FILM: Zatoichi

Ort: Filmtheater am Friedrichshain. Zeit: halb neun. Plätze: Mitte, vorn, weil meine Brille am Freitag morgen leider unauffindbar war. Aber egal, ich war im Kino und habe den Film über den blinden, blonden Wanderer gesehen, der sich sein Geld mit Massagen, Würfeln verdient und der mit viel Charme auch immer eine Bleibe findet. Das ist die Fassade, denn eigentlich ist dieser Mann, der vom Regisseur Takeshi Kitano gespielt wird, ein großer Schwertkämpfer.

Er kommt in ein Dorf, in dem eine Gang die Bewohner unterdrückt. Jeder, der sich gegen sie richtet, wird brutal beseitigt, insbesondere seitdem ein anderer Samurai seine Dienste angeboten hat. Zatoichi lernt dann noch zwei Geishas kennen, die auf der Suche nach dem Mörder ihrer Familie sind.

Viele Handlungsstränge, die geschickt miteinander verknüpft werden, so dass man, als ungeübter Japan-Filme-Seher leicht den Überblick verliert. Der Film ist unheimlich schön erzählt, mit vielen lustigen Akzenten, jeder Menge Kampfszenen und spritzenden Blutfontänen – Kill Bill lässt grüßen. Denn auch dieser Film persifliert die japanischen Samuraifilme.

Nachdem ich zunächst mehr als skeptisch war, war ich positiv überrascht, was dieser Regisseur auf die Beine gestellt hat. Unklar bleibt dem unbedarften Zuschauer, warum jedermann diesen Zatoichi kennen sollte, weshalb dieser so eine Kultfigur in Japan ist. Die Musik hat ebenfalls überzeugt, auch wenn mir die Schlussszene mit Tanz weniger gefallen hat.

Beschwingt ging ich aus dem Kino, guter Film und zum Elfmeterschießen war ich dann auch noch rechtzeitig vor dem Fernseher. Wenn das kein Timing war.

FILME: Before Sunrise & Sunset

16. Juni 1994, neunzig Jahre nach Ulysses. Er und sie im Zug. Sie reden. Lernen sich kennen. Erleben Wien. Gemeinsam. Im Park, mit oder ohne Sex. Eine wundervolle Zeit. Später die Verabredung: Ein Wiedersehen sechs Monate später. Vielleicht.

Die Lesung. Im Café. Geständnisse. Sie hatten doch Sex. Sogar zweimal. Neun vergangene Jahre. Ohne einander und doch miteinander. Jeder auf seine Weise. Die Seine-Fahrt. Blicke. Das Lied. Nur für ihn. Und dann diese legendären zwei Sätze: ‚Hey Baby, du verpasst deinen Flug.‘ – ‚Ich weiß.‘
Bitte im Doppelpack schauen.

FILM: Hunger auf Leben

Nicht immer bekommt man zu Geburtstagen Bücher geschenkt, die eine Bedeutung haben. Im schlechtesten Fall wurde irgendeine Angestellte in einer Buchhandlung gefragt, was man denn einer ??-Jährigen zum Geburtstag schenken könne. Diese erinnert sich dann daran, welche „Werke“ in den vergangenen Tagen außergewöhnlich häufig gekauft wurden. Dies gefällt dann oder meist nicht.

Im besten Fall haben die Schenkenden das Buch selbst gelesen. Sie haben sich derart daran erfreut, vielleicht sogar schon während des Lesens bemerkt, dass XY das Buch unbedingt lesen müsse.

Zu meinem 18. Geburtstag schenkte mir meine Mutter dieses Buch und erklärte, dass sie nach dieser Lektüre entschieden hatte, dass ihr Kin den Namen dieser Heldin tragen müsse. Welch Gefühl, ein Buch von dieser Tragweite in den Händen zu halten.

Ich gebe es zu – ich habe das Buch nur zur Hälfte gelesen, irgendwann, als die Heldin des Buches im Plattenbau Hoyerswerda ankommt, habe ich aufgehört. Zu sehr nervte mich die Sprache, in der Frau Reimann mir die Ereignisse schilderte.

Einige Jahre später entdeckte ich dann die Kritik im Spiegel. Ein Film über eben diese Frau, die meine Mutter dazu brachte, mir diesen Namen zu geben. Neugierig war ich. Auch weil ich Martina Gedeck in der Rolle der Reimann für nicht passend hielt.

Aber nein. Ich wurde enttäuscht, zumindest in dieser Hinsicht. Martina Gedeck spielte die Rolle sehr hervorragend – so wie ich sie mir eigentlich auch vorgestellt hatte. Immer wieder fühlte ich mich an das Buch erinnert, was ja – auch das wird im Film deutlich – viele autobiographische Züge enthällt.

