Samstagnachmittag

Mit dem Kinderwagen an Autos, Motorrädern. „Hänger“, heißt es von vorn, ich stimme zu. „Auto.“ Genau und noch eins und noch eins. Verrückt. Die angebotene Weintraube kommt gut an, heißt: Sie wird in den Mund gestopft und es tönt ein „Mehrmehr“.

Auf dem Spielplatz wird die Schaukel links liegen gelassen, spannender ist heute die Scheibe auf Federn, die wir gemeinsam besteigen müssen. Wir wackeln ein bisschen herum bis „runter“. Kein Problem, nichts leichter als das. Auf dem Weg zur Rutsche ein kurzer Stopp beim Sand und dem Wackelmotorrad. Selber rauf klettern klappt noch nicht, Mama hilft natürlich gern. Noch ein Stopp im Sand, der die Finger dreckig macht, was plötzlich irgendwie doof ist. Also Taschentuch raus, saubermachen. Nun ist das Taschentuch „Müll“, also los zum Mülleimer.

Gerutscht wird dann nur einmal, mit pro forma Händchen halten, dann ist die Rutsche an sich spannender: Wenn man mit den Händen drauf patscht, macht sie lustige Geräusche.

Wenn da nicht die Tauben wären, denen man hinterher jagen kann. „Eieiei“, ruft er und wackelt hinterher. Ja, damals hatten wir alle den Traum, Tauben zu streicheln.

Zurück laufen wir durch den Park, ich mit dem Wagen auf dem Weg, er ohne durch das Laub. „Bluum!“ – „Tau!“ – „Dei!“ – was auf deutsch „Blume“, „Taube“ und „Steine“ heißt. Wir laufen über die Brücke, begrüßen die Enten („Ao“), die auf Futter unsererseits hoffen. Die Gänse haben ebenfalls wenig Lust gestreichelt zu werden.

Auf dem Rückweg gehen wir an der Baustelle vorbei, ein Kran, ein Bagger – Kind ist glücklich. Mama auch.

Müll

Wir müssen über Müll sprechen. Also nicht wir, sondern wir hier in dieser kleinen Familie. Kein Morgen vergeht, an dem nicht das M-Wort fällt. Montags und dienstags kommen die Müllwagen auch bei uns vorbei. Das bedeutet schon beim morgendlichen Mülltonnenrücken weiß der kleine Mann, dass heute einer dieser großen Tage ist. Und da sich Müllwagen mit viel Gerumpel ankündigen, stehen wir pünktlich beim Eintreffen der Müllkolonne am Fenster und gucken.

Mittwoch, Donnerstag und Freitag kommt das Müllauto nicht bei uns vorbei, was aber nicht schlimm ist. Denn auf dem Weg zu den Tagesmüttern ist die Wahrscheinlichkeit relativ hoch, eines zu treffen. Und wenn schon kein großes Rumpeliges, dann zumindest ein Kehrfahrzeug oder einen der orangefarbenen Kipplader.

Seit wir uns in der Müllphase befinden, bin auch ich mittlerweile Profi. Ich halte während der Fahrt ebenfalls Ausschau und kenne die unterschiedlichen Fahrzeugtypen.

Dass dem so ist liegt auch an einem Buch: „Die Müllabfuhr“ aus der Reihe „Wieso? Weshalb? Warum?“ (empfehlen kann ich übrigens auch „Die Ente“ und „Autos und Laster“). Da wird das alles nämlich genau erklärt: Was die Müllmänner so anhaben, wie sie ihre Schicht beginnen, wie die Autos funktionieren, wo der Müll hinkommt, usw.

Dank des Buchs haben wir diese Müllphase nun vielleicht auch endlich überwunden. Heute begrüßte der kleine Mann die Mülltonnen am Wegesrand nämlich nicht wie üblich mit einem lauten „Müll“, sondern mit „Max“. So heißt nämlich der Müllmann in dem Buch.

Geht doch.

Aan Zee (2)

• Es gibt tatsächlich Eltern, die ihre Tochter Jo-Ellen nennen. Und ich dachte immer, der Kinderdok macht Witze.

• In Alkmaar ist montags die Stadt völlig ausgestorben. Manche Läden öffnen immerhin um 13 Uhr, die meisten bleiben geschlossen. Im Käsemuseum gibt’s Käse aus Holz („Ball!“), allerlei historische Käsemachutensilien und einen Erklärfilm in deutscher Sprache. Dafür dass das Museum im Urlaub-mit-Kindern-Ratgeber für die Niederlande empfohlen wurde, durfte man erstaunlich wenig anfassen.

