Jahresendzeitfragebogen 2017


Machen wir es kurz, ich habe den Fragebogen auch 2017 für euch ausgefüllt.

Zugenommen oder abgenommen?

Recht konstant.

Haare länger oder kürzer?

Durch einen Zufall („Linda hat gestern gekündigt“) habe ich im Oktober Pia kennengelernt, meine neue Friseurin. Ich bin sehr zufrieden und würde sagen: nen Tick kürzer.

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?

Da ich mir im Sommer eine neue Brille gekauft habe, wurde nachgemessen und die Augen sind sogar nen Tick besser geworden. Kann natürlich auch am Alter liegen.

Mehr ausgegeben oder weniger?

Ungefähr gleichgeblieben, auch wenn ich insbesondere gegen Ende des Jahres nochmal eifrig investiert habe – in den Train-the-Trainer-Kurs, das Design, das ihr dann hoffentlich auch 2018 auf der Webseite sehen könnt.

Der hirnrissigste Plan?

Obwohl das Jahr dann ja doch recht turbulent war, würde ich sagen, dass ich am Ende nicht allzu hirnrissig unterwegs war. Im Sommer dachte ich mal kurzzeitig, dass ich mit einer eher ehrenamtlich anmutenden Tätigkeit glücklich werden könnte, hab dann aber nach dreimal drüber schlafen eingesehen, dass es nicht so ist.

Die gefährlichste Unternehmung?

Mit Kinder lebt man ja eher nicht so gefährlich.

Die teuerste Anschaffung?

Der neue Rechner, das neue Layout, sowas – aber das zählt ja alles ins neue Berufsleben hinein, sprich: keine Anschaffung sondern notwendige Investitionen!

Das leckerste Essen?

Da gab es einiges. Selbst gebackenes Brot, leicht warm, so dass die Butter noch schmilzt, ein bisschen Salz drüber – himmlisch. Dann dieser Salat mit Rindfleisch und Spargeln im Frühjahr im El Mundo – dazu ein Glas Weißburgunder.
Dann habe ich in Österreich Eis mit Kürbiskernöl kennen- und lieben gelernt. Sowieso war Österreich kulinarisch spitze. Und auf die Pute, die ich Weihnachten zubereitet habe, bin ich auch ein bisschen stolz.

Das beeindruckendste Buch?

Eindeutig: Han Kang: Die Vegetarierin

Der berührendste Film?

Viel zu wenige Filme geschaut. Ich habe mich gestern prächtig unterhalten gefühlt bei „Willkommen bei den Hartmanns“.

Das beste Lied?

„Zum Laichen und Sterben ziehn die Lachse den Fluss hinauf“

Das schönste Konzert?

Dieses Doppelkonzert von Kettcar, die nach fünf Jahre zum ersten Mal wieder auf der Bühne standen, und Thees Uhlmann. So viel Energie auf der Bühne – großartig!

Die meiste Zeit verbracht mit?

Familie.

Die schönste Zeit verbracht mit?

Familie.

Vorherrschendes Gefühl 2017?

Umbruch.

2017 zum ersten Mal getan?

In einem Hochseilgarten herumgeklettert. Ein Kind eingeschult. Einem Kind zu Seepferdchen und Bronze-Abzeichen verholfen. In der Elbphilharmonie gewesen. Eine Jurysitzung geleitet. Einen Superman-Kuchen gebacken. Einen Batman-Kuchen gebacken. An einem Designathon teilgenommen. Mit dem großen Sohn auf einem „Deine-Freunde“-Konzert gewesen. In einem russischen Restaurant Weihnachten gefeiert. Einen Anwalt beschäftigt. Gekündigt, ohne genau zu wissen, wie es weiter geht. Einen Newsletter geschrieben. Mich selbstständig gemacht.

2017 nach langer Zeit wieder getan?

Gekrault. Auf einem Klassentreffen gewesen. Ein klassisches Konzert besucht. Eine Zeitschrift abonniert. Podcasts gehört und selbst an einem mitgewirkt. Blinddate gehabt – also anders, aber war eins.

Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?

Rückblickend sicherlich die Zeit zwischen Februar und Mai. Bänderdehnung im Sommer.

