Franzis Früchtchen (9)

Der tote Delfin

Das Früchtchen hat ein weiteres Lebewesen in mein Leben gebracht. Besser gesagt: ein ehemaliges Lebewesen, denn hier trägt es nur den Namen „der tote Delfin“. Der tote Delfin lebt meistens in meinem Bett, denn er erleichtert mir das Schlafen seit mehreren Wochen sehr. Ich hatte zunächst nicht gedacht, dass ein solches Utensil irgendeine positive Wirkung für mich haben könnte, habe aber den Ratgebern einfach mal geglaubt. Erst nahm er im Bett einfach nur Platz weg und wurde im Verlauf der Nacht aus dem Bett geworfen. Doch irgendwann erkannte ich, wie nützlich der tote Delfin dann doch war. Denn irgendwann fiel mir selbst das Aufderseiteschlafen nicht mehr so leicht. Meine Hüfte tat mir weh, wenn ich zu lange auf der linken oder rechten Seite gelegen hatte. Dieser dämliche Husten wurde schlimmer, wenn ich mich in einer komplett waagerechten Position befunden hatte und irgendwann wurde diese Position auch aus bauchtechnischen Gründen irgendwie zu einem Problem. Seitdem lebt der tote Delfin in meinem Bett. Selbst der Mann hat ihn mittlerweile nicht mehr als Feind in unserem Bett (So ein toter Delfin erweckt auch gerne den Anschein einer Mauer!) identifiziert, sondern schätzt seine Existenz. Denn er eignet sich auch für ihn als Kopfstütze und durchaus kuschelige Umrahmung unserer Zweisamkeit.

Vielleicht aber hätte ich mich damals in dem Geschäft aber nicht für den grauen Bezug entscheiden sollen. Denn dann wäre aus dem Stillkissen kein toter Delfin sondern ein stolzer Wal geworden. Oder so.

Franzis Früchtchen (7)

Ich hatte mich ja schon so richtig gefreut. Ein Geburtsvorbereitungskurs würde bestimmt lustigen Blogcontent hergeben. Die eigene Mitte finden, viele schöne Atemübungen und eigentlich darf doch auch ein symbolisches „Fallenlassen“ in die Arme des Partners nicht fehlen, so von wegen Grundvertrauen und so. Doch eigentlich erstickte schon die Ankündigung „Das ist kein Hechel- und Wolldeckenkurs“ meine Hoffnung. Denn in dem zweitägigen Kompaktkurs ging es ehrlicherweise wirklich um das, was angekündigt war: Vorbereitung auf die Geburt. Sachlich, amüsant vorgetragen, mit viel Raum für Fragen. Zwar wenigstens bei Tee und Keksen, aber Wasser und Gummibärchen ließen auch dieses Klischee nicht so richtig durchschlagen.

Wann ich am besten in die Klinik fahre. Was ich tun kann, um die Zeit totzuschlagen. Wie ich dem Früchtchen helfe, den engen Weg zu meistern. Was in meine Tasche gehört, für was der Mann meines Herzens zuständig ist. Dass ich der Hebamme im Kreißsaal immer Bescheid sage, bevor ich auf die Toilette gehe. Undundund. Zwischendurch verlor das Vorzeigepuppenbaby mal seinen Kopf, ich glaube, es war, als die Hebamme zeigen wollte, welche Drehung der Kopf noch machen muss, damit der geringste Durchmesser den Weg nach draußen nimmt.

Am Ende stellte ich mir die Frage, ob mir das denn nun wirklich genügt? Fühle ich mich jetzt gut vorbereitet, auf das, was da wohl auf mich zukommt (Hey, mein erster Marathonlauf! (um in dem Bild der Hebamme zu bleiben..))? Aber ich glaube schon. Erstens, weil zu viele Meinungen einen nur verwirren, zweitens, weil Trockenübungen eher albern erscheinen, ich werde schon sehen, wie ich klar komme und drittens isses ja auch noch ein bisschen hin.

Mein Service-Tipp für Google-Sucher: Würd ich nicht schon eine Hebamme haben, ich hätte sie sofort gefragt.

Next step: Klinik suchen.