Die Tragik der Reimann, ihre Eigenwilligkeit, die Liebe zu den Männern, ihr früher Tod – all das wird in dem Film dargestellt. Fesselnd, zum Nachdenken anregend. Und er bringt mich dazu, nun doch noch einmal einen Blick in ihr Werk zu werfen. Weiterlesen, um zu verstehen. Verstehen, warum dieses Buch meine Mutter dazu brachte, mir den Namen der Heldin zu geben.

FILM: Harry Potter, Teil 3

Aaaaah, schreit der liebe Leser höchstwahrscheinlich, ist die denn nun völlig durchgeknallt, dass sie nun auch schon Kinderfilme schaut? Warum nicht mal wieder was Anspruchsvolles? Und steht auf Ihrer Liste nicht eh noch „Die Spielwütigen“?
Ja, sie wollte den Film noch sehen, aber auch den neuen Potter. Also rein in das Abenteuer mit geringer Altersbeschränkung, vorhersehbarer Handlung und einer Nachmittagsvorstellung.

Vorneweg: Es gibt wirklich nur sehr wenige Buchverfilmungen, die wirklich gelungen sind. Meist bin ich enttäuscht aus dem Kino gegangen und schwor mir jedes Mal aufs Neue, nie wieder diesen Fehler zu machen, mir eine solche anzuschauen. Trotzdem schaute ich mir „Soloalbum“ und „Herr Lehmann“ an und wurde jedes Mal belehrt, es doch endlich zu lassen.

Einer der Gründe, warum ich doch immer wieder den Versuch machte, war, dass die Harry-Potter-Verfilmungen eigentlich nicht die schlechtesten waren. Obwohl: Ich erinnere mich an den zweiten Potter-Film, in dem der doch weit die 30 überschrittene Mann schniefte und schluchzte und vor mir mein Tutor aus der Uni mit seiner Freundin begeistert Popcorn schmatzte. Ohne Bier versteht sich.
Was ich aber sagen wollte, die Potter-Filme waren eigentlich alle durchaus unterhaltsam, spannend erzählt, an den richtigen Stellungen gekürzt und auf die wesentlichen Handlungsstränge beschränkt ist. Das schaffen wie gesagt die wenigsten und deshalb: Hut ab.

Auch wenn es mittlerweile der dritte war, es war auch mein erster Potter-Film, den ich in deutscher Übersetzung sah und gleich als Hermine das erste Mal den Mund aufmachte, musste ich schlucken: Zu mir und all den anderen sprach Lisa – Lisa Simpson. Schlechter kann es eigentlich nicht sein. Allerdings: Positiver Nebeneffekt war, dass ich zum ersten Mal verstand, was Hagrid zu sagen hatte. Sein arg schottischer Akzent war doch bisher immer sehr irritierend.

Und das Fazit? Auch wenn ich Ron als viel zu muskulös empfand – für sein Alter, Harry im Stimmenbruch nicht besonders glaubwürdig rüberkommt und Hermine auch schon viel zu weiblich erscheint: Ich werde mir auch die anderen Filme anschauen. Und wer darüber lästern will, der soll es tun. Ist mir egal. So. Und nächstes Mal schaue ich „Die Spielwütigen“.

Reflexion

Herlinde Koelbl macht einfach wunderbare Filme. Die Meute, der zu ihrer Fotoausstellung „Spuren der Macht“ und nun also hautnah mit Benjamin. Beeindruckend, weil ich finde, dass es ihr gelungen ist, ihn zu enttarnen. Diese unstete Person, die sich zu Beginn immer noch selbst inszeniert – trotz Drogen. Er wusste genau, warum er die Koelbl zu sich bat und ich unterstelle ihm, dass es nicht unbedingt nur der Grund war, zu reflektieren. Er wusste, dass er in einer erbärmlichen Situation war und war nicht sicher, ob er da wieder herauskommt.

Dieser Mann, der sich immer gerne in den Mittelpunkt gestellt hat. Mit den Medien spielte und sie benutzte und immer noch benutzt. Das zeigt die Koelbl und eigentlich enttarnen ihn auch diese hellen Momente, in denen er ganz bei sich ist: Und clean. Sie zeigen, dass er immer noch nichts gelernt hat, aus all dem, was er durchgemacht hat. Dass es gerade dieses Spiel mit den Medien war, seine Geltungssucht.

Der Film zeigte die Rückfälle, Klinikaufenthalte und dann die Tour mit Retter Udo. Als der alte Mann in die Kamera blickte, war ich irgendwie froh darüber, dass er seine Sonnenbrillen nahezu immer trägt. Denn ansehnlich kann man diesen Mann nicht nennen, schon gar nicht seine Augen. Aber Geschmäcker sind verschieden und ich muss wohl doch nochmal ein ernstes Wörtchen mit meiner Mutter reden.

