Ein paar Erkenntnisse aus der neuen JIM-Studie

Wie nutzt eigentlich Deutschlands Jugend das Internet? Seit 1998 untersucht der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest (mpfs) den medialen Alltag von Jugendlichen im Alter zwischen 12 und 19 Jahren. Gerade ist die neueste JIM-Studie erschienen. Ich habe mir die Studie mal genauer angeschaut. Die aus meiner Sicht spannendsten Punkte.

Gerät Nummer eins: das Smartphone
In den Haushalten, in denen die Jugendlichen leben, gibt es ein großes Medienangebot: vom Fernseher über Laptop bis hin zum Sprachassistenten – alles ist dabei. Mehr als 95 Prozent der befragten Jugendlichen besitzen ein Smartphone oder Handy. Und zwar egal ob Mädchen oder Jungen. Bei anderen Geräten gibt es deutliche Unterschiede: Jungs haben häufiger eine Spielekonsole oder einen Computer.
Mit welchem Gerät nutzen Jugendliche das Internet? Auch hier ist die Antwort nicht überraschend – 79 Prozent sagen: mit dem Smartphone. Unterschiede gibt es hier zwischen Jungs (71 Prozent) und Mädchen (88 Prozent). Die Rechnung zahlen bei 63 Prozent übrigens die Eltern.

Freunde first, Family more popular
Die JIM-Studie untersucht auch die Freizeitaktivitäten von Jugendlichen – ohne Medien. Auf Platz 1 liegt mit 71 Prozent „Mit Freunden/Leuten treffen“, gefolgt von „Sport“ mit 69 Prozent und „Familienunternehmungen“ mit 38 Prozent. Spannend: der Vergleich der Zahlen von 2008 und 2018. „Mit Freunden/Leuten treffen“ wird unwichtiger (2008: 88 Prozent), „Familienunternehmungen“ werden wichtiger (2008: 22 Prozent).

Jugendliche vertrauen Tagesschau und Tagesthemen
Die ARD wird es freuen: 84 Prozent der befragten Jugendlichen vertrauen dem Nachrichtenformat im Ersten. Nicht minder spannend: Auf Platz zwei liegen regionale Tageszeitungen Print (77 Prozent), obwohl die gar nicht so häufig konsumiert werden. Überraschend: Das Vertrauen von Jugendlichen in Focus Online und Spiegel Online liegt mit 51 und 50 Prozent ziemlich gleichauf.

Büchernutzung seit Jahren konstant
Trotz Digitalisierung und Smartphone-Konsum liegt der Anteil derer, die mehrmals pro Woche ein Buch lesen, seit Jahren recht konstant bei 40 Prozent. Und das auch eher auf Papier und nicht in Form von E-Books.

Wer Musik hört, tut das bei Musik-Streaming-Diensten
Musik ist wichtig – und erstmals stehen Streaming-Dienste bei den regelmäßigen Nutzungsoptionen auf Platz 1 vor „Live bei Radiosendern“ und „Youtube“. 62 Prozent der Befragten hören so Musik. Die Nutzung von MP3, CD, Kassette oder Platte ist hingegen von 37 Prozent im vergangenen Jahr auf 24 Prozent geradezu abgestürzt.

Die Top3 Online-Angebote
Youtube, Whatsapp, Instagram. Keine Veränderungen, keine Überraschungen.

Die Top3 Apps
Bei den Mädchen: Whatsapp, Instagram, Snapchat. Bei den Jungs: Whatsapp, Youtube und Instagram. Es gibt auch noch ein paar Details zur Frage, wie Instagram und Snapchat genutzt werden. Ganz kurz: Die meisten folgen und kommunizieren mit Freunden.

Wichtige Informationsquellen: Google und Youtube
Welche Medien haben eigentlich gute Youtube-Kanäle? Wer Jugendliche erreichen möchte, muss in seiner Strategie auf Youtube setzen. Denn um sich zu informieren, nutzen Jugendliche zu 88 Prozent Suchmaschinen und 60 Prozent schauen Youtube. Nachrichtenportale von Zeitungen suchen nur 22 Prozent der Jugendlichen mehrmals pro Woche auf.

Die komplette Studie findest du als Download hier.

(Dieser Text ist zuerst als Teil meines Newsletters erschienen, den du hier abonnieren kannst.)

Schön aber unzufrieden – warum kalter Kaffee im Seminar Mist ist

In den vergangenen Monaten war ich wirklich viel unterwegs und habe Seminare und Workshops gegeben – Hamburg, Berlin, Stuttgart, Düsseldorf. Und immer wieder sind es andere Locations mit anderen Rahmenbedingungen, mit denen du als als Trainer oder Dozent, aber auch als Teilnehmer klar kommen musst. Ob er schlauer ist oder sich nun endlich traut, neue Tools auszuprobieren, auf neuen Kanäle zu kommunizieren – ja, das ist alles wichtig. Aber es sind meist die einfachsten Dinge, die am Ende auch darüber entscheiden, ob ein Teilnehmer mit der Fortbildung zufrieden war.

