Neuland am 25. Mai 2018

Am 25. Mai 1989, also vor genau 29 Jahren sind meine Eltern mit meinem Bruder und mir aus der damaligen Deutschen Demokratischen Republik in den Westen gezogen. Mit dem Zug sind wir in Berlin losgefahren, zunächst hoch in den Norden, um dann mit dem Zug nach Gießen zu fahren, wo wir ungefähr eine Woche mit einigen anderen Neuankömmlingen in einer Turnhalle schliefen. Danach machten wir uns wieder auf gen Norden, um dann im schönen Bad Bederkesa anzukommen zu leben.

Ein Tag, der für mich irgendwie prägend war und ich bin gespannt, ob der 25. Mai 2018 mich ähnlich prägen wird. (Drama kann ich, oder? WTF, es geht doch hier um Datenschutz!)

Am 25. Mai 2018 wird die DSGVO für alle gültig und auch ich habe mich nach bestem Wissen und Gewissen – das sagt man doch so – auf das Rechtskräftigwerden der Datenschutzgrundverordnung vorbereitet. So wie man das derzeit machen kann. Denn: Es ist nicht einfach. Wenn du nach verlässlichen Informationen suchst, findest du alles: Panikmache, gute Vorlagen (Alter, der Datenschutzerklärungsgenerator von Thomas Schwenke ist ein Traum!), berechtiges Rumgemecker und viel Unsicherheit, weil die einen die Vorschriften sehr streng interpretieren, die anderen nicht, weil sie es nicht besser wissen oder darauf vertrauen, dass sich das schon ohne großen finanziellen Aufwand selber regelt. Und dann stehst du vor der Frage, ob du den Facebook-Button im Blog ausbaust oder ganz auf die Einbindung von Social-Media-Inhalten verzichtest und ärgerst dich, dass du dir allein diese Frage stellen musst. Denn: Es ist deutlich sicherer, die großen Plattformen zu nutzen, als die eigene Plattform zu nutzen.

Was jetzt hier im Blog anders ist?

Zum einen habe ich meine Datenschutzerklärung aktualisiert – mit dem oben erwähnten Generator, habe dafür auch Geld bezahlt, da das mit dem Blog hier ja so eine Sache ist: Hier wird zwar keine Werbung geschaltet, aber da dieses Blog ja so ein bisschen auch eine Art Schaufenster für mich und meine Arbeit ist, na, es ist kompliziert und die Arbeit des Herrn Schwenke muss auch geschätzt werden. Des Weiteren könnt ihr beim Kommentieren jetzt immer meiner Datenschutzerklärung zustimmen, es sieht noch ein bisschen ruckelig aus, aber das wird sich in den nächsten Tagen sicherlich auch wieder legen.

Ich werde auch vermutlich auch weiterhin Instagram- oder Twitter-Beiträge einbinden und habe dich darüber auch in meiner Datenschutzerklärung informiert, genauso wie du auch weiterhin in den Genuss meines Newsletters kommen kannst, den ich über Mailchimp verschicke. Und die Adressen, die ich dafür eingesammelt habe, nutze ich auch wirklich nur dafür und zu sonst nix anderem.

Ach ja, SSL-verschlüsselt ist diese Seite auch – danke wie immer an den wunderbaren Christian, der ja in ein paar Wochen vielleicht auch wieder Kapazitäten für neue Projekte haben könnte – datenschutzkonforme, versteht sich.

Und nun wünsche ich dir viel Spaß in diesem „neuen“ Internet. Falls ich doch etwas übersehen habe, bin ich für Hinweise dankbar. Ist ja für uns alle Neuland.

Was ich von der re:publica mitgenommen habe

(Dieser Text war Teil meines Newsletters, den ich regelmäßig verschicke. Hier kannst du dich anmelden!)

Gedanken, Talks, und das große Ganze. Und ein paar dieser Dinge könnt ihr euch sogar selbst auch nochmal anschauen.

