BUCH: Kluun – Ohne sie

Nachdem ich das erste Buch von diesem Holländer ja im Urlaub weggelesen hatte und es mich in eine Krise gestürzt hatte, gestern dann (in der Badewanne, aber das tut ja nichts zur Sache) „Ohne Sie“ zu Ende gelesen. Stijn erzählt, wie das Leben weitergeht, ohne Carmen. Dafür mit jeder Menge Sex, Kokain und Alkohol. Das kommt im Freundeskreis und auch bei seiner kleinen Tochter nicht so richtig an. Und irgendwann, nach reichlich Exzessen, bemerkt Stijn dies auch und beschließt, eine Auszeit mit seiner Tochter zu nehmen. Weg von Amsterdam, weg von seiner Langzeitaffäre Roos, weg von den so genannten Dollys.

Dieses zweite Buch ist nicht ganz so packend wie das erste, vermutlich weil man schon weiß, dass Carmen ja nun gestorben ist. Und die langen Passagen, in denen es abwechselnd um die Exzesse oder um das schlechte Gewissen in Form seiner Freunde geht, hätte man sicherlich auch ein bisschen kürzer fassen können.

Doch was dieses Buch genauso wie das erste schafft, sind die Tränen und die Gedanken, die einen auch danach nicht so recht loslassen wollen. Mir wurde beispielsweise mal wieder (jaja, scheiß Herbstblues) klar, mit wie viel unwichtigem Scheiß man jeden Tag beschäftigt ist, anstatt sich viel mehr mit anderen Dingen zu beschäftigen. Mit sich selbst (also nicht so, wie ihr jetzt denkt), mit Menschen, die einem wichtig sind. Wer weiß, was noch so kommt.

(Und irgendwie schäme ich mich jetzt doch, dass ich mit diesem Carpe-diem-Kack anfange, aber so war das halt, gestern.)

Leider bleibt am Ende doch zumindest so ein bisschen offen, mit welcher Frau (ich formuliere das mal so offen) Stijn oder Kluun oder so nun sein Leben verbringt. Das ist sicherlich gar nicht mal so schlecht, weil man noch so noch ein bisschen länger grübelt.

So war Portugal (11)


Es gibt ja Städte, da weiß man sofort, dass man sie mag. Bei Lissabon war das so: Ich fuhr das Auto durch die Mautstation (Schon mal den Alarm ausgelöst, weil einfach durchgefahren?) und auf die Brücke. Allein dieser Augenblick haut mich um: Was für ein Blick auf die Stadt, den Fluss. Und wenn man dann immer weiter fährt, kommt diese Wahnsinnsbrücke immer näher. Toll. Na, eigentlich hatte Lissabon in diesem Moment bereits mein Herz erobert.


Als erstes besorgen wir uns ein Bus-Ticket. Eins für diesen Hop-on-hop-off-Bus, die blaue Linie, die eigentlich an allen wichtigen Sehenswürdigkeiten der Stadt vorbeifährt. Mit einem Kopfhörer kann man sich die Erklärungen (in den Pausen gibt’s Faro-Mucke) in allen möglichen Sprachen anhören. Ich entscheide mich für deutsch und lausche. Und nein, es ist nicht einmal oder zweimal, dass in den Beschreibungen zu den Häusern und Straßen erwähnt wird, dass 1755 (Oh Mann, ich weiß es immer noch auswendig) ein schweres Erdbeben große Teile von Lissabon, nein, Portugal zerstört worden sind.


Das Erklimmen der Berge (Ich bin Nordlicht, ich darf das!) ist schon recht anstrengend. Insbesondere weil Temperaturen von mehr als 28 Grad herrschen. Aber wenn man dann erst mal oben ist, und so einen Blick genießen kann, dann würde man sogar noch einmal hochlaufen (Also ich jetzt.)



Am Abend gibt es an allen drei Tagen Regen. Kurz davor aber auch geiles Licht (siehe unten). Am ersten Abend erreichen wir rechtzeitig das Hotel, am zweiten Abend vergaßen wir über einer Flasche Wein (groß), das Essen (Sardinen) war leider mehr als mittelmäßig, dass der Regen uns vielleicht nass machen könnte und brachen genau dann auf, als es gerade anfing zu regnen. Ein kleiner Spurt ins nächstgelegene Café half. Am dritten Abend hat es vielleicht doch nicht geregnet (Ist ja nun auch schon ne Weile her.)


Und sonst? Gab’s schon noch ein Highlight. Aber da gibt’s auch einen Film zu und dafür brauch ich nochmal ein bisschen Zeit.

