Jahresendzeitfragebogen 2025

Diese Tradition mag ich nicht brechen. Gehen wir also rein.

(Und für alle, die das hier zum ersten Mal sehen: Diesen Fragebogen fülle ich aus, seitdem es dieses Blog gibt. In der Zwischenzeit ist viel passiert – so hat sich das Bloggen verändert, das Internet und auch ich habe mich verändert. Doch die Tradition, am Jahresende diesen Fragebogen auszufüllen, ist geblieben. Und wenn du bis nach unten scrollst, kannst du auch die alten Ausgaben lesen.)

Körpergefühl?

Gemischt. Das erste halbe Jahr war richtig gut, ich war in der Laufroutine, habe Yoga gemacht. Dann meldete sich nach Jahren wieder mein großer Zeh und sorgte für eine Laufpause, die ich zunächst mit regelmäßigem Schwimmen kompensieren konnte. Dann sorgte die langwierige Erkältung dafür, dass ich gar nicht ausprobieren konnte, ob die Einlagen das Laufengehen doch wieder möglich machen. Dann Jahresendstress, Schulterprobleme und so endete das Jahr nicht ganz so sportlich. Schauen wir mal, was der Arzt zur Schulter sagt, aber 2026 brauche ich definitiv wieder einen Plan.

Mehr bewegt oder weniger?
Dennoch mehr. Hab auch die durchschnittliche Schrittzahl von 2024 geknackt.

Haare länger oder kürzer?

Im Sommer mal die Idee gehabt, meine Haare wieder länger wachsen zu lassen. Dann Fotos gesehen und entschieden: never change a running system. Sah einfach nicht aus.

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?

Das Jahr endete mit einer neuen Brille.

Mehr ausgegeben oder weniger?

Ähnlich wie im vergangenen Jahr.

Der hirnrissigste Plan?

Ich schreibe dieses Jahr dieses Buch.

Die gefährlichste Unternehmung?

Ich schreib dieses Jahr dieses Buch.

Die teuerste Anschaffung?

Die neue Brille. Und die Neuausstattung meiner Füße im zweiten Halbjahr.

Das leckerste Essen?

Ich mochte das Chili sin Carne, das ich zu meinem Geburtstag zauberte, wirklich sehr. Ansonsten: alles in guter Gesellschaft.

Das beeindruckendste Buch?

Wirklich beeindruckt hat mich „Vergiss all meine Briefe“ von Alex Schulman. Wie kann man so gut schreiben und dann auch noch über die eigene Familie? Und direkt danach „Vergiss mich“ und auch das dritte „Die Überlebenden“ hat mich überrascht. Alle Bücher 2025 gibt’s hier.

Der berührendste Film?

Ich habe nicht viele Filme geschaut und kann auch kaum erinnern, was ich über das Jahr so geschaut habe. (Könnte einfach jedes Mal darüber bloggen, das würde vermutlich helfen.) Was ich erinnere: Die Doku über Leni Riefenstahl.

Das beste Lied?

Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass Pulp in diesem Jahr ein neues Album herausgebracht hat, was ich auch sehr viel gehört habe. Spike Island am häufigsten. Und dann veröffentlichte Lily Allen dieses krasse Album und ich trällerte mehrere Wochen „West End Girl“ und „Madeline“ vor mich hin. Aber auch „Tau mich auf“, „Espresso Macchiato“, „The Fate of Ophelia“ und „Golden“ von den K-Pop Demon Hunters. Tja.

Das schönste Konzert?

Eindeutig Thees Uhlmann in der Tonhalle. Das war sehr, sehr schön.

Die meiste Zeit verbracht mit?

Arbeit und Familie.

Die schönste Zeit verbracht mit?

Den Jungs. Und mit mir.

Vorherrschendes Gefühl 2025?

Krise?

2025 zum ersten Mal getan?

Eine Lesung im Büro veranstaltet, das war so toll, dass es zu schwer war, einen zweiten Termin zu planen. Auf einem Schreibworkshop gewesen, bei Daniel Schreiber und dort dann auch noch gemeinsam mit Ildikó von Kürthy geschrieben. Den 14. Geburtstag eines Sohnes gefeiert. Auf der re:publica beim Karaoke mitgemacht. Mit dem Bruder und der Familie im Urlaub gewesen. Mit dem Auto über die Öresundbrücke gefahren, am Drehort von Ronja Räubertochter gewesen und die Landschaft geliebt. Mit meiner Mutter bei den Niederländischen Tanztagen in Maastricht gewesen. Eine Tour durch die Regierungsgebäude erhalten, im Haus der Kulturen der Welt gewesen, also drinnen und nicht nur draußen vorbeigelaufen. Die re:publica in Düsseldorf besucht. Eine Nacht mit einer Katze verbracht. Und nicht zu vergessen: eine KI-Ausbildung begonnen.

2025 nach langer Zeit wieder getan?

In Schweden gewesen, Teil der Morgengang im Schwimmbad gewesen. Familiengeschichten und deren Rahmenbedingungen recherchiert, Fragen gestellt. Mit Mathematik und Wahrscheinlichkeitsrechnung beschäftigt und gemerkt, dass ich‘s gleichzeitig vermisst und nicht vermisst habe.

Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?

Streit. Tränen. Dass der Körper nicht so wollte.

Drei Dinge, auf die ich nicht hätte verzichten wollen?

Die schönen Momente mit Freundinnen. Bücher. Den seltsamen Drang, mir manchmal etwas beweisen zu wollen und dann zu merken, dass ich das vielleicht auch langsam mal lassen könnte.

Die wichtigste Sache, von der mich jemand überzeugen wollte?

Vertrau dir.

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?

Du bist es wert.

Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?

„Da erkenne ich aber schon ein gewisses Muster.“

2025 war in einem Wort?

Herausfordernd.

Wer sich nochmal durch die vergangenen Jahre klicken will: 2024, 20232022, 20212020, 2019, 2018, 2017, 2016, 2015, 2014, 2013, 2012, 2011, 2010, 2009, 2008, 2007, 2006, 2005, 2004, 2003

2025: Das Jahr in Büchern

Ich habe gerade nochmal den Beitrag vom vergangenen Jahr gelesen und gesehen, dass ich 2024 zum Elizabeth-Strout-Jahr gemacht habe. Sie war halt die Autorin, von der ich am meisten gelesen habe. Wenn ich dies jetzt zur Tradition mache, dann ist 2025 ein Alex-Schulman-Jahr gewesen. Der Sommer in Schweden war stark von den drei Büchern geprägt, die seine Familiengeschichte erzählen. Und ich hab alle drei sehr geliebt, weil sie so anders waren. Weil ich noch nie so über Alkoholismus gelesen habe, weil ich es bewundert habe, wie Schulman es gelingt, so über seine eigene Familie zu schreiben.

Kommen wir zu den Statistiken, die dann Goodreads vorliegen: 48 Bücher. Hier die Liste – in kursiv alle Bücher, die ich gehört habe, alle Bücher mit Sternchen empfehle ich.

Alex Capus: Das kleine Haus am Sonnenhang

Jan Weiler: Der Markisenmann*

Maxim Leo: Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße

Virginia Evans: Die Briefeschreiberin*

Aus irgendeinem Grund habe ich ein Faible für Briefromane, zumindest derzeit. Mich interessiert, wie gut es der Autorin gelingt, dass ich wirklich glaube, echte Briefe zu lesen. Hier ist das wirklich gelungen. Und das Schicksal der Briefeschreiberin, aber auch die Liebe, die sie trotz allem erfahren hat, hat mich unheimlich berührt.

Saša Stanišic: Möchte die Witwe angesprochen werden, platziert sie auf dem Grab die Gießkanne mit dem Ausguss nach vorn*

Heinrich Böll: Die verlorene Ehre der Katharina Blum*

Ein erstaunlich aktueller Klassiker über Medien, Macht und Zuschreibungen. Hier ein paar Worte dazu.

Claire Keegan: Reichlich spät

Hab erst später gesehen, dass das ein Essay ist – denn dieses Buch ist wirklich kurz (46 Seiten). Claire Keegan schafft es, mit wenigen Worten eine Welt aufzubauen, die man nachvollziehen kann – und die in dem Titel erklärt. (Hab 2024 schon ein Buch von ihr gelesen und fand es damals sehr bewegend.)

Daniel Schreiber: Liebe! Ein Aufruf*

Die große Stärke von Daniel Schreibers Schreibe ist, wie er ein großes Thema so persönlich erzählt, dass wirklich jede*r mitempfinden kann. Hier mehr dazu

Douglas Stuart: Shuggie Bain*

Nelio Biedermann: Lázár

So viel Hype um dieses Buch und ich wollte es wirklich toll finden. Die Geschichte einer ungarischen Adelsfamilie im zwanzigsten Jahrhundert: zwei Weltkriege, die Nachkriegszeit und die Enteignung in Ungarn. Eigentlich hätte dieser Stoff sehr viel Potenzial für ein wunderbares Buch gehabt. Aber Biedermann rennt da so durch, die Figuren bleiben blass, mir fehlte eine gewisse Nähe. Ich hab mich richtig geärgert, dass die Geschichte des Jungen, der mit durchsichtiger Haut geboren wurde, irgendwie versandet. Schade.

Trude Teige: Und Großvater atmete mit den Wellen*

Grégoire Delacourt: Die Frau, die nicht alterte

Eines der Bücher, über das ich mich richtig geärgert habe. Manche Männer sollten nicht über Frauen schreiben.

Grégoire Delacourt: Alle meine Wünsche

Steve Ayan: Seelenzauber: Aus Wien in die Welt – Das Jahrhundert der Psychologie*

Haruki Murakami: Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki*

Trude Teige: Als Großmutter im Regen tanzte

Ilko-Sascha Kowalczuk: Stasi konkret: Überwachung und Repression in der DDR*

Wie entstand das Überwachungssystem, was konnte die Stasi wirklich und wer gehörte alles dazu? Aufwühlender Blick in die deutsche Geschichte.