1. Algorithmen verteufeln oder doch lieber vergöttern? Weder noch. Die New Yorker Sozialwissenschaftlerin Dana Boyd hielt in diesem Jahr die Eröffnungsrede und das war ziemlich toll. Sie plädierte für einen differenziertere Sicht darauf, wie Algorithmen, Meinungen und Macht beeinflussen. „Strategic silent“ ist der Begriff, den ich mir zwischendurch mal notiert habe. Er meint, aus strategischen Gründen einfach mal nichts zu sagen. Gute Frau und gut, dass sie es endlich nach Berlin geschafft hat. Hier kannst du dir die Keynote anschauen.

2. Alte Hasen angucken lohnt sich immer noch. Es gibt ein paar Personen und Institutionen, die gehören zur re:publica. Am ersten Tag Sascha Lobo zuhören, zum Beispiel, Felix Schwenzel lauschen, die Session vom Techniktagebuch, und und und. Was mich besonders gefreut hat: Auch ein paar andere so genannte alte Hasen haben sich in diesem Jahr auf die Bühne getraut. Zum Beispiel der geschätzte Thomas Knüwer: Er plädierte dafür, darüber nachzudenken, die Tonalität im Netz zu verändern. „Wir sind anderen Meinungen immer mehr verschlossen“, sagte er und ich bin immer noch sehr gespannt, wie sich sein Vortrag auf seinen Blogstil auswirken wird. Ein weiterer: Richard Gutjahr, der die vergangenen zwei Jahre Revue passieren ließ. Immer noch unfassbar und ich bin so dankbar, dass Richard so offen über alles redet.

3. Auf der re:publica kannst du neue Talente entdecken. Ok, wer Sophie Passmann noch nicht kennt, bei dem weiß ich auch nicht, aber dass sie eben auch für die größere Bühne taugt, hat sie dieses Jahr eindrucksvoll auf der re:publica bewiesen. 

4. Es lebe die Filterblase! Die einen meinen, dass Filterblasen durch die re:publica platzen, die anderen feiern ihre Filterblase. Ich gehöre zu der zweiten Kategorie, denn ich glaube nicht, das der erste Punkt so stimmt. Ich finde, dass die re:publica in all den Jahren schon einmal diverser war, auch wenn es großartig ist, dass fast 50 Prozent der Podien weiblich besetzt waren, die Besucherzahl auch fast ausgeglichen war. Was ich vermisst habe: Mehr Unternehmensvertreter, die sich den Diskussionen stellen, die gesellschaftlich Verantwortung übernehmen (wollen). Und wenn ich die Filterblase hier so feiere, muss ich auch unser „Digitales Quartett“ erwähnen, das am ersten Tag parallel zu Sascha Lobo lag, aber erstaunlicherweise dennoch gut besucht war. Unsere Gäste waren diesmal: Cartoon-Bloggerin und Innovationsmanagerin Ute Hamelmann, Nachwuchsjournalist Vassili Golod , SPD-Vorkämpfer Constantin Grosch, Lisa Altmeier von den Crowdspondents sowie Valerie Mocker, Head of European Digital Policy der Nesta Stiftung aus Großbritannien. Hier anschauen.

5. Du kannst eine wunderbare re:publica haben, ohne auch nur eine einzige Session anzuschauen. Ich habe sehr viele Gespräche geführt, tolle, berührende, inspirierende. Denn auch das ist die re:publica. Das Wetter war spitze, die Dichte an Menschen, mit denen du potenziell gute Gespräche führen kannst, hoch und nebenbei gab es auch viele spannende Dinge im Ausstellungsbereich: So präsentierte der WDR ziemlich eindrucksvoll ein virtuelles Bergwerk und per Augmented Reality Zeitzeugen des zweiten Weltkrieges. Ja und auch der Maulwurf drehte dort seine Runden. 