• Seit ich Mama bin, kenne ich Hema. Seit ich Mama bin, bin ich Hema-Fan.

• Nach drei Tagen blieb das Wetter heute auch am Nachmittag schwierig. Wind, so dass die Surfer aus ihren Hütten herauskrochen, Drachen aufstiegen, Nordface-Jacken den Strand besiedelten.

• Trending topics: Meer, Bagga, Elkaeh (Lkw), Muuh.

Aan Zee (1)

• Ein sehr nettes Apartment mit Meerblick und jedes Mal, wenn der kleine Mann das große Wasser sieht, ertönt ein lautes „Meer“. Die Zeiten, in denen man wusste, dass er bei der einen oder anderen Mahlzeit einen Nachschlag will, sind vorbei.

• Neue Lieblingseissorte: Grapefruit. Großartig erfrischend.

• Ich muss nur einen Nachmittag am Strand verbringen, um zu wissen, dass das die richtige Entscheidung war. Urlaub am Wasser, im Sand, am Meer. Nicht zu heiß, aber eben warm genug. Und ist ja klar, dass das jetzt so bleibt.

• Und weil sich ja die Perspektiven verschieben: bereits unzählige Motorräder begutachtet, dem Schaufelbagger bei seinen Arbeiten an der Düne beobachtet, die Traktoren am Strand beobachtet, diversen LKWs hinterhergeguckt, kein Müllauto gesehen. Dafür Kühe, Schafe, Ziegen am Wegesrand. Urlaub mit Kind eben.

• Seit ein paar Tagen wird auf Fragen wie „Willst du was trinken?“ oder „Bist du satt?“ geantwortet. Ungewöhnlich, schön. Und auf den Hinweis, dass er sich ruhig ankuscheln könne, während er auf meinen Schultern posiert, landen zwei kleine Patschhändchen in meinem Gesicht und der Kopf wird sanft auf meinen gelegt. (they call it Mutterglück, i guess)

• Und manchmal denke ich dann zurück an das Wochenende, an dem ich schon mal hier war. Mit einer Freundin, gerade frisch schwanger, nichtsahnend, Familien am Nebentisch beobachtend, ob das bei uns in ein paar Jahren ähnlich ablaufen würde. Resultat: nicht ganz, aber gegen bestimmte Dinge kann man nun mal nix machen. Und das ist auch gar nicht so schlimm.

Der Kindle und ich

Seit Weihnachten habe ich einen Kindle und mag ihn eigentlich sehr. Es waren nicht viele Bücher, die ich seit Jahresstart gelesen habe, aber die Mehrheit las ich digital. Weil der Kindle besser in die Handtasche passt (als beispielsweise der dicke Murakami-Schinken), weil der Buchkauf nie einfacher war, nie schneller ging.

Womöglich würde ich noch mehr auf dem Kindle lesen, gäbe es die Kindle-App nicht. Denn immer wenn ich noch nicht schlafen kann, greife ich zu meinem iPhone. Und wenn es die familiäre Situation das Licht anschalten nicht möglich macht, ist die App einfach die bessere Alternative. (Dass ich das iPhone auch fast immer bei mir trage und den Kindle schon allein wegen seiner Größe nicht, ist sicherlich ein weiteres Argument.)

Und so kam es, dass ich seit Urlaubsstart nicht nur das in Blogs sehr gehypte Buch „Sitzen vier Polen im Auto“ von Alexandra Tobor regelrecht aufsog, sondern auch gleich noch den neuesten Julian Barnes „Vom Ende einer Geschichte“ inhalierte. Sag nochmal einer, mit Kind käme man nicht zum Lesen.

In den vergangenen Wochen wieder einen Karton mit zu klein gewordenen Sachen gepackt. Immer wieder ein sehr seltsames Gefühl. Besonders weil ich wahrscheinlich noch unzählige solcher Kartons packen werden darf.

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„Drei Monate“, das ist die prognostizierte Haltbarkeit von Kinderschuhen. War dann doch kein Witz der Verkäuferin.