Der Raum an sich: Ist es hell dort? Sind die Stühle bequem? Nichts ist schlimmer als zu wissen, einen Tag auf furchtbaren Stühlen zu verbringen. Sind die Tische sauber? Kann ich von meiner Position das Flipchart, die Moderationswand, die Präsentation sehen? Und zwar ohne den Kopf zu verrenken? Zieht es gar? Ein Seminar in einem guten Raum zu geben, ist das A und O. Sonst startet der Tag bereits mit Gemecker und das hat Auswirkungen auf die gesamte Runde. 

Die anderen Teilnehmer: Ob ein Tag, ein ganzes Wochenende oder gar eine ganze Woche – wenn die Chemie unter den Teilnehmern nicht stimmt und die Trainerin oder Dozentin darauf nicht eingeht, kann es ganz schnell knallen. Selbstdarsteller reden gern und viel und können die anderen schnell nerven. Egoisten nehmen keine Rücksicht auf die anderen Teilnehmer, können schnell ein ganzes Seminar dominieren. Die Ruhigeren verstummen ganz und sind gefrustet am Ende des Tages, ihre Fragen gar nicht losgeworden zu sein. Diese unterschiedlichen Charaktere in Einklang bringen – die Lauten mal zu bremsen, die Ruhigen zu fordern – das ist die Herausforderung an jedem Seminartag.

Die eigene Verfassung: Schlecht geschlafen? Schlecht geträumt? Ein blöder Anruf am Vorabend? Die dringende Mail am Morgen, deren Beantwortung eigentlich zwei Stunden Recherche und drei Telefonate erfordert? Was die Teilnehmer außerhalb des Seminars gerade beschäftigt, lässt sich nur erahnen. Aber auch hier gilt es: erkennen, im Notfall ansprechen und ausgleichen.
 
Die Verpflegung: Schmeckt der morgendliche Kaffee nicht oder ist er gar kalt, kann so ein Seminartag ganz schnell gelaufen sein. Kondensmilch statt frische Milch, kein Zucker, pappige Kekse – auch bei Dingen, die eigentlich ganz einfach erscheinen, kann viel schief laufen.

Die Technik: USB-Kabel, Adapter, ja selbst Lautsprecher – diese Dinge habe ich eigentlich immer dabei. Manchmal denke ich darüber nach, einen eigenen Beamer in die Grundausstattung zu nehmen. Wie oft mir der Techniker des Hauses schon vormachen wollte, dass mein Rechner nicht funktioniere, obwohl es am Kabel lag. Und wie nervig es für die Teilnehmer ist, wenn der Bildschirm alle paar Minuten flackert oder das Bild zittert, wenn die Referentin etwas am Flipchart notiert.

Auf all das muss sich jede Dozentin, jede Trainerin, jede Seminarleiterin einstellen – und mit Humor, Feingefühl und Schokolade für Ausgleich und gute Stimmung sorgen. Weil am Ende die Zufriedenheit der Teilnehmer zählt.

(Männliche Trainer, Dozenten und Seminarleiter sind in diesem Text mitgemeint.)

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Fünf Dinge, die ich über die deutsche Newsletterlandschaft gelernt habe

Ich habe in dieser Woche ein neues Seminar vorbereitet – Thema: Newsletter. Wie funktionieren sie, Inhalt, Aufbau, Storytelling, das ganze Programm und ich habe aus diesem Grund auch sehr viele neue Newsletter abonniert. Um Best Cases zu finden, um zu verstehen, wie sie funktionieren und manche auch wieder ganz schnell abzubestellen. Ein paar Dinge sind mir dabei aufgefallen und ich dachte, sie könnten dich auch interessieren.

Erstens: Es gibt ein paar tägliche journalistische Newsletter. Das Morning Briefing des Handelsblatts, das Steingart-Briefing, der Checkpoint, der Tagesanbruch von T-Online, Trending und noch ein paar andere: Fällt dir was auf? Alles Männer! Liegt das an mir oder gibt es kaum tägliche Newsletter-Schreiberinnen. (EDIT: Als Reaktion auf meinen Newsletter schrieb Lorenz Maroldt vom Tagesspiegel“: „Inzwischen schreiben drei Kolleginnen regelmäßig den Checkpoint (ich mache ja nur noch drei- bis viermal die Woche): Anke Myrrhe, Laura Hofmann und Ann-Kathrin Hipp.“ Danke Lorenz!