6. Medienpanels meiden. Eine der enttäuschendsten Veranstaltung war eine zu Medien und Blockchain. Grund: Weil nur die Oberfläche angekratzt und nur Basics erklärt wurden. Aber auch andere Diskussionsrunden führten zu nix oder dienten nur dem Austausch, alt bekannter Weisheiten und Rants. Ergo: Gehe in die Panels, in die du eigentlich gar nicht gehen wolltest, und dann wirst du eine (hoffentlich positive) Überraschung erleben. Einer, der das getan hat und bei dem ihr auch einfach mal nachlesen könnt: Sven Dietrich (Teil 1, Teil 2, Teil 3).

7. Weniger twittern, mehr bloggen. Auch wenn ich diesmal meine Eindrücke nicht täglich verbloggt habe (Bin mir gar nicht sicher, ob ich das im vergangenen Jahr auch noch getan habe, aber es wäre ja eigentlich gut, es wieder zu machen), habe ich „Content“ produziert. Ich habe mit Achim Hepp einen Podcast aufgenommen und ihm was übers Brot backen erzählt, ich habe mit Xing über Silos in Unternehmen gesprochen und ich habe den Jungs von Meedia erzählt, wie ich’s so fand

Hat sich also mal wieder gelohnt. Kommst du nächstes Mal mit?

Der Pudel Ottokar

Bis zum letzten Sommer sah ich die beiden beinahe täglich: Entweder wenn ich den Sohn morgens zur Kita brachte oder ihn hin und wieder auch abholte, traf ich die beiden: Den älteren Herrn mit seinem Pudel. Nein, es war kein wirklich schwarzhaariger Pudel, eher grau, dunkelgrau, aber weil in der wunderbaren Geschichte „Der blaue Autobus“ von James Krüss ein schwarzer Pudel herumbellt und alle Mann auf Trab hält, hieß der Pudel von nun an Ottokar. „Schau mal, da ist der Pudel Ottokar“, sagte der Sohn damals immer, wenn wir ihn sahen. Und jedes Mal dachte ich in diesem Moment an das schöne Bilderbuch mit den tollen Reimen.

Dann kam der Sohn in die Schule und ich sah Herrchen und Hund nicht mehr. Wie so vieles anderes. Den Spielplatz mit all seinen Bewohnern, den Eltern und Kindern drum herum, die wunderbar nette ältere Dame, die morgens und abends mit ihrem Dackel ebenfalls ihre Runden dreht. Der Baumstumpf, in dem die Kinder ihre Stöcker versteckten, um sie am nächsten Morgen wieder mitzunehmen. Dafür kamen neue Routinen dazu. Die immer gleiche Mutter, die ihr Kind bei der Schule abgibt und danach den jüngeren Nachwuchs in die Kita bringt, die Bauarbeiter, die seit Wochen an der Baustelle arbeiten, das dazugehörige Dixie-Klo.

Am Samstag auf dem Rückweg von einem Kindergeburtstag ganz in der Nähe der alten Kita sah ich den alten Mann dann schon von weiten. Er war noch ein bisschen grauer geworden, lief noch langsamer und war gerade auf dem Rückweg von seiner täglichen Kaffee-und-Kuchen-Tour. Der Pudel allerdings fehlte. Wie immer grüßte ich ihn, konnte mich aber nicht zurückhalten und fragte, wo denn sein Pudel sei. Gestorben sei er, 15 Jahre sei er alt geworden, am Ende ging es nicht mehr. Er sei immer noch sehr traurig: „Er war wie ein Sohn für mich.“ „Mein Beileid“, konnte ich gerade noch sagen und dass ich ihm alles Gute wünschte. Dann ging er schon weiter. Ich hätte ihm gerne die Geschichte von Ottokar erzählt.

Mein Ausflug in die Printwelt: VIVID kommt

(Dieser Text war Teil meines Newsletters, den du hier abonnieren kannst.)

