Neues aus der Hof-Schule – Tag 4

Neue Viren, neue Herausforderungen und das ganz besonders für zwei berufstätige Elternteile mit zwei Kindern. In unserem Fall: ein Drittklässler und ein Vorschulkind. Die Challenge: Alle einigermaßen zufrieden machen und gleichzeitig arbeiten. Der Ort des Geschehens: die Hof-Schule, die vor Corona noch das Hof-Office war. Heutiger Autor: der Mann.

Ein Morgen, bei dem es vorher schon aussichtslos schien, alle Bedürfnisse zu befriedigen: Drei Stunden fast nonstop Telefonkonferenzen zu wichtigen Themen, „nebenbei“ Hof-Schul-Dienst, weil auch die Frau wichtige Arbeit zu erledigen hat. So muss die Schule dann mal mit weniger Interaktion und mehr (halbwegs) stiller Arbeit der Jungs funktionieren: Aufgaben aus der echten Schule abarbeiten für den Drittklässler, Malen nach Zahlen für den Vorschüler. Später: ein „pur+“-Video über „Die Waffen der Saurier“ mit anschließender Videokonferenz-Diskussion mit dem besten Freund des Drittklässlers. Im „Kreativitäts“-Block versuchen sich die beiden nach Schauen von „Dein Song“ in den vergangenen Tagen am Schreiben eines eigenen Songs (also nur Text ohne Noten), der „Essen-Zubereiten“-Block besteht diesmal nur daraus, den Herd anzuschalten, um Gnocchi anzubraten.

Interessant ist, wie die beiden Jungs mit der aktuellen Lage mit wenig bis gar keiner Freiheit umgehen: Während der Große immer wieder bedauert, kein Fußball spielen zu können oder Oma und Opa nicht besuchen zu können, genießt der Kleine die viele Zeit mit Bruder und Eltern, geht auf kreative Art und Weise mit dem Coronavirus um. Heute bastelte er sich aus einem Karton ein Rednerpult und erklärte dahinter stehend als Jens Spahn, wie Menschen (in diesem Fall Playmobil-Menschen) Abstand zueinander halten müssen.

So war Tag 3
So war Tag 2
So war Tag 1

Neues aus der Hof-Schule – Teil 3

Neue Viren, neue Herausforderungen und das ganz besonders für zwei berufstätige Elternteile mit zwei Kindern. In unserem Fall: ein Drittklässler und ein Vorschulkind. Die Challenge: Alle einigermaßen zufrieden machen und gleichzeitig arbeiten. Der Ort des Geschehens: die Hof-Schule, die vor Corona noch das Hof-Office war.

Der Tag beginnt besonders, weil der große Sohn Geburtstag hat. Wir stehen ein bisschen früher auf, packen Geschenke aus, telefonieren mit den Omas. Danach Hof-Schule. Mathe – die Aufgaben, die die Lehrerin für die gesamte Zeit aufgegeben hat, sind nun alle abgearbeitet. An Tag 3. Im Sachunterricht mit Videoschalte, der beste Freund ist wieder am Start, geht es um die systemrelevanten Berufe und die Jungs wollen auch darüber sprechen, wie man sich eigentlich ansteckt. Logo! hinterlässt Spuren. Der kleine Sohn nutzt die Zeit und bastelt aus zwei Pappen ein Notebook und setzt sich an den Schreibtisch mir gegenüber, so dass wir nun beide in unsere Rechner starren.

Nach dem Sachunterricht meldet sich der Onkel per Facetime und hat offenbar Zeit, so dass die Jungs mit ihm so lange sprechen, bis das Smartphone-Akku versagt und die Deutschstunde für heute entfällt. Sie nutzen die verbleibende Zeit, um die Stecktiere zu vollenden. Wir scheitern gemeinsam daran, die Beine an Affen und Hund zu stecken – vielleicht sind wir auch einfach schon zu hungrig.

Genervt, weil das dann alles doch viel länger gedauert hat als gedacht, mein nächster Call näher rückt, holen wir Pommes und Nuggets vom Imbiss – die heimische Gastroszene muss schließlich auch unterstützt werden. Ich freue mich, dass ich nach dem Call zwei Stunden ungestört arbeiten kann – Mails beantworten, Texte lesen, denken. Danach geht es für einen ausgiebigen Spaziergang am Rhein an die frische Luft – wir halten Abstand, spielen Fußball, genießen die Sonne.

