Neues aus der Hof-Schule – Tag 6

Neue Viren, neue Herausforderungen und das ganz besonders für zwei berufstätige Elternteile mit zwei Kindern. In unserem Fall: ein Drittklässler und ein Vorschulkind. Die Challenge: Alle einigermaßen zufrieden machen und gleichzeitig arbeiten. Der Ort des Geschehens: die Hof-Schule, die vor Corona noch das Hof-Office war. Wie Tag 6 lief.

Der Morgen beginnt schleppend, so dass ich überlege, den Unterrichtsstart demnächst um eine halbe Stunde nach hinten zu verschieben. Ich finde es irgendwie albern, in dieser Situation die Kinder anzutreiben, damit sie sich fertig machen für die Hof-Schule. Wir starten pünktlich mit Freiarbeit und einer Anpassung des Stundenplans. Die Lehrerin hat nun auch Englisch-Aufgaben geschickt, so dass das Fach diese Woche regelmäßig auf dem Plan steht. Außerdem besteht der Wunsch, in den Tag mit einer Deutschstunde zu starten. Why also not?

Besondere Highlights des Vormittags: Der kleine Sohn hat ein personalisiertes Malbuch bekommen – kostenloser Download hier bei Hurrahelden.de und bemalt es nun, außerdem hat er einen Zeppelin aus einer Saftflasche und einem Eierkarton gebastelt. Der große Sohn bearbeitete Schulaufgaben in Deutsch und Englisch, in Sachunterricht malte er einen Regenbogen, den wir gleich noch gemeinsam am Fenster anbringen werden und hat sich mit seinem Freund über Atomkraftwerke informiert (Wir werden hier sicherlich noch weitere Videos anschauen). Danach haben wir drüber gesprochen. Im Fach „Kreativität“ wird gerade gesungen und getanzt – und zwar zu den Finalisten von „Dein Song“.

Und bei mir: Heute standen ein paar Calls auf dem Plan und nebenbei Nachbereitungen der vergangenen Woche und Vorbereitungen für die Termine in dieser Woche. Bilanz am Abend: Nachbereitungen abgearbeitet, Vorbereitungen, sagen wir mal, vorbereitet. Feintuning dann ab 20 Uhr. Wenn die Kinder hoffentlich im Bett liegen.

13 Tipps, damit du nicht verzweifelst
So war Tag 5
So war Tag 4
So war Tag 3
So war Tag 2
So war Tag 1

Kinder im Home-Office – 13 Tipps, um nicht zu verzweifeln

Kinder im Home-Office – das ist für alle Beteiligten eine Herausforderung und Learning by Doing. Anja Hartmann, Autorin des Blogs bucketrides.org sowie Ko-Autorin von nichtmitabsicht.de und Franziska Bluhm tauschen sich seit dem Beginn der Corona-Schließzeit aus – was funktioniert und was eben nicht. Hier die ersten Erkenntnisse. Unsere Beobachtungsbasis: Grundschulkinder, die sich eigentlich ganz gut allein beschäftigen können, und ein Vorschulkind, das sich glücklicherweise bereits auf die Schule freut. Sowie: Eltern, die prinzipiell sowieso häufiger zuhause arbeiten und deshalb technisch, mental und emotional mit den Chancen und Risiken der Arbeit am heimischen Schreibtisch vertraut sind. Aber auch wir können sagen: Einfach ist es nicht. Zu keinem Zeitpunkt. Was helfen kann – 13 Tipps.

1. Den Tag strukturieren: Es ist hilfreich, wenn Kinder wissen, was sie erwartet. Auch feste Termine helfen dabei – neben eigenen Fächern können das auch Radio- oder TV-Sendungen sein, bei denen man im Idealfall sogar was lernt: Mikado um 9 Uhr, Sendung mit der Maus um 11.30 oder am Abend um 19.50 Uhr das gemeinsame Corona-Update mit Logo! Wichtig dabei: einen Unterschied machen, ob jetzt Schul- oder Freizeit ist. Das hilft Kindern und Eltern.

2. Kurze Lerneinheiten planen: Es ist kein Zufall, dass Schulstunden nur 45 Minuten lang sind. Selbst wenn Eure Kinder sich sehr gut konzentrieren können: Irgendwann brauchen Sie einen Szenen- oder Themenwechsel.