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?

Ich mich von mir selbst.

2017 war mit einem Wort?

Aufbruch.

Wer sich nochmal durch die vergangenen Jahre klicken will: 2016, 2015, 2014, 2013, 2012, 2011, 2010,
2009, 2008, 2007, 2006, 2005, 2004, 2003.

Die positive Seite des Jahresendes

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Noch ist dieses Jahr nicht rum. Die letzten Aufträge für dieses Jahr müssen abgearbeitet werden, Rechnungen geschrieben, Geschenke besorgt und gepackt werden, ich weiß nicht, wie es dir geht, aber ich empfinde das Jahresende meist als nicht besonders angenehm. Das Gehetze, um die Todo-Listen abzuarbeiten, quengelnde Kinder, die endlich Weihnachten haben wollen, du kennst all das wahrscheinlich.

Mittendrin lasse ich zwischendrin das Jahr schon einmal Revue passieren, ordne Ereignisse ein in in schöne und solche, aus denen ich gelernt habe. Ich erinnerte mich, zu Beginn des Jahres eine Liste mit Vorsätzen geschrieben zu haben. Für 2017 standen da natürlich ein paar alte Bekannte: mehr Sport, mehr lesen, mehr bloggen. Aber auch neue Dinge: mehr neues Kochen, alte Freunde wiedersehen, akzeptieren, dass ich dieses Jahr 40 werde und Kraulen lernen.

Nicht, dass ich nicht schwimmen kann, ich mache das sogar sehr gerne, allerdings hat mich seit einiger Zeit genervt, dass ich beim Kraulen meist auf halber Bahn mit der Atmung durcheinander komme oder gegen den Beckenrand knalle, weil ich nach links wegdrifte. So kam der Vorsatz auf die Liste und den schleppte ich nun seit Januar mit mir herum. Ich ging ein paar Mal schwimmen, um es selbst immer wieder zu probieren, ich schaute mir Youtube-Videos an, half alles nix. Und dann fragte ich die Schwimmlehrerin meines Sohnes, ob sie nicht mal einen Kurs für Eltern anbieten könne. Sie selbst ist Triathletin und Schwimmlehrerin und bringt den Kindern auf spaßige aber durchaus strenge Weise das Schwimmen bei, dass ich oft in der Umkleidekabine saß und bedauerte, nicht auch so eine Schwimmlehrerin gehabt zu haben.

Machen wir es kurz: Gestern Nachmittag fuhr ich alleine in die Schwimmhalle der Gehörlosenschule in Düsseldorf-Gerresheim und stieg für zweieinhalb Stunden ins Wasser, um Atemtechniken auszuprobieren, meinen Körper im Wasser zu justieren. Am Ende war ich ziemlich stolz, beim Durchqueren der Bahn nicht weggedriftet zu sein oder mich verschluckt zu haben.

Ich war aber auch stolz, so kurz vor Jahresende einen weiteren Punkt von meiner Vorsätzeliste streichen zu können. Denn der Rest ist jetzt erstmal Training.

Was schreibst du auf deine Liste für 2018?

Goldene Blogger 2017 – wer ist nominiert?

Der schönste Moment nach der Arbeit vergangene Woche – ja, es ist Arbeit sich die rund 1000 Vorschläge alle anzuschauen, wenn auch tolle Arbeit – ist der, wenn ich am Tag danach durch all eure Reaktionen scrolle, die ersten Blogeinträge lese und mich darüber freuen kann, das ihr euch freut. Und dann bin ich einfach sehr dankbar, dass Daniel, Thomas und ich vor elf Jahren diese verrückte Idee hatten, eine Preisverleihung zu erfinden und dass wir auch in diesem Jahr wieder wunderbare Unternehmen gefunden haben, die uns dabei unterstützen. Danke euch allen und bevor ich euch hier die Nominierten präsentiere, muss ich mir erst einmal ein Taschentuch holen.

Und hier ist sie, die beste Shortlist des Jahres! Wir sehen uns hoffentlich alle am 29. Januar.