Am Abend dann die Kanzlerin, Logo!, die Wäsche. Be-Happy-Tee, Halloren-Kugel und Killepitsch. Und Arbeit.

So war Tag 2
So war Tag 1

Neues aus der Hof-Schule – Teil 2

Neue Viren, neue Herausforderungen und das ganz besonders für zwei berufstätige Elternteile mit zwei Kindern. Der eine Drittklässler, der andere ein Vorschulkind. Die Challenge: Alle einigermaßen zufrieden machen und gleichzeitig arbeiten. Der Ort des Geschehens: die Hof-Schule, die vor Corona noch das Hof-Office war, denn es liegt im Hinterhof unserer Wohnung. Ich berichte Wir berichten hier darüber, wie uns das gelingt und was wir dabei lernen.

Seine Sicht: Nun war ich also zum ersten Mal dran. Freiberufler und Freiberuflerin mit Büro im gleichen Gebäude – klar, dass man sich auch das Betreuen der Schul- und Kita-losen Kinder aufteilt. Hier sind meine fünf Erkenntnisse meines ersten Tags der „Hofschule“:

1. Die Hoffnung, neben der Betreuung der Kinder auch noch einiges wegarbeiten zu können, erwies sich als unrealistisches Wunschdenken.
Geometrieaufgaben, die der Drittklässler aus der Schule mitbekommen hat, Mal- und Zählaufgaben aus Vorschulblocks für den Fünfjährigen und dann noch Telefonkonferenzen, Artikel schreiben – und das alles zeitgleich – nicht machbar. Erkenntnis: Lieber mit dem Glauben, nichts zu schaffen, in den Vormittag gehen, dann führt jede geschaffte Arbeit zu positiven Gedanken.

2. Für alle Beteiligten, insbesondere aber den Drittklässler werden die Wochen zu einer großen Herausforderung. Er vermisst sein
Fußballtraining, seine Freunde, seine Klassenkameraden. An beiden bisherigen Abenden antwortete er auf die Frage, was das Schönste des
Tages war: dass er eine Stunde per Videoschaltung seinen besten Freund sehen konnte und mit ihm zusammen für kleine Aufgaben recherchiert hat.

3. Wenn ich mir unsere letztlich doch komfortable Situation mit Büros auf dem gleichen Grundstück der Wohnung vor Augen führe, also Hof Office statt Home Office – dann habe ich noch mehr Respekt vor Leuten, die nun wochenlang mit ihren Kindern in einer womöglich kleinen Wohnung arbeiten sollen. „Home Office“ klingt immer auch ein bisschen komfortabel, man ist zu Hause, arbeitet ein bisschen nebenbei, kann sich auch mal ausruhen zwischendurch, ist ja keiner da, der nachschaut. Die kommenden Wochen werden vielen vor Augen führen, dass das Gegenteil der Fall ist.

4. Dennoch: Ich glaube, dass die kommenden Wochen auch sehr viel Positives für jede Familie hervorbringen können. Viele Eltern, die sonst den ganzen Tag lang fern der Kinder arbeiten, gewinnen nun Zeit mit ihnen. Wenn man offen und positiv an die ganze Sache heran geht, dann werden viele tolle Momente entstehen, an die man sich später als Familie erinnern wird.

5. Und nicht zu vergessen: Aufgaben von Drittklässlern können auch für Erwachsene zu Denksportaufgaben werden, wenn man sich jahrzehntelang nicht mit dem Thema Geometrie befasst hat.

