„Mach mir nicht den Platzeck!“

Schwindel ist was Feines. Einfach hinlegen/aufstehen/laufen (je nach Bedarf) und schon dreht sich alles. Bei reger Fantasie ist sogar das Kettenkarussell inklusive.

Über Fussball

Fußball ist ja immer so eine Sache. Und besonders dann, wenn man versucht, mit Männern darüber zu diskutieren. Das war auch nicht anders, als gestern das Heute-Journal lief. Der Mann meines Herzens erfuhr auf diesem Weg, dass Oliver Kahn nun nicht mehr erste Wahl ist, sondern Jens Lehmann es auf den Torwartthron geschafft hat. Natürlich regte er sich sehr darüber auf. „Das kann der doch nicht machen“, war einer seiner zahlreichen Kommentare. Auch die Frage „Warum“ hatte er allerdings auch keine Antwort.
Natürlich war mir nicht klar, welch tiefer Eingriff die Torwartnominierung in sein Seelenleben hat. Denn als wir heute morgen gemeinsam aufwachten, war einer seiner ersten Sätze: „Als der Klinsmann damals bei Bayern war, da hatten die beiden bestimmt Stress miteinander. Und das wollte der Klinsmann dem Kahn jetzt bestimmt heimzahlen.“ Irritiert schaute ich ihn an und gab ihm für diese vortreffliche Analyse erst einmal einen Kuss.

Die schlimmsten Dinge der Woche

< befindlichkeitsmodus on >

Punkt 1: Obstler.
Punkt 2: Comedians. Eine Plage. Mittlerweile. Kann sein, dass diese Menschen irgendwann einmal lustig waren. Leider konnte ich am Montagabend nicht vor einem flüchten, mit Nachnamen hieß der Kerl „Müller“, war wohl mal bei Star Search, so wurde er zumindest angekündigt. Vielleicht musste ich deswegen so viel Obstler trinken.
Punkt 3: Die ARD-Themenwoche Krebs. Netterweise verschonte uns zumindest Harald Schmidt. Ich konnte aber bereits am Mittwoch nicht mehr das Erste einschalten. Sorry, aber bei mir wirkt das kontraproduktiv. Aber dafür hatte ich auch schon ganz private Wochen zu diesem Thema. Mein Bedarf ist gedeckt.
Punkt 4: Das Wetter. Zum Kotzen. Erst warm am Wochenende, dann wieder so kalt, dass ich sogar die sexy Unterhemden und die dicke Winterjacke wieder rauskramte. Muss das sein? Wohl kaum.
Punkt 5: Mein Körper. Tja, war wohl ein bisschen viel in den vergangenen Wochen.
Punkt 6: Meine Mutter, die mich natürlich im bewährten Mutter-Ton auf die Defizite der vergangenen Wochen hinweisen musste.
Punkt 7: Netdoktor.de. Keine Ahnung, ob das nun Dreh- oder Schwankschwindel ist. Gut ist beides nicht.
Punkt 8: „Läuft der jetzt im Kino?“ Wehe, das fragt nochmal jemand.

< befindlichkeitsmodus off >

Schlimm, diese Momente, in denen eigentlich nur Befindlichkeitsbloggen ginge.

Nie wieder Obstler.

Was ich schon immer mal haben wollte

Ein Spray, was das Leder ausgeleierter Schuhe wieder zusammenzieht.

Am gestrigen Abend eine seltsame Diskussion über die unterschiedliche Verwendung des Wortes „pop***“ geführt. Mein Gesprächspartner vertrat die These, dass vor allem Frauen dieses Wort benutzen würden. Männer hingegen würden auf „f*cken“, „v*geln“ oder „pinseln“ (das sagt er, hab vorher aber auch noch mit keinem geredet, der pinseln sagt, aber egal) zurückgreifen. Da ich bei der Wortwahl nicht festgelegt bin, interessiert mich, was ihr so sagt. Könnten wir mal ne kleine statistische Erhebung unter Bloggern starten? Also so völlig unrepräsentativ?

(Ich mein ja nur.)

(Schon interessant, worüber man so redet, wenn man mit den Worten „Zuletzt hat sie ne Pornozeitschrift für Mädchen getestet“ vorgestellt wird.)

Heute das erste Mal kurz meine alte Wohnung vermisst. Wegen dieser 24-Stunden-Reinigung. Abholen nicht nur zwischen 8 und 18 Uhr. Hach.