Gossip in der Philipshalle

Gossip

Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob ich geschockt sein oder es einfach mal so hinnehmen soll, dass Beth Ditto nicht nur „I will always love you“ von Whitney Houston, sondern auch Tina Turners „What love got to do with it“ gespielt wurde (und eine nicht geringe Zahl an Menschen in der ausverkauften Philipshalle in der Lage waren, lautstark mitzusingen!). Derzeit tendiere ich zum hinnehmen, weil es ja durchaus amüsant war. Besonders auch, weil ich Beth Ditto ja auch schon verziehen habe, dass sie sich zwischen all den Songs ein klitzekleines Bisschen zu sehr ans Publikum rangeschmissen hat. Hab echt noch niemanden anderes erlebt, der häufiger die Künstlerfloskel „Ich liebe Deutschland“ in allen Variationen losgeworden ist. Glücklicherweise hat sie nicht versucht, das ganze zu lokalisieren, denn ein ständiges „Ich liebe Düsseldorf“ hätte ihr wohl keiner abgenommen.

Und auch wenn ich hier so negativ klinge, schön war’s – faszinierend, welche Kraft diese Frau hat, welche Wucht in der Stimme, wie charmant sie eben auch ist und ehrlich („I’m human“). Zusätzlich war es ja auch das erste Konzert vom Früchtchen, um das ich bei dem Gedrängel an der Garderobe schon ein bisschen Angst hatte. Ein Platz am Rand abseits des großen Gerangels ließen mich dann aber in Sicherheit wiegen, auch wenn die Luft mit fortschreitender Länge des Konzerts mieser wurde – Dinge, auf die man früher nie so recht geachtet hat. Während insbesondere zu Beginn noch kräftig getreten wurde, beruhigte sich das Früchtchen mit zunehmender Dauer. Da ich mittlerweile gelernt habe, dass es Geschaukeltwerden ganz großartig findet, bewegte ich einfach ein bisschen die Hüften und wiegte das Früchtchen in den Schlaf. So einfach ist das also.

Franzis Früchtchen (6)

Kein Wunder, dass in Deutschland nur so wenig Kinder geboren werden. Hier wird ja auch alles dafür getan, dass sich Schwangere wie Aussätzige fühlen. Allein die Sache mit den Klamotten. Wird der Bauch dicker und runder, braucht frau was Neues zum Anziehen. Und es ist ja nicht so, dass es da nix gibt. Tolle Hosen mit ohne Knöpfen, Strumpfhosen, die bis über den Bauch gehen und alleine deshalb schon sehr bequem sind, manche Blusen sind auch ganz in Ordnung, genau wie die Strickjacken und Pullis, die man so kaufen kann. Und wer noch lange ein paar seiner alten Sachen anziehen will, bekommt Hilfsmittel wie Bauchbinden und so Zeugs.

Wenn er sie bekommt, denn die Abteilungen in den Geschäften dieser Welt sind rar verteilt. Eine Frau, die bisher darauf nicht geachtet hat, hat es dabei gar nicht so einfach. H&M hat zwar meist für alle möglichen Zielgruppen eine Abteilung. Doch wer darauf spekuliert, dass es in einer Filiale mit Abteilungen für Kinder, Männer, junge Frauen, dicke Frauen und Business-Frauen auch einen Ständer für Schwangere gibt, liegt falsch. Ähnlich sieht es übrigens auch in Esprit-Filialen aus.

Ansonsten wird frau gerne in Babyläden geschickt. Baby Walz hat eine solche Abteilung und auch alle möglichen anderen großen Babyzubehörgeschäfte führen die sogenannte Umstandsmode. Bei Benetton in Italien durfte ich sogar zwischen Kinder- und Babykleidchen was Passendes für mich suchen. So als ob ich mich als schwangere Frau sofort zu einer Mutti wandele, die ihre eigenen Bedürfnisse sofort den ihres Nachwuchses unterordnet. Und allerhöchstens dann was für sich einkauft, wenn nicht auch mindestens ein Utensil für den Nachwuchs besorgt wird.