Meine Sicht: Der Tag beginnt für mich am Schreibtisch. Der Mann hat Schuldienst und ich kann mich am Vormittag um die Arbeit kümmern. Geht dennoch nur bedingt, weil ich die Gespräche nebenan höre und die Noise-Cancelling-Kopfhörer in der Wohnung habe. Geht dann aber doch, so dass ich mir den Extra-Weg spare, Mails beantworte, den digitalen Workshop am Freitag grob konzipiere, mit meiner Mitarbeiterin telefoniere, mit einem potenziellen neuen Auftraggeber brainstorme. Aber ein paar Dinge bekomme ich dann doch mit: Die digitale Stunde mit dem Schulfreund des großen Sohnes hat diesmal das Thema: Gibt es positive Seiten dieser ganzen Krise und den Jungs fällt, so meine Wahrnehmung erstaunlich viel ein. Das Ganze wird dann noch zu Papier gebracht, so dass auch geschrieben wird. In Mathe steht Geometrie auf dem Plan. Als ich dann die Kids mit zum nächsten Programmpunkt „Mittagessen kochen“ übernehme, basteln sie in „Kreativität“ Steckfiguren.

Nach dem Mittagessen, es gibt Milchreis, den wir gemeinsam zubereiten und sogar der Tisch deckt sich heute von ganz allein, räumen wir im Fach „Schöner Leben“ (es wurde noch einmal umbenannt) im Wohnzimmer auf. In der Mittagspause dürfen beide Kinder sich jeweils eine Sendung aussuchen: Die Wahl fällt auf eine Folge „Dein Song“ vom Kika und „Ninjago“ – ich nutze die Zeit noch einmal zum Arbeiten. Da die Spielplätze heute tabu sind, machen wir einen Spaziergang zum nahe gelegenden Park, mit Roller und Fußball. Wir kicken ein wenig – und dann geht es auch schon wieder nach Hause. Geburtstagsvorbereitungen, Abendessen, der tägliche Tagesabschluss mit Logo!.

So war Tag 1.

Neues aus der Hof-Schule – Tag 1

Neue Viren, neue Herausforderungen und das ganz besonders für zwei berufstätige Elternteile mit zwei Kindern. Der eine Drittklässler, der andere ein Vorschulkind. Die Challenge: Alle einigermaßen zufrieden machen und gleichzeitig arbeiten. Der Ort des Geschehens: die Hof-Schule, die bis Freitag noch das Hof-Office war, denn es liegt im Hinterhof unserer Wohnung. Ich werde hier darüber berichten, wie uns das gelingt und was wir dabei lernen.

Wir starten gut vorbereitet in diesen Tag. Es gibt einen Plan, eine Struktur für die nächsten Tage und der Wecker klingelt um 7.30 Uhr. So gelingt es, dass alle mit Frühstück im Bauch, gewaschen und mit Federmappen bepackt den Weg um 8.30 Uhr die Wohnung verlassen. Mathematik, Sachunterricht, Deutsch, Kreativität, Mittagessen, Haushalt stehen auf dem Programm, Pausen nach Bedarf. Immer ein Elternteil ist in Charge, so dass das andere die Zeit für die Arbeit nutzen kann. Und deshalb sprechen wir zuerst noch einmal über diese Regeln. Und den Stundenplan. Das ist gut, denn so wird das „Fach“ Haushalt schnell in „Schöner Wohnen“ umbenannt, klingt besser, ist ziel- und nicht problemorientiert, da haben alle gleich ein bisschen mehr Spaß dabei. Wir diskutieren Themenwünsche. Der große Sohn wünscht sich „Krebs, also die Krankheit“, „Die Pest, wir haben in der Schule gerade das Thema Mittelalter“ und der kleine Sohn „Ninjas“. Wird aufgeschrieben und festgehalten.

Und dann geht es richtig los: Matheaufgaben, für den Sachunterricht („Wie schütze ich mich vor dem Corona-Virus?“) schalten wir einen Freund dazu, vielleicht kann das zu einem stetigen Programmpunkt werden. Deutsch und dann rauchen die Köpfe und wir nutzen (ein vorerst letztes Mal) den nahe liegenden Spielplatz.

Gemeinsam bereiten wir das Mittagessen zu – das klappt super, weil alle mithelfen. Bei „Schöner Wohnen“ wird der Vorratsschrank sortiert und potenzielle Mittagessenideen aufgeschrieben, die wir nun nach und nach abarbeiten können. Es geht doch nichts über einen guten Plan. Danach Freizeit für die Kids, während wir Eltern in Telefonkonferenzen die Projekte der kommenden Tage besprechen und voranbringen.