Blogger des Jahres

Newcomer des Jahres

Blogtext des Jahres

Blogger ohne Blog

Blocker des Jahres

  • Marc Jan Eumann für seine intransparente Wahl zum Direktor der Landesmedienanstalt in Rheinland-Pfalz
  • Christian Lindner für seine Blockade der Jamaika-Koalition
  • Heiko Maas für das Netzwerkdurchsetzungsgesetz

Food- & Wein-Blog des Jahres

Tagebuch-Blogger des Jahres

Podcast des Jahres

Snapchat- & Instagram-Stories des Jahres

Instagram-Account des Jahres

Twitter-Account des Jahres

DIY-Blogger des Jahres

Nischen-Blogger des Jahres

Wirtschafts-Blogger des Jahres

Markenbotschafter des Jahres

Social-Media-Sportler des Jahres

Blogger mit Engagement des Jahres

Blogger aus dem Ausland über Deutschland des Jahres

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Zweiklassengesellschaft beim Sandmännchen

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Aus Gründen des Nachwuchses schaue ich fast jeden Abend das „Sandmännchen“. Denn selbst der Sechsjährige schaut es noch gerne, vermutlich weil es einfach ein schönes Ritual vor dem Schlafengehen ist. Alle kommen runter, wir fragen uns, mit was der Sandmann denn diesmal wieder kommt und viele der Geschichten, die beim Abendgruß erzählt werden, sind auch für Eltern ganz gut zu ertragen.

Wer das Sandmännchen im analogen TV schauen möchte, hat drei Möglichkeiten: 17.55 Uhr im RBB, 18.50 Uhr im Kika und 18.54 Uhr im MDR. Da die Kinder es eigentlich nie schaffen, mit Abendessen, Waschen und Zähneputzen pünktlich fertig zu werden, schauen wir meist digital – meist über die App bei Amazon Prime.

Die ist wirklich gut, genauso wie die dazugehörige Webseite, sehr kindgerecht, einfach zu bedienen und Kinder und Eltern können nicht nur mehr über das Sandmännchen erfahren, sondern auch Bastelvorlagen oder Rezepte herunterladen oder ausdrucken (lassen), jede Menge Filmchen von Sandmännchens Freunden ansehen und feststellen, dass es das Sandmännchen-Lied u.a. auch auf schwedisch gibt.

Nun hat der RBB am 4. Dezember ganz stolz per Pressemitteilung verkündet, dass am 8.12. die erste von 24 neuen Sandmännchen-Episoden ausgestrahlt werden soll. Im Filmchen erklärt Martina Wünsch, dass „die Kinder, die ihn heute schauen, einen größeren Wiedererkennungswert haben, dass sie das sehen, was sie auch in ihrem Alltag sehen“. Ehrenwert, erklärt aber nicht , warum der Sandmann dann mit einem Floß auf dem Mississippi, per Flugkapsel, auf dem Surfbrett oder in einem Solarfahrzeug unterwegs ist. Aber hey: Neue Folgen, lassen wir die Details.

Na gut, nicht ganz: Denn seltsamerweise konnten zumindest digitale Zuschauer über die RBB-Mediathek- oder RBB-App die erste neue Folge „Sandmännchen fährt ICE“ gar nicht schauen. Nur in der Kika-Mediathek war diese Folge zu sehen. Stattdessen reiste das Sandmännchen in einem Uralt-Auto (irgendwas aus den 70er Jahren) an.

Absicht wegen unklarer Rechtelage? Ein menschlicher Fehler? Egal. Was angekündigt wird, sollten auch alle Zuschauer zu sehen bekommen.

Warum du mal wieder einen Liebesbrief schreiben solltest

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Als ich in diesem Jahr entschieden hatte, das Handelsblatt zu verlassen, habe ich auch dazu entschieden, etwas Neues zu lernen. Da ich seit Jahren Seminare gegeben, Workshops organisiert, Wissen weitergegeben habe, nahm ich mir vor, mich in diesem Bereich weiterzubilden. Sprich: Ich habe mich für einen Train-the-Trainer-Kurs an der IHK Düsseldorf angemeldet.