Eine Frage bleibt jedoch offen, auch weil sie nicht Gegenstand des Films war: Was ist unsere neue Late-Niterin eigentlich für Eine? Sicher sind die Äußerungen des Herrn Stuckrad-Barre getragen von zutiefster Verletztheit, dass diese Frau ihn anscheinend nicht so abgöttisch liebte wie er sie. Und diese offene Frage bestätigt mich darin, dass es noch spannend: So lange hat sie es ja nie bei einem Mann ausgehalten und ob das dann gut geht in ihrer kleinen Sendung? Wer weiß.

Und bevor ich’s vergesse: Ich würde wieder in eine Lesung mit ihm gehen. War bei der Premiere zu „Deutsches Theater“ im Berliner Deutschem Theater. Und es hatte sich gelohnt, weil er nun mal weiß, wie man sich selbst inszeniert. Auch wenn die Person dahinter eine traurige ist.

Verkalkt

Und die Frau möchte ich erleben, die bei überschwemmter Wohnung, kaputter Waschmaschine und klugen Sprüchen des Klempners total cool bleibt und einfach nur „Oh Nein“ ruft!

Gute Frau, womit wollen Sie denn nun Ihre Wäsche waschen, der böse Mann nimmt die Maschine doch einfach mit! Das ist schon ein großes Unglück, bei dem man schon mal richtig fluchen kann, angemessener wäre z.B. ein herzhaftes ‚Scheiße‘, ‚Verdammte Kacke‘ oder auf englisch ‚Fuck‘. Aber das können Sie dann ja beim nächsten Mal ausprobieren, wenn Sie wieder nur den billigen Wasserenthärter benutzen, den Ihnen NIEMAND empfohlen hat.

Werbendes

„Und wenn ich groß bin, dann möchte ich auch einmal Spießer werden“ – was für eine super Werbung für die LBS.

FILM: Vergiss mein nicht

Gestern abend gesehen und seitdem darüber nachgedacht, wie ich den Film eigentlich fand. Irgendwie seltsam, wenn man sich auch nach über 12 Stunden nicht entscheiden kann, ob er nun gut war oder nicht. Und dann der Beitrag des Wirren, der den Artikel von Diedrich Diederichsen in der TAZ zitiert, den auch ich nicht verstanden habe. Erst daraufhin beschloss ich, doch etwas zu schreiben. Über diesen Film.

Diesen Film, in dem Jim Carrey einen schüchternen jungen Mann Joel spielt, der sich in die verrückte Clementine (Kate Winslet) verliebt. Jeder hat wohl schon einmal in seiner Verzweiflung den Wunsch gehegt, alle Erinnerungen an den anderen mit einem Knopfdruck auszulöschen und so unterzieht sich zunächst Clementine einer solchen Prozedur und als Joel von ihr nicht mehr erkannt wird, greift auch er zu diesen Mitteln. Schön praktisch, so ein Ding.

Und dann sehen wir in langen Ausführungen, wie Dr. Howard Mierzwiak mit seinen Gehilfen alle Erinnerungen in Joels Gehirn löscht, die mit Clementine zu tun haben. Irgendwann wehrt er sich gegen die Prozedur, weil er merkt, wie wichtig ihm die Erinnerungen an die Liebe zu ihr doch sind und er versteckt sich in ihr in seiner Kindheit und anderen verborgenen Orten, so dass der Doktor immer wieder aufs Neue mit der Suche nach ihm beginnt. Diese Szenen geben Jim Carrey die Möglichkeit, ein wenig zu blödeln und ihn in gewohnter Manier auf der Leinwand zu sehen: Als Klassenclown, einen Meister der Grimassen.

Aber diese Rückblicke, die ständige Flucht – sie ziehen sich ungemein lang hin und diese Szenen, in denen ständig Sachen (die Bibliothek, das Haus…) verschwinden und er mit ihr davon läuft, haben mich während des Schauens immer wieder genervt. Aber nicht so sehr, dass ich rausgehen wollte. Denn schließlich hatte ich den Beginn erst nicht verstanden und sollte am Ende erfahren, dass dieser im Grunde das abermalige Kennenlernen der beiden nach ihrer gegenseitigen Löschung darstellte.

Die beiden erfahren schließlich, dass sie einander bereits kannten, indem sie die Kassettenbänder zugespielt bekommen, auf denen sie über den Partner herziehen. Den Partner, den sie gerade erst kennenlernen und in dem sie – noch durch die rosarote Brille betrachtet – noch die Hoffnung auf eine wunderbare Liebe sehen. Das verwirrt sie und lässt andererseits eine erneute Beziehung zu. Diederichsen meint, dass sie es tun, weil sie sich gegenseitig durchschauen und sich deshalb vom anderen retten lassen. Noch ein bisschen romantischer ist die Ansicht, dass sie sich trotz Löschung wiederfinden – wenn das nicht bedeutet, dass sie füreinander geschaffen sind.