Zweitens: Wenn Medienhäuser Newsletter herausgeben, spielt echte Personalisierung eine untergeordnete Rolle. Und damit meine ich nicht, dass ich wenigstens mit Namen angeredet werde – selbst das klappt bei den meisten nicht. Ich hatte gehofft, dass die meisten die vergangenen Jahre genutzt haben, um in die CRM und Infrastruktur zu investieren.

Drittens: Es gibt verdammt viele richtig gute Newsletter, die in One-Woman- oder One-Man-Shows betrieben werden. Johannes Klingebiels Zine, Tibor Martinis 10plus1, seit kurzem auch Nikolaus Röttgers KI-Briefing oder Pit Gottschalks Fußball-Briefing – um ein paar männliche Varianten zu nennen. Aber auch Vanessa Gieses Newsletter, der Kolumbus, Sue Reindkes „E-Mail für dich“ sind toll und lese ich regelmäßig.

Viertens: Es gibt noch so viele andere Newsletter zu entdecken – das hat mein Aufruf bei Facebook gezeigt. Dort haben ganz viele Menschen ihre liebsten Newsletter hinterlassen – es lohnt sich dort zu stöbern!

Fünftens: Die Zahl der bezahlten Newsletter ist gering. Zwar gibt es auch in diesem Bereich einige gut funktionierende Modelle (Stratechery) und Experimente (Social Media Watchblog) aber auch , aber die meisten nutzen Newsletter vor allem zur Kundenbindung, Information, Markenbildung oder zum Abverkauf von Produkten und Dienstleistungen. Ich bin gespannt, ob sich das in den nächsten Monaten wandeln wird.

Was gibt es noch zu entdecken? Ich freue mich über Hinweise.

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Spielst du noch Pokémon Go?

Erinnerst du dich noch, dass im Sommer 2016 das Spiel Pokémon Go veröffentlicht wurde? Das Spiel fürs Smartphone, bei dem man beim Herumlaufen durch die Stadt kleine Monster findet und diese einfangen und sammeln kann. An spannenden Schauplätzen gibt es virtuelle Pokéstops, bei denen man sich „Einloggen“ kann, um Punkte und Zubehör zu sammeln. Damals drehten alle irgendwie durch – hier in Düsseldorf war monatelang eine Straße an der Kö besetzt, weil es dort vier Pokéstops auf einmal gab und dort viele und vor allem seltene Pokémons auftauchten. In anderen Städten gab es ähnliche Versammlungen.

Und wie es bei Hypes so ist, irgendwann wurde es ruhiger, die Stadt Düsseldorf setzte durch, dass die Ballung an Pokéstops an diesem Standort verschwand und an das Rheinufer verlagert wurde – und damit war die Sichtbarkeit dieser Szene an diesem doch recht prominenten Standort futsch.

Das mediale Interesse nahm ebenfalls ab und als im Sommer 2018 in Dortmund das Pokémon GO Safari Zone Event an den Start ging, waren nicht nur Polizei, Medien, sondern auch die Veranstalter selbst von dem riesigen Interesse überrascht. Zehntausende Menschen fluteten die Stadt und den Park. „Spielt das denn noch irgendwer?“, schlossen viele von sich auf andere.

Denn Niantic, die Firma hinter dem Spiel, hat vielleicht zu Beginn ein wenig lange gebraucht, um neue Features auszurollen, aber seitdem dann doch viel getan, damit die Nutzer bei der Stange bleiben. Mittlerweile vergeht kein Monat ohne irgendwelchen neuen Highlights, keine Woche ohne eine Aktion. Mittlerweile hat jeder Nutzer Freunde, denen er Geschenke schicken kann, die vierte Generation an Pokemon wird gerade ausgerollt und jeder Nutzer kann Aufgaben lösen, um die begehrten Bälle, Beeren oder Tränke zu erhalten. Seit neuestem zählen auch gelaufene Kilometer, wenn das Spiel nicht aktiv ist für das Ausbrüten der Eier. Laut „PC Magazin“ ist Deutschland nach Umsatz das drittgrößte Land weltweit.

Was viele aus meiner Sicht unterschätzt haben? Die Verbindung von Realität und Spiel ist etwas, was eben nicht nur normale „Gamer“ anspricht. Zu gerne würde ich einen Blick in die Nutzerzahlen werfen. Meine Vermutung: Es sind auch zweieinhalb Jahre nach dem Start immer noch alle Altersgruppen vertreten. Nur eine von vielen Anekdoten: Mein Mann traf am vergangenen Wochenende am Rhein auf zwei ältere Damen und einen Mann. Eine der Damen war von dem Pokémon auf ihrem Smartphone völlig begeistert: „Den entwickele ich jetzt“.

