FILM: Bill McKay – der Kandidat

Ja, bisher war mir nicht klar, warum Robert Redford so ein Sexsymbol ist bzw. war. Ja, er sieht ja für sein Alter immer noch recht frisch aus, seine Gesichtszüge werden durch seine Falten betont – alles schon ganz schön. Aber ich muss schon sagen. Damals in den Siebzigern, da sah er wirklich gut aus.

Lustig jedoch, dass wirklich alles wiederkommt. Denn deshalb sieht man auf den Berliner Straßen viele junge Robert Redfords, zumindest dem Haarschnitt her zu urteilen. Aber vielleicht sollte ich nun endlich mal was zum Film sagen.

Es geht um den Sohn eines ehemals erfolgreichen Demokraten, der bei den kalifornischen Senatswahlen antreten soll. Obwohl die Chancen auf einen Wahlsieg so gut wie aussichtslos sind. Bill McKay tritt an und führt zunächst einen ehrlichen Wahlkampf, mit dem er nur wenig Erfolg hat. Erst als er seine Sprache, seine Auftritte professionalisiert, sprich sich von seinen Idealen trennt und das macht, was die Wähler hören wollen, klettern die Umfrageergebnisse in die Höhe.

Ich will den Film nicht einordnen, in die Zeit. Ich will nicht schreiben, dass der Drehbuchautor dafür einen Oskar bekommen hat. Und wie realistisch der Film war. Und, und, und. Das kann man an anderer Stelle nachlesen.

Nur eine Bemerkung über die Filmmusik sei mir erlaubt – sie hat genervt.

Ein interessanter Film. Hätte auch Herrn Wichmann nicht geschadet, wenn er da mal reingeschaut hätte.

Dienstag

Es werden berufliche Treffen abgesagt, Verabredungen, Sporttermine. Der Mann des Herzens wird mit einem zögerlichen „Äh, nee, diesen Dienstag hab ich keine Zeit. Ich treffe ich mich doch mit den Mädels …“ Erst nach langem Bohren kommt der wahre Grund für das Zusammenhorten des weiblichen Geschlechts zu kichernden Runden, die an diesem Abend mit Vorliebe „Cosmopolitans“ schlürfen werden, ans Licht: Sex and the City ist wieder da!
Vorbei die Zeit, in der man nur mit der besten Freundin über männliche Geschlechtsteile, Sex-Erlebnisse und anderes Zwischenmenschliches plaudern musste, endlich müssen wir diesen Kram eine Weile nicht selbst erleben, sondern können anderen dabei zuschauen. Gucken, wie sich Carrie wieder verliebt, Samantha den nächsten Kerl vögelt, Charlotte den kleinen Mann mit Glatze ehelicht und Miranda ihr Mutterglück meistert.
Perfekt wäre dann nur noch folgender Plan: Auf dem einen Sender laufen den ganzen Abend Folgen von „Sex in the City“ und auf dem anderen Sender kommt erst Fußball, dann Ski springen und dann vielleicht noch ein bisschen Basketball.
Alle wären glücklich. Keiner würde rummäkeln. Aber das kriegen die vom Fernsehen ja nicht hin. Fußball läuft unter der Woche meist mittwochs, Ski springen am Wochenende und von Basketball hab ich keine Ahnung.
Doof nur, dass dieser Dienstag nächste Woche bei mir trotzdem ausfällt. Nein, kein TV-Wunsch des Liebsten, kein dämlicher Fitness-Termin, der sich nicht verschieben lässt. Der Geburtstag einer Freundin. Der einzigen Freundin, die dem „SATC“-Wahn nicht verfallen ist.
So kann ich mich nur mit der Vorschau auf der Internetseite trösten. Und hoffen. Auf den nächsten Dienstag.