Eine richtig gute Entscheidung, wie ich jetzt im Nachhinein sagen kann – der Kurs ist so gut wie abgeschlossen. Ich bin in die Welt der Didaktik abgetaucht, habe neue Trainingsmethoden kennengelernt, das DISG-Modell erkundet, mich mit Vakog beschäftigt, ja sogar kurz in die neurolinguistische Programmierung hineingeschnuppert, meine Stimme erkundet, Konzepte schreiben gelernt. Und habe nebenbei noch ein paar tolle Menschen kennengelernt.

Zum Beispiel einen wahren Flipchartprofi, der eigentlich bei einer Bank arbeitet und mich innerhalb eines Nachmittags dazu gebracht hat, echt verständliche und gut gestaltete Flipcharts zu malen. Er verriet uns ein paar Tricks, die mir sehr geholfen haben.

Ich könnte noch so viele andere Menschen aus dem Kurs erwähnen (die anderen Teilnehmer und vor allem die Kursleiterin Sylvia Schnödewind), aber das sind andere Geschichten, die ich an dieser Stelle gar nicht erzählen möchte.

Im Rahmen des Kurses muss jeder Teilnehmer ein Trainingskonzept schreiben und eine Stunde daraus mit der Gruppe trainieren. Welches Thema nehme ich? Welche Methoden? In welcher Reihenfolge? Und wie schaffe ich es, das Thema auf die Zielgruppe der anderen Trainer zu zu schneiden?

Lange Rede: Ich bin am Donnerstag mit dem Thema „Digitale Selbstvermarktung für Trainer“ ins Rennen gegangen, ein Konzept, das sich recht einfach auch für andere Berufsgruppen anpassen lässt und wenn ich dem umfangreichen Feedback glauben mag, kamen Stunde und ich ganz gut an.

Umfangreiches Feedback? Oh ja. Das gab es direkt im Anschluss persönlich von den anderen Teilnehmern und der Ausbilderin. Gut vorbereitet, ungefähr eine halbe Stunde lang. Und schriftlich für zuhause von jedem einzelnen. Als Liebesbrief. Was für ein wirklich schönes Gefühl, die lieben und wohlwollenden Worte der Kollegen zu lesen.

Und wie einfach es doch ist, anderen Menschen eine Freude zu machen.

Wenn du mehr zu dem Trainingskonzept erfahren möchtest oder mich als Trainerin buchen möchtest, melde dich.

Manfred

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Seit Wochen versuche ich mich thematisch mal weg von der Medienbranche zu bewegen, aber dann passiert wieder was und zack, lande ich doch wieder einem Medienthema. Müsst ihr jetzt durch.

Was passiert ist? Nun: Das mit der Regierungsbildung will nicht so recht klappen und nicht nur das politische Berlin, sondern auch das journalistische Deutschland dreht auf. Die Lage ist unklar, die Ereignisse noch nicht so recht vorhersehbar, neue Machtkonstellationen könnten entstehen und da will man als Journalist natürlich ganz vorne mit dabei sein. Alles verständlich und das macht ja auch Spaß.

Was ich allerdings so gar nicht verstehe, ist der Impuls von Verlagen, den Erscheinungstag von wöchentlichen Printpublikationen nach vorne zu ziehen. Beispiel Stern: Erschien schon gestern, obwohl normalerweise Donnerstag. Beispiel Spiegel: Erschien schon heute und normalerweise Samstag. Also wirklich: Warum?

Ich stelle mir das so vor: Samstagmorgen in Deutschland. Manfred freut sich schon beim Frühstück, dass heute wieder der Spiegel kommt. Genüsslich beißt er in sein Brötchen. Was die wohl diesmal wieder ausgegraben haben, freut er sich. Nach dem Mittag macht er sich einen Kaffee, legt sich aufs Sofa und fängt an zu blättern. Herrlich.

Wenn nun der Spiegel schon am Donnerstag erscheint, dann läuft das so: Manfred sitzt beim Frühstück, gelangweilt kaut er auf seinem Brötchen herum. Heute gibt es keinen Spiegel. Der kam ja schon Donnerstag. Gelesen hat er ihn noch nicht, dafür war in der Woche keine Zeit. Aber beim Blick auf den Titel hat er gar keine Lust mehr zu lesen. Stunde Null. So ein Quatsch. Ist doch seit Donnerstag schon ne Menge passiert. Seehofer, die SPD – da hätte er gerne mehr zu erfahren. Stattdessen arbeitet sich der Spiegel an Lindner ab, ein Thema, das schon am Mittwoch durch war.