Als mich Rainer Kunst Ende November gefragt hat, ob ich ihm dabei helfen könnte, ein Wirtschaftsmagazin für Düsseldorf herauszubringen, zögerte ich zunächst. Ein gedrucktes Magazin? Ich? Doch es dauerte nicht lange, da stand fest: Ja, warum eigentlich nicht. Zum einen wollte ich die Selbstständigkeit (ein halbes Jahr jetzt schon!) ja auch dafür nutzen, Dinge auszuprobieren, zum anderen ist mir das Gedruckte ja auch nicht völlig fremd. Und so startete einige Tage später das Projekt VIVID. Projekt, weil wir vereinbarten, dass ich die Startphase und den Aufbau eines Teams gerne begleite, mich danach aber wieder anderen (digitaleren) Projekten widmen wollte.

VIVID ist ein Wirtschaftsmagazin für Düsseldorf, das vier Mal im Jahr erscheint, immer ein Schwerpunktthema hat und in verschiedenen Rubriken Geschäftsmodelle beleuchtet, Persönlichkeiten aus der Wirtschaft vorstellt, Menschend ndie Dinge vorantreiben. Oder wie es Herausgeber Rainer Kunst beschreibt „VIVID ist das Wirtschaftsmagazin für Menschen, die Lust auf Business haben und wissen wollen, wer und was Düsseldorf nach vorne bringt.“

„Trägt die Düsseldorfer Wirtschaft denn ein ganzes regelmäßig erscheinendes Magazin?“, war eine der Fragen, dir mir ein paar meiner Düsseldorfer Freunde stellten. Oh ja, das war mir von Anfang an klar. Doch je tiefer ich in die Themen einstieg, desto klarer wurde mein „Na klar“ auf diese Frage. Denn der Standort Düsseldorf ist in vielerlei Hinsicht schon ziemlich einzigartig. So viele so genannte Corporates, also Firmen wie Henkel, Metro, L’Oréal, Douglas, Arag, Ergo – also große Unternehmen mit mehreren hundert Angestellten – nicht nur am Düsseldorfer Standort. So viele Mittelständler und mittlerweile auch eine durchaus beachtliche Start-up-Szene.

Letztere ist auch das Titelthema der ersten Ausgabe. Denn wir haben einmal geschaut, wie weit Oberbürgermeister Thomas Geisel mit seiner Ankündigung vor dreieinhalb Jahren Düsseldorf zu einer „Start-up-Metropole“ zu machen, denn gekommen ist. Die Antwort in Kurzform: Von einer Metropole kann man sicherlich nicht sprechen, aber getan hat sich in der Stadt schon einiges – rund 300 Start-ups sind hier mittlerweile angesiedelt, knapp 4000 Arbeitsplätze, Coworking-Spaces schießen aus dem Boden und offenbar hat sich auch die Startup-Woche, die am 13. April in die dritte Runde geht, etabliert. Mehr als 170 Veranstaltungen gibt es mittlerweile und diesmal liegt sie auch nicht parallel zur Re:publica, so dass auch ich mal bei der einen oder anderen Veranstaltung vorbeischauen kann.

Neben Organisieren, Koordinieren und Redigieren habe ich auch das eine oder andere Thema in der Ausgabe übernommen: Ich habe mir Geisels Start-up-Initiative genauer angeschaut, mit Felix Thönnessen einen OMI-Tee in der Löffelbar getrunken, Thomas Geisel und Rainer Kunst beim morgendlichen Joggen am Rhein begleitet und an Altweiber mit Anja Metzger von der Laureus AG einen Kaffee getrunken.

Und während wir bereits die zweite Ausgabe planen – die Autoren sind schon wieder mitten in der Recherche – ist nun endlich der große Launchtag. Donnerstag geht es los, dann werden die ersten Hefte unter die Leute gebracht. Und ich bin schon gespannt, ob den Lesern gefällt, was wir bei Coco & Bill da verzapft haben.

Tageszeitung im Abo? Wie sich das 2018 anfühlt

(Dieser Text war Teil meines Newsletters, den du hier abonnieren kannst.)