Caroline Wahl: Die Assistentin*

Ich finde: eine sehr gute Beschreibung, was es mit dir macht, wenn du mit einem Narzissten arbeitest – und vielleicht noch nicht mit beiden Beinen im Leben stehst. Schmerzhaft. Gibt allerdings Punktabzug wegen des Endes.

Beatrix Gerstberger: Die Hummerfrauen

Alex Schulman: Die Überlebenden*

Alex Schulman: Vergiss mich*

Elsa Köster: Im Land der Wölfe

Kristine Bilkau: Halbinsel

Elizabeth Strout: Das Leben, natürlich*

In Shirley Falls sind die Burgess-Geschwister aufgewachsen und als ihre Schwester Hilfe benötigt, kehren die nach New York geflüchteten Brüder dorthin zurück. Natürlich holt sie die Vergangenheit ein. Ich hätte nicht gedacht, dass das Buch von 2012 so aktuell ist, denn es erzählt nicht nur die Geschichte dieser Familie, sondern handelt von Integration und Fremdenhass in einer Kleinstadt. Elizabeth Strout kann das wie kaum jemand: das Leben erzählen. 

Alex Schulman: Verbrenn all meine Briefe*

Sofia Lundberg: Das rote Adressbuch

Petra Pellini: Der Bademeister im Himmel

Annika Büsing: Wir kommen zurecht*

Eine schöne Coming-of-Age-Variante über einen Jungen, dessen Mutter wie ein Schatten über dem Familienleben liegt. 

Giuliano da Empoli: Der Magier im Kreml*
Ein Roman, der die Macht im Kreml hervorragend erklärt und neugierig darauf macht, tiefer in Russlands Geschichte einzusteigen. Macht keine gute Laune, hilft aber auch zu verstehen, was wir gerade erleben. Hier habe ich ein bisschen ausführlicher drüber geschrieben.

Miriam Georg: Hoffnung (Das Tor zur Welt #2)*

Miriam Georg: Träume (Das Tor zur Welt #1)*

Max Frisch: Montauk

Delia Owens: Where the Crawdads sing*

Chloé Cadwell: Women

Rufi Thorpe: Only Margo

Satoshi Yagisawa: DIe Tage in der Buchhandlung Morisaki

Mareike Fallwickl: Die Wut, die bleibt*

Robert Seethaler: Der letzte Satz

Markus Pfeifer: Springweg brennt*
Hier habe ich ein bisschen ausführlicher drüber geschrieben.

Carlo Masala: Wenn Russland gewinnt: ein Szenario*

Anfang des Jahres gelesen und scheint aktueller denn je. Masala denkt konsequent durch, was uns erwarten könnte. Und ich musste bereits mehrfach in diesem Jahr an die von ihm beschriebenen Szenarien denken.

Christian Huber: Man vergisst nicht, wie man schwimmt

Patrick Holzapfel: Hermelin auf Bänken

Karla Henning: Die Gleichzeitigkeit der Dinge*

Ein Buch über Beziehungen, über Nähe und darüber, was alles gleichzeitig passiert und wie wir besser damit umgehen können. Und was lehrt: Wenn wir besser mit der Gleichzeitigkeit der Dinge umgehen, können wir auch besser kommunizieren. Hier mehr dazu.

Ildiko von Kürthy: Eine halbe Ewigkeit

Jenny Mustard: Okaye Tage*

Rutger Bregman: Moralische Ambition*

Andreas Steinhöfel: Rico, Oskar und der Tieferschatten

John Boyle: Der Junge im gestreiften Pyjama*

Karla Henning: Die Gleichzeitigkeit der Dinge

Karla Henning: DIe Gleichzeitigkeit der Dinge

„Es ist nichts falsch an uns, wenn wir Weltschmerz empfinden, wenn wir uns gelähmt fühlen, wenn wir überfordert sind, wenn wir dem Drang nachgeben, abzuschalten, weil wir die Reize, die auf uns einprasseln, nicht mehr ertragen können. Vielleicht bedeutet es nur, dass wir noch in der Lage sind zu fühlen, was in der Welt geschieht.“

Das ist ein Zitat aus dem Buch „Die Gleichzeitigkeit der Dinge“ von Karla Henning und ich habe es deshalb ausgewählt, weil es zumindest mich am Wochenende ganz gut abgeholt hatte. Ja, auch mich nimmt es mit, wenn ein US-Präsident mal eben die Weltordnung, wie ich sie mein ganzes Leben kannte, auf den Kopf stellt. 

Auch der Rest des Buchs bot mir wertvolle Einsichten. Es verknüpft Theorien, Studien und praktische Tipps, die uns helfen können, mit der Gleichzeitigkeit der Dinge umzugehen. Ich empfehle jedem, die 128 Seiten selbst zu lesen. Diese fünf Tipps habe ich für mich mitgenommen und vielleicht findest auch du sie nützlich:

1. Die Ambivalenz des Lebens akzeptieren

Das Leben vereint Freude und Schmerz, Hoffnung und Verlust. Es geht nicht darum, eines gegen das andere auszutauschen, sondern beides nebeneinander zuzulassen. Erlaube dir, widersprüchliche Emotionen zu empfinden, ohne sie sofort aufzulösen. Zum Beispiel kannst du gleichzeitig dankbar sein und dennoch Trauer über Verluste empfinden. 

