Meine Anmerkungen zu Goldenen Blogger 2018

So ganz erschließt es sich mir nicht, warum sich Thomas Knüwer, Daniel Fiene, Christiane Link und ich uns zu dem ohnehin doch recht intensiven Jahresende immer noch die Sichtung der Nominierungen für den Goldenen Blogger legen. Und das seit mittlerweile zwölf Jahren!

Aber so haben wir es mal wieder getan: Wir haben uns all die 2000 Einreichungen aus der Community angeschaut. Jedes einzelne Blog. In unzählige Podcasts reingehört. Twitter-Accounts gesichtet (und gleich mal abonniert), Instagram-Stories geschaut. Das war toll. Weil wir dabei wieder so wunderbare Blogprojekte entdeckt haben. Und es war weniger toll, weil der Frust bei der Erstellung der Shortlist immer wieder durchkam, wenn ich die anderen mal wieder nicht von einem heiß geliebten Blogprojekt überzeugen konnte. Demokratie kann auch richtig weh tun. Wie gerne hätte ich Stefanie Luxat nominiert oder Witzigweil oder 22Monate oder Larissa Rieß oder der Hashtag #septemeer.

Was aber dennoch gut ist: Das Jahr 2018 hat trotzdem eine spannende Shortlist zusammengebracht – und jedes einzelne Projekt steht völlig zu recht auf dieser Liste. Was mich vor allem freut?

Erstens: Die Qualität der Blogs – und Texte. Du spürst, mit wie viel Herzblut hier geschrieben, fotografiert wird.

Zweitens: Vor allem die Frauen scheinen echt gut zu schreiben – alle nominierten Texte in der Kategorie „Blogtext des Jahres“ stammen von Frauen!

Drittens: Authentizität – bei einigen schon zum Buzzword verkommen – ist immer noch der Schlüssel zum Erfolg. Denn glücklicherweise haben auch die Old-School-Promis verstanden, dass Social Media Kommunikation ist und nicht nur ein weiterer Kanal, den man mit seinen Botschaften befüllt.

Viertens: So oft totgesagt, aber gerade bei Twitter hat sich in den vergangenen Monaten wirklich viel getan. Kreative Hashtags haben das Jahr geprägt – nicht nur um Quatsch zu verbreiten, sondern auch für Wichtiges (#wirsindmehr). Journalisten dokumentieren ihre Arbeit dort, kommunizieren über Rechercheergebnisse oder schaffen neue Formate, wie es beispielsweise Sophie Passmann häufig gelang.

Fünftens: Die Wertschätzung. Ja, klingt pathetisch, mir egal. Aber wie sich heute die Nominierungen in den sozialen Netzwerken verteilten – das war toll! Nominierte haben sich gefreut. Freunde von Nominierten haben Menschen entdeckt und sich darüber gefreut. Und wir haben uns gefreut, dass sich alle gefreut haben. So muss das sein. Und dafür gibt es die Goldenen Blogger.

Wir, Christiane, Daniel, Thomas und ich, sind sehr glücklich, dass wir auch in diesem Jahr mit comdirect, Daimler, Facebook, GoDaddy, Telefónica Deutschland und Xing wieder sechs Unternehmen von den Goldenen Bloggern begeistern konnten und so ermöglichen, dass wir am 28.1. gemeinsam im Basecamp die Sieger küren können.

Wenn du vor Ort sein möchtest, dann solltest du dir hier ein (kostenloses) Ticket besorgen. Ohne Ticket, keine Chance reinzukommen. Und bitte gib deins wieder frei, wenn du es doch nicht schaffst :)

Robert Seethaler – Ein ganzes Leben

Andreas Egger ist so etwas, was man vermutlich einen Kauz nennt. Redet nur das nötigste, wirkt auf seine Art unnahbar. Und hat dann aber doch ein großes Herz. Wenn du das Buch „Ein ganzes Leben“ von Robert Seethaler schon gelesen hast – es erschien bereits 2014 – dann kennst du Andreas Egger bereits. Er ist die Hauptfigur in diesem wunderbaren kleinen Buch. Es erzählt die Geschichte dieses Mannes, der in einem Dorf in den Bergen aufwächst, später Hilfsarbeiten leistet, miterlebt, wie die Elektrizität ins Dorf Einzug hält, bei der Entstehung der ersten Bergbahnen mitwirkt, liebt, trauert, in den Krieg zieht, die Gefangenschaft überlebt und die Nachkriegszeit in eben diesem Dorf miterlebt. Fremdenführer wird. Und am Ende in seiner Wohnung aus dem Leben geht. Das Buch ist so lesenswert, weil Robert Seethaler so wunderbar klar formuliert, ohne große Umschweife fast dokumentiert, aber dennoch so viel Atmosphäre mitliefert.
Eine Textstelle habe ich mir markiert:

„Wie alle Menschen hatte auch er während seines Lebens Vorstellungen und Träume in sich getragen. Manches davon hate er sich selbst erfüllt, manches war ihm geschenkt worden. Vieles war unerreichbar geblieben oder war ihm, kaum erreicht, wieder aus den Händen gerissen worden. Aber er war immer noch da. Und wenn er in den Tagen nach der Schneeschmelze morgens über die taunase Wiese vor seiner Hütte ging und sich auf einen der verstreuten Flachfelsen legte, in seinem Rücken den kühlen Stein un dim Gesicht die ersten warmen Sonnenstrahlen, dann hatte er das Gefühl, dass vieles doch gar nicht so schlecht gelaufen war.“

Warum ich mir das markiert habe? Weil wir doch alle dazu neigen, unzufrieden durchs Leben zu gehen, weil wir uns Ziele gesteckt haben, die gar nicht zu erreichen waren oder weil wir – ganz banal – die letzte Mail im Büro dann doch nicht mehr geschrieben, sondern auf den nächsten Morgen verschoben haben. 
Eigentlich braucht es gar nicht so viel für ein erfülltes Leben. Lass dich in den letzten Tagen vor der Weihnachtspause nicht allzu sehr stressen.