Bilanz: Es wird sich schon noch einruckeln und deshalb war ich froh, am Abend noch eine Runde laufen zu gehen, auspowern, Kopf frei machen und dann gemeinsam mit allen Logo! zu schauen. Selbst effektiv gearbeitet habe ich vor allem in meiner kinderfreien Zeit.

Goldene Blogger 2019: Völlig fertig, aber irre glücklich

Foto: Kny

2014 habe ich ein Buch gelesen, das mich so sehr beeindruckt hat, dass es in meiner Jahresendliste 2014 auftauchte. Der Titel: Völlig fertig, aber irre glücklich. Der Titel passt auch auf meinen Gemütszustand nach der Verleihung der Goldenen Blogger Anfang der Woche, die Daniel Fiene, Thomas Knüwer und ich nun zum 13. Mal verliehen haben. Völlig fertig? Ja, Es war in Sachen Goldene Blogger ein anstrengendes Jahr: Nach einigen Jahren im Basecamp mussten wir eine neue Location finden und bis September hatten wir zwar viele Gespräche geführt, aber noch keine Zusage. Wir mussten uns damit beschäftigen, ob wir einer Gewinnerin ihren Preis aberkennen und nicht jeder konnte unsere Entscheidung nachvollziehen. Und zu allem Überfluss reduzierte sich unser Team wieder auf uns Gründer.

Und dann muss ich noch das „irre glücklich“ erklären. Nicht wahr? Ich nenne hier einmal fünf gute Gründe für dieses Glücksgefühl.

1. Die hohe gesellschaftliche Relevanz: Ich habe mich irre über die hohe gesellschaftliche Relevanz der Preisträger gefreut. Blogger des Jahres wurde der Volksverpetzer und das auch, weil die beiden anderen Nominierten ihre Communities aufriefen, für dieses großartige Projekt abzustimmen. In der Kategorie „Thema/Nische“ holte sich „Alzheimer und wir“ den Preis, ein Thema, das viele von uns in den kommenden Jahren und Jahrzehnten beschäftigen wird. Dann war da noch die Gewinnerin der Kategorie „Medizinblogs“: FrauSchwesterdoktor, die über ihr Leben als Landärztin berichtet. Die Kategorie entstand übrigens im vergangenen Jahr, als noch niemand von Corona gesprochen hat. Und ist es nicht auch ganz wunderbar, dass ein CDU-Politiker mit 73 Jahren für seine Twitter-Aktivitäten zum Newcomer des Jahres ausgezeichnet werden kann? Es lohnt sich immer mit etwas Neuem anzufangen.

2. Wahre Perlen und heimliche Lieblinge: „Bin jetzt Fan von ..“ , „Die Liste der Gewinner, aber auch der Nominierten lohnt sich jedes Jahr“, „XY kannte ich noch gar nicht, das ist ja toll“ – das sind die Sätze, die ich in den vergangenen Tagen auch in diesem Jahr wieder gehört habe. Und natürlich entdecke auch ich in jedem Jahr wieder neue coole Projekte, die permanent in meine Leseliste wandern. Und ob diese tollen Projekte dann am Ende gewinnen, entscheidet die Community. Noch viel schöner ist es dann, wenn heimliche Lieblinge gewinnen, wie etwa der „Business-Lion„, Maria Lorenz, Finanz-Szene, Theresaliebt und und und…

3. So viele Frauen! Hier mach ich’s kurz und nenne einfach: den wunderbaren Podcast FRÜF (Sportblog), die Groschenphilosophin (Kulturblog), Franzi von Kempis (Buch einer Bloggerin), Dorothee Bär! Bloggen ist nämlich alles andere als „nur“ ein Männerding!

4. Die vielen Menschen vor Ort: Der neue Termin, Corona, die neue ungewohnte Location – es hätte einige gute Gründe gegeben, am Montag nicht bei Microsoft aufzutauchen. Das Bangen wäre nicht nötig gewesen: Es war sehr voll, es wurde viel gelacht, gesungen, getanzt und gefeiert. Ich habe ausnahmslos glückliche Gewinner und Gäste gesehen.