FILM: Nichts als die Wahrheit

Auf Vox. Ein Film, der sich mit der deutschen Vergangenheit auseinandersetzt. Mit Auschwitz, Euthanasie, Schuld und Unschuld. Mit Götz George als Dr. Mengele. Eine seiner besten Rollen. Mich hat der Film schon damals im Kino sehr bewegt. Und auch beim zweiten Schauen geht ein Schaudern über meinen Rücken, wenn Mengele am Ende sagt: „Sehen sie nicht wenigstens ein bisschen von sich selbst in mir?“

FILM: Die Träumer

Eigentlich wollte ich diesen Film nicht sehen. Hatte ich beschlossen, als ich damals die Vorschau sah. Und allein die Tatsache, dass eine der Hauptrollen mit Michael Pitt besetzt war, den ich aus der Teenie-Serie „Dawson’s Creek“ kenne, ließ mich ebenfalls zweifeln.

Aber der Reihe nach.

Paris im Jahr 1968. Bei einer Demonstration gegen die Schließung der Cinemathique Francaise lernt der Amerikaner Matthew Isabelle und Theo kennen. Erst später entdeckt er, dass diese Geschwister sind. Weil deren Eltern für längere Zeit verreisen wollen, nehmen sie Matthew in ihrer Wohnung auf.
Ihre Begeisterung für den Film spiegelt sich nicht etwa darin wieder, dass sie wie besessen in Kinos gehen und selber Filme drehen, sondern dass sie Filmszenen nachspielen, sich über bestimmte Dialoge freuen und über die Bedeutung von Charlie Chaplin diskutieren. Dabei laufen sie
freizügig durch die Wohnung und spielen lustige Pubertäts-Spiele. Wenn einer nicht erkennt, um welchen Film es gerade geht, werden seltsame Forderungen gestellt. So kommt es, dass Theo sich vor einem Marlene-Dietrich-Bild einen runterholen und Matthew Isabell entjungern darf.

Immer wieder verstrickt sich der Filme in Widersprüche. Das Handeln der drei wirkt immer wieder seltsam pubertär, obwohl sie eigentlich knapp 20 sind, zu allem Überdruss aber viel älter aussehen. Warum Isabell und Theo Matthew überhaupt in ihre Wohnung aufnehmen, wird nicht klar, sind sie doch eigentlich viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Sie haben kein Geld und wenig später liegen sie in der Badewanne – gut ausgestattet mit einigen Joints.

Sicher – es macht schon Spaß, ihnen dabei zuzusehen, wie sie herumhängen und schön aussehen. Er weckt Erinnerungen, in denen man sich selbst entdeckte, Liebe erfuhr, Rotwein trank und immer wieder ein bisschen erwachsen wurde. Mehr jedoch nicht.

Am Ende des Films hat sich eigentlich nur Matthew weiterentwickelt. Während Isabell sich weiter an Theo klammert, versteht er, dass er sie nie ganz für sich gewinnen kann. Woraufhin er geht. Und die beiden ihrem Schicksal überlässt.

FILM: Live Flesh – Mit Haut und Haar

Gestern Abend auf dem Programm. Nach „Sprich mit ihr“ im letzten Jahr ein weiterer Film von Pedro Almodovar.

Madrid 1970. Viktor erblickt das Licht der Welt. Als Sohn einer Prostituierten.

20 Jahre später. Viktor ist herangewachsen. Hat mit Elena Sex in einer Toilette, verspricht sich mehr. Diese jedoch drogensüchtig, lehnt ihn ab. Zwei herbeigerufene Polizisten treffen ein: Der von seiner Frau Clara betrogene Sancho und David. Im Gerangel löst sich ein Schuss, der David so trifft, dass dieser von nun an querschnittsgelähmt im Rollstuhl sitzt.
Viktor wandert ins Gefängnis, obwohl er nicht schuldig ist. Denn Sancho, der vor der Tat entdeckte, dass David mit seiner Frau geschlafen hat, verursachte den schicksalsreichen Schuss.

Sechs Jahre später, Viktor ist wieder auf freiem Fuß und begint ein Verhältnis mit Clara. Elena ist mit David verheiratet und arbeitet in einem Kindergarten.

Das Schicksal will es, dass diese sechs Personen noch einmal aufeinander treffen und die Geschehnisse der verhängnissvollen Nacht aufarbeiten. Neid, Eifersucht und Leidenschaft führen dazu, dass am Ende nichts mehr ist, wie es war. Und doch besser.
Der Film endet wieder mit einer Geburt. Diesmal in einer anderen Welt. Einer Welt voller Hoffnung und Freiheit.

