Generation Jimi Blue

Das spannendste an dem gestrigen Kinobesuch um 14.30 Uhr war nicht, dass sich noch während der Werbung herausstellte, dass Daniel den Platz neben uns reserviert hatte (Wenn ich um acht ins Kino gehe, treffe ich nie jemanden.). Spannend war, in welche Subkultur man sich begibt, wenn man um diese Uhrzeit ins Kino geht. Einige gehen in Asterix, andere in „Horton hört ein Hu“ (Horton ist ein Elefant. Aber was ist eigentlich dieses Hu?). Und dann muss man davon ausgehen, dass Jimi Blue Ochsenknecht für diese Generation sowas wie der Robbie Williams für die Mittedreißigjährigen sein muss. Und lustig zu sehen, wie die deutsche Filmindustrie nun versucht, diesen Hype (falls es wirklich ein solcher ist) um Jimi Blue Ochsenknecht noch ein bisschen auszuschöpfen. Denn die Wilde-Kerle-Generation wird älter und verliebt sich auch einmal und deshalb gibt es im April auch gleich noch einen Film. „Sommer“ heißt er und wenn ich den Trailer richtig verstanden habe, geht es darum, dass Jimi Blue auf eine Nordseeinsel muss, sich dort in ein Mädchen verliebt, die ihn dann auch ganz dufte findet und er sich ein Schwimmduell mit ihrem derzeitigen Lover bestehen muss. Also Sommer, große Liebe, Duell, Happy End – klingt stark nach Rosamunde Pilcher für Teenies. Und dann macht dieser Jimi Blue auch noch Musik.

Seltsam, seltsam. Auch, dass das alles so komplett an einem vorbeigeht.

FILM: Die Welle

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Achtung: Hier wird das Ende verraten!

Ich war davon ausgegangen, dass wirklich jeder, der so ungefähr in meiner Generation lebt, irgendwann zwischen 12 und 15 „Die Welle“ von Morton Rhue gelesen hat. Das war ein Fehler, aber so hat man eine gute Erklärung dafür, warum es dann doch irgendeinen Sinn ergibt, dass dieses Buch jetzt noch verfilmt worden ist (Außer natürlich wegen Jürgen Vogel.). Doch es gibt immer den einen, der den Stoff nicht kennt und heute wird dieses Buch wahrscheinlich nicht einmal mehr im Unterricht durchgenommen, ich weiß es nicht und vielleicht bedarf es in Zeiten von Amokläufen, Waffen und dem bösen Internet an Schulen auch einfach einer Aktualisierung des Stoffes. Sprich: Jürgen Vogel spielt den wirklich coolen Lehrer, der mit Ramones-Shirt in die Schule geht, der von den Schülern geduzt wird und den wirklich alle mögen, weshalb sie auch die Projektwoche mit ihm, aber dem langweiligen Thema „Autokratie“ wählen.

Na und dann geht’s los mit dem Experiment. „Macht durch Disziplin! Macht durch Gemeinschaft! Macht durch Handeln!“, schreibt Jürgen Vogel an die Tafel, alle tragen plötzlich weiße Hemden, grüßen sich mit dem Welle-Gruß, sind Teil einer großen Gemeinschaft und fühlen sich super. Wer nicht dabei ist, fühlt sich nicht ganz so super und rebelliert und lernt die Macht dieser Gemeinschaft von der anderen Seite kennen. Weil er ausgeschlossen ist.

So, und wo wir die Handlung gerade mal zusammengefasst haben, kommen wir auch schon zu den Problemen des Films.

Erstens: Max Riemelt, der Marco den Super-Sportler spielt. Er hat ne Freundin, die mit dem ganzen Welle-Quatsch nicht so richtig klarkommt und sich deshalb auch mit ihm streitet. Und deshalb auch einer der Auslöser für Lehrer Vogel ist, das Experiment „Welle“ abzubrechen. Aber dieser Max Riemelt, den man vielleicht als Liebhaber deutscher Filme schon aus „Napola“ kennt und der für diese Rolle damals sogar den bayerischen Filmpreis bekommen hat, ist so langweilig und so farblos, das man sich wirklich fragt, warum dieser Regisseur anscheinend so darauf steht, mit diesem Typen zu drehen. Versteht man einfach nicht.