Warum kann man als Schwangere nicht einfach weiter in den Läden einkaufen, die man vorher auch aufgesucht hat? Nur mal eben in einer anderen Abteilung verschwinden statt in einer Parallelwelt? Eigentlich kann das doch alles nicht so schwer sein, finde ich.

Franzis Früchtchen (5)

Die Tatsache, ein Lebewesen mit sich herumzutragen, verändert mich schon ganz schön. Also nicht nur, dass der Bauch dicker wird und sich die Leute mittlerweile zu fragen trauen, wann es denn soweit bzw. wie weit man denn so ist. Nein, es macht auch andere Dinge mit mir. Ich achte auf andere Bäuche und frage mich, wie weit die wohl so sind. Ich freue mich, wenn ich getreten oder geboxt werde, auch wenn das bedeutet, ab sechs Uhr wach zu sein, weil mich das Rumgeturne in meinem Bauch nicht mehr schlafen lässt. (Wie wird das erst, wenn das Früchtchen noch stärker ist?) Ich mache mir Sorgen, wenn ich mal ein paar Stunden gar nichts fühle, ich mache mir manchmal auch einfach so Gedanken, ob denn wirklich auch alles gut gehen wird. Und plötzlich lese ich auch andere Dinge. Namensseiten, skurrile Foren, Babyklatsch. Tolle Schwangerschaftskalender. Ich schaue zu, wie Promibäuche wachsen und mich bewegt das Schicksal von Lily Allen, die ihren Sohn verloren hat und nun wegen einer Blutvergiftung im Krankenhaus liegt (Hormonell bedingtes Kopfkino inklusive). Ich bin mittlerweile „Fan“ bei Facebook von Eltern.de und bald muss ich vermutlich in meinem Feedreader einen eigenen Ordner für all den Babycontent aufmachen. Und dann denke ich oft auch darüber nach, ob es nicht besser wäre, für dieses Themengebiet lieber ein neues Blog aufzumachen. Eins, dass ich schön bunt anstreiche und über süße Kinderwagenketten blogge. Mein Ich von vor einem Jahr hätte sich totgelacht (und mich aus dem Feedreader geschmissen mir die Freundschaft gekündigt), wüsste es, welche Seite derzeit die meist benutzten von mir sind.

Wer mir also noch ein paar tolle Babyblogs oder ähnlichen Lesestoff empfehlen mag, her damit. Ich habe noch Bildungslücken.

Franzis Früchtchen (4)

Und dann guckt mich plötzlich das kleine Wesen an, mit offenem Mund, die Nase ebenfalls deutlich zu erkennen und der Arzt erklärt mir, dass auch mit dem Fruchtwasser alles in Ordnung sei. Fruchtwasser? Gut. Ich habe nur Augen für den Wurm. Wie er da liegt, kopfüber, mit seinen kleinen Händen, dem pulsierenden Herz und den Füßen, die immer wieder nach dem Ultraschallgerät treten. Gut so, denke ich, mein Kind hat schon jetzt einen eigenen Kopf und lässt nicht alles mit sich machen. Trotzdem gelingt es dem Arzt, die erforderlichen Messungen durchzuführen, das Köpfchen, das Bäuchlein. Und dann sagt er, dass alles in Ordnung sei, alles fein gewachsen, so wie es sein muss.

Ich weiß nun auch, was es wird, ob es ein Wurm oder zur Würmin wird. Und der Beschluss steht fest: Es wird nicht verraten. Noch nicht, weil wir uns beide kennen und vermutlich eh nicht bis zum Schluss den neugierigen Fragen stand halten können. Aber erst einmal. Das führt schon am ersten Tag zu den seltsamsten Fragen und Mutmaßungen. Provokante Namen werden in den Raum geworfen, plötzlich wohnen Zwillinge, wenig später gar Vierlinge in meinem Bauch. Das sei aber doof, lässt mich meine Mutter wissen, weil ich es auch ihr nicht verrate. Finde ich nicht, sage ich. Und freue mich einfach weiter, dass sich die Auswahl potenzieller Namen nun schon um 50 Prozent reduziert hat. Einfacher wird es dadurch aber trotzdem nicht.