Seit ein paar Tagen hat Niantic übrigens die überarbeitete Version des Pokémon-Vorgängers Ingress auf den Markt gebracht. Der mediale Hype hält sich bisher in Grenzen. Aber wenn ich in meinen vergangenen Jahren in der digitalen Welt eines gelernt habe: Unterschätze niemals Subkulturen.

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Programmieren ist nur eine von vielen digitalen Kompetenzen

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In dieser Woche ist wieder eine dieser Initiativen in meinem Postfach gelandet, bei der Kindern das Programmieren beigebracht werden soll. So wichtig und richtig ich diese Initiativen finde, so sehr ärgert es mich, wenn die Entwicklung digitaler Kompetenzen so sehr aufs Programmieren reduziert wird. Sicher: Code zu verstehen, ja sogar selbst zu schreiben, ist eine Kompetenz für das 21. Jahrhundert. Allein diese Kindern und Jugendlichen beizubringen, greift allerdings zu kurz. Die Europäische Kommission hat ein Framework entwickelt, in dem es insgesamt 21 digitale Kompetenzen gibt, die in fünf Dimensionen aufgeteilt werden können (mehr dazu hier):

1. Information and data literacy
2. Communication and collaboration
3. Digital content creation
4. Safety
5. Problem Solving

Passend dazu die Studie von McKinsey, die benennt, welche Fähigkeiten in deutschen Unternehmen fehlen. Darunter technologische, insbesondere die komplexe Datenanalyse, aber auch weichere Faktoren wir die Fähigkeit zur Zusammenarbeit und Durchhaltevermögen.

Ich würde mir wirklich wünschen, wenn die Debatte um die Ausbildung von digitalen Kompetenzen nicht immer nur auf das Programmieren reduziert werden würde.

Der geheime Bunker der Bundesbank

Ich habe mich auf eine Zeitreise begeben, in eine Zeit, in der es hier noch die D-Mark gab. Dafür ging es rund 30 Meter unter die Erde in einen Bunker, der vor fast sechzig Jahren in einem Wohngebiet in Cochem an der Mosel gebaut wurde. Vordergründig zum Schutz der Bevölkerung, eigentlich aber, um einen Ort zu schaffen, an dem die Bundesbank 15 Milliarden D-Mark in einer Ersatzwährung lagern konnte – für den Fall der Fälle. 

Bis 1988 wurde dort dieses Geld gelagert, die Anwohner gingen davon aus, dass dort einer der damals üblichen Luftschutzbunker in Betrieb gehalten wurde. Davon gewusst haben vor Ort zwei Menschen: ein Hausmeister und der Leiter des ansässigen Schulungszentrum für Banker, in Frankfurt sechs Menschen bei der Bundesbank. 

Fast 60 Jahre hielt dieses Geheimnis stand, das allein ist schon faszinierend genug. Zum Einsatz kam die Währung nie, einerseits weil ein echter Angriff auf das deutsche Währungssystem ausblieb, zum anderen, weil man sich in den 80er Jahren für neue, fälschungssichere Scheine entschied. Scheine, die den Wert von 15 Milliarden D-Mark haben sollten, wurden geschreddert, die Bundesbank gab den Bunker auf. Warum? Darauf konnte der Touri-Führer leider keine Antwort geben. 

Doch auch die weitere Geschichte dieses Bunkers erzählt deutsche Geschichte. 1993 ging er in den Besitz der Volksbank Cochem über. Im Jahr 2008, Lehman Brothers lässt grüßen, musste die Volksbank übernommen werden, der Bunker wurde verkauft, umgebaut und seit 2016 kann man ihn jetzt besichtigen. 

Seitdem denke über zwei Dinge nach: Wo in Europa wohl der Bunker steht, in dem die Ersatzscheine für den Euro wohl lagern oder wie sieht ein solches Notfallszenario wohl in digitalen Zeiten aus? Zweitens: Irgendwann kam die Frage auf, warum es eigentlich kaum noch Bunker gibt. Die Antwort war klar und gleichzeitig verstörend: weil sie in der heutigen Zeit nutzlos wären. Einen Hintergrund habe ich später noch dazugegoogelt.

Die Bunker-Webseite
Der Bunker auf Wikipedia

Meine Learnings aus den Finanzblogawards 2018

Seit 2016 bin ich in der Jury des Finanzblogawards und seit 2017 habe ich auch den Juryvorsitz inne. Jedes Jahr zu schauen, was sich in der Szene getan hat, meine Blogleseliste auffrischen mit neuen Gesichtern – der Award vermittelt immerhin einen kleinen Einblick in die Szene. Klein? Ja, klein, denn es gibt immer noch finanzinteressierte Blogger, die den Award nicht kennen oder auch gar nicht bei so etwas nominiert werden wollen. Beim Stöbern, Recherchieren und Bewerten sind mir in diesem Jahr ein paar Dinge aufgefallen.

