Manche Dinge macht man auch mit 27 Jahren noch zum ersten Mal. Das erste Mal auf einer Hochzeit (Ende August wird es soweit sein) gehört ebenso dazu wie der erste Job und so weiter. Heute war es dann mal wieder soweit. In der langen Liste der Dinge, die man irgendwann einmal in seinem Leben getan haben sollte, konnte ich vorhin einen weiteren Punkt streichen. Ich war beim ersten Mal beim Fegen.
Die Städter unter euch werden jetzt mit den Augen rollen und fragen: Fegen? Ham die denn keinen Staubsauger oder was? Doch damit hat das nichts zu tun. In diesen Regionen gibt es nämlich allerlei seltsame Rituale. Da gibt es Kohl-und-Pinkel-Touren (immer noch einer dabei, der nicht weiß, was das ist?), Hochzeiten werden in aller Ausgiebigkeit gefeiert und eben auch der 30. Geburtstag ist für viele Menschen eine wirkliche Herausforderung. Besonders dann, wenn der oder die Gute es bis zu diesem Zeitpunkt nicht geschafft hat, in feste Hände zu geraten.
Und so geschah es dann heute auch mit einem meiner Freunde. Über zehn Jahre ist es her, dass ich mit diesem Herren für einige Zeit das Bett geteilt hatte. Heute morgen dann die Anzeige in der Zeitung mit dem Hinweis: Deshalb und nur deshalb dachte ich, och, kannste ja mal gucken, wie das so ist.
Und es war so: Der Kerl, der im Laufe des Tages schon sehr viel Alkohol trinken musste, hier ein Sekt, da einen Kurzen, musste in einem hässlichen Anzug gehüllt mit Zylinder auf dem Kopf und einem Besen in der Hand die Sägespäne auf dem Boden wegfegen. Kleine Mädchen (ja, die meisten haben mittlerweile Nachwuchs) springen immer und immer wieder durch die gerade gefertigten Haufen und zerstören das Werk, so dass der Feger immer wieder frustriert von vorne beginnt. Zwischendurch gibt es eine kleine Stärkung mit einem Kurzen. Das Schauspiel wiederholt sich so lange, bis der Feger von einer Jungfrau geküsst wird. Das bedeutet natürlich nicht, dass er von einer Herzensdame gerettet wird und sie dann auf dem Schimmel von dannen reiten, nein, eines der kleinen Mädchen bekommt von Papa gesagt, dass es doch mal eben den Feger auf die Wange küssen soll. Dann noch ein kleines Foto für das Album und den nächsten Kurzen, jetzt, wo man das schon einmal hinter sich gebracht hat.
Natürlich haben die Feger bereits seit Jahren darauf gepocht, dass sie dann, mit 30, NIEMALS fegen werden. Tja. Und nun hat es ihn doch erwischt. Traurig das, alles sehr sehr traurig.