13.3.: Ein Tag in Aachen

Vor einigen Wochen war ich drei Tage lang in Siegen. Und ja, das ist ein seltsamer erster Satz für einen Blogpost, in dem es eigentlich um Aachen geht. Siegen ist so eine Stadt, die so weit von Düsseldorf entfernt ist, dass tägliches Pendeln dazu führt, dass man sehr viel Zeit in Zügen verbringt. Als feststand, dass ich nun auch ein paar Tage in Aachen bleiben würde und ich die Zugverbindungen checkte, entschied ich schnell, dass auch Aachen eine ähnliche Kategorie von Stadt ist und sogar noch über ein größeres Hotelangebot verfügt.

Ich mag es sehr, die Stadt auf diese Art zu erkunden: Auf der Bahnstrecke von Orten hören, die ich bisher nicht kannte, aus dem Bahnhof treten. Wie fühlt sich die Stadt an? Heute regnet es. Alles ist einigermaßen sauber, rechts der Taxistand, vor mir die größere Straße, auf der gerade ein Bus hält. Das einzige, an das ich mich in Bezug auf Aachen erinnere, sind der Dom und die Printen und ein kleines Café ganz in der Nähe des Doms. Mein letzter Besuch ist Jahre her.

Nach der Arbeit checke ich ins Hotel ein, um mich dann noch einmal aufzumachen. Irgendwo liegt die aktuelle Ausgabe des Stadtmagazins Klenkes aus. Ich erfahre, dass hier vor kurzem Eric Pfeil gespielt hat, ja der Eric Pfeil, der großartige Musikjournalist und Ex von Charlotte Roche. Morgen spielt hier Fortuna Ehrenfeld.

Was ich am Vormittag noch für ein Kunstwort gehalten habe, wird doch häufiger verwendet: Euregio. Das Wort steht zumindest auch mehrfach in dem Stadtmagazin. Erklärung: Durch seine Lage sind die Wege in die Niederlande und nach Belgien kurz, daher der Name. Zur Verbindung der verschiedenen Länder wird kräftig in den öffentlichen Nahverkehr investiert.

Nachdem ich ein paar Besorgungen gemacht habe (Zahnpasta! Zahnbürste! WTF!), setze ich mich in ein Restaurant, das sehr gut besucht ist. Es ist immer wieder erstaunlich, wie schnell die Zubereitung von Essen gehen kann, wenn man alleine ist. Etwas unfreiwillig höre ich mir die Sorgen meiner Sitznachbarin an, die in den nächsten zwei Wochen ein Kind zur Welt bringen wird und ganz dringend vor der Geburt noch einen Laufstall kaufen muss. Natürlich verkneife ich mir jede Einmischung in das Gespräch. Als ich das Lokal verlasse, regnet es immer noch. Mal sehen, von welcher Seite sich Aachen morgen präsentiert.

8.3.: Frauen und Digitalisierung

Heute Nachmittag werde ich im Landtag mit ungefähr 80 Frauen diskutieren, was die Digitalisierung für Frauen bedeutet. Welche Chancen es gibt und ich werde mit ihnen darüber diskutieren, was das insbesondere im Bereich Medien/Soziale Medien bedeutet. Meine These: Bildung, Bildung, Bildung und zwar über alle Generationen hinweg.

Und damit euch nicht langweilig wird, empfehle ich euch die Arte-Reportage „Ich will! Frauen im Topmanagement“, die mir gestern in meine Timeline gespült wurde.

Warum wir natürlich auch über Flugtaxis sprechen müssen

Vor ungefähr elf Monaten traf ich Frank Thelen zu einem Interview für das „Handelsblatt“ in Berlin. Er sollte auf der Tagung „Digitale Energiewirtschaft“ einen Vortrag halten. Wir sprachen natürlich über den Energiesektor. Damals schwärmte er regelrecht von einem Start-up, dessen Namen ich bis dahin nicht gehört hatte: „Ich bin überzeugt, dass wir mit Lilium Aviation wirklich einen Star aus Europa geschaffen haben, der die Art, wie wir reisen, für alle verändern wird. Lilium wer?, dachte ich und googelte und war ebenfalls schwer beeindruckt. Denn das Start-up hatte ein elektrisch betriebenes Flugzeug geschaffen, das senkrecht starten und landen kann, mit 300 km/h unterwegs ist und Platz für bis zu fünf Personen bietet. Man gehe gerade in Produktion, sagte Thelen. (Hier noch ein paar weitere spannende News zu Lilium)

