Wolle Tüte haben?

Ich hab heute Nachmittag ein bisschen bei der Buchhändlerin gelesen. Und dann wurde ich vorhin im Stern-Verlag gefragt, ob ich ein Tütchen will.

(Nein, Frau Roche wird jetzt von Amazon geliefert. Ich habe mich für die Kurzgeschichten von Miranda July entschieden. Allerdings stand ich lange vor „Die Wohlgesinnten“. Hab mich aber nicht rangetraut.)

Ha!

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Die Feuchtgebiete des Dumont Verlages

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Charlotte Roche hat ein Buch geschrieben. Es heißt „Feuchtgebiete“ und im Dumont Verlag erschienen. Eigentlich sollte es bei Kiepenheuer & Witsch erscheinen, doch denen war das Werk zu pornographisch.

Um das Buch zu promoten, hat Charlotte Roche folgenden Zeitungen und Zeitschriften ein Interview gegeben:

U_mag (erschienen am 31. Januar)
Blond (7. Februar)
– Playboy (14. Februar)
GQ (14. Februar)
Neon (18. Februar)
Tagesspiegel (24. Februar)
FAS (24. Februar)
Spiegel (25. Februar)
Süddeutsche Zeitung/Jetzt.de (25. Februar)
Frankfurter Rundschau (25. Februar)
– Focus (25. Februar)
Stern.de (25. Februar)

Zwölf Interviews in den großen deutschen Magazinen und Zeitungen? Nicht gerade wenig Werbung für ein Buch. Zumal die Autorin seit dem 25. Februar auch noch auf großer Lesereise in 38 Städten Deutschlands unterwegs ist.

Und eigentlich hätte der Dumont Verlag spätestens nach den ersten Interviewanfragen ahnen müssen, dass sich das Buch in den ersten Tagen nach Erscheinen verkaufen wird wie blöd. Zumal in all diesen Texten die Schlüsselbegriffe „Pornografie“, „Analsex“, „Selbstbefriedigung“ etc. fallen.

Und was ist? In keiner der großen Düsseldorfer Buchhandlungen ist das Buch noch zu haben. In der Mayerschen auf der Nordstraße sagte mir die Buchhändlerin, dass sich der Verlag verschätzt und zu wenig gedruckt habe. Was für eine Pleite.

Kann natürlich auch sein, dass Charlotte Roche den Großteil ihrer ersten Auflage mit auf Lesereise genommen hat. Wer also den großen pinkfarbenen LKW irgendwo antrifft, möge mir ein Exemplar des Buches sichern.

Nick Hornby – Slam

Ja, ich hab’s jetzt durch. Und denke seitdem darüber nach, ob man ein Jugendbuch, und das ist „Slam“ nun einmal, wirklich als platt und vorhersehbar bezeichnen kann. Weil doch die meisten Jugendbücher irgendwie so sind. Und man ihnen das doch wirklich nicht vorwerfen kann. Hätte Sam kein Kind mit 16 bekommen sollen? Nun ja, man hätte sich dann das ganze Buch sparen können, weil dann einfach mal nichts passiert wäre. Hätte Sam nicht zwischendurch die Zukunft träumen sollen? Nun ja, genau diese Szenen sind nunmal die Spielereien, die sich Hornby in diesem Buch erlaubt. Die sind irgendwie auch ein bisschen amüsant und ganz ohne wäre dieses Buch vielleicht doch eher doof gewesen.

Mmh: Wie fand ich’s denn nun? Ganz ok, würde ich sagen. Sicher nicht mein neues Lieblingsbuch von Hornby, aber durchaus eins, was man lesen kann. Und es als Jugendbuch zu bezeichnen. Ja, mein Gott, für mich die Entschuldigung für alle Plattheiten.

Wtf?

Nicht nur in Berlin hab ich Pech: Auch Düsseldorf hat sich gegen mich verbündet. Die Gründe:

1. Es gibt dieses Charlotte-Roche-Buch nicht. Keine der großen Buchhandlungen führt es. Was für eine Pleite. Könnte mal einer der journalistischen Leser bei Dumont anrufen und fragen, was für eine Marketing-Pleite das bitte ist? Ich hab schließlich Urlaub.

2. Ich will eine neue schwarze Jeans, weil die Tage meiner alten gezählt sind (Ihr wisst schon, der Blogeintrag über den Tag, an dem ich mich bücke und der Stoff am Hintern mit einem lauten Knall reißt, naht.). Und was für Hosen gibt es in der Stadt? Nur blaue. Hellblau, dunkelblau, dunkeldunkelblau, aber keine schwarzen (mit schönen Taschen hinten drauf). Bin ich so out, weil ich eine schwarze Jeans haben will?