Franzis Früchtchen (3)

Momentan freue ich mich noch, dass mir alle von ihren Erfahrungen erzählen. Obwohl frisch gebackene Eltern mir schon berichteten, dass man das irgendwann nicht mehr hören kann. Kurz vor der Geburt wolle man keine Horrorgeschichten mehr hören und auch den „Oh, bei uns war alles super“-Storys mag man dann nicht mehr Glauben schenken. Und so war ich sehr interessiert, als mir die beiden männlichen Kollegen von ihren Geburten – jeweils zwei – und ihren Erfahrungen in der Uniklinik erzählten. Der eine – begeistert, besonders weil sie jeweils mit Beleghebamme unterwegs waren, der andere so enttäuscht, dass das zweite Kind woanders das Licht der Welt erblickte.

Seit der letzten Woche des Urlaubs wächst der Bauch. Und der Hunger kommt. Schon zweimal bin ich mitten in der Nacht wach geworden – mit einem Grummeln im Bauch. Und das macht mir klar: Die Zeit der Entscheidungen ist gekommen. Überall hört man von langen Lieferzeiten, ob für den passenden Kinderwagen oder einen Autositz, hinzu komme das Weihnachtsfest, das die Lieferzeit noch einmal verlängern kann. Eine Hebamme muss her, ein Geburtsvorbereitungskurs, die Klinik vielleicht auch schon und ein Gedanke an die Zeit danach wäre auch nicht ganz verkehrt, da die Zahl der Kita-Plätze für Unterdreijährige ja nun auch überschaubar ist.

Ach ja, das Krankenhaus. Während ich mir die letzten Paprikastücke in den Mund schiebe, reden wir vom Vorteil einer nahegelegenen Kinderklinik, dem Warten und wie sie sich zwischendurch an der frischen Luft die Beine vertreten haben. „So eine Geburt ist schon ein Erlebnis“, sagt er irgendwann. Nach einem kurzen Blick in die Ferne, bei dem er seine Erinnerungen offenbar noch einmal Revue passieren lässt, fügt er hinzu: „Für eine Frau aber sicherlich noch viel mehr.“

Ich lache.

Welcher Kinderwagen passt in den Fiat 500?

Ich mag mein Auto und ich bin noch nicht soweit, mich von ihm zu trennen. Klar, das wird sicherlich eine Übergangslösung sein, aber nachdem ich mich ernsthaft mit dem Gedanken befasst habe, mir ein anderes, größeres, familientaugliches Auto zu kaufen, habe ich so derart miese Laune bekommen, dass der Mann meines Herzens und ich uns auf Recherchetour begeben haben. Die zu klärende Frage: Gibt es einen Kinderwagen, der in den Fiat 500 passt? Um die Antwort vorweg zu nehmen: ja. Das ist das Ergebnis von einer Tour durch die Babyläden der Umgebung und einer ausgiebigen Recherche im Internet. Eine Übersicht.

1. Bugaboo Cameleon
Das war der erste Wagen, bei dem nach unzähligen Tests verschiedenster Marken und Modelle endlich mal die Kofferraumklappe zu ging. Der angeblich so kompakte Hartan VIP war nix für den 500er-Kofferraum, Verkäuferinnen waren sich sicher, dass ein Teutonia- oder Emmajunga-Modell passen sollte und auch verschiedenen Outdoor-Kinderwagen wurde nachgesagt, dass da auf jeden Fall was passen müsste. Hat nicht, aber der „Bugaboo Cameleon“ halt schon. Zwar muss man die Reifen abmontieren – das geht recht einfach – aber der Wagen passt. Und zwar so, dass nicht nur die Reifen und das Gestell in den Kofferraum Platz finden, sondern dass auch noch ein paar Einkäufe oder Reisetaschen hineingehen würden. Allerdings ist der Bugaboo mit seinem Preis von 909 Euro nicht ganz günstig.

