Sätze, die die Welt bedeuten (9)

‚Having been fucked is no excuse for being fucked up.‘

Dank an Lucy

8 Stunden Sondersendung

Beim Verlassen meiner Wohnung heute morgen bekam ich es noch mit: Die ARD begann gerade ihre Sondersendung. 8 Stunden lang alles zum Bush-Besuch in Deutschland! 8 Stunden! Die Arbeitslosen, Hausfrauen, Kranken und Rentner dürfen dabei sein, wenn der amerikanische Präsident landet, wenn er mit dem Kanzler spricht, wenn die Frauen über dies und das plaudern und gut dabei aussehen. Und wenn Herr Bush und Herr Schröder einmal hinter verschlossenen Türen sprechen, sprich, es eigentlich nichts zu senden gibt, dann reden ‚Experten‘ über den Besuch. Wie sie ihn finden, was er so bringt und wie der Verkehr rund um Mainz so lahm liegt. Spitzensendung. Und morgen in diesem Programm: Der Tag danach: 24 Stunden live von den Straßen Deutschlands. Wie Gerhard Schröder sich auf den gestrigen Tag vorbereitet hat, welche Unterhose er trug, was die H&M-Verkäuferin in Lübeck jetzt von Herrn Bush hält und, weil wir Deutschen ihn ja angeblich so lieben, was Michael Moore so treibt.

Kettcar im Zakk

Es war nicht das erste Mal, dass ich Kettcar live gesehen habe. Es war Herbst, damals 2003. Ich war unglücklich, weil noch nicht entliebt und eine damalige Kollegin fragte mich, ob ich nicht mitkommen wolle, in den Knaack Klub. ‚Da spielt so eine Hamburger Band’ muss sie zu mir gesagt haben. Ich ging mit. Der Klub war voll, ich kannte die Jungs nicht und wunderte mich, dass es voll war und die Anwesenden wohl alle Texte konnten.

Berlin ist zwar nicht Hamburg, aber immerhin Berlin und nicht Düsseldorf, dachte ich noch, als ich auf dem Weg zum Zakk war. Sicherlich, ausverkauft, aber vielleicht ja auch nur der kleine Club, in dem schon Kante spielten. Doch bereits um halb acht waren die Räume gut gefüllt, einige kamen wohl auch wegen Bernd Begemann, der ungefähr eine Stunde später seine Lieder trällerte. Nichts gegen Bernd Begemann, er ist wirklich unterhaltsam. Unterhaltsam ja, ein Stichwort, weil sich während seines Auftritts sicherlich die Hälfte der Anwesenden angeregt unterhalten haben. Nach einer knappen Stunde verschwand er wieder.

Wenig später dann Kettcar. Zum zweiten Mal. Und ich war überrascht. Zum einen über die Konstitution des Publikums, zum anderen über ihre Sangeskraft. Jedes der Lieder der ersten Platte saß, eine nicht unerhebliche Menge gröhlte auch schon die Texte der neuen, noch nicht erschienenden Scheibe mit. Downloader. Oder Journalisten, wie Herr Wiebusch anmerkte. Oder Trittbrettfahrer. Spaß. Besser als beim ersten Mal. Was aber daran lag, dass ich besser vorbereitet war. Beinahe zum Schluss dann die Erinnerungen. An damals. Den Herbst 2003. Als ich manchmal im Taxi weinen musste.

Hören: Heute abend. Live.

Mach immer was dein Herz dir sagt,
immer was dein Herz dir sagt,
mach immer was dein Herz dir sagt,
und begrab es an der Biegung des Flusses.

Ach, herrlich!

An einem solchen Sonntag und dem wunderbar schnellen Internet, endlich mal wieder ‚Grissemann und Stermann‘ auf Radio 1 zu hören. Seit Monaten endlich mal wieder Berlin fühlen.

