FILM: Team America

Er war unschwer zu erkennen. Lässig stand er im Eingangsbereich des Kinos, die Hände in den Taschen seiner grauen Hose vergraben. Sein Blick auf den Bildschirm gerichtet. Das Haar saß – wie immer. Er hatte bereits entschieden und was er nicht wissen konnte: Ich war ebenfalls entschlossen. Entschlossen mich seiner Wahl zu unterwerfen. Und so wagten wir um kurz vor acht den Gang in Kino 6, ließen Alexander und ‚After the Sunset‘ hinter uns, hinein in die Sessel in Reihe 7. Niemand wartete auf uns, wir sollten die ersten sein.

Beinahe hätten wir es geschafft: Zu zweit im Kino. Doch leider wollten noch ungefähr zehn andere dabei sein. Dabei im Kampf gegen den weltweiten Terrorismus, den eine Gruppe von unerschrockenen Helden führt, dem Team America. Sie sind skrupellos, denn das einzige, was zählt, ist der Sieg. Da geht schon einmal der Eiffelturm zu Bruch, fliegt eine Pyramide in die Luft oder Kairo wird in Schutt und Asche zerlegt, egal, Hauptsache das Team besiegt die Terroristen mit ihren Massenvernichtungswaffen.

Wer sehen will, wie sich Michael Moore als Selbstmordattentäter in die Luft sprengt, wie lustige Marionetten miteinander vögeln (in allen Stellungen, Young Adam war diesbezüglich wirklich harmlos), wie Schauspieler wie Susan Sarandon, Alex Baldwin, Sean Pean aber vor allem Matt Damon (!!) wahnsinnig lustig verarscht werden, wie Ben Affleck ein weiteres Mal zum Affen gemacht wird, ohne dass er selbst schauspielert, wie lustige Lieder mit Zeilen wie ‚Pearl Harbor sucks and I miss you‘ gesungen werden und vor allem, wer sehen will, wie Franziska ungefähr 98 Minuten durchlacht, der sollte sich ganz schnell zwei Kinokarten kaufen und mir eine Mail schreiben. Ich würde ihn sogar noch ein zweites Mal schauen.

Danke, Herr Sebas, super Abend. Aber Mainstream war das nicht.

FILM: Young Adam

Glasgow in den 50er Jahren. Joe (Ewan McGregor) ist jung und arbeitet auf dem Kutter von Les und Ella (Tilda Swinton), einem in die Jahre gekommenen Pärchen mit Kind und wenig sexuellen Schwingungen. Diese entladen sich allerdings bald zwischen Joe und Ella, zunächst außerhalb des Kahns, doch schon bald treiben sie es auch auf dem Boot. Irgendwann bekommt das auch Les mit, der daraufhin verletzt den Kahn verlässt. Doch das Glück hält nicht lang, denn anstatt wie Ella auf eine gemeinsame Zukunft hinzuarbeiten, treibt es Joe schon bald mit ihrer Schwester. Er verlässt das Boot und die beiden und zieht zur Untermiete in die Stadt, wo er es schon bald, ja, wir ahnen es bereits, mit der Frau des Vermieters treibt.
Gespickt sind diese sexuellen Höhepunkte mit allerlei Rückblenden in das frühere Leben von Joe, der zwei Jahre mit seiner Freundin zusammenlebte, sich von ihr aushalten ließ, weil er an einem Buch schrieb und sie ziemlich mies behandelte. Schnell stellt sich heraus, dass es seine Ex-Freundin war, die Joe und Les aus dem Wasser bergen – ertrunken.
Und nur wenn man dies durchschaut, lässt sich erahnen, weshalb so ausschweifend über die sexuellen Eskapaden berichtet wird. Der Mann ist rastlos, seine Gedanken kreisen immer wieder nur um seine tote Exfreundin, dem Umstand, dass es ein Unfall war, und die Tatsache, dass womöglich der Kopf eines Unschuldigens rollen muss.
Der Film ist anstrengend. Zum einen wegen der immer wieder kehrenden Sexszenen. Kennste eine, kennste alle. Gerade Tilda Swinton in der Rolle der Ella ist durch ihre ausgemergelte Figur nicht wirklich hübsch anzusehen. Und warum er es dann noch mit ihrer Schwester treiben muss und mit der anderen Blonden, bleibt unklar. Eine Nebenbaustelle hätte genügt. Zum anderen tröpfelt der Film nur vor sich hin. Kein Moment, in dem es einmal richtig spannend wird. Kein Moment, in dem das schwere Grau des Nebels von der Leinwand schwindet. Immer wieder die verträumten, nachdenklichen Blicke des Ewan McGregors. Mal am Steuer des Bootes, mal am Tisch mit Zigarette in der Hand, mal im Bett bei der Zigarette danach.
Wer auf Ewan McGregor steht, kann ja in den Film gehen, allen anderen ist dieses Kunstwerk nicht zu empfehlen. Wussten die anderen anscheinend schon vorher. Im Kino mit knapp 180 Plätzen waren gerade einmal 6 belegt. Nach zwei Dritteln des Films ging der erste.