Buch: Philip Roth – Everyman

Ein paar Tage vor Ende der Reise hatte ich die Wahl: Noch ein Buch von Siri Hustvedt oder was Englisches? Ich hab mich, wie ihr seht, dann für die intellektuelle Herausforderung entschieden und Philip Roth gelesen. Es geht um einen Mann, der gerade beerdigt wird. Um ihn haben sich seine Kinder (die Tochter wohlgesonnen, die Söhne haben ihn nie akzeptiert), Ex-Frauen und Familie versammelt. Im Verlauf des Buches erfahren wir all die Dinge aus seinem Leben,in denen er mit dem Tod konfrontiert worden ist. Aber wir erfahren auch, wie er zum Art-Direktor aufgestiegen ist und im später nur schwer akzeptieren konnte, dass er nun alt geworden ist, dass es um ihn herum einsamer wird, dass es zu Ende geht.

Leider: Das ist kein Buch für den Urlaub. Ich hab mich ein wenig gequält, weil mich das Leid alter Männer derzeit nicht ganz so sehr interessiert. Vielleicht muss ich das Buch in 40 Jahren (na, mal sehen) nochmal lesen.

So war Portugal (9)


Haaaach, endlich wieder eine Stadt. Wir erreichen Sétubal an einem Sonntagmittag. Ein Hotel ist dank des Lonely Planets schnell gefunden und nachdem wir unsere Sachen abgestellt haben, können wir es kaum erwarten, mal wieder Stadt zu tanken. So viele Dörfer mit den immer gleichen Touri-Shops machen müde. Bereits beim Ankommen haben wir die vielen Restaurants an der Straße gesehen, alle mit einem großen Grill ausgestattet, aus dem es bereits heftig dampft. Und so machen wir das erste Mal etwas, was ich in Deutschland immer gerne mache: Mittagessen. Es ist halb drei und gerade noch ok, um in Portugal in einem Restaurant etwas Warmes zu sich zu nehmen. Denn zwischen halb vier und sieben machen die meisten Lokale zu, die einzige Anlaufstelle für die Nahrungsaufnahme sind dann Supermärkte, Bars oder Bäckereien.


Ich entscheide mich für Dorade und erhalte den besten frischen Fisch, den ich auf dieser Reise essen werde. Es ist köstlich. Danach schlendern wir ein wenig durch die Stadt, Auch Sétubal hat viele schöne Gassen. Die Stadt liegt ebenfalls an einer Flussmündung. Am Hafenbecken ist gerade ein Modellbootwettrennen zu Ende gegangen, was schade ist. Ich hätte gerne ein bisschen dabei zugesehen, wie ältere Herren um die Wette fahren. Auch hier gibt es übrigens Hafenfische. Nur Fotografieren kann man sie hier nicht so gut.


Wir bleiben einen zweiten Tag und nutzen den Montag vor allem für eins: Wir gehen zur Burg. Luftlinie vom Hotel aus: maximal 500 Meter. Doch leider ist’s ein bisschen mehr. Japsend erreichen wir die Burg. Die Sicht ist phänomenal (leider ohne Bild), die Burg überbevölkert von sehr dünnen Katzen.


Städteaufenthalt means hier gibt’s auch Internet. Und da gibt es zwei Möglichkeiten. Die eine: ein kleines Internetcafé im Herzen der Stadt. Der Preis ist ok, das Publikum portugiesisch-nerdig, die anwesenden Jungs hören Tenacious D, die Band von Jack Black. Nicht unsympathisch also. Unsympathisch allerdings: Auf dem Rechner ist Java deaktiviert. Leider kapier ich das viel zu spät, hatte mich die ganze Zeit nur gewundert, dass sowohl web.de als auch Gmail nicht funktionieren.

Die andere Möglichkeit: ein Jugendzentrum, in dem man zwar nur ne halbe Stunde surfen darf und man deshalb auch seinen Namen bei der diensthabenden Pädagogin hinterlässt. Aber alles andere ist super. Internetsucht befriedigt, wieder Zeit fürs zitterfreies Stadtgenießen.

So war Portugal (8)


Kommen wir jetzt zu dem Teil unserer Reise, der als nicht so schön in Erinnerung bleiben wird. Machen wir’s kurz.