2. Trauer und Schmerz drücken aus, dass dir der Verlust etwas bedeutet

Trauer und Schmerz sind nicht nur negative Gefühle, sondern Zeichen dafür, dass uns etwas wichtig ist. Sie sind Resonanzgefühle und spiegeln unsere Verbundenheit mit der Welt und anderen Menschen wider. Trauer muss nicht überwunden werden, aber es hilft, darüber zu sprechen oder zu schreiben, um dem Gefühl Raum zu geben. 

3. Die Schönheit im Schmerz erkennen

Unser Gehirn gewichtet Schmerz stärker als Schönheit (Negativity Bias). Doch Schönheit existiert auch in Momenten des Schmerzes. Wir müssen bewusst das Schöne wahrnehmen – in der Natur, in Begegnungen oder in Kunst und Musik. Dieses Staunen („Awe“) kann helfen, dich trotz schwieriger Umstände verbunden zu fühlen.

4. Verbundenheit können und müssen wir kultivieren

Ambivalenz lässt sich leichter in Verbindung mit anderen bewältigen. Brené Brown betont, dass echte Verbundenheit Verletzlichkeit erfordert. Eine Strategie kann hier sein, offen für Mikrobegegnungen zu sein, ob mit Fremden oder Vertrauten. Kleine Momente des Kontakts können helfen, sich weniger allein zu fühlen.

5. Einen inneren Anker finden

In einer Welt voller Krisen kann der Wunsch, sich abzuschotten oder in Aktivismus zu verausgaben, übermächtig werden. Der Schlüssel liegt darin, einen inneren Ort zu pflegen, der sowohl das Schwere als auch das Leichte hält. Achtsamkeitsübungen, Meditation und Schreiben können helfen, inneren Gleichmut zu entwickeln – eine Balance zwischen Mitgefühl und Selbstfürsorge, zwischen Engagement und Akzeptanz.

Wenn wir besser mit der Gleichzeitigkeit der Dinge umgehen, können wir auch besser kommunizieren – digital und analog.

Daniel Schreiber: Liebe! Ein Aufruf

Wir alle kennen: Manchmal fühlt es sich an, als ob alles zu viel ist. Die Weltlage. Die Debatten. Das Tempo. Und dann noch diese Müdigkeit, die sich einschleicht, wenn man denkt: Ich kann sowieso nichts ändern.

Vielleicht war es genau deshalb gut, dass ich Daniel Schreibers neues Buch „Liebe! Ein Aufruf“ gelesen habe. Aber nicht nur deshalb.

Denn plötzlich war ich wieder da. Anfang des Jahres. Beim Schreibworkshop in einem Wald bei Kassel. Mit mir neun andere Menschen, die gerne schreiben und sich hier Feedback, Inspiration und vielleicht auch eine kleine Auszeit holen wollten.

Ich erinnere mich an meine Aufregung, als ich dort ankam. Und wie die Aufregung stieg, als ich meine Texte vorlas und darauf von fremden Menschen Feedback bekam. Wie ich an meinen Texten arbeitete und erfahren durfte, was Schreiben noch so alles kann. Ich erinnere mich an die Gespräche am Abend, in denen wir gemeinsam über die Weltlage nach Lösungen gesucht haben. Nach einem Rezept für den Umgang mit allem. Die Ohnmacht war zu spüren.

Umso mehr hat es mich berührt, dass sich Daniel Schreiber in diesem Buch genau diesem Gefühl gewidmet und als Setting für seine Gedankengänge eben genau einen dieser Schreibworkshops gewählt hat.

In „Liebe! Ein Aufruf“ hat er sich auf Spurensuche bei Philosoph*innen begeben. Von Hannah Arendt, unzählige andere bis hin zu Erich Fromm – er versucht herzuleiten, warum ausgerechnet die Liebe uns jetzt helfen kann. Klingt groß und ein wenig pathetisch. Aber er meint das ernst: Liebe als politische Kraft. Er zeigt, dass genau diese Idee die größten politischen Revolutionen angestoßen hat.

Ich musste beim Lesen oft nicken. Die Rhetorik des Hasses, die scheinbare Machtlosigkeit der Medien, die Kommunikationsmechanismen der Rechten zu durchschauen. Menschen ziehen sich zurück, meiden Nachrichten. Und verlieren den Glauben, dass politisches Handeln etwas bewirken kann.

Aber ist dieser Rückzug wirklich sinnvoll? Das Einigeln, das Weggucken?

Schreiber sagt: Nein. Zum Schluss wird er konstruktiv. Und das hat mich überrascht – weil das Buch bis dahin so viel Schwere trägt. Aber dann macht es Hoffnung. Es geht um Widerstand und Trost. Und darum, die eigene politische Stimme wiederzufinden.