Merkst du, oder? Vergrätzt man nicht mit solchen Aktionen nicht gerade die Stammleser, die ihre Routine mit ihrem Printmagazin schätzen?

Und lohnt sich das wirklich, ein Magazin vorzuziehen, wenn man eigentlich digitale Kanäle hat, um aktuell zu informieren? Wenn man dem vorher erschienenen Heft dann zwei Tage weniger am Kiosk gönnt? Wenn man einem sich nach zwei Tagen längst überholten Heft noch zwei Tage länger am Kiosk gibt?

Wie gesagt, ich versteh das nicht. Aber ich hab mir Manfred ja auch nur ausgedacht.

Zeitschriften im Test: Das Brot-Magazin

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„Vor knapp zwei Jahren wies mein Freund Stevan Paul in seinem Blog auf einen Video-Backkurs für Brot von Lutz Geißler hin. Der Name sagte mir nichts. Brot hatte ich früher mal mit Backmischung, Automat und mäßigem Erfolg gebacken. Aber es klang interessant.“ Dies ist der erste Absatz von Sebastian Marquardts Kolumne „Auf ein Wort“ im gerade neu erschienenen „Brot-Magazin“. In dieser Zeitschrift geht es – du wirst es nicht glauben – um gutes Brot, den Backprozess und alles, was damit zu tun hat.

Sebastian ist der Chefredakteur des Brot-Magazins und gleichzeitig Geschäftsführer des Verlages Wellhausen&Marquardt. Ich kenne ihn schon länger, aus frühen Internetjahren und dem, was daraus entstanden ist. Vermutlich wäre ich gar nicht auf dieses Magazin aufmerksam geworden, das irgendwann in seinen Social-Media-Kanälen aufgetaucht ist.

Das „Brot-Magazin“ ist auf den ersten Blick ein klassische Special-Interest-Zeitschrift. Es finden sich dort viele Rezepte, schöne Geschichten von Hobbybäckern, Anleitungen, wie du dir selbst Lievito Madre herstellst, Tipps zur richtigen Pflege des eigenen Sauerteiges, mehr als 20 Brot-Rezepte und leckere Ideen für Brotbelage, die Stevan Paul beigesteuert hat. Küchen- bzw. Knetmaschinen werden getestet, der Entstehung des Franzbrötchens wird nachgegangen und es gibt Wissenswertes zu Glutenunverträglichkeiten und passende Rezepte dazu.

Jetzt wunderst du dich bestimmt, warum ich dieses Magazin hier bespreche, wo es doch meist um recht digitale Themen geht. Das hat ein paar Gründe.

Erstens: Ich habe zwar nur eine Ausgabe gelesen (mehr gibt es bisher auch nicht), aber das Magazin ist wirklich gut. Die Leidenschaft für das Brotbacken, die ich in den vergangenen Monaten nur in Sebastians Instagram-Feed gesehen habe, spüre ich beim Blättern und in den vielen Berichten. So hat er Satoko Shinke kennengelernt, eine japanische Puppenkünstlerin, die das Brotbacken für sich entdeckt hat, obwohl es in Japan keine Tradition hat. Sein eigenes Rezept für ein Sauerteig-Mischbrot – Sebastian hat eine Zeitschrift geschaffen, die Experten anspricht und Neulinge super in die Kunst des Brotbackens einführt. Ich selbst backe seit ungefähr zwei Jahren immer mal wieder Brot, meist mit Sauerteig aus der österreichischen Joseph-Bäckerei, wenn er mir nicht mal wieder (so wie jetzt gerade) umgekippt ist. Ich bin kein Profi, mich verwirren Begriffe wie Anstellgut immer noch, aber auch ich finde hier spannende Themen.

