragen.

Beinahe jede zweite Ehe wird in Deutschland mittlerweile aufgelöst und damit wir alle nicht im finanziellen Desaster enden, gibt es jetzt RosenKrieg – das Magazin für Scheidungswillige und solche, die es werden wollen. Das Heft erscheint im Lutz von Gratkowski Verlag, der auch das Magazin „Zwillinge“ herausgibt (Kennt das jemand?).

Doch ich will nicht lange herumplänkeln und mich schleunigst dem Inhalt des Heftes widmen. Hat mich schließlich um 3,90 Euro ärmer gemacht (Ja, leider schicken mir die Verlage immer noch keine kostenlosen Exemplare zu und meine Anfrage bei „Spießer“ führte auch zu keiner Zusendung eines Exemplars). Der erste Schock ereilte mich beim ersten Durchblättern: Stümperhafte Bildbearbeitung, langweilige Bildauswahl, unprofessionelle Grafiken – was haben sich der Verlag und die beiden Chefredakteure (die eine glücklich verheiratet, der andere seit einem Jahr geschieden) nur dabei gedacht? Sollte man auch bei einem solchen Thema nicht ein wenig auf die Optik achten? Aber o.k., vielleicht ist das für die Zielgruppe nicht so wichtig, vielleicht reichen ‚Fakten, Fakten, Fakten‘ und ‚Nur nicht an den Ex denken‘ wirklich aus. Beim zweiten Durchblättern dann der zweite Schock: Übersieht man mal die drei Seiten Buchtipps, ist von den 68 Seiten gerade einmal eine Viertelseite des Heftes mit Werbung gefüllt. Die Frage nach dem Geschäftsmodell drängt sich auf und ein Blick auf die Internetseite verrät, dass man wohl mit Kleinanzeigen (Suche Scheidungsopfer, die eine richtig dreckige Story zum Erzählen haben.), Kanzleianzeigen und dem Buchshop Geld verdienen will.

Tja. Und sonst? Die Titelgeschichte (Warum gibt’s eigentlich so viele Scheidungen – die wahren Gründe) liest sich ein wenig wie ein Text aus einer Selbsthilfegruppe. Zunächst werden viele mögliche Gründe aufgezählt (Sind es die Emanzen? Ist der Werteverfall Schuld?), bis es am Ende knüppeldick kommt. Der Autor hebt den pädagogischen Zeigefinger und mahnt, an uns zu arbeiten. Wenn das mal kein Nutzwert ist.

Nein, ich bin nicht wirklich begeistert von der Neuerscheinung. Zum einen liegt das daran, dass die Texte in den Rubriken Recht, Kirchenrecht, Kinder, Rosenkrieg Live (die Schicksale dürfen natürlich nicht fehlen), Leben danach (Internetdating, Horoskop), Tipps & Tricks und Lesestoff alle nicht besonders spannend sind. Müssen sie ja auch nicht, könnte man jetzt sagen. Schließlich will man doch einfach nur wissen, wie das jetzt läuft, mit der Scheidung. Doch hätte man sich vielleicht auch ein bisschen Mühe geben können. Und wie man mit dem Thema alle zwei Monate immer wieder ein ganzes Heft füllen will (wieder mal die Düsseldorfer Tabelle abdrucken?), ist mir ebenfalls noch unklar. Aber vielleicht können wir alle dann einfach noch mehr Schicksale und noch mehr Tipps & Tricks à la „Semmelbrösel in die Socken, hält den ärgsten Schweißfuß trocken“ lesen. Darüber würde mich wahnsinnig freuen.

Das Ding mit den Anzeigen

Da wird eine Redakteurin gekündigt, weil sie nicht besonders nette Sachen über einen Discounter geschrieben hat. Darüber aufregen? Ja, muss man. Weil die journalistische Freiheit ernsthaft bedroht ist. Stellt sich die Frage, ob es diese journalistische Freiheit bei den meisten kleineren Tageszeitungen überhaupt noch gibt. Und nicht nur dort. Gerade wenn diese kaum noch Anzeigen der regionalen Wirtschaft erhalten und die Abhängigkeit von den Anzeigen der beiden großen Discounter (die ja wöchentlich eine ganze Seite schalten) so groß geworden ist.