Ein wirklich schöner Essay. Einer, der aufwühlt. Und einer, der so viele Hinweise auf Bücher gibt, dass ich jetzt alle noch lesen will.

Und es war mein dritter Daniel Schreiber (2021, 2024). Könnte sein, dass weitere folgen.

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Heinrich Böll: Die verlorene Ehre der Katharina Blum

Die verlorene Ehre der Katharina Blum

Erst vergangenen Mittwoch war es wieder soweit: Der Moderator verabschiedete mich von der Bühne mit den Worten: „Vielen Dank, liebe Katharina, für diesen Vortrag.“

Ich weiß nicht mehr, wie oft das passiert ist in den vergangenen Jahren. Der ehemalige Chef, die Sprechstundenhilfe, manchmal sogar eine Freundin. Sie sagen: Katharina.

Ich heiße nicht Katharina. Und nein, ich habe auch keinen Zweitnamen.
Ich gebe die Schuld genau einer Person: Heinrich Böll.

„Die verlorene Ehre der Katharina Blum“. Der Bestseller aus dem Jahr 1974. Und jetzt habe ich ihn endlich auch gelesen.

Muss man noch erklären, worum es geht?

Katharina Blum, eine zurückhaltende, pflichtbewusste junge Frau, verliebt sich auf einer Party in einen Mann. Er wird jedoch von der Polizei gesucht. Weil sie ihm vermutlich zur Flucht verhilft, stürzt sich die Boulevardzeitung – im Roman schlicht DIE ZEITUNG – auf sie.

Erfundene Zitate, Verdrehungen, Schlagzeilen, Unterstellungen. Katharina wird zur Terrorbraut stilisiert.

Privatsphäre? Zerschlagen. Die Behörden? Behandeln sie wie eine Schuldige.
Verhöre, Überwachung, Vorverurteilung.

Wahrheit interessiert niemanden. Hauptsache, das Narrativ passt. Am Ende erschießt Katharina den Reporter. Nach der Lektüre hatte ich das Gefühl „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ ist heute so aktuell wie 1974.

Böll beschreibt ein Mediensystem, das auf Emotionen setzt statt auf Fakten. Geschichten werden personalisiert, vereinfacht, dramatisiert. Rufschädigung geht schnell. Korrekturen? Nicht so sehr. Katharina Blum ist ein früher Fall medialer Hinrichtung – nur ohne Kommentarspalten.

Und auch die Machtverhältnisse haben sich nicht verschoben: Damals wie heute steht der*die Einzelne einem System gegenüber, das Urteile schneller fällt als Fragen stellt. Zitatfälschung, Emotionalisierung, Kontextverlust – was Böll beschreibt, ist heute Alltag. Nur schneller, greller, algorithmisch getrieben.

Und dann stellt sich die Frage nach der Verantwortung. Böll stellt sie – leise, aber deutlich. Wer trägt Verantwortung für das, was aus einer Geschichte wird?
Journalist*innen? Algorithmen? Leser*innen? Plattformen? Fragen, die wir uns auch heute stellen sollten – beim Scrollen, Liken, Teilen.

Ich glaube, ich habe „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ genau zur richtigen Zeit gelesen.

Der Magier im Kreml oder das Spiel, das wir alle mitspielen

Ich habe „Der Magier im Kreml“ gelesen. Kein Sachbuch, keine Biografie. Sondern ein Roman von Giuliano da Empoli, der besser erklärt, wie digitale Kommunikation, Macht und Manipulation heute zusammenspielen. Er zeigt eindrücklich, wie Kommunikation zur Waffe wird – und wir alle Teil der Spielregeln sind, die Putin und seine Strategen seit Jahren vorgeben. Und wir spielen mit. Ob wir wollen oder nicht. 

Der Roman basiert auf realen Personen und wahren Begebenheiten. Im Zentrum: Wadim Baranow, ein fiktiver Putin-Berater, der als ehemaliger Regisseur und Reality-TV-Produzent Einblick in den Maschinenraum des Systems Putin gibt. 


Was Giuliano da Empoli beschreibt, ist kein klassisches Propaganda-Modell. Es geht nicht darum, Menschen zu überzeugen, sondern darum, Deutungsräume zu besetzen. Möglichst viele. Und gleichzeitig. „Wir müssen niemanden bekehren (…), nur herausfinden, woran sie glauben, und sie darin bestärken.“ Es geht also um kontrollierte Spaltung, algorithmisch verstärkt. Und wir sehen sie täglich auf allen Plattformen. 

Drei Mechanismen, die das System stützen – auch bei uns.

1. Sichtbarkeit dominiert. 
„Inmitten all der Veränderungen sind wir nicht darauf trainiert, die Dinge zu erkennen, die gleich bleiben.“
Wir reagieren auf Trends, Aufreger, Breaking News. Aber die zugrundeliegenden Narrative bleiben oft unsichtbar. Aufmerksamkeit frisst Kontext.
 