Zweitens: Das Gesamtkonzept des Brot-Magazins ist so schön stimmig. Neben Papierzeitschrift für den Kiosk gibt es Webseite und App für den digitalen Genuss. Ein paar Seiten kann ich mir online anschauen, um einen Eindruck zu gewinnen. Facebook und Instagram gehören ganz selbstverständlich auch zum Konzept. Wer sich dort übrigens mit dem Brot-Magazin verbunden hat, kann schon jetzt live dabei zuschauen, wie die nächste Ausgabe entsteht. Brote werden gebacken, Fotos vom Shooting geteilt – das ist alles sehr schön, zum Ausprobieren und macht Lust auf mehr.

Drittens: Bereits einige Wochen nach Kioskstart gibt es eine kleine aber feine Facebook-Gruppe, in der sich Leser austauschen können. Sie teilen Fotos der Brote, die auf Basis der Zeitschriftenrezepte gebacken worden sind. Sie wünschen sich Themen, die in den nächsten Ausgaben behandelt werden sollen. Sebastian reagiert auf fast alles und wenn ich das richtig beobachtet habe, müsste er allein auf Basis der vielen Fragen und Hinweise genügend Themen für die kommenden Ausgaben beisammen haben. Von Beginn an setzen die Macher auf die Community, binden diese ein, auch indem der oben genannte Lutz Geißler viele Rezepte beisteuert. Ich freue mich schon jetzt darauf, in den kommenden Monaten dabei zusehen zu zu können, wie es weiter geht und wie es dem kleinen Team gelingen wird, die Community einzubinden.

Das „Brot-Magazin“ ein gelungenes Beispiel dafür, wie man im Jahr 2017 Zeitschriften auf den Markt bringt – in Sachen Leidenschaft, Einbindung der On- und Offline-Community und hochwertiger Aufbereitung.

Gebacken habe ich am Wochenende auch. Für Faule gibt es in der Zeitschrift auch ein Speedbaking-Rezept (ohne Sauerteig als Triebmittel), für das ich gerade einmal drei Stunden benötigt habe. Nach dem Abendbrot mit der Familie habe ich übrigens direkt noch eins ansetzen müssen. Und jetzt züchte ich mir gerade Lievito Madre. Mal sehen, wie mir das gelingt.

Interview mit Sebastian Marquardt bei nutriculinary.com
Anja Hartmann über „The meaning and magic of making bread“

Die spannendsten deutschen Finanzblogs

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Am Freitag werden die Finanzblog-Awards der comdirect verliehen, die ich in diesem Jahr zum zweiten Mal und diesmal in der Funktion als Juryvorsitzende unterstützt habe. Das habe ich sehr gerne getan, beobachte ich die Szene doch schon seit einigen Jahren. (In meiner damaligen Rolle als Chefredakteurin von WirtschaftsWoche Online gewann ich so den ein oder anderen Gastautoren und auch in unserem Lunchtalk waren viele gern gesehene Gesprächspartner. Das waren noch Zeiten!)

Seitdem hat sich viel getan. Und wer es in diesem Jahr auf die Shortlist geschafft hat, erkennt alte Bekannte aber eben auch viele neue Gesichter, die einen anderen Ansatz verfolgen. Wer am Freitag ausgezeichnet wird, das werde ich hier natürlich nicht verraten. Ich möchte dir aber fünf Projekte ans Herz legen, die herausragen (und auch nicht alle nominiert waren). Wagen wir also einen kleinen Ausflug in meine persönlichen Highlights der Finanzblogszene im Jahr 2017.

Madame Moneypenny. Im vergangenen Jahr entdeckt – seitdem bin ich großer Fan. Nein, nicht unbedingt des Blogs, sondern der Facebook-Community, die sich um dieses Blog geschart hat. Wenn du ein Mann bist, dann muss ich leider sagen: Sorry. Du musst mir leider einfach glauben, denn hier haben wirklich nur Frauen Zutritt. Mittlerweile hat Natascha Wegelin mehr als 4100 Frauen in dieser Gruppe versammelt und ich bin jedes Mal wieder überrascht, wie gut das Klima dort ist. Wie ernsthaft und engagiert auf beinahe jede Frage reagiert wird. Weiter so. (Und welcher Finanzjournalist ist eigentlich ähnlich nah an seiner Zielgruppe?)