5. Die Resonanz: „Ich weiss nich, wann ich das letzte Mal so viel Presse bei Microsoft Berlin gesehen hab“, schreibt Magdalena Rogl auf Twitter und ja. Das war wirklich ordentlich. Viel wichtiger sind uns die vielen Tweets, Facebook- und Instagram-Posts, Mails und Anfragen, die wir gerade noch sortieren und beantworten. Verspätungen liegen auch bei uns an Verzögerungen im Betriebsablauf, wir machen das „nur“ nebenbei, quasi als Hobby. Eins, das auch am Ende der 13. Gala irre glücklich macht.

Danke.

Hier die Liste aller Gewinner:

Instagram-Account: Der Businesslion (Saal-Voting)
Kulturblog: Die Groschenphilosophin (Akademie-Entscheidung)
Twitter-Account: erzaehlmirnix (Online-Voting)
Talent auf TikTok: Tagesschau (Akademie-Entscheidung)
Newcomer*in des Jahres: Ruprecht Polenz (Online-Voting)
Sportblog: FRÜF – Frauen reden über Fußball (Akademie-Entscheidung)
Themen- und Nischenblog: Alzheimer und wir (Akademie-Entscheidung)
Bloggerin mit Buch: Franzi von Kempis mit „Anleitung zum Widerspruch“ (Saal-Voting)
Food- und Weinblog: Bacon zum Steak und Sternefresser (Akademie-Entscheidung)
Podcast: Wochendämmerung mit Katrin Rönicke & Holger Klein (Online-Voting)
WTF-Blog: Bibliothek der Träume und Helikopter Hysterie ZWO (Saal-Voting)
Neue*r Medienmacher*in: Maria Lorenz & Nilz Bokelberg (Akademie-Entscheidung)
Social-Media-Account einer Celebrity: Fiete Gastro – der auch kulinarische Podcast mit Tim Mälzer und Sebastian Merget (Online-Voting)
Medizinblog: Schwesterfraudoktor (Akademie-Entscheidung)
Wirtschaftsblog: finanz-szene.de (Akademie-Entscheidung)
Bloggerin ohne Blog: Dorothee Bär (Saal-Voting)
Flauscherin: Theresa liebt (Online-Voting)
Sonderpreis fürs Lebenswerk: Sascha Lobo
Blogger des Jahres: Volksverpetzer (Akademie- und Online-Voting, jeweils 50 Prozent)

Mehr Fotos vom Abend gibt’s hier.

Und hier noch mal die Namen der Unternehmen, ohne die das alles nicht möglich wäre.

Neues macht Angst

Neulich fühlte ich mich ertappt: Monatelang hatte mir mein Mann in den Ohren gelegen, dass er gerne einen neuen Fernseher anschaffen wollte. Und monatelang habe ich ihn hingehalten: Das neue Ding würde viel größer werden, schon wieder eine Umgewöhnung in Sachen Fernbedienungen (noch eine mehr?!) bedeuten und sowieso nicht richtig ins Wohnzimmer passen (gibt ja nix Kleines mehr!). Ich hatte jede Menge Ausreden parat! Und dann war das neue (sehr große!) Gerät da. Wir räumten ein wenig um und es war am Ende gar nicht schlimm, sondern sogar besser: Aus drei Fernbedienungen wurde sogar nur eine. Du ahnst schon, warum ich mich ertappt fühlte: Einerseits mache ich seit Jahren Menschen Mut, sich auf neue Abläufe, Kanäle und Arbeitsweisen einzulassen, andererseits hadere ich monatelang mit der Entscheidung für einen neuen Fernseher. Was für ein Witz!

Auch die derzeitige Hysterie in Bezug auf diesen neuartigen Corona-Virus ist ein Ausdruck von Angst, Angst vor dem Unbekannten. Eine Angst, die wiederum zu irrationalen Handlungen führt. Zum Beispiel Hamsterkäufe, obwohl es Lieferdienste gibt. Hyperventilierenden Medien, die stündlich die Zahl der positiv auf Corona getesteten Menschen per Eilmeldung an ihre Leser bringen, ohne richtige Einordung zu liefern. Veranstaltungen werden abgesagt, obwohl das Corona-Virus lange nicht so ansteckend wie Masern ist. Hinzu kommt, dass der Krankheitsverlauf bei den meisten Infizierten bisher so mild verläuft, dass diese die Symptome nicht einmal als solche bemerken. Und ja: Das Robert-Koch-Institut schätzt die Sterblichkeit auf 0,3 bis 0,7 Prozent, dreimal so viel wie bei der Grippe. Das liegt aber auch daran, dass bisher nicht flächendeckend, sondern nur Risikogruppen und schwer Erkrankte getestet wurden. 