3. Abwechslung schaffen: Damit Zeitfenster für die eigene Arbeit entstehen, ist es wichtig, Abwechslung einzubauen zwischen Dingen, die die Kinder allein machen können (z.B. Arbeit mit Apps, Lesen) und Dingen, bei denen sie unter Umständen Hilfe brauchen (z.B. Arbeitsblätter).

4. Alle Fächer integrieren: Sport und Bewegung ist für die Kinder zwischendurch wichtig – dann fällt es auch leichter, sich auch wieder zu konzentrieren. Hüpfen, ein paar einfache Yoga-Übungen funktionieren auch drinnen.

5. Flexibel sein: Wenn das Kind Lust hat, sich länger mit Dingen zu befassen, laufen lassen. Die Langeweile kommt eh ganz von allein.

6. Neue Fächer erfinden: Kochen, Putzen oder „Schöner leben“ – wenn diese Dinge in den Alltag von vornherein integriert sind, fällt es leichter, die Kids auch dafür zu motivieren. Gegebenenfalls auch Fächer, bei denen die Kinder bei der eigenen Arbeit helfen können (z.B. Excel-Tabellen sortieren lernen, kleine Recherchen z.B. ein eigenes Indoor-Sportprogramm finden usw.)

7. Mediennutzung geschickt lenken: In manchen Situationen hilft nur noch eins: der Fernseher, das iPad oder auch das Smartphone, weil es Momente zum Durchatmen, Deep Work oder den wirklich wichtigen und nicht zu verschiebenden Call ermöglicht. Aber vielleicht gelingt es auch manchmal, den Medienkonsum gezielt einzusetzen: Yoga mit dem iPad bringt Entspannung, Sachunterricht mit einem Video aus der Mediathek oder die Englischstunde per Youtube.

8. Planen & Dokumentieren: Täglich planen, welche Fächer und Inhalte (ungefähr) wann dran sind – und spätestens abends dokumentieren, was geschafft wurde (wenn das nicht von der Schule ohnehin abgefragt wird). Wer Lust hat: Jetzt sind auch tolle Zeiten, um Tagebuch zu schreiben!

9. Nachhaltig denken: Da die Schulschließungen uns voraussichtlich noch mehrere Wochen begleiten werden, ist es wichtig, nicht jetzt aus Versehen Beschäftigungen einzuführen, die sich nicht durchhalten lassen. Überlegt deshalb gut, ob Ihr wirklich jeden Tag eine Stunde gemeinsam Papierflieger basteln wollt…

10. Eigene Mail-/Skype-Adresse fürs Kind einrichten: Das geht natürlich erst ab einem bestimmten Alter, aber wenn möglich, ist das eine gute Sache. Kinder lernen den Umgang mit diesen Tools, können selbst mit Großeltern, Freunden kommunizieren.

11.Die eigene Arbeit strukturieren: Natürlich muss auch der eigene Arbeitsalltag muss angepasst werden. Bei Aufgaben, die tendenziell Rückfragen notwendig machen, sollten sich Eltern nicht vornehmen, parallel an einer komplexen Excel-Tabelle zu arbeiten, die eine hohe Konzentration erfordert. Die eigene Arbeit entsprechend einteilen in Konzentrationsthemen und “Dabei kannst Du mich stören”-Themen; idealerweise – wenn vorhanden – während der Konzentrationsthemen die Kinder jemandem anders übergeben
12. Noise-Cancelling-Kopfhörer nutzen: Egal ob für die Kids oder für die Eltern – sehr hilfreich, damit alle zwischendurch mal ihre Ruhe haben können.

13. Humor behalten: Es klappt nicht jeden Tag gleich gut. Manchmal auch richtig schlecht. Lacht gemeinsam darüber, wenn etwas schief geht, habt Nachsicht, dass sich alle in das Familien-Home-Office eingrooven müssen – und habt Verständnis dafür, dass jeder sich gerade Sorgen macht und auch mal schlechte Laune hat.

Vielleicht wäre Punkt 14 bloß nicht alles gleichzeitig zu versuchen. Aber vielleicht hilft der eine oder andere Punkt, ein bisschen besser durch die nächsten Wochen zu kommen.

Was klappt bei dir? Gerne in den Kommentaren ergänzen.