Die Szene ist verdammt vielfältig.
Ja, ich bin jedes Mal wieder überrascht, wie viele Blogs es gibt, die sich nur um das Thema Geld, Finanzen, Börse und Co. drehen. Es freut mich zum einen, dass es viele der „alten Hasen“ immer noch gibt, aber umso mehr, dass in diesem Segment auch wieder viele neue Blogs entstehen.

Frauen entdecken das Finanzbloggen
Nachdem im vergangenen Jahr „Madame Moneypenny“ den ersten Preis abgesahnt hat und mit ihrer Community ja mittlerweile nicht nur Facebook rockt, sondern auch die Buchläden, Offline-Seminare undundund, scheinen so einige Frauen das Segment „Finanzblog“ für sich zu entdecken. Es gibt viele Copy-Cats, aber auch ein paar Perlen, die auf unaufgeregte Weise Finanzthemen für Zielgruppen aufbereiten, die sich sonst nicht allzusehr damit beschäftigen.

Finanzblogger entdecken Instagram und Youtube
Endlich. Denn auch mit Finanzthemen kann man in solchen Kanälen authentisch unterwegs sein und somit auch noch die Chance bekommen, andere Zielgruppen anzusprechen. Und das tolle: Das sorgt meiner Meinung nach auch dafür, dass die Blogs optisch ansprechender werden.

Das Mega-Thema 2018 lautet…
…irgendwas mit finanzielle Freiheit. Ich habe mir all diese Blogs angeschaut und – ich war genervt. So viele Copy-Cats, immer das gleiche Thema. Alter. Da half auch nicht die Variation „finanzielle Freiheit für Frauen“.

Die comdirect vernetzt sich besser
Die comdirect nutzt die Gelegenheit in diesem Jahr, um auch inhaltlich stärker Einfluss auf die Berichterstattung zu nehmen und startete zum Start der Publikumsabstimmungsphase eine so genannte Blogparade. Für diejenigen, die nicht wissen, was das ist: Sie geben ein Thema vor, über das die Blogger schreiben sollen. So sorgt die comdirect dafür, dass der Finanzblogaward noch ein bisschen bekannter wird und die Bank gleich mit. Schade nur, dass immer noch so wenig Liebe in das dazugehörige Blog gesteckt wird.

Ich bin schon sehr gespannt, was du zu den Gewinnern sagst, die wir in unserer Jurysitzung auserkoren haben.
Sonderpreis: „finanz-szene.de“ des Wirtschaftsjournalisten Heinz-Roger Dohms.
Platz 3: DIY-Investor.de von Axel Kalthoff
Platz 2: Fortunalista von Margarete Honisch
Platz 1: Talerbox von Bastian Glasser und Team

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Sieben Erkenntnisse aus der ARD-ZDF-Onlinestudie – bei Punkt 7 musste ich weinen. Vor allem in meinem Büro.

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Alle Jahre wieder erscheint die ARD-ZDF-Onlinestudie und gibt uns Auskunft darüber, wie die Deutschen das Internet nutzen. Was ich am spannendsten finde?

Erstens: Mehr als 90 Prozent der Deutschen sind online. Das ist nochmal eine Million mehr als im vergangenen Jahr. 75 Prozent sind täglich im Internet und Erwachsene über 14 Jahren sind im Schnitt täglich 196 Minuten druff. Fazit: Immer mehr Deutsche sind immer länger online. Medien nutzen sie dabei sehend, dann lesend und danach hörend. Das wiederum ist jetzt nicht allzu überraschend, ordnet aber dann doch den derzeitigen Hype um Podcasts ganz gut ein.

Zweitens: Wie werden Videos genutzt? Die Studie gibt auch hier Aufschluss: Am beliebtesten sind Portale wie Youtube und Co. (31 Prozent nutzen diese), gefolgt von Videostreaming-Diensten wie Netflix und Co (23 Prozent). Was die Fernsehsender freuen wird: Am drittbeliebtesten ist die zeitversetzte Anschauen von Fernsehsendern (22 Prozent). Doch auch hier lohnt ein Blick auf die unterschiedlichen Altersgruppen. Denn die 14- bis 29-Jährigen schauen Videos zunächst bei Videoportalen wie Youtube (83 Prozent), am zweitbeliebtesten sind Videos in Streaming-Diensten (67 Prozent) und am drittbeliebtesten Videos bei Facebook (47 Prozent) – und das, obwohl die doch angeblich gar nicht mehr dort sind?! Auf Platz vier folgen dann Instagram-Videos (42 Prozent). Wenn die Öffentlich-Rechtlichen – und die sind nun mal die Auftraggeber der Studie – also in Zukunft junge Menschen erreichen wollen, sollten sie schleunigst an ihrer Plattformstrategie arbeiten. Erst auf Platz 5 folgt das zweitversetzte Gucken von Fernsehsendungen..