Natürlich vergleiche ich hier Äpfel mit Birnen und an einem neuen Fernseher werden vor allem ältere und kranke Menschen auch nicht sterben können, wie es bei der Lungenkrankheit Covid 19 der Fall ist. Dennoch könnten wir versuchen, verantwortungsvoller und weniger irrational mit diesem Neuen umzugehen: Auch im Kampf um die Aufmerksamkeit sollten Medien, ihrer Verantwortung, die sie als vierte Gewalt im Staat haben (wollen), stets gerecht werden (Offtopic, aber WTF!). Zweitens: Eigenes Hinterfragen und Medienkompetenz ist wichtiger denn je, auch und vor allem bei Medien selber. 
Und drittens: Mithelfen, den Virus auszubremsen. Indem wir Abstand halten, ohne auszugrenzen, in Armbeugen husten und niesen, enge, schlecht belüftete Räume meiden und Hände waschen. Apropos!

Sind Branchenfremde die besseren Verleger?

Quelle: Dumont

In der Medienbranche herrscht bisweilen Untergangsstimmung: Print stirbt. Lokaljournalismus im Internet hat kein Geschäftsmodell und wie lange es lokale Boulevardzeitungen noch geben wird – unklar, aber die Tage sind gezählt. Und wenn man sich die Entwicklung der Auflagenzahlen der Regionalzeitungen anschaut, dann kann man nur hoffen, dass die Verleger Gas geben, damit in ein paar Jahren wirklich die digitalen Erlöse die Printverluste kompensieren, wie prophezeit. (Ich hoffe ja sehr, dass die Protagonisten wissen, dass das nicht von alleine passiert, sondern Investitionen und harte Arbeit notwendig sind.)

In diese Stimmung hinein platzt nun die Meldung, dass der Xing-Manager Arist von Harpe die Hamburger Mopo kauft. Ein lokales Boulevardblatt – ausgerechnet! Wirft man einen Blick von Harpes Vita dann ist es ein lustiger Zufall, dass dieser – ähnlich wie Holger Friedrich, der mit seiner Frau die Berliner Zeitung kaufte – sowohl Gründer als auch Unternehmensberater war. Im ‚Horizont“-Interview gibt er sich optimistisch: Die Mopo sei eine „echte Perle“. Und das, obwohl es für Dumont ja nicht so einfach war, überhaupt jemanden zu finden, der eine Zukunft in der Mopo gesehen hat.

Halten wir fest: Nun gibt es mittlerweile schon zwei prominente Projekte in Deutschland, bei denen Fachfremde als Verleger alten Marken eine Zukunft geben wollen und Branchenkenner keine mehr sehen. Beim Blick in die USA könnte man meinen, dass das nicht unbedingt eine schlechte Idee sein muss.

Fotoquelle: Dumont

(Der Text war Teil meines wöchentlichen Newsletters über digitale Medien und Social Media, den du hier abonnieren kannst.)

Goldene Blogger: Fünf Dinge, die ich 2019 gelernt habe

Zum 13. Mal verleihen Daniel Fiene, Thomas Knüwer und ich am 9. März die Goldenen Blogger. In den vergangenen Tagen haben wir uns mehr als 2000 Vorschläge angeschaut, die die Community in 2019 begeisterten. Fünf Dinge, die ich dabei gelernt habe.

Erstens: Es spricht sich so langsam rum: Blogs sind mittlerweile viel mehr als digitale Tagebücher, das konnte man sehr gut an den diesjährigen Nominierungen sehen. Viele Bloggerinnen und Blogger nutzen Blogs, um ihre Leidenschaft für ein Thema auszudrücken und Gleichgesinnte zu finden. Nicht ohne Grund kann in diesem Jahr entschieden werden, wer das beste Blog in den Kategorien „Wirtschaft“, „Kultur“, „Food/Wein“, „Sport“ oder auch Thema/Nische sein wird.