Ich erinnere mich an einen Termin in einer Lokalredaktion vor gar nicht langer Zeit, zu dem ich nur gegangen bin, weil die Firma auch ab und zu Anzeigen schaltet. Ich habe es erlebt, dass eine Telekom-kritische Geschichte drei Monate geschoben wurde, weil das Unternehmen gerade Anzeigen geschaltet hat. Und ich habe erlebt, wie eine Geschichte über den Neuen Markt wieder offline genommen wurde, weil es irgendjemanden aus der Chef-Etage nicht gefallen hat, die Unternehmen auf einem Friedhof zu begraben (geile Optik war das…). Drei Beispiele aus drei Redaktionen. Die Liste könnte man wahrscheinlich unendlich fortführen.

Nein, ich beteilige mich nicht an dem gerade aktuellen Spiegel-Bashing. Aber das Lesen von Filmkritiken kann man sich wirklich schenken. Aktuelles Beispiel: Herr Broder über „Paradise Now“.

Und dann lese ich das hier und denke, dass es wohl ziemlich sinnlos wäre, wenn ich bei meinem nächsten Besuch eine Flasche Bier in die Nordsee kippen würde.

Lesen!

Bekenntnisse

‚Was lest ihr außer dem ollen Internet?‘ fragt Anke.

daily: Süddeutsche, Handelsblatt, BILD, seit neuestem nur noch selten FTD und FAZ.

weekly: Spiegel, Stern, FAS (Abo). Aber auch Bravo, Das neue Blatt oder was sonst so auf meinem Schreibtisch landet.

monthly: Titanic (Abo)

und sonst? Dummy (aktuelles Heft: Juden, Abo), brand eins (Abo), kress , visdp, und dann noch all die schönen Magazine, die mich von Zeit zu Zeit im Zeitschriftenkiosk anspringen.

Gabriele Gillen: Wir hatten die Wahl

Unter diesem Titel hat es in der vergangenen Woche ein Büchlein in die nähere Auswahl der Zuglektüre geschafft. Zu lesen sind teilweise recht amüsante ‚Rückblicke auf unsere neue Regierung‘. Mit dabei: Peter Praschl, Matthias Deutschmann, Willi Winkler, Dieter Wischmeyer, Juli Zeh und der unvergleichliche Wiglaf Droste. Ach ja, Martin Sonneborn hat auch was geschrieben, allerdings schien mir dieser Text wie ein müder Abklatsch seiner Wahlkampfparolen. Und Wahlkampfparolen? Muss derzeit nicht sein, bin leider völlig übersättigt.

Aber eigentlich wollte ich ja erzählen, dass mir der Text vom unvergleichlichen Wiglaf Droste so gut gefallen hat. Vielleicht mögt ihr dafür ja 6 Euro investieren. Wenn nicht, ab in den Buchladen und ein bisschen schmökern. Lohnt sich wirklich.

„Und Knüwer hat Spaß dabei: ‚Blogs können für Journalisten ein wunderbares Entkrampfungsmittel sein: Man schreibt über andere Themen, in einem anderen Stil und wird für Gelungenes unmittelbar belohnt –  das ist wie ein Stück Edelschokolade nach der Kantine‘, sagt er.“

Steht hier. Herr Knüwer hat recht.

Wochenendplanung per Mail

„Für das Wochenende habe ich auch schon ein paar Vorschläge neben rumhängen, Scheiße labern, trinken und fressen! Über das gesamte Wochenende findet eine Draußen-Party von ein paar Freunden von mir statt. Da könnten wir am Freitag oder Samstag mal hin gehen. Samstag Abend würde ich mal tanzen vorschlagen. Da hat ein neuer Laden aufgemacht und man muss über 25 Jahre alt sein, um hinein gehen zu dürfen. Also, fälsch mal deinen Kinderausweis, Baby.“

Schon geschehen. On my way.