Ergänzungen:
Der Grundschulverband mit Tipps

Neues aus der Hof-Schule – Tag 5

Neue Viren, neue Herausforderungen und das ganz besonders für zwei berufstätige Elternteile mit zwei Kindern. In unserem Fall: ein Drittklässler und ein Vorschulkind. Die Challenge: Alle einigermaßen zufrieden machen und gleichzeitig arbeiten. Der Ort des Geschehens: die Hof-Schule, die vor Corona noch das Hof-Office war. Heutiger Autor: der Mann.

Mangels Matheaufgaben (der Drittklässler ist bereits fertig mit seinen Corona-Pausen-Aufgaben der Lehrerin) nutze ich heute die Seite Schlaukopf.de, um ein paar Aufgaben zu den Themen Uhrzeit und Entfernungen für die 3. Grundschul-Klasse auszudrucken. Scheint ein sehr umfangreicher, praktischer Service zu sein. Der Vorschüler malt unterdessen ein bisschen nach Zahlen. Anschließend die tägliche Video-Live-Schalte des Drittklässlers zu seinem besten Freund. Gemeinsam schaut man ein „pur+“-Video über Organspenden (Wunschthema des Drittklässlers) und diskutiert anschließend darüber. Fazit: Der Drittklässler will einen Organspendeausweis, sobald er alt genug ist.

Während der Kleine dann eine tolle Papp-Computermaus für seinen Papp-Computer bastelt, gibt es für den Großen das Thema Digitalisierung statt Kreativität. Ich habe nämlich vor, die Wochen zu nutzen, um ihm das Internet noch ein bisschen näher zu bringen. Via internet-abc.de lernt er heute ein paar Browser-Funktionen, die er noch nicht kannte. Machte einen guten Eindruck, die Seite – da machen wir nächste Woche auf jeden Fall weiter.

Klar wird an diesem Tag aber auch, dass insbesondere für die Stillarbeit-Phasen, in denen man selbst arbeiten will/muss, noch mehr Vorbereitung nötig ist. Schnell mal Aufgaben ausdrucken hat heute gerade so geklappt, doch vorher Themen überlegen und Aufgaben ausdrucken hätte die Konzentrationsphasen für mich verlängert.

So war Tag 4
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Neues aus der Hof-Schule – Tag 4

Neue Viren, neue Herausforderungen und das ganz besonders für zwei berufstätige Elternteile mit zwei Kindern. In unserem Fall: ein Drittklässler und ein Vorschulkind. Die Challenge: Alle einigermaßen zufrieden machen und gleichzeitig arbeiten. Der Ort des Geschehens: die Hof-Schule, die vor Corona noch das Hof-Office war. Heutiger Autor: der Mann.

Ein Morgen, bei dem es vorher schon aussichtslos schien, alle Bedürfnisse zu befriedigen: Drei Stunden fast nonstop Telefonkonferenzen zu wichtigen Themen, „nebenbei“ Hof-Schul-Dienst, weil auch die Frau wichtige Arbeit zu erledigen hat. So muss die Schule dann mal mit weniger Interaktion und mehr (halbwegs) stiller Arbeit der Jungs funktionieren: Aufgaben aus der echten Schule abarbeiten für den Drittklässler, Malen nach Zahlen für den Vorschüler. Später: ein „pur+“-Video über „Die Waffen der Saurier“ mit anschließender Videokonferenz-Diskussion mit dem besten Freund des Drittklässlers. Im „Kreativitäts“-Block versuchen sich die beiden nach Schauen von „Dein Song“ in den vergangenen Tagen am Schreiben eines eigenen Songs (also nur Text ohne Noten), der „Essen-Zubereiten“-Block besteht diesmal nur daraus, den Herd anzuschalten, um Gnocchi anzubraten.

Interessant ist, wie die beiden Jungs mit der aktuellen Lage mit wenig bis gar keiner Freiheit umgehen: Während der Große immer wieder bedauert, kein Fußball spielen zu können oder Oma und Opa nicht besuchen zu können, genießt der Kleine die viele Zeit mit Bruder und Eltern, geht auf kreative Art und Weise mit dem Coronavirus um. Heute bastelte er sich aus einem Karton ein Rednerpult und erklärte dahinter stehend als Jens Spahn, wie Menschen (in diesem Fall Playmobil-Menschen) Abstand zueinander halten müssen.