Bundesvision Song Contest

Unterhaltsam war der Abend, wirklich. Juli aus Hessen haben gewonnen. Ist in Ordnung. Fettes Brot sind mit einem Knaller-Mitgröhllied auf dem zweiten Platz gelandet und der seltsame Masken-Sido landete auf Platz 3. Ich sach das jetzt einfach mal so, aber ich finde, dass das jetzt ruhig jedes Jahr kommen kann.
(wurde laufend aktualisiert)
Kommen wir zu den sicherlich schönsten Bundesländern Deutschlands:
Nordrhein-Westfalen: Mamadee. Nicht meins, aber mein derzeitiges Bundesland. Deshalb: Kein Kommentar.
Hamburg: Samy de Luxe. Super Text, besonders der Refrain. Der hat einfach das Wort „Generation“ genommen, ein paar Worte, die sich darauf reimen (z.B. Generation, Kinderportion, Inspiration…) verwendet und fertig war der Text. Jojo..
Rheinland-Pfalz: Sandy, das Ex-No-Angel. Fast ein bisschen Sandy-untypisch, weil sie sich ja eigentlich so auf die Schmalzschiene festgelegt hat. Hab schon schlechteres von ihr gehört.
Bremen: Lukas Hilbert. Ich mag Bremen doch eigentlich so gerne. Aber Lukas Hilbert ist wirklich untragbar. Aber gut, dass er sich hingesetzt hat.
Bayern: Slut. Shit, shit, shit. Warum bin ich am Donnerstag nicht zum Slut-Konzet gegangen? (ach ja, der job, ich wusste, dass da was war. shit, shit, shit.)
Brandenburg: Virginia Jetzt. Ja, könnte man meinen, passt ja eigentlich genau in das Musik-Schema von Franziska. Nix da. Die sind mir von diesen ganzen Deutschen-Kerle-Bands einfach zu schleimig. Zu glatt. Und nur die können sich 80-Jahre-like von einer kleinen Blondine Blumen auf die Bühne bringen. Bäh. Allein wie die aussehen. Echt nicht.
Schleswig-Holstein: Fettes Brot. Darf ich schreiben, dass ich diesen Song relativ unterhaltsam finde? So kann ich deutschen Hip Hop echt gut ertragen.
Saarland: Klee. Erster Gedanke: Wie sieht die denn aus? Zweiter Gedanke: Oh nee. Ich mag auch die einfach nicht.
Sachsen: De Randfichten. Da mach ich doch mal den Wowi: Kein Kommentar.
Baden-Württemberg: Apocalyptica. Schwierig. Eingängig ist das Liedchen ja schon. Auch nett vorgetragen, keine zitternde Stimme, wie die von Sandy zum Beispiel.
Sachsen-Anhalt: Jansen & Kowalski. ‚Du gehst so steil?‘ Ja, seid wann sind denn solche Worte wieder in? Ziemlich piepsig, die Stimme von Herrn Jansen. Oder Herrn Kowalski. Egal. Gefällt mir nicht.
Hessen: Juli. Ich kann die einfach nicht auseinander halten. Und auch als dieses Lied überlegte ich wieder: Juli oder Silbermond? Tja, irgendwie haben die Musikkonzerne ein bisschen schlecht gecastet. Man soll sie schon auseinanderhalten, damit ich nicht noch die falsche Platte kaufe. Auch wenn die auf auf dieser deutsche-Rockbands-mit-Frauenstimme-Welle reiten, ich mag das Lied. Und ich glaube, das hat auch Siegchancen.
Thüringen: Clueso. Erster Gedanke: Was ist das denn für ein kleiner Junge? Mit Verlaub: Dem fehlt ein bisschen Präsenz, Charisma. Öde.
Berlin: Sido. Geht gar nicht. Diese ganze Pseudo-Street-Coole. Dumm. Übrigens: In der aktuellen Bravo zeigt der kleine Junge sich ohne Maske. Ich weiß jetzt, warum er die Maske trägt. Weil er sonst so dermaßen langweilig wäre wie seine Musik. Jaja.
Mecklenburg-Vorpommern: Deichkind. Nee, echt nicht. Nicht mein Fall.
Niedersachsen: Mousse T. featuring keine Ahnung.. Puh, der Mousse T. macht ja immer schön eingängige Musik. Ich mochte ja zum Beispiel dieses eine Lied von den No Angels ziemlich gerne, welches er produziert hatte. ‚Let’s go to bed‘ hieß das glaub ich. Aber Siegchancen?

Na gut. Hier also meine persönliche Top 3:
3. Fettes Brot – Emanuela
2. Juli – Geile Zeit
1. Slut – Why pourquoi (gewinnen werden die ja leider nicht.)

