FILM: L’Auberge Espagnole

Das Schöne an den sommerlichen Freiluftkinos ist, dass man viele Filme schauen kann, die man damals, als sie gerade aktuell im Kino waren, verpasst hat. Das Doofe an Freiluftkinos ist allerdings, dass die Auswahl der Filme, die mich interessieren und die ich noch nicht gesehen habe, äußerst begrenzt ist. Den meine filmischen Lücken liegen so viele Jahre zurück, dass auch das Freiluftkino diese nicht schließen kann.

Schön allerdings, dass trotzdem ein Film dabei war und für diesen wunderbaren Abend habe ich sogar eine weitere Premiere gehabt: Mein erster Ausflug ins Ruhrgebiet. Wer nämlich glaubte, dass Düsseldorf da irgendwie auch dazu gehört, der irrt gewaltig. Das ist nämlich im Rheinland.

Aber zum Film: Xavier beschließt aufgrund seiner mangelnden Spanischkenntnisse das schöne Paris zu verlassen und nach Barcelona zu fahren. Dort erlebt er – wie man dem kreischenden Publikum entnehmen konnte – ein typisches Erasmusjahr. Das war hübsch anzusehen, weil der Film wunderbar schnell war, mit schöner Musik unterlegt.

Seltsam allerdings das Gefühl, mit dem ich aus dem Film ging. Ich konnte so viele Dinge nachempfinden, auch wenn ich nicht während meines Studiums im Ausland war, sondern ’nur‘ nach dem Abi ein Jahr in England und doch war ich seltsam distanziert, weil da von einer Welt erzählt wurde, mit der ich erst vor wenigen Monaten abgeschlossen hatte.

Schönheitsfehler hatte L’Auberge Espagnole aber doch. Da schmeißt der Typ seinen Job bei der Europäischen Kommission hin, weil er zu dröge ist und er lieber das machen will, was er sich bereits als kleiner Junge wünschte: Schreiben. Unrealistisch und verträumt kam dieses Ende daher, nicht ohne vorher den Hinweis zu geben, dass er sich ja weder französisch, noch spanisch, sondern irgendwie europäisch fühlt. Irgendwoher mussten ja die Fördergelder für das bunte Spektakel kommen.

Und mein Ausflug ins Ruhrgebiet? Ich weiß nicht. Wenn ich mich an das Publikum erinnere, welches zunächst ewig quatschte, dann an den unmöglichsten Stellen lachte, kann ich nur sagen, dass die noch viel lernen müssen. Zum Beispiel, dass man auch im Freiluftkino das Handy ausschaltet und es nicht lautstark klingeln lässt. Das wäre zumindest ein Anfang.

Platitüde des Tages

Wenn’s ums liebe Geld geht, hört die Freundschaft auf.
Wer bietet mehr?

Früher Vogel fängt den Wurm?

Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.

Morgenstund hat Gold im Mund

Das muss man auch mal getestet haben…!

Aber man soll es ja nicht beschreien. Genauseowenig wie man den Teufel an die Wand malt.

traue keinem über dreißig.

Die Geschmäcker sind halt verschieden.

Ordnung ist das halbe Leben.

Wenn’s um Liebe geht, hört die Freundschaft auf. Fand ich irgendwie auch nett.

Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.

Der Faule wird am Abend fleißig.

Narrenhände verschmieren Tisch und Wände.

narrenhand schafft allerhand!

Einmal ist keinmal.

Ohne Zögern hoffe ich, dass er irgendwann ausstirbt: Der gemeine Wunderbaum.

Paris

Für einen Tag die Stadt austauschen. Den Rhein gegen die Seine. Allein auf dem Boot, mit schöner Musik auf den Ohren. Zum Eiffelturm mit dem neuesten Touri-Trend: Umherflatternde Metallvögel. Aufziehbar, nervend.
Weiter. Notre Dame. Dann der Louvre. Nein, nicht ganz hinein, viel zu viel und entscheiden, entscheiden mag ich mich heute nicht. Ein langer Spaziergang, die Tauben bedauert, die nicht in der Lage sind, es den Möwen, Enten und Schwänen gleich zu tun. Ins Wasser zu springen, untertauchen. Kopf heraus und Federn ordnen.
Als die Füße schmerzten ab in den Buchladen. Den Lonely Planet gekauft und weiter im Touristenprogramm. Diesmal auf dem Papier. Nein, Herrn Sebas habe ich nicht getroffen.

Mit Bitte um Erlaubnis

Darf man im Zug eigentlich Kindern, die mindestens 50 Mal den Gang auf und ab rennen, immer wieder mit diesem debil dämlichen Grinsen im Gesicht und den glucksenden Geräuschen, wenn es ein Lächeln eines Mitreisenden erhascht hat, darf man diesem Kind eigentlich bei der 51. Runde ein Bein stellen? Mit allen Konsequenzen?