So war Tag 3
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Neues aus der Hof-Schule – Teil 3

Neue Viren, neue Herausforderungen und das ganz besonders für zwei berufstätige Elternteile mit zwei Kindern. In unserem Fall: ein Drittklässler und ein Vorschulkind. Die Challenge: Alle einigermaßen zufrieden machen und gleichzeitig arbeiten. Der Ort des Geschehens: die Hof-Schule, die vor Corona noch das Hof-Office war.

Der Tag beginnt besonders, weil der große Sohn Geburtstag hat. Wir stehen ein bisschen früher auf, packen Geschenke aus, telefonieren mit den Omas. Danach Hof-Schule. Mathe – die Aufgaben, die die Lehrerin für die gesamte Zeit aufgegeben hat, sind nun alle abgearbeitet. An Tag 3. Im Sachunterricht mit Videoschalte, der beste Freund ist wieder am Start, geht es um die systemrelevanten Berufe und die Jungs wollen auch darüber sprechen, wie man sich eigentlich ansteckt. Logo! hinterlässt Spuren. Der kleine Sohn nutzt die Zeit und bastelt aus zwei Pappen ein Notebook und setzt sich an den Schreibtisch mir gegenüber, so dass wir nun beide in unsere Rechner starren.

Nach dem Sachunterricht meldet sich der Onkel per Facetime und hat offenbar Zeit, so dass die Jungs mit ihm so lange sprechen, bis das Smartphone-Akku versagt und die Deutschstunde für heute entfällt. Sie nutzen die verbleibende Zeit, um die Stecktiere zu vollenden. Wir scheitern gemeinsam daran, die Beine an Affen und Hund zu stecken – vielleicht sind wir auch einfach schon zu hungrig.

Genervt, weil das dann alles doch viel länger gedauert hat als gedacht, mein nächster Call näher rückt, holen wir Pommes und Nuggets vom Imbiss – die heimische Gastroszene muss schließlich auch unterstützt werden. Ich freue mich, dass ich nach dem Call zwei Stunden ungestört arbeiten kann – Mails beantworten, Texte lesen, denken. Danach geht es für einen ausgiebigen Spaziergang am Rhein an die frische Luft – wir halten Abstand, spielen Fußball, genießen die Sonne.

Am Abend dann die Kanzlerin, Logo!, die Wäsche. Be-Happy-Tee, Halloren-Kugel und Killepitsch. Und Arbeit.

So war Tag 2
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Neues aus der Hof-Schule – Teil 2

Neue Viren, neue Herausforderungen und das ganz besonders für zwei berufstätige Elternteile mit zwei Kindern. Der eine Drittklässler, der andere ein Vorschulkind. Die Challenge: Alle einigermaßen zufrieden machen und gleichzeitig arbeiten. Der Ort des Geschehens: die Hof-Schule, die vor Corona noch das Hof-Office war, denn es liegt im Hinterhof unserer Wohnung. Ich berichte Wir berichten hier darüber, wie uns das gelingt und was wir dabei lernen.

Seine Sicht: Nun war ich also zum ersten Mal dran. Freiberufler und Freiberuflerin mit Büro im gleichen Gebäude – klar, dass man sich auch das Betreuen der Schul- und Kita-losen Kinder aufteilt. Hier sind meine fünf Erkenntnisse meines ersten Tags der „Hofschule“:

1. Die Hoffnung, neben der Betreuung der Kinder auch noch einiges wegarbeiten zu können, erwies sich als unrealistisches Wunschdenken.
Geometrieaufgaben, die der Drittklässler aus der Schule mitbekommen hat, Mal- und Zählaufgaben aus Vorschulblocks für den Fünfjährigen und dann noch Telefonkonferenzen, Artikel schreiben – und das alles zeitgleich – nicht machbar. Erkenntnis: Lieber mit dem Glauben, nichts zu schaffen, in den Vormittag gehen, dann führt jede geschaffte Arbeit zu positiven Gedanken.

2. Für alle Beteiligten, insbesondere aber den Drittklässler werden die Wochen zu einer großen Herausforderung. Er vermisst sein
Fußballtraining, seine Freunde, seine Klassenkameraden. An beiden bisherigen Abenden antwortete er auf die Frage, was das Schönste des
Tages war: dass er eine Stunde per Videoschaltung seinen besten Freund sehen konnte und mit ihm zusammen für kleine Aufgaben recherchiert hat.