3. Jetzt Sport.

Kennt ihr auch Hal Varian?

Der Mann, der das Buch geschrieben hat, mit dem ich im Grundstudium Mikroökonomik studiert habe, ist der Googles Chef-Ökonom. Nicht übel..

FILM: There will be blood

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Als Daniel Day-Lewis den Oscar für seine Rolle in „There will be blood“ in den Händen hielt und ein paar Worte an die Schauspielermeute richtete, da schauderte es mich doch. Wie kann ein Mann, der sich fast schüchtern für diesen Preis bedankt, so böse spielen und einen Mann verkörpern, der nur ein Ziel verfolgt: so viel Geld und Macht anhäufen, um irgendwann nur noch auf möglichst wenige Menschen um ihn herum angewiesen zu sein. Menschenleben? Nebensächlich. Liebe? Wurscht. Das einzige, was zählt, ist der eigene Gewinn.

Und Daniel Plainview gelingt es, das große Geld zu machen. Auf der Suche nach Gold und Silber findet er Öl und allein für diese ersten zehn Minuten könnte ich Paul Thomas Anderson umarmen. Wie all dies passiert, ohne das ein Wort fallen muss. Nur Plainview, sein Erdloch und diese Musik.

Um seine Glaubwürdigkeit bei den meist armen Familien in den Ölgebieten zu erhöhen, nutzt Plainview die Präsenz seines Sohnes, H.W. Er führt ihn in das Ölgeschäft ein, so, dass man glaubt, dass Plainview doch ein Herz haben muss. Nur um dann, ein paar Momente später zu sehen, dass dieser Mann auch im Stande ist, seinen Sohn, der durch ein Missgeschick am Bohrturm sein Gehör verloren hat, wegzuschicken, ja, letztendlich auch zu verstoßen.

Der Film hat eine unheimliche Kraft: Und das liegt nicht nur an der Figur Plainviews, sondern auch an diesem jungen Mann der Familie Sunday, der lange Zeit Plainview ebenbürtig zu sein scheint. Er will Geld und religiöse Zugeständnisse und ist als einziger in der Lage, Plainview in die Enge zu treiben, mit seinem Fanatismus und seiner Fähigkeit, die Menschen in seinen Bann zu ziehen.

Und dann kommt es noch einmal zu einem letzten Kampf zwischen den beiden: Plainview gegen Sunday. Ein letztes Mal Demütigung, ein letztes Mal dieser geballte Hass. Und dann ist der Film zu Ende und der Zuschauer bleibt aufgewühlt zurück. Ich habe diese Bilder noch immer nicht vergessen können.

Gut, dass ich Daniel Day-Lewis entdeckt habe. Und gut, dass es Paul Thomas Anderson gibt.

FILM: Delicatessen

Ich hätte wirklich nicht gedacht, dass dieser Film bereits 1991 erschienen ist. Er hätte auch gut zehn Jahre später erscheinen können und hätte immer noch in die Zeit gepasst. Ich mag die groteske Überzeichnung der handelnden Figuren. Die Bürgerliche, die immer wieder daran scheitert, ihrem Leben ein Ende zu setzen. Die Oma, die unermüdlich an einem Pullover strickt. Die musikalische Fleischerstochter Julie und die liebestolle Nachbarin, die sich mit dem Fleischer vergnügt. Nicht zu vergessen natürlich der traurige Clown und neue Hausmeister. Gut, dass es diese Art von französischen Filmen gibt.

Schönes aus „Slam“

Joss-Stone-Bashing bei Nick Hornby:

She never says, ‚I’m fourteen years older than Joss Stone,‘ or anything like that. She only knows about people round about her age who look good.

Und dann hab ich mich noch darüber gefreut, wie ein 15-jähriger Junge die Vorteile einer Mutter umschreibt, die bei seiner Geburt selbst gerade 16 Jahre alt war:

‚I’m glad you’re not fifty.‘
‚Why? What difference does it make to you?‘ (…)
‚I’ll be thirty-three at your fiftieth.‘
‚So?‘
‚I’ll be able to get drunk. And you won’t be able to say anything.‘
‚That’s the best argument I’ve ever heard for having a kid at sixteen. In fact, it’s the only argument I’ve ever heard for having a kid at sixteen.‘

Berlin in Bildern