Der Austragungsort: Vila Nova de Milfontes.
Das Wetter: grau.
Der Ort: Ok. Kleines Dorf, das vor allem von den Portugiesen für die Ferien genutzt wird. Es liegt an der Westküste, direkt an der Mündung des Rio Mira.
Der Strand: Klein, dreckig, nicht so schön.
Das Essen: Pizza. Leider mit einem leicht süßen Teig, der nicht so richtig zum Rest des Belags passen will. Zu allem Pech spricht die Bedienung auch noch deutsch, die Kasse spinnt, so dass wir ewig auf das Wechselgeld warten. Kein guter Tag.
Die Bleibe: Auf den ersten Blick ok. Doch als wir später in die Pension zurückkehren, macht sich ein seltsamer Duft breit. Der Ausguss des Waschbeckens stinkt. Aber richtig. Die Tür zum Badezimmer bleibt von nun an geschlossen. Wegen eines bellenden Hundes kann ich ewig nicht einschlafen. Die Nacht verbringe ich abwechselnd lesend, spielend (Nintendo DS) und einschlafend.
Fazit: Wir verzichten auf das Frühstück am nächsten Morgen und reisen ab.

Buch: Edgar Hilsenrath – Der Nazi und der Friseur

Ist es eigentlich schlimm, dass ich bis zu diesem Buch noch nie etwas von Edgar Hilsenrath gehört habe? Vermutlich. Und wenn man das alles durchliest, inklusive Nachwort, dann war ich schon recht verwundert, noch nie etwas von dem Herrn gehört zu haben.

„Der Nazi und der Friseur“ erzählt die Geschichte von Max Schulz, der den Großteil seiner Jugend mit dem Nachbarsjungen Itzig Finkelstein verbringt, dem Sohn des ansässigen jüdischen Friseurs. In dem Salon geht er auch in die Lehre, bis, ja bis, Hitler an die Macht kommt und das Zusammenleben der beiden ein wenig gestört wird. Max Schulz wendet sich von den Finkelsteins ab, arbeitet von nun an im Salon des Stiefvaters und tritt der SS bei. Während des Krieges mordet er im Erschießungslager Laubwalde. Er entgeht den „Russen“ nur knapp, kehrt nach Berlin zurück und schlägt sich dort mit wenig Verstand aber viel Geschick auf dem Schwarzmarkt durch. Doch als Max Schulz ist ein Leben in Deutschland nicht möglich. Als ehemaliger SS-Mann wird er nämlich gesucht. Da er bereits in seiner Jugend immer für einen Juden gehalten wurde, nimmt er die Identität seines Jugendfreundes an. Max Schulz heißt von nun an Itzig Finkelstein.

„Der Nazi und der Friseur“ erzählt ohne Rücksicht auf Befindlichkeiten und Moral die Geschichte des Wendehals Max Schulz, der nie wirklich antisemitisch war. Er ist einfach nur den Massen gefolgt. Ohne darüber groß nachzudenken, bringt er Tausende in Laubwalde um, versteht vielleicht auch, dass dies irgendwie falsch sein könnte, aber rebellieren, das kann er nicht. Er schlägt sich durch, reist bis nach Israel und baut sich dort ein neues Leben auf. Schuldgefühle? Nein. Warum auch. Er weiß, dass er unrecht getan hat, spricht von sich immer als „Ich, der Massenmörder“, doch er ist der Meinung, für seine Taten nicht unbedingt gerade stehen zu müssen.

Edgar Hilsenrath hat mich ein wenig ratlos zurückgelassen. Lange habe ich beispielsweise darüber nachgedacht, was mir das letzte Kapitel nun sagen wollte. Außerdem grübelte ich vor allem darüber, ob ich nun die Originalversion gelesen habe oder die deutsche Version, in der noch ein Kapitel hinzugefügt werden musste. Diese Frage blieb offen, so dass ich bisher eigentlich auch nicht sagen kann, ob mir dieser Schluss gefallen hat.

So war Portugal (6)


Der nächste Stopp ist Sagres, der wohl westlichste Ort an der portugiesischen Küste. Es gibt dort vor allem eine Sorte Menschen: Surfer. Doch das muss ja nicht schlimm sein, zeichnen sich Surfer ja meist durch jugendliche Frische aus. (Die kleinen schwarzen Punkte da auf dem Bild sind sie, übrigens.)


Das Gepäck im Hotel verstaut geht’s los zu einem kleinen Spaziergang. Im Hafenbecken sehe ich das erste Mal den gemeinen Hafenfisch. Erst sind sie gar nicht so leicht zu entdecken, aber wenn man genauer schaut, sind sie überall. Warum diese Fische sich so nah an die Menschen (Ja, auch Angler saßen auf dem Steg) heranttrauen, wird mir ein Rätsel bleiben. Schön anzusehen war es aber trotzdem.