3. Wenn ich mir unsere letztlich doch komfortable Situation mit Büros auf dem gleichen Grundstück der Wohnung vor Augen führe, also Hof Office statt Home Office – dann habe ich noch mehr Respekt vor Leuten, die nun wochenlang mit ihren Kindern in einer womöglich kleinen Wohnung arbeiten sollen. „Home Office“ klingt immer auch ein bisschen komfortabel, man ist zu Hause, arbeitet ein bisschen nebenbei, kann sich auch mal ausruhen zwischendurch, ist ja keiner da, der nachschaut. Die kommenden Wochen werden vielen vor Augen führen, dass das Gegenteil der Fall ist.

4. Dennoch: Ich glaube, dass die kommenden Wochen auch sehr viel Positives für jede Familie hervorbringen können. Viele Eltern, die sonst den ganzen Tag lang fern der Kinder arbeiten, gewinnen nun Zeit mit ihnen. Wenn man offen und positiv an die ganze Sache heran geht, dann werden viele tolle Momente entstehen, an die man sich später als Familie erinnern wird.

5. Und nicht zu vergessen: Aufgaben von Drittklässlern können auch für Erwachsene zu Denksportaufgaben werden, wenn man sich jahrzehntelang nicht mit dem Thema Geometrie befasst hat.

Meine Sicht: Der Tag beginnt für mich am Schreibtisch. Der Mann hat Schuldienst und ich kann mich am Vormittag um die Arbeit kümmern. Geht dennoch nur bedingt, weil ich die Gespräche nebenan höre und die Noise-Cancelling-Kopfhörer in der Wohnung habe. Geht dann aber doch, so dass ich mir den Extra-Weg spare, Mails beantworte, den digitalen Workshop am Freitag grob konzipiere, mit meiner Mitarbeiterin telefoniere, mit einem potenziellen neuen Auftraggeber brainstorme. Aber ein paar Dinge bekomme ich dann doch mit: Die digitale Stunde mit dem Schulfreund des großen Sohnes hat diesmal das Thema: Gibt es positive Seiten dieser ganzen Krise und den Jungs fällt, so meine Wahrnehmung erstaunlich viel ein. Das Ganze wird dann noch zu Papier gebracht, so dass auch geschrieben wird. In Mathe steht Geometrie auf dem Plan. Als ich dann die Kids mit zum nächsten Programmpunkt „Mittagessen kochen“ übernehme, basteln sie in „Kreativität“ Steckfiguren.

Nach dem Mittagessen, es gibt Milchreis, den wir gemeinsam zubereiten und sogar der Tisch deckt sich heute von ganz allein, räumen wir im Fach „Schöner Leben“ (es wurde noch einmal umbenannt) im Wohnzimmer auf. In der Mittagspause dürfen beide Kinder sich jeweils eine Sendung aussuchen: Die Wahl fällt auf eine Folge „Dein Song“ vom Kika und „Ninjago“ – ich nutze die Zeit noch einmal zum Arbeiten. Da die Spielplätze heute tabu sind, machen wir einen Spaziergang zum nahe gelegenden Park, mit Roller und Fußball. Wir kicken ein wenig – und dann geht es auch schon wieder nach Hause. Geburtstagsvorbereitungen, Abendessen, der tägliche Tagesabschluss mit Logo!.

So war Tag 1.

Neues aus der Hof-Schule – Tag 1

Neue Viren, neue Herausforderungen und das ganz besonders für zwei berufstätige Elternteile mit zwei Kindern. Der eine Drittklässler, der andere ein Vorschulkind. Die Challenge: Alle einigermaßen zufrieden machen und gleichzeitig arbeiten. Der Ort des Geschehens: die Hof-Schule, die bis Freitag noch das Hof-Office war, denn es liegt im Hinterhof unserer Wohnung. Ich werde hier darüber berichten, wie uns das gelingt und was wir dabei lernen.

Wir starten gut vorbereitet in diesen Tag. Es gibt einen Plan, eine Struktur für die nächsten Tage und der Wecker klingelt um 7.30 Uhr. So gelingt es, dass alle mit Frühstück im Bauch, gewaschen und mit Federmappen bepackt den Weg um 8.30 Uhr die Wohnung verlassen. Mathematik, Sachunterricht, Deutsch, Kreativität, Mittagessen, Haushalt stehen auf dem Programm, Pausen nach Bedarf. Immer ein Elternteil ist in Charge, so dass das andere die Zeit für die Arbeit nutzen kann. Und deshalb sprechen wir zuerst noch einmal über diese Regeln. Und den Stundenplan. Das ist gut, denn so wird das „Fach“ Haushalt schnell in „Schöner Wohnen“ umbenannt, klingt besser, ist ziel- und nicht problemorientiert, da haben alle gleich ein bisschen mehr Spaß dabei. Wir diskutieren Themenwünsche. Der große Sohn wünscht sich „Krebs, also die Krankheit“, „Die Pest, wir haben in der Schule gerade das Thema Mittelalter“ und der kleine Sohn „Ninjas“. Wird aufgeschrieben und festgehalten.