Kundenservice

– Ja…? – Mein Name ist Meyer.
– Was kann ich denn für Sie tun, Herr Meyer?
– Einmal Currywurst mit Pommes hätte ich gern. – äh… (ein Verrückter!)
– Nein, ich wollte nur mal wissen, ob Sie in ihrem Artikel da die Rendite vor oder nach Steuern meinten. (Der Kopf läuft rot an, Schweiß bricht aus, der erste Leser, der mich auf einen Artikel anspricht…)
– Äh, vor Steuern.
– (glücklich) Das war’s auch schon.
– Und an dem Lieferservice für Fast Food arbeiten wir noch.
– Ach, ich wollte heute sowieso lieber was Leichtes essen. Bei dem Wetter.
– Na, dann viel Spaß mit einem Salat…
– Ja, das ist eine gute Idee. Tschüß.

Name geändert, Verlauf des Gesprächs nicht.

Übers Schreiben

‚Ich (…) bin ein Autor, ein Gesetzloser. Ich schreibe, wie ich will. Das Wichtigste für mich ist, dass ich in Worte fasse, was ich fühle, und nicht in Kommas. Schreiben ist eine rumpelige Straße. Schreiben ist schwer. Ich weiß, dass ich Tage habe, wo ich elendig schreibe und nichts zu sagen habe. Aber das hat nichts mit der Rechtschreib-Reform zu tun. Ich bin leer, ich habe nicht geküsst, ich habe nichts gefühlt.
Ich hoffe auf morgen, auf den besseren Satz.‘
aus Wagners Worten

Bei schönem Sonnenuntergang darüber gesprochen, dass zu enge Hüfthosen Schäden verursachen können. Angeblich käme es zu einer Beckenfehlstellung. Dass die geilen Teile nicht gut für die Nieren sind, habe ich ja nun schon von der Großmutter gelernt, und den schlechten Gang durch Flipflops kenne ich auch zu gut, aber Fehlstellungen durch Hüfthosen? Ich weiß nicht.

Spannung

Es ist dunkel. Wie im Theater. Die Türen sind bereits zu. Der Vorhang ist geschlossen. Noch. Und lastet auf allem. Die Geschichte steht im Programm. Erst wenn der schwere Stoff sich langsam beiseite schiebt, geht es wirklich los. Diese leise Aufgeregtheit, bis sich der Vorhang öffnet. Warten, bis die Bühne erleuchtet ist. Erst dann weiß man, ob sich die im Kopf geformten Erwartungen erfüllen können.

Der Hausdrache und das liebe Geld

Wenn man Glück hat und alles richtig plant, muss man in diesem Haus nur alle drei Monate bei ihr (1, 2) klingeln. Das ist dann der Fall, wenn wieder einmal das Putzgeld für den Flur ansteht und sie 24 Euro von jeder Mietpartei für das nächste Vierteljahr einsammelt. Geschickte Menschen kombinieren diese Zahlung auch gleich mit einer Erhöhung des Bestands an Münzen für die zum Haus gehörene Waschmaschine. Dachte ich mir und gehorchte aufs Wort, als ich heute meine vier Wände betrat und den Zettel entdeckte, den sie mir in meine Wohnung geschoben hatte.

Und weil gerade nicht mehr Geld übrig war, beschloss ich, mit 30 Euro meine Schuld zu begleichen und vom Restgeld Waschmünzen zu erstehen. Wer glaubt, dass 24+6=30 Euro eine einfache Rechnung ist, hat sich jedoch getäuscht.

Ich will nun wirklich nicht mit Details nerven, nein, das läge mir fern, doch hat die gute Frau es innerhalb der 20 Minuten (!!) wirklich geschafft, mich beinahe zum Ausrasten zu bringen. Denn, nein, einfach die 30 Euro hinlegen und die 12 Waschmünzen einstecken – geht nicht. Denn zunächst musste das Geld für die drei Monate auf drei verschiedene Umschläge verteilt, die Münzen aufgereiht und dann schließlich das Waschgeld in die Schatulle verstaut werden.

Da diese Sortierei eine erhebliche Menge an Kleingeld erfordert, ging es nach einigem Hin und Her sogar an die Ersparnisse der guten Frau. Denn merke: Damen jenseits der 60 (sach ich jetzt mal), sparen nicht wie andere Menschen bei der Bank, sondern in verschiedenen Behältern, die sich in der Küche befinden. Unten in der Vitrine die Schachtel für die 1-Euro-Münzen, die täglich durch eine weitere gefüllt wird. Oben auf dem Küchenschrank, die Dose für die 2-Euro-Münzen, die wöchentlich gefüllt wird. Und wozu das Ganze? Na klar, für den jährlichen Urlaub natürlich. Da wird ja die eine oder andere Münze fällig.

Jedenfalls werden sich die Spardöschen in den nächsten Wochen zusätzlich füllen. Dann nämlich, wenn die Gute die vielen Stickbilder ihrer Tochter auf dem Flohmarkt vertickt, die ich heute ausschlagen musste. Nein, natürlich nicht aus ästhetischen Gründen. Die Tatsache des Platzmangels an meinen Wänden war allein ausschlaggebend.