2. Angst ist ein stabiler Trigger. 

„Die Politik reagiert auf die Ängste der Menschen.“ 
Putins Kommunikation setzt auf Drohung, nicht auf Argument. Angst erzeugt Handlung, und wer verspricht, diese Angst kontrollieren zu können, sichert sich Macht.
„Die einzige Waffe, die ein Armer hat, um seine Würde zu bewahren, ist es, anderen Angst einzuflößen.“
Das ist keine Randnotiz. Es ist das Prinzip, nach dem ganze Diskurse gebaut werden – online wie offline. Die Plattformlogiken verstärken das zusätzlich: Angst klickt, Angst verbreitet sich, Angst mobilisiert. Und sie gibt Macht, selbst da, wo keine ist.
 

3. Enthüllung als Verstärker 

„Alles, womit man Stärke vorgaukelt, lässt sie tatsächlich wachsen.“ 

Das System kalkuliert ein, entlarvt zu werden. Oder: Was wir eine Entlarvung wirkt, ist oft einkalkuliert. Denn – so die Logik, diese Entlarvung verstärkt die eigene Machtposition sogar noch. Weil sie die Erzählung von Einfluss, Stärke und Undurchschaubarkeit bestätigt. Auch das lässt sich auf Marken- oder Krisenkommunikation übertragen: Wer Empörung klug steuert, beherrscht das Narrativ.

Und diese Logik funktioniert nicht nur auf geopolitischer Ebene, sondern auch in der Marken- und Krisenkommunikation: Wer geschickt mit Skandalen umgeht, kontrolliert oft weiter das Narrativ. Sichtbarkeit wird zur Strategie.

Technologie war nie neutral

Da Empoli erinnert: Fast alle Technologien, die unser Leben prägen – Computer, Internet, GPS – entstanden im militärischen Kontext. Kontrollwerkzeuge, keine Emanzipationshilfen.
Und heute? „Die Datenexplosion hat aus der Menschheit ein einziges Nervensystem gemacht.“ Facebook habe geschafft, was der KGB nie konnte: permanente Selbstüberwachung. Und das auf freiwilliger Basis. Und das gilt ja nicht nur für Facebook. 

Was bleibt?

Der Magier im Kreml ist kein Roman über Russland. Es ist ein Roman über Macht. Über Narrative. Und darüber, wie leicht wir alle Teil eines Spiels werden, dessen Regeln wir nicht gemacht haben. Gerade in der digitalen Kommunikation.

Für alle, die Kommunikation gestalten – ob für Organisationen, Marken oder Medien – ist dieses Buch Pflichtlektüre. Weil es uns zwingt, nicht nur auf das Bewegte zu schauen, sondern auf das, was sich nicht verändert. Und weil es deutlich macht: Deutungsmacht ist keine Theorie. Sie ist Strategie. 

Und damit ende ich mit dem Zitat, dass der Autor dem Buch vorangestellt hat: „Das Leben ist eine Komödie. Man muss sie ernsthaft spielen.“

13 Erkenntnisse von der re:publica 2025 (plus Bonus-Punkte!)

1. Digitale Mündigkeit beginnt bei uns selbst. Gleich in der Eröffnungssession appelliert re:publica-Gründer Andreas Gebhard an die Teilnehmenden: „Fragt euch nicht, was die digitale Gesellschaft für euch tun kann, fragt euch, was ihr für sie tun könnt.“ 


2. Jede Generation bringt ihre Superkraft ins Netz. Das Motto dieser re:publica lautete „Generation X, Y, Z“. Unabhängig davon, wie man zu diesen Zuschreibungen steht, mochte ich, dass Johnny Haeusler gleich zu Beginn eine Zuschreibung brachte, die aber zeigte, wie wichtig es ist, auf das Gemeinsame zu fokussieren: Generation X hackt Systeme, Y baut Communities, Z lässt Inhalte viral gehen. (Hier nachgucken)

3. Während die einen diskutieren, machen die anderen. Die Wissenschaftler*innen Marielle-Sophie Düh und Frederik Heinz beschrieben Chinas konsequenten Weg zu einer souveränen KI, der aus Planung, einer sehr umfangreichen Bereitstellung finanzieller Mittel, Kooperation und späterer Regulierung besteht. Ein Grund, warum Deepseek so schnell und recht positiv besprochen auf den Markt kam. (Hier angucken)

4. Faschismus wird mehrheitsfähig, wenn die demokratische Gegenwart als unerträglich und zerstörungswürdig wahrgenommen wird. In ihrem Talk beschreibt die österreichische Politikwissenschaftlerin Natascha Strobl zeigt, mit wie Faschismus funktioniert, mit welchen Mitteln agiert wird und dass vieles, was wir jetzt schon auf und im Umgang mit (sozialen) Medien erleben, eben solche Züge hat. Und ich war froh, dass sie zum Schluss auch auf Gegenstrategien eingeht. (Hier angucken)

5. Wie lange sind unsere Gedanken noch frei (und sind sie es überhaupt noch?) Mind-Reading-AI rückt näher. Der Journalist Janosch Delcker beschrieb, was heute mit Technologie bereits geht (eine Menge!) und fragte: Wie behalten wir die Kontrolle über das Innerste? Vor dem Hintergrund, dass wir ja schon jetzt mit Narrativen Einfluss auf das genommen wird, was wir denken, fand ich die Auseinandersetzung mit Delckers Vortrag sehr ernüchternd, aber wichtig. (Hier angucken)

6. Nichts eint so sehr wie ein gemeinsamer Feind. Keine neue Erkenntnis, aber ein guter Spruch, um auch die Betrachtung von Thomas Knüwer und Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach hin. Die beiden beschrieben, wie digitale Vernetzung neue Kirchen und Gottesdienste erzeugen. Von Fußball-Ritualen (Was für eine krasse Choreografie das beim Abschied von Thomas Müller war), bis hin zu Popkonzerten von Taylor Swift.