Und dann geht es richtig los: Matheaufgaben, für den Sachunterricht („Wie schütze ich mich vor dem Corona-Virus?“) schalten wir einen Freund dazu, vielleicht kann das zu einem stetigen Programmpunkt werden. Deutsch und dann rauchen die Köpfe und wir nutzen (ein vorerst letztes Mal) den nahe liegenden Spielplatz.

Gemeinsam bereiten wir das Mittagessen zu – das klappt super, weil alle mithelfen. Bei „Schöner Wohnen“ wird der Vorratsschrank sortiert und potenzielle Mittagessenideen aufgeschrieben, die wir nun nach und nach abarbeiten können. Es geht doch nichts über einen guten Plan. Danach Freizeit für die Kids, während wir Eltern in Telefonkonferenzen die Projekte der kommenden Tage besprechen und voranbringen.

Bilanz: Es wird sich schon noch einruckeln und deshalb war ich froh, am Abend noch eine Runde laufen zu gehen, auspowern, Kopf frei machen und dann gemeinsam mit allen Logo! zu schauen. Selbst effektiv gearbeitet habe ich vor allem in meiner kinderfreien Zeit.

Goldene Blogger 2019: Völlig fertig, aber irre glücklich

Foto: Kny

2014 habe ich ein Buch gelesen, das mich so sehr beeindruckt hat, dass es in meiner Jahresendliste 2014 auftauchte. Der Titel: Völlig fertig, aber irre glücklich. Der Titel passt auch auf meinen Gemütszustand nach der Verleihung der Goldenen Blogger Anfang der Woche, die Daniel Fiene, Thomas Knüwer und ich nun zum 13. Mal verliehen haben. Völlig fertig? Ja, Es war in Sachen Goldene Blogger ein anstrengendes Jahr: Nach einigen Jahren im Basecamp mussten wir eine neue Location finden und bis September hatten wir zwar viele Gespräche geführt, aber noch keine Zusage. Wir mussten uns damit beschäftigen, ob wir einer Gewinnerin ihren Preis aberkennen und nicht jeder konnte unsere Entscheidung nachvollziehen. Und zu allem Überfluss reduzierte sich unser Team wieder auf uns Gründer.

Und dann muss ich noch das „irre glücklich“ erklären. Nicht wahr? Ich nenne hier einmal fünf gute Gründe für dieses Glücksgefühl.

1. Die hohe gesellschaftliche Relevanz: Ich habe mich irre über die hohe gesellschaftliche Relevanz der Preisträger gefreut. Blogger des Jahres wurde der Volksverpetzer und das auch, weil die beiden anderen Nominierten ihre Communities aufriefen, für dieses großartige Projekt abzustimmen. In der Kategorie „Thema/Nische“ holte sich „Alzheimer und wir“ den Preis, ein Thema, das viele von uns in den kommenden Jahren und Jahrzehnten beschäftigen wird. Dann war da noch die Gewinnerin der Kategorie „Medizinblogs“: FrauSchwesterdoktor, die über ihr Leben als Landärztin berichtet. Die Kategorie entstand übrigens im vergangenen Jahr, als noch niemand von Corona gesprochen hat. Und ist es nicht auch ganz wunderbar, dass ein CDU-Politiker mit 73 Jahren für seine Twitter-Aktivitäten zum Newcomer des Jahres ausgezeichnet werden kann? Es lohnt sich immer mit etwas Neuem anzufangen.