Am anderen Ende von Sagres gibt es aber auch noch eine Burg. Das Fort Fortaleza de Sagres, eine ziemlich schöne Anlage, die zum einen komplett von Wasser umgeben ist (geile Klippen und tolle Wellen) und zum anderen auch noch ganz nett gelegen ist (Grünzeug, toller Steinkram, Felsspalten).


Apropos Felsspalten. Hier in Sagres nehme ich es zum ersten Mal richtig war, das Erdbeben von 1755, das damals anscheinend ziemlich viel von Portugal zerstört haben muss. Denn eigentlich an allen Orten, an denen wir in den kommenden Tagen noch Halt machen, immer ist die Rede von dem bösen Erdbeben von 1755, dass ziemlich viel zerstört hat. Also könnt ihr euch wahrscheinlich denken, dass die vielen Felsspalten, die sich auf dieser Landzunge befinden. Ist ein bisschen gruselig, insbesondere wenn man überlegt, was man darin alles verstecken kann, aber darum ging es uns ja eigentlich nicht.


Wegen der enttäuschenden Garnelen in Luz gibt’s an diesem Abend zur Abwechslung mal Fleisch: Hamburger mit Pommes und Bier. Konnte man essen.

Kurze Unterbrechung (3)

Erstmal nächste Reise gebucht: Ende Oktober nach Barcelona. Freundschaften müssen schließlich gepflegt werden.

Kurze Unterbrechung (2)

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Es tut mir leid, aber ich habe eine tolle Zeitung/Zeitschrift/Beilage aufgetan: den Bilker Boten. Der Bilker Bote bezeichnet sich selbst allerdings als Stadtteilmagazin, aber dafür muss ich den Nicht-Düsseldorfern natürlich noch kurz erklären, dass Bilk ein Stadtteil von Düsseldorf ist. Der Bilker Bote ist eine „Empfehlung für alle, die in Düsseldorf gezielt werben wollen“, heißt es im Blatt. Das bedeutet: Ich bin raus.

Bin ich aber doch nicht. Weil es nicht nur für Bilk ein solches Magazin gibt, sondern auch für andere Stadtteile dieser Stadt. Und die Macher (They also have a homepage!) haben anscheinend zuviel vom Alliterationszaubertrank gehabt. Oder wie erklärt ihr euch folgende Namen?

Düssel Depesche, Eller Echo, Flingern Aktuell (Ok, ok, ging wohl nicht immer), Gerresheimer Gazette, Kaiserswerther Kurier und, Achtung festhalten: Oberkasseler Observer!

Buch: Siri Hustvedt – Die unsichtbare Frau

Da ich im vergangenen Jahr so begeistert von diesem Buch war, hatte ich beschlossen, mehr von dieser Frau zu lesen. Und deshalb durfte „Die unsichtbare Frau“ mitfahren.

Iris Vegan ist Studentin in New York. Da sie kein Stipendium bekommt, muss sie sich mit diversen Jobs über Wasser halten. Jobs, durch die sie auf seltsame Männer trifft. Für den einen bespricht sie Kassetten, auf denen sie flüsternd Gegenstände beschreibt. Da er ihr nicht verraten will, was er mit diesen Kassetten macht, beginnt sie zu recherchieren.

Für den anderen übersetzt sie ein Buch. Harmlos, denkt man, doch durch die Arbeit mit dem Buch identifiziert sie sich immer mehr mit der Hauptperson, Klaus, so dass sie irgendwann sogar nachts als Klaus durch die Straßen New Yorks zieht. Und mit dem Professor hat sie wenig später auch noch eine Affäre. Er rettet sie irgendwie. Sozusagen.

Und dann ist da noch Stephen, der Mann, mit dem sie eine Beziehung führt. Jene zerbricht auch deshalb, weil sich sie gegen seinen Willen von einem Fotografen ablichten lässt. Das Bild, das entsteht, stößt Iris ab. Doch die Zahl derer, die sie darauf ansprechen, ist groß.

Vermutlich habe ich das Buch nicht verstanden. Denn so richtig klar ist mir nicht geworden, was mir Siri Hustvedt mit diesem Buch eigentlich sagen wollte. Iris Vegan geht es eigentlich ganz gut, und doch wird sie von heftigen Kopfschmerzen geplagt. Diese fallen in die Zeit, in der sie gerade von Stephen getrennt ist, die Arbeit mit dem Buch beendet hat und für die Prüfungen lernt. Der psychische Druck, ja, die Einsamkeit, klar. Aber ansonsten?

Ich mag Bücher nicht besonders, die mich so ratlos zurücklassen. Aber vielleicht könnt ihr mir ja helfen. Bei der Interpretation.