FILM: Die fetten Jahre sind vorbei

Achtung! Mich hat dieser Film genervt. So sehr, dass ich auch das Ende verrate. Wer sich selbst ärgern will, indem er in den Film geht, sollte erst nach dem Kinobesuch weiterlesen.

Nur einmal saß ich in diesem Jahr im Kino und wollte am liebsten flüchten. Das war damals in Wolfzeit, aber nach ein paar Stunden und vielen Gedanken fand ich den Film richtig gut. Ja, er schaffte es sogar ein paar Monate lang in meine persönliche Top Five der besten Filme dieses Jahres. Dort wird „Die fetten Jahre sind vorbei“ aller Voraussicht und mit großer Wahrscheinlichkeit nicht landen.

Warum das so ist? Der Film nervte. Nein, eigentlich nervte die Geschichte, die da erzählt wurde. Jan (Daniel Brühl) und Peter (Stipe Erceg) sind Freunde, die mit sehr viel Idealismus ausgestattet sind. Sie brechen in Villen ein, um dort die Möbel zu verstellen und Nachrichten wie „Sie haben zuviel Geld“ oder „Die fetten Jahre sind vorbei“ zu hinterlassen. Diese Aktionen sollen den so genannten Bonzen Angst machen. Das ist ihre eigene nächtliche Revolution. Dann lernt Jan die Freundin von Peter, Jule (Julia Jentsch), kennen. Jan erzählt Jule von den nächtlichen Aktionen. Und Jule bringt dann Jan dazu, in die Wohnung eines Herren einzubrechen, der ihr zu einem Schuldenberg von knapp 100.000 Euro verholfen hat. Weil die beiden dann erstmal im Pool übereinander herfallen müssen und die beiden ein wenig unachtsam werden, vergisst Jule bei der Aktion ihr Handy, so dass sie noch einmal in die Villa zurückkehren müssen. Damit ein bisschen Handlung in den Film kommt, werden sie vom Besitzer des Hauses überrascht. Kurzschlussaktion, die beiden rufen noch schnell Peter herbei. Und schon sind die drei mit dem VW und „der Geisel“ unterwegs in die Berge, um zu überlegen, wie es denn nun weitergehen soll.

O.k., mögt ihr sagen, ganz normaler Film mit ganz normaler Handlung, ein bisschen Liebesgeschichte, ein bisschen Crime und wahrscheinlich auch ein bisschen Eifersucht. Wo wir auch schon wieder beim Thema sind. Denn als Peter von der Liaison der beiden erfährt, haut er Jan zwar eine rein und betrinkt sich auch ganz heftig, aber dann ist auch schon wieder alles gut. Hallo? Welcher Kerl würde so reagieren, wenn sich der beste Freund einfach an die Freundin ranmacht? Ok, vielleicht soll das ein bisschen ihre Kredibilität unterstreichen, ein bisschen nach dem Motto: „Wir leben wir vor 30 Jahren und lieben auch so“. Aber das kann ich dem Film nicht abnehmen.

Schlussendlich: „Manche Menschen ändern sich nie“ auf einen Zettel geschrieben an der Wand hängend, eine der letzten Einstellungen des Filmes. Nein, stimmt, manche Menschen ändern sich nie. Sowohl die Bonze nicht, die die drei dann doch an die Polizei verpfeift, als auch das kleine Trüppchen nicht. Wenigstens die Botschaft stimmte. Auch wenn sie implizierte, dass keiner der vier Hauptfiguren irgendetwas dazugelernt hat.

FILM: The Incredibles

Erst dachte ich, dass es ein Fehler war. 12,50 Pfund (Pfund!) für ein Kinoticket ausgeben. Kann ich wirklich so viel Geld für einen Animationsfilm auszugeben? Ohne echte Menschen? Ja, ich kann. Und weil den Pixar-Studios hier wieder einmal ein Meisterwerk gelungen ist, bereue ich keinen müden Penny.

