Franzis Früchtchen (1)
Seit einigen Wochen bin ich nicht mehr allein. In mir entsteht gerade ein Menschlein. Wenn man mal ein bisschen genauer darüber nachdenkt, ist das eigentlich äußerst seltsam. Wenn ich das so schreibe, denke ich an die Tierwelt und Parasiten, aber nicht unbedingt an kleine Babys in kunterbunten Stramplern. Doch so hat es die Natur nun einmal vorgesehen: Aus ein paar Zellen wird ein Zellhaufen, irgendwann pulsiert etwas, was der Frauenarzt als Herz bezeichnet und ein paar Wochen später entdeckt man auf dem Ultraschall bereits die groben Umrisse eines menschlichen Wesens mit Kopf, Gliedmaßen, Gebiss, Wirbelsäule – selbst das Gehirn ist schon zu erkennen. Auch der eigene Körper verändert sich und damit meine ich nicht nur, dass seit einer Woche meine Hosen zu kneifen beginnen und ich am liebsten meine etwas weiter geschnittenen Kleider durch die Gegend trage. Ich habe mich in dieser Woche das erste Mal in Schwangerschaftsabteilungen von Modeketten herumgetrieben und bin mir noch nicht sicher, was ich in den kommenden Monaten tragen soll: Farben, die es bisher noch nie in meinen Kleiderschrank geschafft haben? Schnitte, die ich eigentlich verabscheue? Das wird wohl noch ein mittelgroßer K(r)ampf.
So langsam verändert sich also ein Leben. Ich bin plötzlich schneller müde, entwickle ein Angstverhältnis zum abendlichen Zähneputzen (Eyh, wer auch immer dafür zuständig ist: Ich dachte, das heißt „Morning sickness“!). Sowieso denke ich ständig darüber nach, ob auch wirklich alles gut ist, offenbar wüten da die Hormone sehr gepflegt. Außerdem schlafe ich schlecht und nicht durch (Ich hatte die Hoffnung, dass das erst später zu einem Problem werden würde). Kein Matjes mehr, kein Sushi, Mozzarella, Salami und Schinken sind tabu, was die Ernährung nicht unbedingt vereinfacht (Und was esse ich jetzt aufs Brot?). Glücklicherweise meldet sich der Körper regelmäßig und sagt, was er will.
Der große Urlaub war ohnehin nicht als Fernreise geplant, der Arbeitgeber ist informiert und das schlechte Gewissen meldet sich schon, doch bitte so langsam mal eine Todo-Liste anzulegen mit der Dinge, um die ich mich in den kommenden Monaten auf jeden Fall dringend kümmern muss. In welches Zimmer kommt bald was? Doch noch umziehen? Ist das Auto noch groß genug? Und was braucht so ein Menschlein eigentlich? Mit all diesen Fragen werde ich mich wohl mal auseinandersetzen müssen. Noch drücke ich mich ein wenig davor. Aber zum Glück dauert es ja auch eine Weile, bevor so ein Wesen komplett zusammengesetzt und fertig gewachsen ist.