7. Aufmerksamkeit schlägt Inhalt.
Dirk von Gehlen erinnert: Wer gehört werden will, muss Aufmerksamkeit generieren – eventuell selbst auf Kosten der Tiefe. Sein Talk war zudem eine erfrischende Erinnerung daran, dass wir es selbst in der Hand haben, wem oder was wir Aufmerksamkeit schenken. (Hier angucken)

8. How to: die perfekte Präsentation. Der Performance-Künstler und Berater Marcus John Brown erklärt in einer extrem lohnenswerten und unterhaltsamen halben Stunde, wie man perfekt präsentiert. Keine Egoshow, sondern Fokus auf echte Wirkung. Letztere hilft, löst, bleibt. (Hier angucken)

9. Plattformen sind gestaltbar – wenn wir wollen. Der Wissenschaftler Philipp Lorenz-Spreen beschreibt, wie Benachrichtigungen und Newsfeeds unsere Aufmerksamkeit fordern und unseren Alltag und politischen Systeme verändern. Plattformen sind dabei politische Machtinstrumente geworden. Um daraus auszubrechen, müssen wir zurück zum Kern ihrer Macht: unserer Aufmerksamkeit. Für mich neu war sein Hinweis auf das Prosocial Design Network. Hier werden Designfeatures für digitale Plattformen sammelt, wie digitale Räume gesund, die die menschliche Würde respektierend und gesellschaftsverbessernd gebaut werden können – wissenschaftlich untersucht! (Hier angucken)

10. „We are in danger. But we are not yet in the red zone. We have a chance to turn this around. It’s important to stand up for science.“ Johan Rockström vom PIK Potsdam über den Status quo der Klimakrise. (Hier angucken)

11. Generationsbegriffe sind Quatsch – und doch wirksam.
Der Wissenschaftler Christoph Daldrop warnt: Wer an Generationszuschreibungen glaubt, wird ihnen entsprechen.

12. Wir brauchen Räume für Differenz – nicht nur Einigkeit.
Politikwissenschaftlerin Julia Reuschenbach mahnt: Ohne Diskurs und Kompromisskultur zerbröselt gesellschaftlicher Zusammenhalt.

13. Spaß muss sein. Ich schätze es sehr, dass die re:publica jedes Jahr neben all den ernsten Themen auch den Umgang mit Internethumor (Memes, Shrimp Jesus etc.) Raum gibt. Oder eine Gameshow über unsere Social-Media-Geflogenheiten ermöglicht: Gavin Karlmeier, Dennis Horn und Nicole Diekmann haben quasi Familienduell gespielt (und ich war im Team Horn). (Hier angucken)

Und hier die Bonuspunkte:

14. Man kann 30.000 Besuchenden an drei Tagen veganes Essen zumuten.

15. Karaoke macht so viel Spaß. Vor allem auf der re:publica mit dem CherrYO!kie-Team. Habe alles an diesem Montagabend geliebt.

16. Es kann dir gelingen, Menschen an keinem der drei Tage zu begegnen.

17. Das alkoholfreie Brlo-Bier vom Fass schmeckt ausgesprochen gut. Wie Radler nur ohne Süße.

18. Der Innenhof ist der beste Ort.

19. Die meisten Menschen auf der re:publica waren die zwischen 1980 und 1996 Geborenen.

20. Site-Events kannst du auch selbst organisieren.

21. Ich bin angeblich ein Rolemodel für Selbstständige.

22. Der Sandmann war da und ich habe kein Foto gemacht.

23. Auf dem Hinterhof ist es auch ganz nett.

24. Schon zwei Ideen für Talkeinreichungen für die nächste re:publica.

25. Häng noch einen Tag dran, dann schaffst du es auch, dir ein bisschen die Stadt anzuschauen.

Keine Goldenen Blogger 2025

Thomas Knüwer

Vermutlich gab es in den vergangenen 18 Jahren kein Jahr, in dem es wichtiger gewesen wäre, Menschen eine Bühne zu bieten, die das Internet konstruktiv, demokratiefördernd und inspirierend nutzen – Menschen, die Inhalte schaffen, die verbinden statt spalten.

Dennoch müssen wir Euch schweren Herzens mitteilen: 2025 wird es keine Verleihung der Goldenen Blogger geben. Diese Entscheidung ist uns sehr, sehr schwergefallen.