Was ich aus dem Film mitnehme, weiß ich allerdings immer noch nicht. Doch gefällt mir vor allem nicht, wie rosarot die Welt doch mal wieder dargestellt wurde. Denn genauso, wie wir es im wahren Leben nicht schaffen, den anderen aus unserem Leben zu verbannen, er verfolgt uns meist ein ganzes Leben, weil es immer wieder Erinnerungen gibt, die wir nur mit ihm verbinden, sind wir nicht in der Lage, uns dann – völlig unvoreingenommen in den anderen aufs Neue – zu verlieben. Das ist leider so. Und nicht zu ändern.

Premium Content: Abzocke

Was ging vor einiger Zeit ein Raunen durch die Medienlandschaft. Wie konnte Frau Salm das nur tun? Einen Fernsehsender zu einem solchen Kommerzschuppen umbauen, der zwar Geld macht, aber völlig ohne Anspruch ist. Und dabei noch den armen Menschen das Geld aus der Tasche zieht. Seit ich hier wohne, habe auch ich schon die Sogwirkung der Moderatoren, tja, wie soll ich diese Personen nur nennen, erfahren. Sie machen es verdammt gut, besonders häufig habe ich den so genannten Robin Bade gesehen, bei dem ich nach 10 Minuten Dauerberieselung und einiger Bier im Kopf ebenfalls nah dran bin, um endlich zum Hörer zu greifen. Klar, hab ich die richtige Lösung. Und was bemerke ich jetzt? Mittlerweile hat jeder Kanal des Nachts eine dieser Ich-ruf-an-damit-ich-was-gewinne-Sendungen. Ob Sat.1 mit ihrer Quiz Night oder RTL mit ihrem Nachtquiz – mittlerweile hat jeder Sender erkannt, dass man hier locker ein paar Cent verdienen kann. Immerhin besser, als wenn billig ausschauende Damen sich zu bekannten Titeln aus den Achtzigern räkeln. Das ist war nett fürs Auge, aber die Kassen klingeln davon nur bedingt.
Und auch das öffentlich-rechtliche zieht wahrscheinlich bald nach. Man nehme eine gutaussehende, wenn möglich blonde Frau, die gern und viel redet, auch am Telefon, denke sich ein paar dumme Fragen aus, auch gern die Bilderquiz-Variante und schalte eine Telefonleitung frei und schon kann’s losgehen. Ein großes Herz sollte sie auch noch haben, denn kann man die Frage nach Daniel Lopes durchgehen lassen, wenn der freundliche Herr am Telefon den Namen des ehrenwerten Herrens nicht ganz korrekt ausspricht. Gar nicht so einfach, so ein Job. Da schalte ich doch lieber zum Domian um. Oder aus.

Anke

Vergleichen kann man die beiden nicht, sie spielen in unterschiedlichen Ligen. Also völlig unvoreingenommen.

Aber schlecht war es nicht. Die Kurzkritik: Die Themen der Anfangsgags passten zu ihr. Ein wenig lang, aber ok. Gut auch der persönliche Bezug zu Harald „Ich mache nur eine Kreativpause“ Schmidt und ihrem „Ich arbeite, er spielt Bass“ Lover. Und sie macht, was sie kann: Ob als Lisa Fitz, Angela Merkel oder Linda de Mol. Beim Roger-Willemsen-Klugscheißer musste ich wirklich lachen. Udo war etwas flach, wer außer meiner Mutter ist daran interessiert, dass der Kerl 58 geworden ist? Hier wurden der guten Frau dann doch ein wenig die Worte in den Mund gelegt. Den Bastian muss man ja auch nur da hinsetzen, dann läuft das, auch Sting sorgte für ein bisschen Lockerheit. Sowieso: Sie wirkte ein wenig verloren, an ihrem kleinen Schreibtisch in diesem großen Raum. Ein bisschen kuscheliger wäre vielleicht nicht verkehrt gewesen. Zum Schluss noch – die Brainpool-Connection funktioniert – die Herren Raab und Mutzke.

Ach, was soll ich sagen? Alles bemüht, dass es nicht zum Flop wird – und wirklich schlecht war die erste Sendung nicht. Lag aber auch daran, dass ihr so viele Menschen geholfen haben. Und warum man diese Band unbedingt die Electric Lady Band nennen muss? Damit auch Frau Schwartzer einschaltet? Ich weiß es nicht. Kann man ja noch dran arbeiten. So, und den Live-Ticker zur Show kann man hier bei Jens nachlesen. Ich geh jetzt schlafen und lese morgen die Verrisse. Endlich ist wieder was los…