Nun könnte man bei den eben beschriebenen Features auf den Gedanken kommen, dieses Gefährt als „Flugtaxi“ zu bezeichnen. Womit wir beim Thema sind. Die angehende Staatsministerin für Digitales, Dorothee Bär, wird derzeit in den sozialen Kanälen dafür ausgelacht, dass sie sich unter anderem um das Thema Flugtaxis kümmern wolle. Dabei spricht der Spott vor allem für eins: totale Unwissenheit und Pseudo-Digitalisierungs-Know-how. Denn letztendlich ist die Liste der investierten Unternehmen stattlich: Uber, Airbus, über ihre Venture-Töchter sind auch Toyota oder Intel beteiligt, Alphabet, um nur einige zu nennen. Und Lilium ist nicht das einzige deutsche Unternehmen, das gerade ein senkrecht startendes Flugzeug entwickelt. Volocopter ist ein anderes, u.a. Daimler ist dort investiert, um mal klar zu machen, dass Bär das Thema nicht unbedingt nur aus Gründen der bayrische Vetternwirtschaft auf die Agenda gehoben haben muss.

Noch immer glauben viele Menschen, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen Digitalisierungs-Know-how und Zahl der Twitterfollower oder meinetwegen auch der Zahl der eigenen Tweets pro Tag gibt. Dass dem nicht so ist, muss ich wohl nicht erwähnen. Will sagen: Natürlich ist es relevant, auch als Politikerin und erst recht als Ministerin für Digitalisierung über neue Transportmittel nachzudenken, Unternehmen tun es schon lange.

Kann gut sein, dass ihre Aktivitäten in den sozialen Netzwerken geholfen haben, dass Dorothee Bär nun diesen Posten im Kanzleramt bekommt. Gerade in der Altherrenriege der CSU kann ich mir das gut vorstellen. Unbestritten ist allerdings auch, dass Dorothee Bär sich spätestens seit 2013 mit diesen Themen beschäftigt und dort durchaus eine gewisses Expertentum aufgebaut hat. Schließlich war sie als Staatsministerin im Infrastrukturministerium genau für diese Themen zuständig. 

Worüber man stattdessen reden könnte, wenn man sich mit der Personalie auseinandersetzt: Was hat das Ministerium denn in den vergangenen fünf Jahren auf die Beine gestellt? Sie selbst bleibt mit Slomka-Interview schwammig, verweist auf viel Basisarbeit. Liest man das, was Sascha Lobo vor ein paar Wochen bei Spiegel Online zum Thema Breitbandausbau geschrieben hat, fällt die Bilanz eher durchwachsen aus. 

Trotzdem halte ich die Personalie Bär für eine großartige Chance. Sie ist direkt im Kanzleramt angedockt und kann in allen Regierungsrunden allen Ministern und Ministerinnen in ihrer charmanten Art auf die Nerven gehen. Sie verfügt über den Erstlingsbonus, wird an niemanden gemessen. Sie kann Visionen aufzeigen, weil sie die nötige Fachkenntnis hat. Und wenn sie dann noch etwas auf die Straße bringt – sind wir zumindest einen kleinen und besser als keinen Schritt weiter. Und ich glaube, sie wäre nicht auf diesem Posten, wenn sie nicht eine gute Strategie entwickelt hätte, ihre bayrischen Kollegen um den Finger zu wickeln. 

Ich hoffe, sie enttäuscht mich nicht. 

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23.2.: Wenn der Klempner zweimal klingelt

Ich habe hier ja neulich schon mal aufgeschrieben, wie private Kommunikation immer öffentlicher ist. Private Gefilde, die wir uns gebaut haben, stürzen ein und werden veröffentlicht. Zwischen den Kurznachrichtenchats, die ich mit Freunden oder Kindergarten- bzw. Schulkinder-Mamas führe, haben sich mittlerweile etliche Newsletter breitgemacht, die mich mehrfach pro Tag über das neueste Geschehen informieren.