2. Wahre Perlen und heimliche Lieblinge: „Bin jetzt Fan von ..“ , „Die Liste der Gewinner, aber auch der Nominierten lohnt sich jedes Jahr“, „XY kannte ich noch gar nicht, das ist ja toll“ – das sind die Sätze, die ich in den vergangenen Tagen auch in diesem Jahr wieder gehört habe. Und natürlich entdecke auch ich in jedem Jahr wieder neue coole Projekte, die permanent in meine Leseliste wandern. Und ob diese tollen Projekte dann am Ende gewinnen, entscheidet die Community. Noch viel schöner ist es dann, wenn heimliche Lieblinge gewinnen, wie etwa der „Business-Lion„, Maria Lorenz, Finanz-Szene, Theresaliebt und und und…

3. So viele Frauen! Hier mach ich’s kurz und nenne einfach: den wunderbaren Podcast FRÜF (Sportblog), die Groschenphilosophin (Kulturblog), Franzi von Kempis (Buch einer Bloggerin), Dorothee Bär! Bloggen ist nämlich alles andere als „nur“ ein Männerding!

4. Die vielen Menschen vor Ort: Der neue Termin, Corona, die neue ungewohnte Location – es hätte einige gute Gründe gegeben, am Montag nicht bei Microsoft aufzutauchen. Das Bangen wäre nicht nötig gewesen: Es war sehr voll, es wurde viel gelacht, gesungen, getanzt und gefeiert. Ich habe ausnahmslos glückliche Gewinner und Gäste gesehen.

5. Die Resonanz: „Ich weiss nich, wann ich das letzte Mal so viel Presse bei Microsoft Berlin gesehen hab“, schreibt Magdalena Rogl auf Twitter und ja. Das war wirklich ordentlich. Viel wichtiger sind uns die vielen Tweets, Facebook- und Instagram-Posts, Mails und Anfragen, die wir gerade noch sortieren und beantworten. Verspätungen liegen auch bei uns an Verzögerungen im Betriebsablauf, wir machen das „nur“ nebenbei, quasi als Hobby. Eins, das auch am Ende der 13. Gala irre glücklich macht.

Danke.

Hier die Liste aller Gewinner:

Instagram-Account: Der Businesslion (Saal-Voting)
Kulturblog: Die Groschenphilosophin (Akademie-Entscheidung)
Twitter-Account: erzaehlmirnix (Online-Voting)
Talent auf TikTok: Tagesschau (Akademie-Entscheidung)
Newcomer*in des Jahres: Ruprecht Polenz (Online-Voting)
Sportblog: FRÜF – Frauen reden über Fußball (Akademie-Entscheidung)
Themen- und Nischenblog: Alzheimer und wir (Akademie-Entscheidung)
Bloggerin mit Buch: Franzi von Kempis mit „Anleitung zum Widerspruch“ (Saal-Voting)
Food- und Weinblog: Bacon zum Steak und Sternefresser (Akademie-Entscheidung)
Podcast: Wochendämmerung mit Katrin Rönicke & Holger Klein (Online-Voting)
WTF-Blog: Bibliothek der Träume und Helikopter Hysterie ZWO (Saal-Voting)
Neue*r Medienmacher*in: Maria Lorenz & Nilz Bokelberg (Akademie-Entscheidung)
Social-Media-Account einer Celebrity: Fiete Gastro – der auch kulinarische Podcast mit Tim Mälzer und Sebastian Merget (Online-Voting)
Medizinblog: Schwesterfraudoktor (Akademie-Entscheidung)
Wirtschaftsblog: finanz-szene.de (Akademie-Entscheidung)
Bloggerin ohne Blog: Dorothee Bär (Saal-Voting)
Flauscherin: Theresa liebt (Online-Voting)
Sonderpreis fürs Lebenswerk: Sascha Lobo
Blogger des Jahres: Volksverpetzer (Akademie- und Online-Voting, jeweils 50 Prozent)

Mehr Fotos vom Abend gibt’s hier.

Und hier noch mal die Namen der Unternehmen, ohne die das alles nicht möglich wäre.

Neues macht Angst

Neulich fühlte ich mich ertappt: Monatelang hatte mir mein Mann in den Ohren gelegen, dass er gerne einen neuen Fernseher anschaffen wollte. Und monatelang habe ich ihn hingehalten: Das neue Ding würde viel größer werden, schon wieder eine Umgewöhnung in Sachen Fernbedienungen (noch eine mehr?!) bedeuten und sowieso nicht richtig ins Wohnzimmer passen (gibt ja nix Kleines mehr!). Ich hatte jede Menge Ausreden parat! Und dann war das neue (sehr große!) Gerät da. Wir räumten ein wenig um und es war am Ende gar nicht schlimm, sondern sogar besser: Aus drei Fernbedienungen wurde sogar nur eine. Du ahnst schon, warum ich mich ertappt fühlte: Einerseits mache ich seit Jahren Menschen Mut, sich auf neue Abläufe, Kanäle und Arbeitsweisen einzulassen, andererseits hadere ich monatelang mit der Entscheidung für einen neuen Fernseher. Was für ein Witz!