Seit sieben Jahren waren wir ohne, nun läuft seit ungefähr zehn Tagen in unserem Haushalt ein Experiment: Wir haben eine Tageszeitung. Also so richtig, auf Papier ausgedruckt. Sie liegt morgens in unserem Hausflur, weil ein freundlicher Nachbar sie reingelegt hat, denn der Zeitungsbote hat keinen Schlüssel, um sie direkt in den Briefkasten zu werfen. Und wer sich fragt, warum ausgerechnet ich bzw. unsere Familie nun wieder mit Papier experimentiert: Seit der große Sohn in der Schule ist und nun selbst lesen kann bzw. auf dem guten Weg dahin ist, wollten wir ihn zeigen, dass es auch was anderes als Smartphones oder bewegten Bildern gibt, um sich zu informieren. Sowieso: Wenn ich mal reflektiere, was ich den Kindern eigentlich vorlebe, dann schaue ich ständig auf mein Smartphone, ohne dass der Nachwuchs eigentlich weiß, was ich da mache. Mails lesen, News verfolgen, Geschäftspartner bei Laune halten, usw. Meine Befürchtung: Sie glauben, dass ich die ganze Zeit Youtube schaue, Subway Surfer spiele und ab und zu irgendwelche Verabredungen für die beiden manage.

Für das Experiment haben wir uns nicht fürs Handelsblatt oder eine andere überregionale Zeitung entschieden haben, sondern für die gute alte Rheinische Post. Also für Inhalte, mit denen im Zweifel auch der Sohn schon etwas anfangen kann. Und Kruschel, das Maskottchen der Kinderseite, könnte er wiedererkennen, hat er es auf irgendeinem Kinderfest am Rhein schon einmal getroffen. All das war die Theorie, doch dann kam die Praxis. Was ich in den vergangenen Tagen gelernt habe.

Erstens: Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich Papier und Tageszeitung langfristig durchsetzen. Zumindest in Großstädten. Von zehn Ausgaben haben die Wohnung sechs erreicht. Die anderen Ausgaben waren geklaut. Von wem auch immer. Oder sie war noch nicht ausgetragen, wovon ich heute Morgen um 6.13 Uhr einfach mal ausgehe. Dabei hatte ich mich gefreut, die Zeitung im Zug nach Hamburg zu lesen. Wenn ich für sowas Geld ausgebe, dann will ich dieses Produkt auch jederzeit lesen können. Punkt. Und jederzeit ist nun mal nicht Papier. Und digital ja leider auch nicht ohne Planung, denn dieses WLAN im Zug funktioniert auch mal wieder ganz hervorragend. Nicht.

Zweitens: An einem Morgen in diesen zehn Tagen hatte ich ein bisschen Zeit. Bei einer Tasse Tee und ein paar Haferflocken blätterte ich durch die Rheinische Post, las mich hier und da mal fest und verbrachte so gut 15 richtig entspannende, aber durchaus auch informierende Minuten. Das war ein richtig schönes Gefühl, erinnerte mich an die Zeit, bevor ich Kinder hatte und sonntags stundenlang in Cafés gesessen und dabei die Sonntagszeitungen durchgeackert habe.

Drittens: Immer wenn ich unter der Woche einen Blick in die Zeitung werfen konnte, fand ich sie gar nicht mal so schlecht. Im Überregionalen durchaus gute Drehs aus dem Berliner Politiktheater, die ich an den Tagen zuvor nicht schon in den Onlinemedien gelesen habe. Die Innogy-Eon-Berichterstattung im Wirtschaftsteil – und ein bisschen Klatsch und Tratsch aus der Landeshauptstadt, den ich bis dato nicht vermisst hatte, es aber doch irgendwie interessant fand. Sprich: Gar nicht mal so schlecht.

Viertens: Die Zeitung, die mich unter der Woche informierte und mir Gedankenanstöße gab, versagte hingegen am Wochenende: längst ausgelutschte Geschichten, ein komplett verstümmeltes Magazin, das eigentlich nur noch aus einer Geschichte besteht – es scheint fast so, als ob den RP-Redakteurinnen und -Redakteuren am Freitag immer die Puste ausgeht. Ein Samstagsabo kann ich wirklich niemanden empfehlen.