Papa Bob war einmal ein Held, der in New York Bösewichte bekämpfte. Doch es kommt anders: Gerichtsstreitigkeiten, undankbare Bürger und eine gnadenlose Presse sorgen dafür, dass Superhelden nicht mehr gefragt sind. So wenig, dass Bob, seine Ehefrau Helen oder auch Elastigirl (gesprochen von Holly Hunter) und der wunderbare Frozone (Samuel L. Jackson!) ihren Job an den Nagel hängen müssen. Bob arbeitet als Versicherungsvertreter und wird immer dicker. Helen bringt Kinder zur Welt. Nachkommen, die ebenfalls mit Superkräften ausgestattet sind und die ihren Arbeitsalltag füllen. Da ist Tochter Violetta, arg selbstzweifelnd, die die Gabe besitzt, sich unsichtbar zu machen. Flash, ein aufgeweckter Junge, dem es nicht erlaubt ist, Sport zu treiben, weil er seine Kräfte nicht unter Kontrolle halten kann. Und da ist Baby Jack-Jack.

Doch besonders Bob ist unzufrieden. Er will sich nicht mit seinem Schicksal als ausrangierter Held abfinden. Deshalb freut er sich, als er irgendwann das unmoralische Angebot bekommt, auf einer einsamen Insel endlich wieder seine Muskeln spielen zu lassen.

Und nein, mehr erzähle ich nicht. Denn ich will nicht zuviel verraten. Nur soviel. Der ganze Plot ist extrem spannend erzählt. Die Figuren sind wundervolle, kleine Charaktere. Alles nicht ganz so süß wie bei Finding Nemo. Aber das würde auch nicht passen. Und auch wenn es natürlich ein Happy End gibt: Reingehen, mitfiebern, freuen und mit strahlenden Augen aus dem Kino gehen. So muss das sein. Egal, wie alt man ist.

FILM: Just a kiss

Erwartet hatte ich einen schönen, kleinen, englischen Film wie ‚Bend it like Beckham‘. Ein bisschen Herzschmerz, ein bisschen Generationenkonflikt, ein bisschen Kulturproblematik. ‚Just a kiss‘ zeigt, dass das nicht immer klappen muss.
Zumindest gab’s ein bisschen Glasgow. (und dafür bin ich ganz bis nach Oberkassel gefahren.)

FILM: Sieben Zwerge

Und diese große Scheiße haben sich nun schon über 3,4 Millionen Menschen in Deutschland angesehen? Ich fass es nicht.

FILM: Elling

Und nachts lief dann auch noch Elling. Die Fortsetzung hatte ich mir im Mai angesehen und war nicht wirklich begeistert. Zu sehr nervte mich irgendwann das störrische Verhalten der Hauptfigur. Gestern Nacht wusste ich dann auch endlich warum. War es im ersten Teil vor allem die liebenswerte Art, mit der Elling und Kjell Bjarne miteinander umgingen, fehlte diese im zweiten Teil völlig. Wunderbar, wie die beiden so langsam das Stadtleben erkunden, wie Elling zum ersten Mal zu einer Lesung geht, einen Freund gewinnt und sich als Sauerkrautpoet einen Namen macht. Dieser kleine Film ist schlicht und ergreifend schön.

FILM: The door in the floor

Vorneweg: Nein, ich habe das Buch nicht gelesen. Was nicht daran liegt, dass ich John Irving nicht mag. Ich habe zwei oder drei gelesen, sie auch gemocht, besonders, weil sie immer so schön abgedreht waren. Trotzdem verspürte ich keine Lust, mir weitere von ihm zu besorgen. Auch ganz gut, denn so konnte ich mir diesen Film völlig unvoreingenommen anschauen, so dass er sogar gefiel.

Ted und Marion Cole leben in einem wunderschönen Anwesen nahe am Meer. Ruth, die kleine, blonde Tochter, konnte die Ehe der beiden nach dem tragischen Tod der beiden Söhne nicht retten. Deshalb schlägt er vor, sich über den Sommer auf Probe zu trennen. Damit der erfolgreiche Kinderbuchautor ein wenig unabhängiger sein kann, holt er sich über den Sommer einen kleinen Assistenten Eddie, der vornehmlich dafür da ist, ihn in der Gegend umherzukutschieren. Der entdeckt aber schnell die Faszination, die von Marion ausgeht und es dauert nicht lange, bis sich das ungleiche Paar ihren sexuellen Gelüsten hingibt.

Am Ende des Films verschwindet Marion und verlässt somit nicht nur ihren Mann und den jugendlichen Lover Eddie, sondern auch ihre Tochter. Eddie kehrt zurück an die Uni, Ruth wird von nun an von der Familie des Gärtners umhegt. Ted wird zur tragischen Figur des Films, dem es nicht gelingt, aus diesem Leben auszubrechen. Zu dem Schmerz um den Verlust seiner Kinder gesellt sich nun auch noch der Schmerz um den Verlust seiner Frau. Er wird seine Strategie des Verarbeitens nicht ändern. Er wird weitermachen wie bisher, sich in weitere, unzählige Affären mit seinen Aktmodells flüchten.