Auch die derzeitige Hysterie in Bezug auf diesen neuartigen Corona-Virus ist ein Ausdruck von Angst, Angst vor dem Unbekannten. Eine Angst, die wiederum zu irrationalen Handlungen führt. Zum Beispiel Hamsterkäufe, obwohl es Lieferdienste gibt. Hyperventilierenden Medien, die stündlich die Zahl der positiv auf Corona getesteten Menschen per Eilmeldung an ihre Leser bringen, ohne richtige Einordung zu liefern. Veranstaltungen werden abgesagt, obwohl das Corona-Virus lange nicht so ansteckend wie Masern ist. Hinzu kommt, dass der Krankheitsverlauf bei den meisten Infizierten bisher so mild verläuft, dass diese die Symptome nicht einmal als solche bemerken. Und ja: Das Robert-Koch-Institut schätzt die Sterblichkeit auf 0,3 bis 0,7 Prozent, dreimal so viel wie bei der Grippe. Das liegt aber auch daran, dass bisher nicht flächendeckend, sondern nur Risikogruppen und schwer Erkrankte getestet wurden. 

Natürlich vergleiche ich hier Äpfel mit Birnen und an einem neuen Fernseher werden vor allem ältere und kranke Menschen auch nicht sterben können, wie es bei der Lungenkrankheit Covid 19 der Fall ist. Dennoch könnten wir versuchen, verantwortungsvoller und weniger irrational mit diesem Neuen umzugehen: Auch im Kampf um die Aufmerksamkeit sollten Medien, ihrer Verantwortung, die sie als vierte Gewalt im Staat haben (wollen), stets gerecht werden (Offtopic, aber WTF!). Zweitens: Eigenes Hinterfragen und Medienkompetenz ist wichtiger denn je, auch und vor allem bei Medien selber. 
Und drittens: Mithelfen, den Virus auszubremsen. Indem wir Abstand halten, ohne auszugrenzen, in Armbeugen husten und niesen, enge, schlecht belüftete Räume meiden und Hände waschen. Apropos!

Sind Branchenfremde die besseren Verleger?

Quelle: Dumont

In der Medienbranche herrscht bisweilen Untergangsstimmung: Print stirbt. Lokaljournalismus im Internet hat kein Geschäftsmodell und wie lange es lokale Boulevardzeitungen noch geben wird – unklar, aber die Tage sind gezählt. Und wenn man sich die Entwicklung der Auflagenzahlen der Regionalzeitungen anschaut, dann kann man nur hoffen, dass die Verleger Gas geben, damit in ein paar Jahren wirklich die digitalen Erlöse die Printverluste kompensieren, wie prophezeit. (Ich hoffe ja sehr, dass die Protagonisten wissen, dass das nicht von alleine passiert, sondern Investitionen und harte Arbeit notwendig sind.)

In diese Stimmung hinein platzt nun die Meldung, dass der Xing-Manager Arist von Harpe die Hamburger Mopo kauft. Ein lokales Boulevardblatt – ausgerechnet! Wirft man einen Blick von Harpes Vita dann ist es ein lustiger Zufall, dass dieser – ähnlich wie Holger Friedrich, der mit seiner Frau die Berliner Zeitung kaufte – sowohl Gründer als auch Unternehmensberater war. Im ‚Horizont“-Interview gibt er sich optimistisch: Die Mopo sei eine „echte Perle“. Und das, obwohl es für Dumont ja nicht so einfach war, überhaupt jemanden zu finden, der eine Zukunft in der Mopo gesehen hat.

Halten wir fest: Nun gibt es mittlerweile schon zwei prominente Projekte in Deutschland, bei denen Fachfremde als Verleger alten Marken eine Zukunft geben wollen und Branchenkenner keine mehr sehen. Beim Blick in die USA könnte man meinen, dass das nicht unbedingt eine schlechte Idee sein muss.

Fotoquelle: Dumont

(Der Text war Teil meines wöchentlichen Newsletters über digitale Medien und Social Media, den du hier abonnieren kannst.)