Fünftens: Nun liegt diese Zeitung also seit zehn Tagen ab und zu in der Wohnung herum. Wahrgenommen hat sie der Siebenjährige. Mehr aber auch nicht. Obwohl wir die Kruschel-Seiten der vergangenen Tage gesammelt haben.

Fazit: Im Jahr 2018 eine ausgedruckte Tageszeitung zu abonnieren, hatte schon sehr nostalgische Elemente. Weder Produktqualität noch Verfügbarkeit haben meine Erwartungen erfüllt. Zudem befürchte ich, dass sich grüne Kuscheltiere nicht wirklich eignen, Siebenjährige zum Zeitungslesen zu bringen. Öffentlich-Rechtliche TV-Sendungen wie „Checker TobiJulianCan“ oder „Logo“ hingegen schon.

Wie die Digitalisierung der Schulen vorankommt

(Dieser Text war Teil meines Newsletters, den du hier abonnieren kannst.)

Vor ein paar Wochen ging diese Meldung aus dem Tagesspiegel ein wenig viral, Kollege Ralf Heimann hatte sie entdeckt: Brandenburgs Lehrer bekommen Mailadressen. Wann genau, stehe noch nicht fest. Klar, dass sich die Twitterer darauf stürzten, sind E-Mails für sie doch eher ein Relikt aus den 90ern und nicht unbedingt das nächste große Ding.

Wer glaubt, dass die Brandenburger da besonders rückständig seien, der irrt. Beispiel: Nordrhein-Westfalen. Bereits 2016 sollte hier flächendeckend eine Plattform namens Logineo eingeführt werden. Logineo sollte Kommunikation und Organisation des Schulalltags erleichtern, E-Mails für alle, Kalender, Zugang zu Lernmaterialien bieten. Doch daraus wurde erstmal nix. Im August 2017 warb das Ministerium noch damit, dass es nun wirklich losgehe. Ende Oktober 2017 wurde das Projekt gestoppt. Grund: ungelöste technische Probleme. Bis heute scheint es da keine Lösung zu geben, ein Gutachter prüfe derzeit das Projekt. Ähnlich sieht es auch in Baden-Württemberg aus, wo gerade die Bildungscloud „Ella“ mit technischen Problemen kämpft. Aber immerhin: In Niedersachsen gibt es zumindest gerade eine Testphase, an der 25 Schulen teilnehmen. Das Projekt nennt sich dort die niedersächsische Bildungscloud. Den Blick in die anderen Bundesländer erspare ich dir und mir.

Ganz schön traurig das alles. Und auch ein Argument, sich mal wieder die Frage zu stellen, warum Bildung eigentlich Ländersache ist.

13.3.: Ein Tag in Aachen

Vor einigen Wochen war ich drei Tage lang in Siegen. Und ja, das ist ein seltsamer erster Satz für einen Blogpost, in dem es eigentlich um Aachen geht. Siegen ist so eine Stadt, die so weit von Düsseldorf entfernt ist, dass tägliches Pendeln dazu führt, dass man sehr viel Zeit in Zügen verbringt. Als feststand, dass ich nun auch ein paar Tage in Aachen bleiben würde und ich die Zugverbindungen checkte, entschied ich schnell, dass auch Aachen eine ähnliche Kategorie von Stadt ist und sogar noch über ein größeres Hotelangebot verfügt.

Ich mag es sehr, die Stadt auf diese Art zu erkunden: Auf der Bahnstrecke von Orten hören, die ich bisher nicht kannte, aus dem Bahnhof treten. Wie fühlt sich die Stadt an? Heute regnet es. Alles ist einigermaßen sauber, rechts der Taxistand, vor mir die größere Straße, auf der gerade ein Bus hält. Das einzige, an das ich mich in Bezug auf Aachen erinnere, sind der Dom und die Printen und ein kleines Café ganz in der Nähe des Doms. Mein letzter Besuch ist Jahre her.