2. Bebidoo Miko Kombi
Und noch ein Modell, dessen Gestell in den Kofferraum eines Fiat 500 passt: der Bebidoo Miko. Sieht ganz anders aus als der Bugaboo, ein bisschen mehr Schnickschnack ist dran, zum Beispiel ein Dachfenster, ein Verdeck im Netz für heiße Tage und eine Extra-Tasche. Auch beim Bebidoo muss man die Reifen am Gestell abmontieren, aber dann passt das Gestell und es bleibt ebenfalls Platz für Taschen oder Tüten. Vom Preis her ist der Bebidoo auch für den kleineren Geldbeutel geeignet: 299 Euro. Das Modell gibt es in drei Farben: grau, blau oder braun. Muss man natürlich mögen.

3. Recaro Babyzen
Nun kommen wir zu den Modellen, die es offenbar im normalen Läden nicht so einfach zu kaufen gibt. Zumal der „Recaro Babyzen“ wohl erst im Spätsommer auf den Markt kommen sollte. Das Video verspricht zumindest, dass der Wagen extrem einfach zu bedienen, sogar mit Schnickschnack wie einer Lampe ausgestattet ist (Braucht man die wirklich?), naja, und ziemlich klein wird er durch diesen Zusammenfaltmechanismus auch. Ich würde das Ding gerne mal im realen Leben sehen, aber da habe ich bisher noch nichts gefunden. Hat irgendwer Erfahrungen mit dem Gerät?

4. Seed Pli
Das Modell kommt aus Dänemark und es soll sogar eine Special Edition für Fiat-500-Fahrer geben, sprich: Wenn eine Special-Edition nicht in einen Fiat 500 passt, dann weiß ich auch nicht. Ich konnte den Wagen ebenfalls bisher nicht selbst testen. Aber das Video, das es bei Youtube gibt, verspricht einen Kofferraum, in den noch ziemlich viel reinpasst. Diese Special Edition finde ich ziemlich quatschig – Reifen mit einer 500 in der Mitte – aber weil er wirklich so kompakt zusammenzufalten ist, fänd ich es sehr interessant, das Gerät mal zur Probe zusammen- und auseinanderzubauen und in meinem Kofferraum zu verstauen.

Wer noch weitere Modelle kennt: immer her mit den Tipps. Noch habe ich mich nicht entschieden. Ich weiß nun aber, dass sich in meinem Leben zwar viel ändern wird, aber nicht alles muss.

Nachtrag 7.11.2010: Weil so viele Leute über Google kommen, will ich den Blogpost noch um ein paar Fakten ergänzen. Bei allen in den Kommentaren vorgeschlagenen Modellen haben wir den Test gemacht: passt nicht in den Kofferraum. Der Babyzen kommt frühestens im Dezember in die Läden, also auch diesen konnten wir nicht wirklich testen, glauben den Herstellern allerdings einfach mal. Trotzdem wollten wir nichts kaufen, was wir nicht auch wirklich ausprobiert haben. Die Entscheidung ist gefallen: Farben sind ausgesucht, Bestellung ist raus und jetzt sind wir gespannt, wie der Kinderwagen dem Nachwuchs gefallen wird.

Franzis Früchtchen (2)

Als die gute Bekannte (zwei Kinder!) mir vor ein paar Wochen erzählte, dass sich mein Leben in der Öffentlichkeit nun bald verändern würde, lächelte ich sie noch ungläubig an. „Als Schwangere gehörst du der Allgemeinheit“, sagte sie. Auch jede Menge Tipps, gut gemeinte Ratschläge zu Dingen, über die man sonst nur im Zwiegespräch mit einer guten Freundin bespricht.

Mittlerweile weiß ich, was sie meinte. Ich habe seit meinem „Coming Out“ jede Menge Tipps bekommen. Dass ich jede Woche zweimal Fisch, am besten Seefisch essen soll – wegen der Omega-3-Fettsäuren, die das Kind schlau machen, wusste ich schon, dass ich aber in der Kantine beäugt werde, was denn da auf meinem Teller so rumfliegt, hätte ich nicht gedacht. „Du isst zuviel Fleisch, oder?“, wurde ich gefragt, was mich wunderte, bin ich seit Wochen doch eigentlich auf dem Gemüsetrip. „Nimm ruhig noch, du isst jetzt ja für zwei“, geht ja in Fachkreisen sicherlich auch gerne und immer.