Finanz-Szene.de. Nicht nominiert, aber im Sommer sehr ambitioniert gestartet ist der (Blog-)Newsletter von Heinz-Roger Dohms. Hier merkt man, dass ein klassischer Finanzjournalist gerade das Internet für sich entdeckt, was großartig ist. Ebenso großartig ist der Stil, mit dem er die täglichen Texte verfasst, mit Spitzen garniert, manchmal sehr insiderisch, oft aber mit Humor. Kann ich jedem Finanzinteressierten wirklich ans Herz legen.

Kleingeldhelden. Noch so ein Newsletter, dieser ist auch bei den Finanzblogawards nominiert und wir haben auch diskutiert, ob die nicht eigentlich aus formellen Gründen nicht dabei sein dürften. Was ich an dem Konzept so gut finde? Normalerweise werden Finanzblogs von nicht ganz jungen Herren geschrieben und viele sind so geschrieben, dass du dich wirklich für das Thema interessieren musst… Hier versuchen drei Nachwuchsjournalisten Wirtschaft- und Finanzthemen für ihre Altersgruppe zu machen – es geht um Minijobs, Streamingdienste und klar, auch klassische Anlagethemen. Bin gespannt, wie es bei Marian, Johanna und Sabina weitergeht.

Aktien mit Kopf. Dieses Blog gehört sicherlich zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Finanzblogs und es ist wirklich beachtlich, was Kolja Barghoorn da auf die Beine gestellt hat. Ich meine: Ein Finanzchannel bei Youtube mit mehr als 85.000 Abonnnenten? Wer bietet mehr?

Fintechnews.ch. Eines der bekanntesten Blogs sind die Fintechnews aus der Schweiz, die mit englisch- und deutschsprachigen News die Fintechbranche covern. Warten gerne mit fancy Rankings auf und sind alles in allem sehr lesenswert.

Und nun warte mal ab, wer am Freitag gewinnen wird. Bei Twitter könnt ihr es unter #fba17 erfahren und ansonsten auf der Finanzblogaward-Seite.

Die Zukunft des Journalismus? Nicht reden, sondern machen.

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Es sind schon seltsame Zeiten. Auf den Medientagen in München wurde auf nahezu jedem Panel über die Zukunft des Journalismus gesprochen und auch ich durfte etwas dazu beitragen. Ich war Teil des „Thesenbattles“ am Mittwoch, mit dem nicht unambitionierten Titel „Die ultimativen Antworten auf alle Fragen zur Zukunft des Journalismus“. Um es vorweg zu nehmen: Die konnten wir nicht liefern, allerdings konnte jeder von uns sagen, wo er die Schwerpunkte legen würde.

Ich habe meinen Schwerpunkt darauf gelegt, Kommunikationsprozesse zu optimieren – aber um es ein bisschen plakativer zu machen, habe ich das ganze in fünf denglische Schlagwörter gefasst: listen, communicate, lead, (show) courage und diversity.
Listen: Wenn du dein Gegenüber ernst nimmst, dann hörst du zu. Hörst auf Themen, wie Themen diskutiert werden, analysierst deine Daten und leitest Handlungsmuster ab. Tun die meisten (immer noch) viel zu selten.
Communicate: Redet. Miteinander, mit anderen Abteilungen im Haus, bildet diverse (siehe unten) Teams, redet mit den Menschen da draußen und nicht nur mit der hippen Starbucks-Crowd, sondern mit allen Schichten der Gesellschaft. Das ist eure Zielgruppe. Stellt euch den Diskussionen, auch wenn es schwer fällt. Vor allem in diesem Punkt kann jeder einzelne Journalist von Bloggern und (so genannten) Influencern lernen.
Lead: Eine Vision muss ins Team getragen werden – so transparent wie möglich. Denn nur wenn alle an einem Strang ziehen und in eine Richtung laufen, kann das alles funktionieren.
(Show) courage: Wandel tut weh und bedeutet auch, dass Opfer gebracht werden müssen. Aber das Schlimmste wäre doch, sehenden Auges gen Abgrund zu laufen, anstatt den notwendigen Richtungswechsel einzuleiten. Damit meine ich nicht, einfach umzudrehen, sondern vielleicht lieber eine Kurve einzukalkulieren oder den Fallschirm mitzunehmen.
Diversity: Nein, dabei geht es mir nicht einfach nur um den Frauenanteil in Redaktionen. Es muss nicht immer der stringente Lebenslauf sein, gute Journalisten sind Handwerker und dafür ist nicht unbedingt ein Hochschulabschluss notwendig – am besten noch mit Auszeichnung. So wundert es nicht, dass sich derzeit so viele Menschen von den etablierten Medien abwenden und auf der Suche nach neuen Informationsquellen sind – Journalisten, die ihre Sprache sprechen, die ihre Themen aufgreifen.