In den vergangenen 18 Jahren haben wir neben unseren Jobs und Familien viel Herzblut und Energie in die Goldenen Blogger gesteckt – ein Projekt, das uns nie finanziellen Gewinn gebracht, sondern jedes Jahr aufs Neue vor die Herausforderung gestellt hat, die Kosten zu decken.

In diesem Jahr fehlt uns die Kapazitäten und ja, auch die Kraft dafür. Berufliche Projekte und familiäre Verpflichtungen lassen uns aktuell nicht den Raum, den dieses Herzensprojekt verdient hätte. Zu dieser Kraftanstrengung gehört auch die Akquise von Sponsoren.

Unser großer Dank gilt allen Menschen und Unternehmen, die uns in den vergangenen 18 Jahren unterstützt haben – und die dazu beigetragen haben, den Perlen des Internets Jahr für Jahr eine Bühne zu geben.

Ob es eventuell in 2026 weitergehen kann, wird sich zeigen.

Mit dem E-Scooter durch Deutschland – warum das vielleicht doch eine gute Idee ist

In der Woche vor Ostern berichtete Jan Böhmermann auf Instagram darüber, wie er sechs Tage lang durch Deutschland vor – von Köln-Ehrenfeld nach Chemnitz. Jeden Abend habe ich mir seine Tagesberichte angeschaut und darüber nachgedacht, was er aus diesen sechs Tagen wohl in seine 30-minütige Sendung bringen würde. Das interessante: Nicht viel mehr, als ich nicht schon auf Instagram erfahren hatte, ein paar Begegnungen mit den Menschen unterwegs mehr waren dabei, aber ansonsten war es eigentlich eine Art Road-Trip, mit vielen Bildern von einem Mann, der den E-Roller als Transportmittel ein bisschen zu romantisch sieht.

Nach einer Nacht habe ich nun eine etwas differenzierte Meinung. Denn: Böhmermann sagt in seiner Sendung, dass er diesem Trip vor allem deshalb gemacht habe, um mal abzuschalten von den ganzen Nachrichten, die digital täglich auf uns hineinprasseln, den Blick zu richten auf das, was wirklich ist, auf die Menschen.

  • Als ich in den Osterferien im Auto auf der A1 auf dem Weg nach Norden war, um meine Mutter zu besuchen, bemerkte ich: weniger Baustellen, gut gepflegte Häuser mit ihren Vorgärten, das langsam erwachende Grün an den Bäumen und Sträuchern.
  • Der Blick über die Felder, Kühe, Schafe, vereinzelt ein paar Pferde. Storche und andere hochbeinige Tiere, die ich beim schnellen Vorbeifahren nicht erkennen konnte. Idylle.
  • Ein gut ausgebauter Weg rund um den Bederkesaer See – kein Müll, sondern alles sehr gepflegt. Es geht uns gut.

Vielleicht ist es genau das, was Böhmermann selbst brauchte und ein wenig vermitteln wollte: Es geht uns gut, wir müssen uns nur die Zeit dafür nehmen, genau hinzusehen.

Buch: Markus Pfeifer – Springweg brennt

Ich habe nach langer Zeit mal wieder ein Buch im Internet bestellt. Aber nicht, wie du jetzt vielleicht denkst, sondern weil ich Lust darauf hatte, von Markus Pfeifer eine Widmung zu bekommen. Die verspricht der liebe Herr Autor nämlich und nein, ich habe mir keine besondere gewünscht und habe mich überraschen lassen.

Jedenfalls habe ich dieses Buch bestellt und es nur einen Tag später in einem Rutsch durchgelesen. Das geht schon allein, weil die Geschichte gerade einmal 135 Seiten benötigt. Aber auch weil Markus Pfeifer so schön erzählt, dass ich einfach dranbleiben wollte.

„Springweg brennt“ ist eine Novelle und erzählt aus der Hausbesetzerszene in Utrecht 1995 und 1996. Wenn du, wie ich, schon immer wissen wolltest, wie es eigentlich möglich ist, dass Häuser jahrelang besetzt sein können, dann ist das Buch ein super Einstieg. Es beschreibt das Vorgehen, die Vernetzung der Szene, die akribische Vorbereitung einer Besetzung und das ausgeklügelte Miteinander von Besetzern, Behörden und Polizei. Und so besetzen Markus und seine Freunde das Haus im Springweg 23. Nicht einmal, nicht zweimal, sondern dreimal. Sie leben dort, erfahren mehr über die Geschichte des Hauses.

Ich wollte das Buch nicht wegen des Themas, sondern wegen des Autorens lesen. Denn Markus schreibt seit gefühlt ewig ins Internet und wie bei so vielen Menschen, die ihr Leben auf einer Webseite festhalten, hat sich über die Jahre eine gewisse Nähe aufgebaut, obwohl wir uns glaube ich noch nie so richtig persönlich begegnet sind.

Na, zumindest habe ich mich gefreut, dass ich mit diesem Gefühl nicht alleine bin, denn die Widmung von Markus lautete „Für Franzi, in langjähriger digitaler Freundschaft“.

Also: Lies das. mek ist super.