Nach der Arbeit checke ich ins Hotel ein, um mich dann noch einmal aufzumachen. Irgendwo liegt die aktuelle Ausgabe des Stadtmagazins Klenkes aus. Ich erfahre, dass hier vor kurzem Eric Pfeil gespielt hat, ja der Eric Pfeil, der großartige Musikjournalist und Ex von Charlotte Roche. Morgen spielt hier Fortuna Ehrenfeld.

Was ich am Vormittag noch für ein Kunstwort gehalten habe, wird doch häufiger verwendet: Euregio. Das Wort steht zumindest auch mehrfach in dem Stadtmagazin. Erklärung: Durch seine Lage sind die Wege in die Niederlande und nach Belgien kurz, daher der Name. Zur Verbindung der verschiedenen Länder wird kräftig in den öffentlichen Nahverkehr investiert.

Nachdem ich ein paar Besorgungen gemacht habe (Zahnpasta! Zahnbürste! WTF!), setze ich mich in ein Restaurant, das sehr gut besucht ist. Es ist immer wieder erstaunlich, wie schnell die Zubereitung von Essen gehen kann, wenn man alleine ist. Etwas unfreiwillig höre ich mir die Sorgen meiner Sitznachbarin an, die in den nächsten zwei Wochen ein Kind zur Welt bringen wird und ganz dringend vor der Geburt noch einen Laufstall kaufen muss. Natürlich verkneife ich mir jede Einmischung in das Gespräch. Als ich das Lokal verlasse, regnet es immer noch. Mal sehen, von welcher Seite sich Aachen morgen präsentiert.

8.3.: Frauen und Digitalisierung

Heute Nachmittag werde ich im Landtag mit ungefähr 80 Frauen diskutieren, was die Digitalisierung für Frauen bedeutet. Welche Chancen es gibt und ich werde mit ihnen darüber diskutieren, was das insbesondere im Bereich Medien/Soziale Medien bedeutet. Meine These: Bildung, Bildung, Bildung und zwar über alle Generationen hinweg.

Und damit euch nicht langweilig wird, empfehle ich euch die Arte-Reportage „Ich will! Frauen im Topmanagement“, die mir gestern in meine Timeline gespült wurde.

Warum wir natürlich auch über Flugtaxis sprechen müssen

Vor ungefähr elf Monaten traf ich Frank Thelen zu einem Interview für das „Handelsblatt“ in Berlin. Er sollte auf der Tagung „Digitale Energiewirtschaft“ einen Vortrag halten. Wir sprachen natürlich über den Energiesektor. Damals schwärmte er regelrecht von einem Start-up, dessen Namen ich bis dahin nicht gehört hatte: „Ich bin überzeugt, dass wir mit Lilium Aviation wirklich einen Star aus Europa geschaffen haben, der die Art, wie wir reisen, für alle verändern wird. Lilium wer?, dachte ich und googelte und war ebenfalls schwer beeindruckt. Denn das Start-up hatte ein elektrisch betriebenes Flugzeug geschaffen, das senkrecht starten und landen kann, mit 300 km/h unterwegs ist und Platz für bis zu fünf Personen bietet. Man gehe gerade in Produktion, sagte Thelen. (Hier noch ein paar weitere spannende News zu Lilium)

Nun könnte man bei den eben beschriebenen Features auf den Gedanken kommen, dieses Gefährt als „Flugtaxi“ zu bezeichnen. Womit wir beim Thema sind. Die angehende Staatsministerin für Digitales, Dorothee Bär, wird derzeit in den sozialen Kanälen dafür ausgelacht, dass sie sich unter anderem um das Thema Flugtaxis kümmern wolle. Dabei spricht der Spott vor allem für eins: totale Unwissenheit und Pseudo-Digitalisierungs-Know-how. Denn letztendlich ist die Liste der investierten Unternehmen stattlich: Uber, Airbus, über ihre Venture-Töchter sind auch Toyota oder Intel beteiligt, Alphabet, um nur einige zu nennen. Und Lilium ist nicht das einzige deutsche Unternehmen, das gerade ein senkrecht startendes Flugzeug entwickelt. Volocopter ist ein anderes, u.a. Daimler ist dort investiert, um mal klar zu machen, dass Bär das Thema nicht unbedingt nur aus Gründen der bayrische Vetternwirtschaft auf die Agenda gehoben haben muss.