Drittens: Audio wird vor allem über Streamingdienste und über Youtube konsumiert. Besonders krass ist die Nutzung dieser Dienste bei den 14- bis 29-Jährigen. Die Nutzung von Audio-Podcasts ist in allen Altersgruppen ein Nischenphänomen, der höchste Anteil der Nutzer liegt bei den 30- bis 49-Jährigen. Spannend ebenfalls: Auch wenn das Live-Streamen von Radiosendungen das drittbeliebteste Nutzungsszenario ist – wenn ich einen Radio-Sender betreiben würde, würde ich mir Gedanken machen.

Viertens: Ein wenig seltsam ist die Untersuchung der Online-Communities, wurden hier offenbar nur Facebook, Instagram, Snapchat, Twitter und Xing (Warum dann nicht auch Linkedin?) abgefragt. Erkenntnis Nummer 1: Die Facebooknutzung der Deutschen (mindestens einmal wöchentlich) geht von 33 auf 31 Prozent leicht zurück, wobei mich auch hier der Anteil der 14- bis 29-Jährigen sehr überrascht: Erkenntnis Nummer 2: Mit 63 Prozent ist das Netzwerk beliebter als Instagram (50 Prozent). Und Erkenntnis Nummer 3: Snapchat ist keinesfalls tot. Schon gar nicht bei den Jungen.

Fünftens: Zum ersten Mal wurde gefragt, wie viele Menschen schon einmal einen Sprachassistenten genutzt haben: Rund ein Drittel der Bevölkerung bejahte dies. Das meistgenutzte System ist hierbei Siri von Apple, vor Google Now und Alexa von Amazon. Ich bin schon jetzt auf die neue Erhebung in 2019 gespannt.

Sechstens: Der Fernseher ist nicht tot! Grund: Viele verwenden ihn, um Streamingdienste wie Amazon-Prime, Netflix oder andere dort abzurufen. Auf dem Smartphone dominiert die Audionutzung (Spotify, Podcasts, Radio), aber auch Facebook wird vor allem mobil genutzt.

Siebtens: Das Smartphone ist der Treiber für die Internetnutzung. Zum einen wegen der weiter steigenden Individualkommunikation mit Hilfe von Messengerdiensten a la Whatsapp. Wer das Internet auch unterwegs nutzt, kommt auf deutlich höhere Gesamtnutzungswerte, schreiben die Studienbetreiber. Um so wichtiger, dass wir endlich Themen wie Netzabdeckung, 5G und Co. vorantreiben.

Du willst die Studie selber lesen? Hier entlang.

Ein Jahr Selbstständigkeit: Was ich gelernt habe

Dieser Text war Teil meines Newsletters, den ich wöchentlich verschicke und zu dem du dich hier anmelden kannst.

Seit einem Jahr bin ich meine eigene Chefin, Buchhalterin, Officemanagerin, Trainerin, Motivatorin. Vermutlich bringt so eine Selbstständigkeit noch viele weitere Jobbezeichnungen mit sich. Und weil ich so etwas gerne bei anderen lese, möchte ich heute mit dir teilen, was ich in diesem ersten Jahr des Freiberuflerdaseins gelernt habe.

1. Disziplin ist (fast) alles
Mir ist es noch nie sonderlich schwer gefallen, diszipliniert Dinge anzugehen, abzuarbeiten oder mich an Deadlines zu halten. Zwar gebe ich wie fast alle Journalistinnen und Journalisten am liebsten just-in-time ab, aber das ist dann auch in time und nicht zu spät. Natürlich würde ich mir von mir an der einen oder anderen Stelle noch ein bisschen mehr Weitblick wünschen, zum Beispiel an terminfreien Tagen wirklich mal ein bisschen an dem Workshop in drei Monaten herumzukonzeptionieren oder die Webseite endlich auf Vordermann zu bringen, aber hey: Wär es nicht tragisch, bereits im ersten Jahr total perfekt zu sein? Eben.