Ein wirklich schöner Film, über den man auch noch Stunden später nachdenken kann. Sehenswert ist er aber auch vor allem wegen Jeff Bridges und Kim Basinger, zwei wirklich ausgezeichnete Schauspieler, die die tragenden Rollen dieses Beziehungsdramas übernommen haben. Nie im Leben hätte ich gedacht, dass die Dame Basinger schon 50 Jahre auf dem Buckel hat. Respekt!

FILM: 5 mal 2

Szenen einer gewöhnlichen Ehe. Nur rückwärts erzählt. Zu fünf Zeitpunkten. Erste Einstellung: die Scheidung. Kein Wunder, dass man die beiden von nun an wie ein Voyeur betrachtet. Über die gesamte Zeit beschäftigt den Zuschauer eine Frage: Woran ist diese Beziehung gescheitert? Und zu jedem Zeitpunkt gibt es Anhaltspunkte. Ja, so könnte es gewesen sein.

Gibt sie ihm keine zweite Chance, weil er sich nach der Scheidung ein letztes Mal nahm, was er wollte, obwohl sie sich dagegen wehrte? Ist es der Moment, in dem er sie vor seinem schwulen Bruder samt Bettgenossen bloß stellt. Weil sie ihm erlaubte, an einer Orgie teilzunehmen? Und er ihr später in der Küche vorwirft, dass sie immer alles Zwischenmenschliche so rosarot sehen würde. Oder liegt es daran, dass er eben nicht in der Lage ist, ihr in guten und schlechten Zeiten beizustehen. Weil er sie bei der Geburt, die eine viel zu frühe und schwierige ist, alleine lässt. Kann es sein, dass er in der Hochzeitsnacht zwar betrunken eingeschlafen ist, aber dennoch bemerkt hatte, dass sie noch einmal nach draußen gegangen ist. Und er sie vielleicht auch dabei beobachtete, wie sie es am Fluss mit dem Amerikaner treibt. Oder galt die Ehe bereits gescheitert, weil er sich nur auf sie einließ, weil er der anderen müde geworden war und nach Abwechslung, mehr Rundungen und ein wenig mehr Pep in der Beziehung gierte.

Wir wissen es nicht. Aber genau dieses Gieren nach dem Grund, dieses Finden von immer wieder anderen Indizien für das Scheitern der Zweisamkeit macht diesen Film so sehenswert.
(das der hauptdarsteller auch sehr sehenswert ist, verschweige ich mal lieber. kann ja nicht immer nur mit solchen fakten argumentieren.)

FILM: Evil

Erik fliegt von der Schule, weil er immer wieder seine Mitschüler zusammenschlägt. Das liegt wohl daran, dass ihn sein Stiefvater regelmäßig verprügelt. Um ihn vor weiteren Repressalien zu schützen und auch, weil er sonst keine Chance auf ein Abitur hat, schickt ihn seine Mutter aufs Internat. Dort herrscht allerdings ein durch und durch totalitäres System: Die älteren Schüler sorgen mit allen nur möglichen Methoden für Zucht und Ordnung. Je mehr die Jüngeren leiden um so besser. Hauptsache, alle gehorchen den streng vorgegebenen Regeln.

Erik teilt sich ein Zimmer mit dem nicht sehr sportlichen,aber intellektuellen Pierre. Die beiden werden schnell Freunde und versuchen gemeinsam, einen Weg durch die Internatswelt zu finden. Ohne Gewalt. Das gelingt nicht immer. Und als dann noch Eriks Verhältnis zu dem Küchenmädchen Marja an die Öffentlichkeit kommt, sind die Tage für die beiden im Internat gezählt.

Evil ist ok. Mehr nicht. Was will er sagen? Dass keine Gewalt auch keine Lösung ist? Dass man in bestimmten Situationen dann doch einfach mal zuschlagen muss? Dass dann, wenn man nicht mehr weiter weiß, ein Anruf genügt, dann kommt der Anwalt, droht ein bisschen mit der Journaille, die mal eine aufdeckende Reportage bringen könnte? Dass man, wenn man etwas wirklich will, es auch schaffen kann? Was auch immer. Diesen Stoff habe ich bereits 100 Mal gesehen. Nichts Neues, aber diesmal aus Schweden. Wo wir auch schon zum Besten an diesem Film kommen: Dem Hauptdarsteller Andreas Wilson, der wirklich gut gespielt hat. Ich sag nur: Diese Lippen!