Noch immer glauben viele Menschen, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen Digitalisierungs-Know-how und Zahl der Twitterfollower oder meinetwegen auch der Zahl der eigenen Tweets pro Tag gibt. Dass dem nicht so ist, muss ich wohl nicht erwähnen. Will sagen: Natürlich ist es relevant, auch als Politikerin und erst recht als Ministerin für Digitalisierung über neue Transportmittel nachzudenken, Unternehmen tun es schon lange.

Kann gut sein, dass ihre Aktivitäten in den sozialen Netzwerken geholfen haben, dass Dorothee Bär nun diesen Posten im Kanzleramt bekommt. Gerade in der Altherrenriege der CSU kann ich mir das gut vorstellen. Unbestritten ist allerdings auch, dass Dorothee Bär sich spätestens seit 2013 mit diesen Themen beschäftigt und dort durchaus eine gewisses Expertentum aufgebaut hat. Schließlich war sie als Staatsministerin im Infrastrukturministerium genau für diese Themen zuständig. 

Worüber man stattdessen reden könnte, wenn man sich mit der Personalie auseinandersetzt: Was hat das Ministerium denn in den vergangenen fünf Jahren auf die Beine gestellt? Sie selbst bleibt mit Slomka-Interview schwammig, verweist auf viel Basisarbeit. Liest man das, was Sascha Lobo vor ein paar Wochen bei Spiegel Online zum Thema Breitbandausbau geschrieben hat, fällt die Bilanz eher durchwachsen aus. 

Trotzdem halte ich die Personalie Bär für eine großartige Chance. Sie ist direkt im Kanzleramt angedockt und kann in allen Regierungsrunden allen Ministern und Ministerinnen in ihrer charmanten Art auf die Nerven gehen. Sie verfügt über den Erstlingsbonus, wird an niemanden gemessen. Sie kann Visionen aufzeigen, weil sie die nötige Fachkenntnis hat. Und wenn sie dann noch etwas auf die Straße bringt – sind wir zumindest einen kleinen und besser als keinen Schritt weiter. Und ich glaube, sie wäre nicht auf diesem Posten, wenn sie nicht eine gute Strategie entwickelt hätte, ihre bayrischen Kollegen um den Finger zu wickeln. 

Ich hoffe, sie enttäuscht mich nicht. 

Dieser Text war Teil meines regelmäßig erscheinenden Newsletters, den du hier abonnieren kannst.

23.2.: Wenn der Klempner zweimal klingelt

Ich habe hier ja neulich schon mal aufgeschrieben, wie private Kommunikation immer öffentlicher ist. Private Gefilde, die wir uns gebaut haben, stürzen ein und werden veröffentlicht. Zwischen den Kurznachrichtenchats, die ich mit Freunden oder Kindergarten- bzw. Schulkinder-Mamas führe, haben sich mittlerweile etliche Newsletter breitgemacht, die mich mehrfach pro Tag über das neueste Geschehen informieren.

Und so kam es, dass ich gestern dann plötzlich eine Nachricht des Klempners bekam. Zwecks Terminabsprache. Er hatte eine Whatsapp-Gruppe mit unseren Nachbarn gegründet und so gingen heute mehrere Nachrichten hin und her und nun gibt es einen Termin.

Blöd nur, dass heute Nachmittag dann doch nochmal ein Anruf kam. „Ich wollte mich nochmal melden wegen des Termins nächste Woche.“ Mein verduztes „Aber das haben wir doch schon per Whatsapp besprochen“ erwiderte er: „Das war ich nicht, ich habe kein Whatsapp.“

So kann es dann auch wieder gehen. Ich bin gespannt, ob der Termin nun wirklich steht.