2. Das Zweifeln hört nie auf
Hast du einen Monat, in dem du jeden Abend bis halb eins Projekte abarbeitest, zweifelst du, ob das alles so richtig ist. Hast du einen Monat, in dem du mal ein bisschen Zeit zum Durchatmen hast, zweifelst du, ob das alles so richtig ist. Hast du ein Seminar, bei dem alles spitze läuft, zweifelst du, ob alles so richtig ist. Hast du ein Seminar mit herausfordernden Teilnehmern, zweifelst du, ob alles so richtig ist. Ich weiß, dass ich zu der Spezies Mensch gehöre, die sich ständig hinterfragt und das wird in der Selbstständigkeit per se nicht einfacher, weil sich viele Dinge auch recht kurzfristig ergeben. Gleichzeitig bist du letztendlich vor allem für dich selbst verantwortlich, jede Handlung musst du also vor allem vor dir selbst rechtfertigen. Im Angestelltenverhältnis ist da noch ein Chef, der Dinge hinterfragt, jetzt übernimmst du selbst diese Aufgabe. Gleichzeitig hängt ja auch viel davon ab: immerhin deine Zukunft.

3. Du bist viel unterwegs
Aus irgendeinem Grund bin ich davon ausgegangen, dass ich weniger unterwegs sein werde. War natürlich Quatsch. Meistbesuchte Städte: Köln und Hamburg, aber eben auch Stuttgart, Siegen, Dortmund, Aachen, Duisburg, Essen, Heide. Man kommt gut rum. Was ich für mich gelernt habe: Bei mehrtägigen „Ausflügen“ lieber ein Zimmer vor Ort nehmen – auch wenn die Entfernung ein Pendeln zulassen würde. Ich bin dann deutlich entspannter.

4. Und immer wieder das Thema Sicherheit
Nach sehr vielen Jahren in der Festanstellung ist es von Anfang an ein seltsames Gefühl, nicht so genau zu wissen, was du in einem halben Jahr machst. Ja oft sogar im nächsten Monat. Dieses Grübeln hat sich im Laufe des Jahres natürlich einigermaßen gelegt, weil ich mittlerweile auch feste Aufträge akquiriert habe, aber seltsam ist es doch oft immer noch. Gleichzeitig gehe ich davon aus, dass dieses Gefühl nie weggehen wird – wär ja auch wirtschaftlich betrachtet ungünstig. Und klar: Eine Anstellung wäre dafür auch keine Lösung, schließlich gibt es kaum eine Branche, in der es heute noch sichere Jobs gibt.

5. Du bist für dich verantwortlich
Natürlich gilt dieser Satz in jeder Lebenslage. Im beruflichen Kontext wälzen aber viele Menschen in Anstellung einen großen Teil der Verantwortung auf ihren Chef ab. „Der tut ja nix“, höre ich viele dann immer vorwurfsvoll sagen. „Du aber auch nicht“, antworte ich dann gerne.
Selbstständigkeit heißt in jeder Lage verantwortlich zu sein. Schlechte Tage haben? Schwierig. Neue Ideen finden? Ja, dann lass ich mir was einfallen. Das ist einerseits schön, andererseits aber auch nicht so einfach. Denn oft werden Ideen ja besser, wenn du sie vorher mal pitchst. Wenn du das Seminarkonzept mit jemanden durchsprechen kannst. Oder du mit jemanden gemeinsam überlegen kannst, welches Angebot für jenen Kunden am besten wäre und wie in kürzester Zeit der größte Nutzen entsteht. Am liebsten hätte ich da manchmal einen Gegenpart.

6. Halte die Augen offen
Vor welchen Herausforderungen steht ein Unternehmen gerade? Liegt die Lösung auf der Hand oder muss sie erst erarbeitet werden? Wird da gerade der richtige Mitarbeiter gesucht? Ich finde es extrem spannend, in Unternehmen hereinzugehen – meist mit einer bestimmten Fragestellung – und festzustellen, dass die Probleme eigentlich ganz woanders liegen. Weil das Gegenüber den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht. Eine vage Idee hat. Buzzwords aufgeschnappt wurden und man das jetzt auch so will. Oft war ich in solchen Fällen dann Content-Managerin, Journalistin, Organisationsberaterin und Coach in einem. Weil ich aufmerksam zuhöre, Fragen stelle und mich einbringe. Und aus einem Projekt plötzlich ganz andere entstehen können, ich Angebote entwickle und feststelle, dass es da draußen noch so viel zu tun gibt. Das ist toll, das gibt Kraft und motiviert.

7. Du arbeitest selbst und ständig
Ja, natürlich. Aber ich habe immer gerne gearbeitet und viel. Daran hat sich nichts geändert, nein, es ist vielleicht sogar ganz gut, weil sich gar nicht so viel geändert hat. Und weil ich für mich die Verantwortung trage, nehme ich mir Auszeiten. Bisher hat das ganz gut geklappt.