Zweitens: Medienwandel ist was Feines! Aus Blogs und anderen digitalen Projekten entstehen immer mehr Geschäftsmodelle. Deshalb haben wir in diesem Jahr die Kategorie „Neue Medienmacher“ ins Rennen geschickt und mit ihr Persönlichkeiten wie Tijen Onaran, Stefanie Luxat und Maria Lorenz und Nilz Bokelberg. Sie alle eint die Leidenschaft, mit der sie Medien machen – auf allen Plattformen.

Drittens: 2019 war ein weiteres Jahr der Polarisierung. Gut, dass es dennoch Menschen da draußen gibt, die mit Leidenschaft gute Laune verbreiten und aus Gepöbel, schlechter Laune und Hass hervorstechen. Natürlich musste es diesmal wieder die Kategorie „Flausch“ geben, in der wir die Menschen feiern müssen, denen das täglich gelingt!

Viertens: 2019 war außerdem ein Jahr, in dem auch deutsche Politiker auf den sozialen Kanälen angekommen simd. Gleich drei Politiker haben die Community dabei besonders beeindruckt: Ruprecht Polenz, der im Alter von 73 Jahren 2019 aufdrehte, SPD-Hoffnung Lilly Blaudszun und Digitalstaatsministerin Dorothee Bär.

Fünftens: Wenn ich auf die komplette Liste der 48 Nominierten schaue, dann spiegelt diese für mich wieder einmal ein sehr vielfältiges Bild von dem, was in Blogs, in sozialen Netzwerken und digitalen Medien so entsteht. Da stehen Youtuber neben etablierten Entertainern wie Kai Pflaume, Tiktoker neben der Tagesschau. Ich habe die Möglichkeit, zum Fachmann für Helikopter, Käse oder Ibuprofen zu werden, erfahre, wie es ist, mit Tourette zu leben und nebenbei gibt’s noch Beziehungscoaching mit Charlotte und Martin. Besser geht’s doch eigentlich nicht, oder?

Hier die Liste aller aller Nominierten! Sehen wir uns am 9. März 2020?

Blackrock-Chef Larry Fink ruft Revolution aus

Zu Beginn des Jahres schaue ich noch einmal nach vorn. Eine spannende Lektüre ist jedes Jahr der Brief von Larry Fink an seine Kunden, meist Chefs der größten Konzerne der Welt. Larry Fink selbst ist Chef des größten Vermögensverwalters der Welt, Blackrock. Der Brief macht in diesem Jahr deutlich, welches Thema die Finanzwelt in 2020 beschäftigen wird: der Klimawandel. Fink beschreibt in wenigen Sätzen, wie sehr das gesamte Wirtschaftssystem auf den Kopf gestellt werden wird:

„Will cities, for example, be able to afford their infrastructure needs as climate risk reshapes the market for municipal bonds? What will happen to the 30-year mortgage – a key building block of finance – if lenders can’t estimate the impact of climate risk over such a long timeline, and if there is no viable market for flood or fire insurance in impacted areas? What happens to inflation, and in turn interest rates, if the cost of food climbs from drought and flooding? How can we model economic growth if emerging markets see their productivity decline due to extreme heat and other climate impacts?“

Fink verkündet eine Reihe von Maßnahmen, die in den kommenden Monaten einen Wandel der Wirtschaftswelt hervorbringen werden. Keine Investitionen, die mit Nachhaltigkeitsrisiken verbunden sind, eine größere Implementierung von Nachhaltigkeit im Investmentprozess, mehr Transparenz über Nachhaltigkeitsfaktoren in allen Produkten. Mehr noch: Auch das Abstimmungsverhalten in den unzähligen Aufsichtsräten, in denen Blackrock vertreten ist, soll sich nun noch viel stärker an diesen Faktoren ausrichten.

Auch wenn man hier natürlich noch einkalkulieren muss, dass Fink es durchaus auch um maximale Aufmerksamkeit geht – es ist schon erstaunlich, dass der Chef von Blackrock den Klimawandel mit all seinen Auswirkungen zum Thema macht und den Versuch unternimmt, sich nun an die Speerspitze des Wandels zu setzen. Die Klimakrise ist in der Wirtschaft angekommen. Und sie wird auch die Digitalisierung beeinflussen: Schon jetzt geht ein erheblicher Anteil des Stromverbrauchs für die Nutzung des Internets drauf und dieser stammt keinesfalls nur aus klimaneutralen Energien.