Zweitens: der Regisseur Dennis Gansel. Einmal, weil er irgendwie darauf steht, Max Riemelt in seinen Filmen dabei zu haben. Aber auch weil es ihm nicht richtig gelingt, ein Drehbuch zu schreiben und umzusetzen, dass in sich schlüssig ist. Da weiß man gleich zu Beginn des Filmes, bei welchem der Schüler der ganze Welle-Kram besonders gut funktionieren wird, genauso wie man gleich weiß, dass die Öko-Frau vermutlich schnell aussteigen wird. Da werden Figuren angedeutet, da hat dieser Marco zwischendurch was mit einer anderen (Cristina do Rego, die der eine oder andere vielleicht aus „Pastewka“ kennt) und am Ende hat er dann doch wieder seine Freundin lieb. Das ist alles sehr unbeholfen und vielleicht reicht es ja auch für einen Jugendfilm, aber für was richtig Gutes nun mal leider nicht.

Drittens: der Schluss. Ganz schlimm. Denn in der heutigen Zeit reicht es wohl nicht, dass ein „jüdischer Schüler Gewalt erfährt“, (Sorry, konnte mich nicht mehr an das Ende des Buches erinnern und habe dreist die Wikipedia abgeschrieben), damit das Projekt ein Ende erfährt. Nein, in der heutigen Zeit muss erst ein Schüler angeschossen werden und der Schießende sich selbst hinrichten. Ganz so, wie wir es mittlerweile von den Amokläufen an Schulen kennen.

So jung und schon Medienjournalist

Nicht schlecht, dieser Renner.

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FILM: Vier Minuten

Mannmannmann, diese Hannah Herzsprung. Jetzt weiß ich endlich, warum sie all die Preise für diesen Film bekommen hat. Für diese Figur, die so unberechenbar scheint, die so voller Emotionen ist, diese scheinbar unkontrollierbare Leidenschaft, die immer wieder unkontrolliert aus ihr herausbricht.

Sie spielt die wegen Mordes verurteilte 21-jährige Jenny, die ganz wunderbar Klavier spielen kann. Im Gefängnis trifft sie auf die schrullige Klavierlehrerin Traude Krüger, 80, die zerbrechlich von Monica Bleibtreu dargestellt wird. Alles läuft auf die vier Minuten Auftritt hinaus, vier Minuten Auftritt bei einem Wettbewerb in der Oper. Und genau die vier Minuten sind so intensiv, dass ich mich dann doch erst mal erholen muss.

Tolle Frau, diese Hannah. Doof nur, dass der Mann meines Herzens mich gerade daran erinnert hat, dass sie die Tochter von Dschungel-Hexe Baba und Seitensprung-Bernd ist. Kann man sich halt nicht aussuchen.

Vanity Fair revisited

In der Wohnung gibt es die aktuelle „Vanity Fair“ (Kostet die eigentlich immer noch oder schon wieder einen Euro?). Nichts Spannendes entdeckt. Nur lobhudelnde Leserbriefe, aktuelle Bilder, die man auch schon überall anders gesehen hat und das, was ich noch am besten an der deutschen „Vanity Fair“ fand, ist auch weg: der Fragebogen. In den ersten Ausgaben war das ja immer ein vorgeschriebener Brief mit Lücken, die die so genannten Prominenten dann ausfüllen sollten. Und jetzt? Bekommt Heiner Lauterbach langweilige Fragen wie „Was verabscheuen Sie am meisten?“ oder „Wer sind Ihre Helden des wahren Lebens“ und so gefragt. Erbärmlich. Wirklich.

Jupp und die tanzenden Männer

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Ich war in Krefeld. Beim Konzert. Die „Editors“ spielten. Leider erst um kurz nach halb elf. Da fühlte ich mich sehr alt. Und noch älter fühlte ich mich, als das blonde Walross vor mir anfing, wie blöd rumzutanzen. Und ihren Kopf dann immer nach hinten schmiss, so dass ich ihre Haare im Gesicht hatte. Und ihre Tasche im Bauch. Immer wieder. Genau in diesem Moment spielten sie lustigerweise gerade ihr Cover von The Cures „Lullaby“: „His arms are around me and his tongue in my eyes“. Hätte also schlimmer kommen können.

Ich habe auch noch nie so viele Männer gesehen, die wie blöd getanzt haben. Also wirklich getanzt und nicht nur Kopfnicken oder mit dem Fuß wippen. Ich halte tanzende Männer für überschätzt.

(Der Sänger erinnerte mich wegen seines Körpers und seiner Schlacksigkeit und seiner Mimik extrem an ihn hier. Und ja: Disclosure-Alarm!)

(Oh Gott. Jetzt mach ich schon so komische Job-Insider.)