Und so kam es, dass ich gestern dann plötzlich eine Nachricht des Klempners bekam. Zwecks Terminabsprache. Er hatte eine Whatsapp-Gruppe mit unseren Nachbarn gegründet und so gingen heute mehrere Nachrichten hin und her und nun gibt es einen Termin.

Blöd nur, dass heute Nachmittag dann doch nochmal ein Anruf kam. „Ich wollte mich nochmal melden wegen des Termins nächste Woche.“ Mein verduztes „Aber das haben wir doch schon per Whatsapp besprochen“ erwiderte er: „Das war ich nicht, ich habe kein Whatsapp.“

So kann es dann auch wieder gehen. Ich bin gespannt, ob der Termin nun wirklich steht.

22.02.: Flanking, Polarpeitsche und keine Pointe

Ich bin ja nun in einem Alter, in dem man nicht mehr jeden Quatsch mitmacht und deshalb habe ich auch erst heute erfahren, dass es für das Herumlaufen mit nackten Knöcheln im Winter einen Namen gibt: Flanking. Hier steht ein bisschen was zu den Hintergründen und der Frage, ob das denn gesund ist. Ein für mich ebenso nicht nachzuvollziehender Trend sind übrigens Uggs zu kurzen Hosen im Sommer. Aber nun, Trends kommen und gehen, aber weist mich doch bitte darauf hin, wenn ich im beigefarbenen Blouson vor euch stehe. Bittedankesehr.

Ein weiteres Wort, das ich heute gelernt habe: Polarpeitsche. Kein Trend, dafür eine Wetterlage. Klar, dass ich dieses Wort in Regionen lerne, in denen ein paar weiße Flocken schon gleich zu einem Schneechaos stilisiert werden.

Ansonsten prangere ich es an, dass der Duden mittlerweile auch gibts ohne Apostroph erlaubt. Aber siehe oben: Ich bin in einem Alter, in dem man nicht mehr jeden Quatsch mitmacht.

21.2.: Super-Power und Rumnerver vom Dienst

„Selbst und ständig“ – das bedeute es selbstständig zu arbeiten. Klingt zunächst wie eine Plattitüde, ist aber keine, denn jeder der in einem Angestelltenverhältnis arbeitet, muss sich nicht die Gedanken machen, die sich Selbstständige ständig machen. Was mache ich nächsten Monat? Was passiert, wenn ich mal krank werde mit den Deadlines, die ich doch einhalten muss? Kann ich einen Workshop mit Geschäftsführung und allen möglichen Entscheidern absagen, weil ich mit Grippe darnieder liege oder geben die mir dann nie wieder einen Auftrag? Als Angestellte meldet man sich krank und kann in den allermeisten Fällen die wichtigsten Dinge an irgendeinen Kollegen weitergeben. Und Dinge müssen dann einfach mal warten. Als Selbstständiger schwingt immer gleich ein ganzer Rattenschwanz an möglichen Konsequenzen mit, zumindest in Gedanken.

Warum ich das aufschreibe? Weil ich heute länger mit einer ehemaligen Kollegin gesprochen habe, die aufgrund dieses Drucks, den sie sich auch selbst gemacht hat, irgendwann einmal nicht mehr konnte. Und weil ich das auch gerade bei einer anderen Kollegin erlebe: Zuviel Aufträge angenommen und nun geht es nicht mehr weiter.

Mein Learning in den ersten fünf Monaten der Selbstständigkeit: die verfügbaren eigenen Kapazitäten realistisch einzuschätzen. Und ich sage ganz selbstkritisch, dass dieser Prozess noch nicht abgeschlossen ist.

Lasst uns aufeinander aufpassen.