(Dieser Text erschien zuerst in meinem wöchentlichen Newsletter, den du hier abonnieren kannst.)

Was kommt 2020?

Ich hoffe, dass du gut ins neue Jahr gestartet bist. Was wird uns 2020 beschäftigen? Welche Themen, Trends, Plattformen, Fragen? Das habe ich in den vergangenen Jahren auch schon gemacht (z.B. im Januar 2019). Ein paar Dinge haben sich bewahrheitet, ein paar nicht. Bist du bereit? Los geht’s.

Purpose, Haltung, New Work | Über diese Themen werden wir auch in 2020 intensiv diskutieren. Doch es geht 2020 darum, diese Begriffe, die Buzzword-Charakter haben, noch viel stärker mit Inhalten und echten Cases zu füllen. 

Persönlichkeitsentwicklung | Kein neuer Trend, aber einer, der 2020 noch mehr im Mainstream wahrgenommen werden wird und der aus meiner Sicht sehr stark mit den Begriffen in Punkt 1 verknüpft ist. 

Diversität | 2020 werden Frauen in hochkarätige Positionen in Politik und Wirtschaft wechseln. Doch wir werden nicht nur über Führungspositionen sprechen oder Diversität im Hinblick auf das ausgewogene Geschlechterverhältnis begreifen, sondern auch in Bezug auf Alter, Herkunft, Lebensstile und Gesellschaftsschichten erleben. Wir können es uns auch schlichtweg nicht mehr anders leisten! Und ja: Diversität kann anstrengend sein, umso wichtiger ist es, eine Unternehmenskultur zu schaffen, die Diversität möglich macht. 

Die eigenen Kanäle | Anfang 2019 habe ich vom Comeback der eigenen Kanäle geschrieben und das ist ein Trend, der uns auch in diesem Jahr beschäftigen wird. Die eigene Webseite, Newsletter, eine treue Community – darauf kommt es in 2020 umso mehr an. Bei Unternehmen und Medien. 
 
Linkedin, Instagram, Tiktok | Das sind die Namen der Plattformen, die 2020 zu den Gewinnern zählen werden. Tiktok war bereits 2019 der große Aufsteiger und ich bin gespannt, welche Formate von Medien und Unternehmen wir dort in den kommenden Monaten erleben. Linkedin wächst weiter und es könnte gut sein, dass das Netzwerk Ende 2020 kein klassisches Business-Netzwerk mehr ist. Und ja: Instagram wird zu den Gewinnern 2020 zählen, aber im Laufe des Jahres aufgrund der zunehmenden Fokussierung auf werbliche Inhalte eine gewisse Ernüchterung spüren.

Journalismus | Neue Medienmacher werden in 2020 noch relevanter und noch stärker gesellschaftliche Debatten mitbestimmen, so genannte klassische Medien verlieren weiter an Bedeutung. Die Fragmentierung der vierten Gewalt verstetigt sich und ich sehe darin auch viele Vorteile. 

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk | Allein das Wort „öffentlich-rechtlicher Rundfunk“ macht deutlich, dass hier dringender Reformbedarf besteht. Die Themen sind vielfältig und es ist schon fast ein bisschen niedlich, wie Quarks und Co. neuerdings auf Instagram bei jedem veröffentlichten Video erklären, dass dies mit Hilfe des Rundfunkbeitrags finanziert worden ist. Welchen Auftrag und welche Aufgaben hat der Ö-R in der digitalisierten Welt? Wie muss der Ö-R in Zukunft organisiert sein? Welche Mitarbeiter werden in Social-Media-Debatten geschützt und welche nicht? Dies wird 2020 breit debattiert werden. Und ich hätte nicht gedacht, dass die Sender diese Debatte selbst befeuern würden. WDR-Indendant Tom Buhrow hat mit seiner Löschaktion rund um das „Umweltsau“-Video ein wahres Eigentor gelandet.  

Und was meinst du?  

Ich wünsche dir ein großartiges 2020!

(Dieser Text erschien zuerst in meinem wöchentlichen Newsletter, den du hier abonnieren kannst.)