Mit Charlotte Roche in den Puff

Wer sich in den vergangenen Tagen die Bestsellerliste des Internetbuchhändlers Amazon betrachtet, findet dort auf dem oberen Plätzen immer ein Buch: Es heißt „Feuchtgebiete“ und stammt von der Moderatorin, Schauspielerin und Sängerin Charlotte Roche. Für ihre Musiksendung „Fast Forward“ wurde sie von den Feuilletonisten gefeiert. Jetzt ist sie also unter die Buchautorinnen gegangen.

Die ekligste Passage des Buches ist die, in der die 18-jährige Protagonistin Helen Memel erzählt, dass sie auf öffentlichen Toiletten am liebsten erst einmal mit ihren Schamlippen über die Toilettenbrille fährt. Also sich ihrer Mutter widersetzt, die ihr wie alle guten Mütter geraten hat, in solchen Situationen das Hinsetzen zu vermeiden und im Hocken zu pinkeln.

Somit sind wir auch gleich im Thema. Charlotte Roche hat ein Buch geschrieben und will vor allem eins: provozieren. Deshalb geht es um eine 18-Jährige, die sich bei der Intimrasur an ihren Hämorrhoiden geschnitten hat und operiert werden muss. Während sie das Krankenhausbett hütet, erzählt sie dem Leser von ihren sexuellen Phantasien, ihrem Verhältnis zum eigenen Körper und ihren Körperausscheidungen. Sagen wir es so: Alles wird angesprochen. Thema Sex: Sie lässt sich von einem eigentlich Wildfremden im Intimbereich rasieren und geht auch gerne mal zu Prostituierten. Thema Selbstbefriedigung: Sie mag den Kopf ihrer Dusche ganz gerne. Thema Ekel: Sie isst sehr gerne Körperausscheidungen (Stichwort: Ohr. Stichwort: Nase. Stichwort: Vagina.)

Und dann liest man und liest und fragt sich die ganze Zeit, warum muss uns diese Helen Memel all diese Dinge erzählen? Die Antwort liefert so jedes Interview, das Charlotte Roche in den vergangenen Wochen gegeben hat. Weil sie keine Slipeinlagen mag. Weil sie gegen die Komplettrasur im Intimbereich aufbegehrt. Weil sie sich einen modernen Feminismus wünscht, in dem auch Pornographie kein Tabu mehr ist.

Und da sind wir auch schon bei dem Problem dieses Buches angelangt. In einem der zahlreichen Interviews hat Charlotte Roche erzählt, dass sie eigentlich ein Sachbuch habe schreiben wollen. So liest sich „Feuchtgebiete“ dann auch. Als eine Abhandlung von Körperlichkeiten, um die noch schnell eine Geschichte gestrickt werden musste. Das ist anstrengend zu lesen. Und sicherlich nicht das Debüt einer ernstzunehmenden Schriftstellerin.

Das Radio und ich.

In dieser Woche verhöre ich mich ständig. Montagmorgen: Ich müde auf dem Weg zur Arbeit. Spricht der Typ in den Nachrichten von den Problemen der hessischen SPD. Was verstehe ich? „Die Krise der WestLB“.

Dann heute: EinsLive interviewt irgendeinen Geiger, der das Wort „kristallklar“ benutzt. Was höre ich? „Christian Klar“.

Radio ist nicht mein Medium.

Ist schon Frühling?

Jetzt hab ich es mir doch gekauft. Als ich nämlich in Berlin war, hatte ich es in einem Laden gesehen. Und erstmal nur ne Weile angeschaut. Dann habe ich es anprobiert. Mich vor dem Spiegel gedreht und gewendet. Und mich dann doch für den Rock entschieden. Und gegen das Kleid. Und dann habe ich es nicht vergessen, ein bisschen im Internet rumgeklickt und gesehen, dass der Laden in Berlin einen Online-Shop hat. Einen, in dem man sogar mit Internetgeld bezahlen kann. Und in einem schwachen Moment ist es also geschehen. Heute kam das Paket. Und hat den eher doofen Tag dann wenigstens noch schön enden lassen. (Obwohl ich ja gerade vorher noch 3:1 (Sätze) im Squash gewonnen habe. Frust kann so schön sein.)

Jetzt muss es nur noch warm werden.

The Trouble with Steve Jobs

Super-Porträt über Steve Jobs, den so viele Apple-Jünger verehren. Und irgendwie beruhigt es, wenn man dann sowas liest:

„As soon as people heard I was writing a book on assholes, they would come up to me and start telling a Steve Jobs story,“ says Sutton. „The degree to which people in Silicon Valley are afraid of Jobs is unbelievable. He made people feel terrible; he made people cry.“