Und ansonsten kann ich mich nicht entscheiden, welcher dieser beiden Sätze mein Satz des Tages gewesen ist: „Du hast ganz schön genervt, aber das ist ja auch gut so.“ Oder: „Zahlen sind noch keine Geschichte.“

20.2.: Der Froschkönig und die journalistische Freigabepraxis

Und was sollen Kinder eigentlich beim „Froschkönig“ lernen? „Was man versprochen hat, muss man auch halten“, ist einer der lehrreichen Sätze, die der Königsvater zu seiner Tochter sagt. Ein anderer: „Wer dir in der Not geholfen hat, den darfst du auch nicht verachten.“ Das ist ja ganz ehrenwert, aber während ich das Märchen heute dem Sohn vorlas, kam ich ins Grübeln. Als die Königstochter den Frosch voller Wut gegen die Wand wirft, wird daraus ein Prinz – sie wird quasi dafür belohnt, Gewalt angewendet zu haben. Und noch schlimmer: Kaum sieht der Prinz aus wie ein Prinz, wird geheiratet. Optik muss also stimmen, innere Werte – wurscht. Wer tiefer in die Analyse einsteigen will, dem empfehle ich einen Klick in die Wikipedia als Ausgangspunkt. Ich hoffe derweil noch ein bisschen, dass bei den Jungs hier vor allem die Passage mit dem Versprechen und dem gegenseitigem Helfen hängen geblieben ist. Man weiß ja nie.

Ich schreibe derzeit wieder ein bisschen mehr, koordiniere freie Journalisten und bin immer wieder geschockt, welche Praktiken sich dann doch so eingeschlichen haben. Völlig selbstverständlich scheint es, Artikel zur Freigabe vorzulegen, das merkt man immer wieder mit welcher Vehemenz Personen, über die berichtet wird, um Vorlage des Artikels bitten. Wer sich Journalist nennt, sollte auch so handeln. Punkt.

PS: Obwohl das Bild passt ja doch zu beiden Themen.

Digitalisierung beginnt im Kleinen

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Vergangenen Mittwoch habe ich einen Satz gesagt, der bei meinem Gegenüber hängen geblieben ist. „Digitalisierung ist auch, wenn ihr einfach mal miteinander redet“, habe ich gesagt. Seitdem denke ich darüber nach, ob es wirklich auch so einfach sein kann.

Was ich damit gemeint habe? Ein Beispiel: Mitarbeiter A hat vor einigen Jahren dem Chef aufgeschwatzt, bei Facebook aktiv zu werden und hat mehr oder weniger in Eigenregie den Kanal gestartet und eine stattliche und aktive Community aufgebaut. Mitarbeiter B pflegt seit jeher die Webseite. Manchmal wundert er sich, warum Mitarbeiter A auf Facebook konsequent seine Texte und Grafiken ignoriert. Nachgehakt hat er aber noch nicht. Manchmal benutzen sie auch die selben Fotos für ihre Geschichten. Unabgesprochen, logisch.

Ist das Digitalisierung, wenn man diese beiden Personen einfach mal zusammenbringt, ihnen klar macht, wie seltsam ihre Arbeitsweise eigentlich ist?

Eigentlich nicht. Aber gehört zur Digitalisierung nicht auch eine andere Arbeitsweise dazu? Flache Hierarchien, Transparenz – ohne jetzt zu buzzwordig zu werden. Es fängt eben doch auch schon damit an, dass Mauern eingerissen, Prozesse angepasst werden.

Will sagen: Digitalisierung heißt nicht immer sofort, ein millionenschweres Investitionspaket aufzusetzen, um die komplette IT-Infrastruktur zu verändern. Digitalisierung kann sofort beginnen. In kleinen Schritten, die sofort einen Effekt haben können. Um im Beispiel zu bleiben: Doppelarbeit wird abgestellt, Ressourcen für andere, möglicherweise wichtigere Projekte werden frei.

Vielleicht wirklich ein ganz guter Satz von mir gewesen.

19.2.: Frauen an die Macht, Dinge und ein Probeabo


Symbolbild zu Punkt 3

Herzlich Willkommen in meinem Experiment „Franziska versucht es mal wieder mit dem täglichen Bloggen“. Diesmal mit dem Versuch, keine Alltäglichkeiten zu verbloggen, sondern Gedanken des Tages auf den Punkt zu bringen und mit euch zu teilen.

Womit ich schon beim ersten Tweet wäre, der mich am Montag beschäftigt hat. Ist das so? Befinden wir uns also seit 13 Jahren in einer Krisensituation, weshalb Angela Merkel immer noch Deutschland regiert? Haben die Frauen bei den Grünen schon seit Jahren paritätisch das Sagen, weil die Partei in der Krise steckt? Und welche Frau wird das in den USA eigentlich übernehmen?
So verlockend es wäre, dieser These zuzustimmen, ich habe da ein paar Zweifel.