FILM: Das Leben der Anderen

Muss man diesen Film eigentlich mit all den anderen DDR-Filmen vergleichen, mit denen wir in den vergangenen Jahren behelligt wurde? Einerseits: Nö. Ganz andere Liga. Ganz anderes Thema. Andererseits: Unbedingt. Deswegen. Weil er nämlich endlich mal die ganze Ostalgie weglässt und die DDR so darstellt, wie sie eben war. Weil der Film darstellt, warum so viele Menschen das Land verlassen wollten, verlassen haben bzw. ihr Leben sogar dafür aufs Spiel setzten, um die DDR zu verlassen.
Nun gehöre ich ja genau zu diesen Menschen, die in sehr jungen Jahren dieses Land verlassen haben, noch bevor die Mauer fiel. Ich war jung, sehr jung, unsere Eltern haben versucht, das meiste, was in dieser Zeit geschehen ist, von uns fernzuhalten. Doch ganz ohne Erinnerungen ist auch ein elfjähriges Mädchen nicht. Zumal ich in den vergangenen Jahren sehr oft das Gespräch zu meinen Eltern suchte und mehr wissen wollte. Mehr wissen wollte, wie es denn so war, wenn man einmal im Monat im Ministerium erscheinen musste. Mehr wissen wollte, warum mein Vater plötzlich nicht mehr tagsüber in Schöneweide arbeitete, sondern die Nachtschicht in der nächstgelegenen Kaufhalle übernahm und Waren annahm oder Flaschen sortierte. Warum meine Mutter nicht mehr als Lehrerin arbeitete, sondern in einem Reparaturservice Schuhe entgegen nahm. Oder warum ich plötzlich nicht mehr das blaue Halstuch trug und meine beste Freundin plötzlich keinen Kontakt mehr zu mir haben durfte.
Denn all diese Vorkommnisse haben eines gemein: Sie waren Resultat einer Äußerung, die sich gegen den Staat richtete. Meine Eltern hatten beschlossen, auf legalem Wege das Land zu verlassen. Im Film „Das Leben der Anderen“ waren es Künstler, die mit ihren Werken politisch aneckten, die mit einem Berufsverbot mundtot gemacht wurden und daran zugrunde gingen.
Albert Jerska, der mit einem Berufsverbot belegte und mit Georg Dreyman befreundete Theaterregisseur, bringt sich um. Dreyman ist mit der schönen Schauspielerin Christa-Maria Sieland zusammen. Sie hat das Pech, dass Kulturminister Bruno Hempf ein Narren an ihr gefressen hat und um es sich nicht mit den Parteioberen zu verscherzen, gibt sie sich ihm in regelmäßigen Abständen hin. Das bringt den sonst so linientreuen Autoren Dreyman ins Zweifeln. In der Wut beschließt er gemeinsam mit zwei Freunden einen Artikel für den SPIEGEL zu schreiben. Über Selbstmorde, die in der DDR seit 1977 nicht mehr stattgefunden haben.
Das alles beobachtet Georg Wiesler, Sozialist und obrigkeitstreu durch und durch, der auf Dreyman angesetzt wurde, um etwas Anstößiges über ihn zu entdecken. Wir sehen, mit welcher Akribie zunächst die Wohnung verwanzt und später die Protokolle getippt wurden. Doch noch etwas Anderes, Unvorhergesehenes passiert mit Wiesler. Plötzlich zweifelt er an seinem Handeln, lässt Dreyman Dinge durchgehen, die er noch vor kurzem zutiefst verabscheut hat. Unklar bleibt, ob dabei die tiefe Bewunderung Christa-Maria Sieglands im Vordergrund steht oder ob es die Person Dreymans ist, die ihn so fasziniert und derart in den Bann zieht, dass er die bisher geltenden Maxime seines Handelns vergisst. Er verschweigt, ignoriert und rettet Dreyman schließlich vor den Repressalien des Staates.
„Das Leben der Anderen“ hat mich sehr berührt. Weil es dem Regisseur gelungen ist, auf sehr kühle und doch eindrucksvolle Art und Weise einen Teil der Geschichte zu erzählen. Ohne zu verklären, zu beschönigen oder zu verurteilen. Dass das so gelungen ist, dass ich mit einem Riesenklos im Hals noch während des Abspanns aufs Klo rennen musste, weil ich ansonsten stundenlang geweint hätte, lag aber auch an den brillanten Schauspielern. Ulrich Mühe, der den Stasi-Agenten Wiesler so genial in seiner Verklemmtheit und Detailversessenheit gespielt hat. Sebastian Koch, Ulrich Tukur, Martina Gedeck sind die großen Namen des Films. Es lohnt sich. Wirklich.