FILM: Lost in Translation

Nachdem ich nun am Dienstag schon vor dem Kino stand, weil alle Sessel schon gefüllt waren, gelang der Kinoabend mit Sofia Coppola nun endlich gestern. Wenn auch mit Tickets für die erste Reihe. Am Rand.

Bei einem solchen Andrang sind die Erwartungen natürlich hoch – aber sie wurden erfüllt. Ganz besonders in den Nachwirkungen, die dieser Film hatte. Er berührte und hinterließ mich für den Rest des Abends in einer seltsamen Stimmung. Gedanken über das eigene Dasein in Berlin, die Zukunft und die Gegenwart. Dazu verlorene Blicke,.

„Lost in Translation“ ist im Vergleich zu Sofia Coppolas Erstling „The Virgin Suicides“ viel langsamer. Zwar hat der Film weniger Handlung, gleichzeitig passiert so viel, dass man es beim erstmaligen Schauen gar nicht alles aufnehmen kann. Es ist die Handlung zwischen den Zeilen, die den Film so sehenswert macht. Da treffen zwei Personen mit dem gleichen Schicksal aufeinander. Beide sind verheiratet und sind in Tokio, wo sich beide verloren fühlen. Sie wollen beide nicht dort sein und sind es doch. Bob Harris (Bill Murray), Schauspieler, dreht einen Werbespot für Whisky, Charlotte ist mit ihrem viel beschäftigten Mann angereist. Beide sind einsam, schlagen sich die Nächte um die Ohren. Das einzige, was sie trennt, ist ihre Biographie und ihr Alter.

Dessen bewusst durchleben sie die Phase des Kennenlernens. Entdecken die Stadt, und deren Nachtleben. Kommen sich näher. Immer wieder überrascht der Film mit kleinen Details, die Großes aussagen. Dass Bob Charlottes Füße berührt, reicht völlig aus, um die Stimmung zwischen den beiden darzustellen. Wie intim ein solcher Moment sein kann.

Immer wieder lebt der Film von den komischen Momenten, die durch das Aufeinandertreffen der unterschiedlichen Welten entstehen. Unterschiede in den Kulturen, Unterschiede in den Generationen. Die in großen Bildern dargestellt werden, wunderbaren Einstellungen.

Was Bob seiner Charlotte zum Schluss ins Ohr flüstert, möchte man insgeheim wissen, obwohl es unwichtig ist. Die Geste allein reicht. So kann jeder seinen eigenen Text erfinden. Und so ging ich in die Nacht und ließ Bob zu ihr sagen: „Ich hab dich lieb.“ Und: „Du brauchst jetzt nicht antworten…“. Womit er dieses wundervolle Lächeln auf ihr Gesicht zaubert.

FILM: The virgin suicides

Unglaublich! An einem Dienstag um halb neun ins Kino gehen und dann ist der Film ausverkauft. In beiden Kinos, in dem Orginalversionen laufen. Kann das sein?

Ja, es kann sein, wenn es sich bei dem Film um „Lost in translation“ handelt. Nun gut, aber wenn die halbe Stadt schon im Coppola-Fieber ist, will ich auch Coppola. Und so sehen wir uns „The virgin suicides“ an. Auf DVD. Sofia Coppolas Debüt.

Wenn man diesen Erstling sieht, ist man noch gespannter auf den zweiten.
Es geht um eine Vorstadtfamilie Mitte der siebziger Jahre. Fünf Mädchen wachsen bei ihren strikt konservativen Eltern auf. In ihren Gestalten sind sie Prinzessinnen, wohlbehütet, unnahbar und deshalb so interessant für die Nachbarsjungen, die jedes Detail an ihnen aufsaugen.

Dann bringt sich Cecilia, die jüngste der Schwestern um – spießt sich am Gartenzaun auf: der Auslöser für eine noch viel größere Tragödie, die letztendlich im Tod der anderen vier Mädchen endet.

Was den Film so sehenswert macht: Jede Szene ist von der Einstellung, den Dialogen und der Musik perfekt durchdacht. Der Junge, der „you know, i love pineapple“ nicht etwa einer der Schwestern zuhaucht, sondern der biederen Mutter. Die Mittagspause in der Schule, in der die Mädchen eine solche Einheit bilden, weil sie mehr als nur ihre Verwandschaft verbindet. Der erste Sex auf dem Baseballfeld zwischen Lux und Trip.