‚Wir sind mal rausgegangen und aufs Land gefahren‘, war einer dieser Sätze, die ich auf den Medientagen mehrfach gehört habe – die Reportage aus der Provinz wird im Jahr 2017 als das große Ding gefeiert. Wenigstens haben sie einfach mal gemacht. Wie schrieb Mary Hamilton vor einigen Tagen so schön: „It doesn’t matter what you say you want, it’s what you do to make it happen that makes a difference in the world.“

Fliehen Digitaljournalisten aus Verlagen? Nö, aber ändern muss sich trotzdem was.

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Drüben bei Facebook gibt es eine spannende Diskussion unter einem Spruch von Daniel Fiene: „Gerüchten zur Folge, soll es schon bald eine Meldung in Mediendiensten geben, wenn Digital-Journos in ihrem Job bleiben.“ Hintergrund ist, dass Branchendienste beinahe täglich von Abgängen und Neuverpflichtungen von Digitaljournalisten berichten, wobei sich insbesondere in der vergangenen Woche die Abgänge beim „Spiegel“ gehäuft haben.

Wie gesagt: Unter dem Post wird nun diskutiert, warum das so ist: zu wenig Mut, keine Bereitschaft in Neues zu investieren, keine Lust auf Risiko, zu wenig Vertrauen der „Etablierten“ in das Digitale, zu wenig Bereitschaft, die eigene Komfortzone zu verlassen, zu wenig Ressourcen, Angst vor dem Machtverlust.

Natürlich sind das die üblichen Argumente Spannend daran finde ich vor allem aber zwei Aussagen: Die eine stammt von Cordt Schnibben, ebenfalls Spiegel-Aussteiger, allerdings aus dem deutlich lukrativeren Print-Zweig. Er wünscht sich mehr Journalisten, die auf die Verlagsseite wechseln und gemeinsame Führungsstrukturen aus Verlag und Redaktion. Ich verstehe nicht ganz, warum viele Journalisten immer wieder der Meinung sind, dass sie die besseren Verlagsmanager sind, aber das geht wahrscheinlich einher mit der Annahme, dass gute Journalisten auch ohne Führungs-und Managementqualifikationen in Leitungspositionen berufen werden – Hauptsache, die Leitartikel lesen sich fluffig.

Die andere spannende Aussage stammt von Rheinische-Post-Chefredakteur Michael Bröcker: Es sei seiner Meinung nach keine Frage von Print vs. Digital oder umgekehrt, sondern vielmehr eine Frage von Leidenschaft, Neugier, innerem Feuer.“ Wenn man dieses nicht mehr ausleben kann, dann zieht man weiter, interpretiere ich mal in seine Aussage hinein und damit hat er natürlich völlig recht: Auch unter Printjournalisten hat es in den vergangenen Monaten Abgänge und Wechsel gegeben.

Wenn ich mir grundsätzlich etwas wünschen dürfte für die Verlagsbranche: Diversität auf allen Ebenen. Füllt die Redaktionen mit nicht-studierten Talenten, Menschen, ohne stringenten Lebenslauf, die mal was von der Welt gesehen haben, die eine eigene Filterblase mitbringen. Killt die Silos aus Entwicklern, Analysten, Produktmanagern und Verlagsfuzzis und arbeitet zusammen. Schafft Hierarchien ab. Bildet Teams, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Und hört auf zu glauben, dass Journalisten alles besser können. Es gibt gerade auch auf Verlagsebene so viele fähige und inspirierende Menschen, die ihren Job können. Setzt euch zusammen, redet einfach mal und schaut, was dann entstehen kann, bevor es zu spät ist.

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