Mein persönliches Fazit
Was für ein Jahr! So vielseitig und abwechslungsreich. Ich habe in unterschiedlichste Branchen und Bereiche hineingeschnuppert, habe Dinge aufgebaut, Projekte abgeschlossen, war externer Impulsgeber und wenn gewünscht auch mal die Nervensäge. Ich habe neue Dinge gelernt, anderen Menschen Dinge beigebracht und mich weitergebildet. Ich habe Aufgaben abgegeben und bis tief in die Nacht gearbeitet, weil ich auch mal „Ja“ gesagt habe, obwohl eigentlich nix mehr ging, das Projekt aber so spannend war. Ich habe gelernt, auch mal „Nein“ zu sagen. Welchen Rat ich anderen gebe, die über den Schritt in die Selbstständigkeit nachdenken? Du musst es wirklich wollen (und vielleicht auch noch diese sieben Tipps meiner ehemaligen Kollegin Claudia Michalski beherzigen). Ich habe (bisher) noch keinen Grund gefunden, es nicht mehr zu wollen. Deshalb habe ich mir Ziele gesetzt – Dinge, die ich erreichen, lernen, ausprobieren will. Und darauf freue ich mich.

Das weibliche Prinzip – wer wollen wir sein?

(Dieser Text erschien zuerst in meinen Newsletter, zu dem du dich hier anmelden kannst)

(Werbung, da Affiliate-Link enthalten, Buch selbst bezahlt und im Buchhandel selbst ausgewählt)

„Wer wollen wir sein?“ steht im Klappentext des Buches. Erst jetzt beim Abtippen des Satzes wird mir klar, was für eine wichtige Frage das dieser Tage ist. Und natürlich passt diese Frage auch sehr gut zum Inhalt von „Das weibliche Prinzip“, dem neuen Buch von Meg Wolitzer (Affiliate-Link), der amerikanischen Bestseller-Autorin. Das Buch handelt von einer jungen, schüchternen Frau, die die Leser beim Erwachsenwerden begleitet. Sie trifft eine charismatische Frauenrechtlerin, die sie nachhaltig beeindruckt, für die sie später arbeitet und von der sie sich später emanzipiert, weil sie ihren eigenen Weg gehen will. Och nö, nicht noch eine Feminismusgeschichte, ich hab doch schon genug durch #metoo und Co. darüber gelesen, möchtest du vielleicht jetzt ausrufen. Ja, auch mich hat der Titel des Buches erst einmal abgeschreckt, aber ich empfehle dir trotzdem, dieses Buch zu lesen. Es ist wunderbar geschrieben, was sicherlich auch am Übersetzer Henning Ahrens liegt, es passt wunderbar in die Zeit, in der wir auch über die Rechte von Frauen diskutieren, über Quoten, über Männer, die sich durchaus feministisch verhalten und manchmal gleichberechtigter und frauenförderner agieren als die Frauen selbst – und natürlich Macht.

Es gibt eine Szene in diesem Buch, über die ich lange nachgedacht habe und noch immer denke: Es ist die Szene, in der die Protagonistin ihrer Freundin, die ebenfalls für diese charismatische Frauenrechtlerin arbeiten hatte wollen, beichtet, den Bewerbungsbrief nie weitergegeben zu haben. „Du weißt echt, wie man sich im Angesicht der Macht verhält“, wirft sie ihr vor. Ein Satz, der im Grunde ziemlich gut auf dem Punkt bringt, dass es oft eben nicht nur darum geht, dass Männer Frauen in Spitzenpositionen verhindern, sondern Frauen sich gegenseitig auch gerne im Weg stehen. Es zu den so genannten Männerseilschaften eben lange Zeit keine echten Frauenseilschaften gegeben hat. Frauen, die es geschafft haben, hielten nachkommende Frauen lieber auf Distanz. Ich habe die Hoffnung, dass sich das gerade ein wenig wandelt. Es gibt zumindest viele gute Beispiele.

Und es gibt in dieser Szene im Buch noch zwei weitere Sätze, die mich noch immer beschäftigen: „Ich glaube, es gibt zwei Sorten von Feministinnen. Die berühmten und den ganzen Rest, all jene, die still und gewissenhaft ihre Arbeit erledigen, ohne viel Anerkennung zu ernten, die niemanden haben, der ihnen täglich sagt, wie toll sie sind.“ Wer wollen wir sein? Das war der Satz, mit dem ich diesen Text begonnen habe. Wollen wir nicht diejenigen sein, die auf uns Acht geben, ob Männlein oder Weiblein, uns fördern und uns gegenseitig auch mal sagen, wie toll wir sind?