Was für ein Film, möchte man schreien, und kommt nicht dazu, weil man schon in die nächste wundervolle Szene gezogen wird.
Auch musikalisch hat der Film einiges zu bieten – „Air“ lieferten den kompletten Soundtrack.

Nur schade, dass ich ihn damals nicht im Kino gesehen habe. Wie konnte ich diesen wundervollen Film nur verpassen.

FILM: Calendar Girls

Ich mag ja diese englischen Filme. Auch wenn mich mittlerweile die Szenerie: Kleine englische Stadt, vorzugsweise Dorf und das Spielen mit der englischen Biederkeit ein bisschen nervt. Ja, in „The full monty“ war’s noch nett, „Billy Elliot“ rührte zu Tränen und nun soll es also die Verfilmung der Kalendermädchen sein.

Was passiert in diesem kleinen Film? Annies (Julie Walters) Mann John erkrankt und stirbt an Leukämie, was die „Girls“ auf die Idee bringt, den jährlichen Women Institute’s Kalender (eine Einrichtung, damit die Frauen einer regelmäßigen Ablenkung vom Arbeitsalltag haben) mit Aktfotos zu gestalten. Keine langweiligen Kirchenbilder oder Stilleben mehr, sondern die reifen Frauen in voller Schönheit. Der Weg zum Kalender wird liebevoll erzählt, gesprenkelt mit kleinen Details der Frauen, schönen Bildern und viel Humor.

Leider kann „Calendar Girls“ dieses Niveau nicht halten. Denn nach der Fertigstellung des Kalenders wird der Film leider ein bisschen dröge. Die Schicksale der einzelnen Frauen bekommen ein größeres Gewicht. Da ist der Sohn von Chris (Helen Mirren, die übrigens großartig spielt), der unter seiner erfolgreichen, ausziehwütigen Mutter anstatt Hasch Oregano raucht und sich betrinkt. Chris, welche in der Yellow Press lesen muss, dass ihr Mann den mangelnden Sex zwischen ihnen beklagt und die Ehefrau, die von ihrem Mann betrogen wird und sich ganz wunderbar emanzipiert.

Warum diese Schicksale insbesondere im zweiten Teil des Films ein solches Gewicht bekommen, ist unklar. Meiner Meinung nach hätten diese Erzählstränge auch in den Prozess der Entwicklung des Kalenders gepasst. Auch warum die Ladies ausgerechnet nach Hollywood reisen müssen, ist nicht klar. Ein bisschen erinnerten mich die Szenen an den Mr. Bean-Film. Die armen Dorffrauen allein in der bösen weiten Welt der Filmbranche. Nun gut.

Kleiner amüsanter Film für einen kurzweiligen Samstagabend – mehr nicht.

Ein Fernsehmärchen

Es war einmal eine Moderatorin beim Kuschelsender. Jeden Tag moderierte sie ihre kleine Sendung. Live – wie es hieß. Dafür musste sie nicht viel tun. Die Moderationen konnte man glücklicherweise ablesen und gut Aussehen bekam sie dank Make up und Fitnessstudio auch ganz gut hin. Ok, wenn mal ein Anrufer in die Sendung geschaltet wurde, gab es das eine oder andere Problem, besonders wenn sie sich dann auch noch eine mehrstellige Zahl merken musste. Aber irgendwie meisterte sie dann doch jede Situation. Kleine Fehler sind ja auch menschlich. Und menscheln, ja, das war eines der Prinzipien der Show.

Irgendwann sanken die Quoten dann. Trotz ihrer Moderation. Immer weniger wollten die kleine Sendung sehen. Und dann hieß es plötzlich, dass sie zum Ende des Jahres aufhören werde.

Die Fernsehnation schrie nicht auf, man nahm es hin. Vielleicht weil man ahnte, dass sie sich bald neuen Aufgaben stellen werde. Und es dauerte keinen Monat, da war sie schon wieder da.