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Man erlebt ja immer unterschiedliche Dinge auf Raststätten. Mal total verdreckte Kinderstühle, mal eine freundliche Bedienung, die nicht nur eine Milch warm macht, sondern diese sogar verschenkt: „Der zahlt ja schließlich meine Rente.“

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Ein fremdelndes Früchtchen in einer Horde alter Menschen und dann die Frage: „Ist er vielleicht so anhänglich, weil er dich unter der Woche so wenig sieht?“

Wochenende

Erstens: Es gibt unfassbare schlechte Raststätten.

Zweitens: Es gibt unfassbar schlechte Raststätten, bei denen das Verpflegungssymbol meint, dass da eine Wurstbude steht.

Drittens: Es gibt Raststätten, die auf den ersten Blick unfassbar schlimm aussehen, sich aber im Nachhinein als kinderfreundlich entpuppen.

Viertens: Nie wieder werde ich ein böses Wort über ehemalige Transit-Raststätten verlieren. Nie wieder.

Fünftens: Ein Wochenende bei der Verwandschaft bedeutet nicht, dass man mal die Ruhe findet, in ein Buch zu schauen.

Sechstens: Ein Wochenende bei der Verwandschaft bedeutet nicht, dass man mal ausschlafen kann.

Siebtens: Ein Wochenende auf dem Dorf bedeutet nicht, dass man auf Enten trifft – ein Hoch auf die Stadt!

Achtens: Trending 2012: Wasserspielplatz.

Neuntens: Ich kann jetzt all die Spießer verstehen, die irgendwann raus ins Grüne ziehen.

Zehntens: Ich will eine Stadtwohnung, zentral gelegen, möglichst fünf Zimmer, Altbau. Mit Garten. Es ist also soweit.

Macht! Mehr! Kinder!

Kein klimatisiertes Abteil, unter den Fahrgästen zwei Kinder, eins und drei Jahre alt, Öko-Eltern, die nicht durchgreifen, Stillen und Windeln wechseln – das volle Programm. So beschrieb heute Mittag eine junge Frau ihre Wochenend-Zugfahrt. Ja, so kann man es natürlich beschreiben. Und jedes Mal in solchen Situationen wird mir klar, dass ich vor ein paar Jahren noch genauso argumentiert hätte und nicht etwa mit was wohl die Kinder in einer solchen Situation durchmachen müssen, dass Kindern in diesem Alter nur so mittel vermittelt werden kann, doch jetzt endlich mal ruhig zu sitzen oder am besten fahrgastfreundlich zu schlafen. Dass die viele Züge zwar in der Theorie eine Wickelgelegenheit bieten, aber oft dann doch nur Theorie oder schlicht unerreichbar, weil die Gänge mit Fahrgästen, Koffern oder ähnlichen Hindernissen vollgestellt sind. Und Stillen in der Öffentlichkeit? Da habe ich früher auch kein Problem gesehen.

Jeder sollte ein Kind haben. Allein für das Verständnis füreinander.

Der Ben vom Bernd

Der großartige Ben Schadow, allen natürlich (noch) besser bekannt als ein Teil von „Bernd Begemanns Befreiung“ hat eine Platte rausgebracht (der Bassist!) und ein Video gibt es auch:

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Hier ins Album reinhören.

(Am 5.6. in Köln, Stereo Wonderland)

Lauf, Baby, lauf!

Seit dem 7. April läuft das Früchtchen. Im Vergleich zu seinen Pekip-Freunden vergleichsweise spät, aber das ist ja bekanntlich egal: Am Ende können sie alle laufen und sprechen und essen und überhaupt. Dennoch ist es spannend, wie da plötzlich ein Schalter im Kopf umgelegt wird. Am Morgen wurde noch wild durch die Wohnung gekrabbelt und beim Abholen von den Tagesmüttern heißt es dann plötzlich, dass das Früchtchen heute sehr viel gelaufen sei. Mittagsschlaf und zackbumm auf zwei Beinen unterwegs.

Natürlich sieht das alles sehr putzig aus und Außenstehende sorgen sich beim Beobachten des Laufstils sicherlich, dass dieser kleine Junge da jeden Moment auf die Nase fliegt, aber das passiert nicht, also selten und wenn dann wird eher auf den Popo geplumpst.

Nun überlege ich seit Minuten, ob dieser Text vielleicht noch einer ordentlichen Pointe bedarf. Da mir nix einfällt: nein. Er läuft jetzt halt.