Ganz und gar keine Zweifel habe ich bei diesem Blog hier, das die geschätzte Anja Hartmann ins Leben gerufen hat und in dem sie jede Woche Geschichten zu einem Gegenstand aus ihrem Leben erzählt. In dieser Woche ist es die Geschichte zu einem ganz bestimmten Briefpapier. Und wenn ich mich hier auf meinem Schreibtisch so umschaue, liegen auch hier ganz viele Geschichten rum. Stifte, die mich ein halbes Leben begleitet haben, Zettel, zu denen ich seit Ewigkeiten neige, eine Clownsnase, zu der mir so viele kleine und große Geschichten einfallen. Danke Anja, dass du deine (Lebens-)Geschichten mit uns teilst. Lest sie bitte alle.

Und noch eine Geschichte zum Thema Lesen. Ich habe heute versucht, ein Abo einer deutschen Regionalzeitung abzuschließen. Zu Testzwecken. Und nun ratet mal, wie gut das geklappt hat. Na? Ist ja nur 2018.

Was digital ist, ist nicht privat

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Was ist eigentlich noch privat? Diese Frage habe ich mir letztens erst gestellt, als ein so genannter Personaldienstleister mir plötzlich per Whatsapp einen Termin zuschickte. Per Whatsapp. Wo ich normalerweise mit meinen Freundinnen Verabredungen zum Sport oder Wein abmache oder die Kinder verabrede. Ja, ein paar Medien schicken mir da auch ihre Newsletter, aber das war neu.

Aber warum eigentlich? Was ist der Unterschied, über Whatsapp kontaktiert zu werden oder eine SMS zu bekommen? Meine Antwort: das Umfeld. Obwohl das natürlich meine ganz persönliche Entscheidung ist, wen ich da hineinlasse.

Ein paar Gedanken später lande ich bei der Frage, ob es das wirklich private Profil in sozialen Medien eigentlich noch gibt. Denn immer wieder liest sicherlich auch du vor allem bei Twitter „Meinung hier privat“.

Schauen wir uns mal ein paar Beispiele an. Da wäre zum einen der sehr geschätzte Kollege Frank Behrendt. In seiner Twitter-Biographie schreibt er, dass er bei Serviceplan arbeitet, Autor, Stern-Stimme und Speaker ist. „Tweets hier sind privat“ lässt er uns wissen. Ja, was denn sonst, will ich ihn am liebsten fragen, twittert er doch fleißig von all seinen beruflichen Terminen, zeigt sich am Wochenende im Karnevalsoutfit und verlinkt seine Stern-Texte. Warum weist der Tausendsassa explizit darauf hin, privat zu twittern?

Absurd wird es aus meiner Sicht bei Menschen wie beispielsweise Klaus Müller. Er schreibt: „Hier twittert der Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands (…) Views are my own.“ Ich frage mich ernsthaft, wie das funktionieren soll? Gelangt ein Tweet von Müller in meine Timeline, verbinde ich doch gerade wegen des Hinweises auf seine berufliche Tätigkeit den Tweet automatisch auch mit der Verbraucherzentrale.

Tritt nicht jeder, der in sein Profil seinen Arbeitgeber schreibt, sofort auch als Botschafter für seine Firma auf? Wenn ich einen Tweet von Jens Toennesmann sehe, dann verbinde ich ihn nicht nur mit ihm als Journalisten, sondern habe sofort auch im Hinterkopf, dass er für die ZEIT arbeitet. Oder Peter Tauber. Schreibt, dass er u.a. Generalsekretär, Christdemokrat und Mitglied des Bundestages ist, bei Twitter aber privat? Und warum muss man bei einem Twitter-Account, der von einem selbst betrieben wird auch noch darauf hinweisen, dass die dort verbreitete Meinung wirklich die eigene ist, Peter Altmaier und Co.?

Die Grenzen verwischen. Was digital ist, ist nicht privat. Auch wenn ihr das ständig behauptet.