Die wirklich guten Ratschläge sind die, die von den Müttern und Vätern kommen. Sie mussten da alle schon einmal durch und halten sich mit oben genannten Sprüchen dezent zurück. Stattdessen gibt es Empfehlungen. Zu Klinik, Hebamme, Kinderwagenparadiesen und Klamottenläden. Fleißig schreibe ich auf meiner noch imaginären Liste mit, an was ich wann zu denken habe.

Was es bedeutet, in den Besitz der Gesellschaft übergegangen zu sein, erfuhr ich dann in der vergangenen Woche. Die warnenden Worte „Dir werden wildfremde Menschen auf den Bauch fassen wollen“ meiner Bekannten im Ohr, passierte das für mich Unfassbare. Obwohl noch nichts zu sehen ist, hat mir der erste auf den Bauch gefasst. Überlege mir jetzt eine Taktik, solchen Annäherungsversuchen (Im Herzen bin ich Nordlicht!) in Zukunft aus dem Weg zu gehen. Gut gemeinte Ratschläge nehme ich gerne entgegen.

Franzis Früchtchen (1)

Seit einigen Wochen bin ich nicht mehr allein. In mir entsteht gerade ein Menschlein. Wenn man mal ein bisschen genauer darüber nachdenkt, ist das eigentlich äußerst seltsam. Wenn ich das so schreibe, denke ich an die Tierwelt und Parasiten, aber nicht unbedingt an kleine Babys in kunterbunten Stramplern. Doch so hat es die Natur nun einmal vorgesehen: Aus ein paar Zellen wird ein Zellhaufen, irgendwann pulsiert etwas, was der Frauenarzt als Herz bezeichnet und ein paar Wochen später entdeckt man auf dem Ultraschall bereits die groben Umrisse eines menschlichen Wesens mit Kopf, Gliedmaßen, Gebiss, Wirbelsäule – selbst das Gehirn ist schon zu erkennen. Auch der eigene Körper verändert sich und damit meine ich nicht nur, dass seit einer Woche meine Hosen zu kneifen beginnen und ich am liebsten meine etwas weiter geschnittenen Kleider durch die Gegend trage. Ich habe mich in dieser Woche das erste Mal in Schwangerschaftsabteilungen von Modeketten herumgetrieben und bin mir noch nicht sicher, was ich in den kommenden Monaten tragen soll: Farben, die es bisher noch nie in meinen Kleiderschrank geschafft haben? Schnitte, die ich eigentlich verabscheue? Das wird wohl noch ein mittelgroßer K(r)ampf.

So langsam verändert sich also ein Leben. Ich bin plötzlich schneller müde, entwickle ein Angstverhältnis zum abendlichen Zähneputzen (Eyh, wer auch immer dafür zuständig ist: Ich dachte, das heißt „Morning sickness“!). Sowieso denke ich ständig darüber nach, ob auch wirklich alles gut ist, offenbar wüten da die Hormone sehr gepflegt. Außerdem schlafe ich schlecht und nicht durch (Ich hatte die Hoffnung, dass das erst später zu einem Problem werden würde). Kein Matjes mehr, kein Sushi, Mozzarella, Salami und Schinken sind tabu, was die Ernährung nicht unbedingt vereinfacht (Und was esse ich jetzt aufs Brot?). Glücklicherweise meldet sich der Körper regelmäßig und sagt, was er will.
Der große Urlaub war ohnehin nicht als Fernreise geplant, der Arbeitgeber ist informiert und das schlechte Gewissen meldet sich schon, doch bitte so langsam mal eine Todo-Liste anzulegen mit der Dinge, um die ich mich in den kommenden Monaten auf jeden Fall dringend kümmern muss. In welches Zimmer kommt bald was? Doch noch umziehen? Ist das Auto noch groß genug? Und was braucht so ein Menschlein eigentlich? Mit all diesen Fragen werde ich mich wohl mal auseinandersetzen müssen. Noch drücke ich mich ein wenig davor. Aber zum Glück dauert es ja auch eine Weile, bevor so ein Wesen komplett zusammengesetzt und fertig gewachsen ist.