Karaoke pur

An manchen Abenden hat man einfach keine andere Wahl. Da muss man das machen, was das Rahmenprogramm vorsieht. Und an diesem Abend sah es vor, dass ich mich in diese Location schleppen musste. Ja, ihr ahnt es schon, es war Donnerstag und es war einer dieser Wochentage, an denen diese Location Karaoke im Programm hatte.
Nein, ich habe nicht gesungen. Die einen werden es bedauern, die meisten nicht. Denn wer mich schon einmal unter der Dusche, beim Kochen, im Suff oder ähnlichen Anlässen hat singen hören, wäre bei meinem Auftritt auf der Bühne schreiend davon gelaufen. Und ihr solltet stolz auf mich sein, denn das hätte auch der eine oder andere, der dort gesungen hat, bedenken sollen.
Kaum erhob der erste die Stimme, bedauerte ich es, nicht schon genug Bier konsumiert zu haben. Denn seltsamerweise ist es unter Karaoke-Stars sehr angesagt, nicht etwa zu leicht konsumierbaren Songs zu greifen. Nein, es muss ein Lied von Elton John, Robbie oder – die Grausamkeit pur – Whitney Houston sein. Weil diese nicht nur für die Zuhörer, sondern auch für die Sänger selbst eine große Herausforderung sind.

Aber es wurde immer noch schlimmer. Nachdem wir Zuhörer zunächst Glück hatten, weil gerade eine neue Lieferung Bier und Cocktails an die Tische gebracht wurde und zugleich gerade ein seltsamer Typ im blauen Trainingsanzug keine so schlechte Stimme hatte, schweifte unser Blick ab an die Leinwand, auf der – für alle zum Mitgröhlen – der Text der Songs eingeblendet war. Doch nein, nicht, dass dort einfach nur die Schrift zu lesen war, die gerade vom Singenden vorgetragen wurden, nein, unterlegt waren die Worte mit lustigen kleinen Filmchen. Da ritt eine hübsche Blondine mit 1A-Schulterpolster-Blazer auf einer grünen Wiese, da hüpft ein Pferd mit einem schmucken Reiter über die Hindernisse. Ja, die echten Videos waren wohl zu teuer, weshalb man auf diese wunderschöne, bildliche Untermalung zurückgriff.
Irgendwann fand einer der Kollegen das passende Schild zu den Gefühlswallungen in den meisten von uns: Quit the Shit. Nie wieder Karaoke. Zumindest nicht in diesem Zustand!

Geklaut!

Dass Adam Greens ‚Emily‘ stark in Anlehnung an ‚Beinhart, wie’n Rocker‘ entstanden ist, ist ja mittlerweile hinlänglich bekannt. Doch am Wochenende bin ich mit Zuhilfenahme meiner männlichen Begleitung darauf gekommen, von wo Bright Eyes aka Connor Oberst bei ‚Road to Joy’ geklaut hat:
Also, ran an die CD und losgesungen: ‚Freude, schöner Götterfunken, Tochter aus Elysium …!‘

Das Lied des Tages

Von allem, was du tust, versteh ich nur die Hälfte
Aber das ist ok so, schon ok
Ich weiß nicht, wie du’s machst,
ich stell es nicht in Frage
Denn du bist der Kapitän

Ich mach die Augen zu, du kennst den Weg
Bringst uns hier raus, ganz sicher nach Hause,
denn du bist der Kapitän

Ich mach die Augen auf und wir sind da
es ist wie im Traum, ich kann dir vertrauen
denn du bist der Kapitän.

Ich denk, es geht grad aus,
doch du biegst um die Kurve
Aber das ist ok so, schon ok
Ich weiß nicht, wie du‘ schaffst,
du nimmst verschlungene Wege
doch wir kommen immer wieder an

Ich mach die Augen zu,
du kennst den Weg
Bringst uns hier raus, ganz sicher nach Hause,
denn du bist der Kapitän

Ich mach die Augen auf und wir sind da
es ist wie im Traum, ich kann dir vertrauen
denn du bist der Kapitän.

Ich mach die Augen zu,
du kennst den Weg
Bringst uns hier raus,
ganz sicher nach Hause,
denn du bist der Kapitän

Ich mach die Augen auf und wir sind da
es ist wie im Traum,
ich kann dir vertrauen
denn du bist der Kapitän.

Auf Musik klicken und ‚Kapitän‘ hören. Danke.

Memo an mich

Nach einem wunderbaren Gespräch heute in einer Hamburger Kneipe muss ich in den nächsten Tagen unbedingt mal rausfinden, was Andrew Eldritch (ja, manche unter euch werden sich erinnern, der Kopf von Sisters of Mercy, der auch mal ne Zeit in Hamburg gelebt hat) jetzt macht. Lebt der noch hier? Bringen die eigentlich irgendwann mal wieder eine Platte raus? Na, wie gesagt, muss ich mal herausfinden.