Zwar nun nicht mehr beim Kuschelsender, aber bei einem anderen privaten. Und ihr Berliner Studio hatte sie auch eingetauscht, gegen den Dschungel.
Und dort haust sie nun. Mit acht anderen großen Köpfen des deutschen Fernsehen. Und um dem lieben Publikum mal so richtig was zu bieten, lästert die gute Frau über ihre Mitstreiter. Will nicht mit jedem („Ich möchte mich nicht von ihm begleiten lassen“), mag seine Stimme nicht („Weißt du, ich sing selber“), findet die Kleidung einer anderen völlig unpassend („Eigentlich ist die ein Öko“). Bemängelt Intellekt („Da fühlt man sich dann einsam“), lästert über künstliche Titten, „gemachte“ Gesichter und vergleicht ihren wunderbaren Körper mit dem einer anderen. Obwohl sie doch älter ist.

Die Krönung: „Der ist doch auch auf dem absteigenden Ast“. Ja, ist er wohl, obwohl er sich ganz gut schlägt. Aber vergiss nicht, meine Liebe – du bist es auch.

FILM: Wolfzeit

Das ist er also gewesen. Der erste Film in diesem Jahr. Wolfzeit. Das neue Werk von Michael Haneke.

Wirklich viel passiert in dem Film nicht. Eine Familie aus der Stadt fährt aufs Land in ihr Ferienhaus. Dort angekommen nimmt die Tragödie seinen Lauf. Der Familienvater wird von der sich dort befindenden Kleinfamilie per Schuss getötet. Zurück bleibt die Mutter, gespielt von Isabelle Huppert, mit ihren Kindern Ben und Eva.

Von nun an sind sie unterwegs. Mit einem Fahrrad und einigen Tüten machen sie sich auf die Suche nach einer Bleibe. Und etwas Essbarem. Was sie dabei erleben, wird erdrückend langsam erzählt. Die Suche nach Ben, der nach der Beerdigung des Wellensittichs aus der Scheune verschwindet, die Bekanntschaft mit dem streunenden Jungen, der von einem wilden Hund gebissen wurde. Das Eintreffen auf einem alten Industriegelände mit Bahnanschluss. Das Warten auf den Zug. Der die Rettung bringen soll. Das Leben in einer kleineren Gemeinschaft, in der Strukturen entstehen, welche dann, beim Eintreffen eines größeren Rudels Menschen, obsolet werden. Immer wieder lange Einstellungen. Auf das Dunkel der Nacht, verzweifelte Gesichter.

Immer dann, wenn man beginnt, sich mit einer Figur zu identifizieren, versucht, zu verstehen, warum diese so handelt, entgleitet sie wieder. Die Mutter, belastet mit dem Tod ihres Mannes und ihren zwei Kindern, wirkt kalt. Fast so, als ob sie all die Ereignisse um sie herum nicht mitbekommen hat. Eva, ihre Tochter, versucht dem streunenden Jungen näher zu kommen. Dies gelingt ihr nicht. Später versucht sie ihre Erlebnisse zu Papier zu bringen. Als die Mutter das Geschriebene in die Finger bekommt und Gefühlsregungen folgen müssten, wird man allein gelassen. Der kleine Ben, der bis zum Ende des Films keinen Ton sagt, nur durch sein Verschwinden, seine Trauer und als Last agiert. Zum Schluss will er durch den Gang ins Feuer seinem Elend ein Ende setzen will – auch dies scheitert, weil die nächtliche Wache ihn davor bewahrt.

Im Kino selbst war ich fürchterlich enttäuscht, wollte am liebsten gehen, weil ich die Langsamkeit nicht ertragen konnte. Nach dem Kino empfand ich den Film als unheimlich konsequent. Konsequent, weil er keine Empfindungen aufkommen lassen wollte. Weil er zeigt, wie Menschen in apokalyptischen Situationen handeln. Allein, in einer kleineren Gruppe, in der Masse. Im Radio wurde dies als nahezu pädagogisches Abarbeiten von menschlichen Notsituationen bezeichnet. Als ich in dem Film saß, empfand ich das ähnlich. Als ich das Kino verlassen hatte und noch mal nachdachte, störte es mich nicht mehr. Haneke war einfach unheimlich konsequent. Und das hat doch was.