Hier könnt ihr das Buch kaufen (Affiliate-Link)

(Text stammt mal wieder aus meinem Newsletter)

Stimme weg – was hilft?

Letzte Woche war ich bei Bayerischen Rundfunk und durfte dort ein bisschen was zum Thema „Newsletter“ erzählen. Doch als ich morgens aufwachte und nach ziemlichen Halsschmerzen in der Nacht meine Stimme testete, war da: nix. Zweieinhalb Stunden hatte ich Zeit und fragte das Internet nach guten Tipps:

Und weil das Internet manchmal auch ein gutes ist, bekam ich welche. Die besten habe ich euch hier mal die besten Tipps zusammengestellt.

1. Ingwertee trinken und Lieder summen.

Meine Umsetzung: Da ich im Hotel unterwegs war, gab es dort kein Ingwer. Aber Zitrone! Also habe ich zum Frühstück heiße Zitrone getrunken und fühlte mich gleich ein bisschen besser.

2. Zwischendrin Trinkpausen machen und dafür Fragen zulassen
Quelle: Maren Kaspers

Meine Abwandlung: Trinkpausen habe ich gemacht, allein weil irgendwann doch die Stimme wegkippte. Fragen kamen dann trotzdem erst am Schluss. Aber das Publikum hat gewartet, bis ich fertig getrunken habe.

3. Gelo Revoice aus der Apotheke besorgen

Meine Umsetzung: Hab ich 1:1 so gemacht und hat in den ersten zehn Minuten auch gut geholfen.

4. Salbei-Tee und vorher am besten nicht sprechen

Meine Umsetzung: Ignoriert.

5. Wodka trinken

Meine Umsetzung: ignoriert. Mit leichtem Bedauern. Aber hielt ich für morgens um 9 Uhr nicht umsetzbar.

6. Mikro und ab ins Bett

Meine Umsetzung: Mikro gab es nicht. Und mein Bett war ein Zug, der mich nach Düsseldorf gefahren hat.

7. Gar nicht reden

Meine Umsetzung: War leider zu kurzfristig, aber wäre was, was ich gerne mal probieren würde. Aber das bedarf dann nochmal einer anderen Vorbereitung.

8. Gebärdensprache lernen

Meine Umsetzung: Zu kurzfristig. Und bedeutet ja auch nicht, dass die anderen mich dann verstehen!

Bonusrunde: Emeukal, Laxvox und auch Thymiantee hat vielen von meinen Twitterfreunden bereits geholfen.

PS: Die Stimme ist mittlerweile wieder da, nun wütet ein Husten. Bin gespannt, was ihr da für Tipps habt :)

Was man von Elisabeth Strunkmann lernen kann

Neulich beim Kunden. Wir reden über Newsletter und wie persönlich die Ansprache im Newsletter in Zukunft sein soll. Plötzlich fällt dieser Name. Elisabeth Strunkmann. Entweder sagst du jetzt: Wer? Oder du sagst: Ja, klar, die schreibt mir auch immer! Elisabeth Strunkmann ist nämlich die Absenderin der Mails, die wöchentlich in das Postfach von DriveNow-Kunden purzeln. Vielleicht liegt es am Namen, vielleicht liegt es an ihrer herzlichen Art, vielleicht aber einfach auch nur an DriveNow – Elisabeth Strunkmann kannten lustigerweise aber alle in der Runde.

Gar nicht mal so schlecht oder? Denn wenn man herauszufinden versucht, wer das eigentlich ist, dann findet man zwar einen Twitter-Account, der im April 2014 entstanden ist und auch einen Facebook-Account. Aktivitäten gibt es in diesen Accounts aber seit Jahren nicht mehr. Und auch die Anfrage bei der Pressestelle lichtete den Nebel um Frau Strunkmann nicht:

Elisabeth Strunkmann ist unsere Newsletter-Fee bei DriveNow. Sie hat blaue Augen, blonde Haare und ihr Sternzeichen ist Löwe. Ihre Hobbies sind Yoga, Klettern und Kino. Elisabeths Lieblingsauto ist der MINI Cabrio.

Und am Ende ist es völlig egal, ob es eine Elisabeth Strunkmann wirklich gibt oder ob das nur der Name der Persona ist, die DriveNow entwickelt hat, um möglichst gute Newsletter an Kunden
herauszuschicken. Wichtig ist doch vor allem, dass sich Kunden den Namen merken, dass sie eine persönliche Beziehung zu Frau Strunkmann und der Marke DriveNow aufbauen. Und das scheint ja ganz gut zu funktionieren.

(Dieser Text war Teil meines Newsletters, den du hier abonnieren kannst.)

Ein paar Erkenntnisse aus der neuen JIM-Studie

Wie nutzt eigentlich Deutschlands Jugend das Internet? Seit 1998 untersucht der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest (mpfs) den medialen Alltag von Jugendlichen im Alter zwischen 12 und 19 Jahren. Gerade ist die neueste JIM-Studie erschienen. Ich habe mir die Studie mal genauer angeschaut. Die aus meiner Sicht spannendsten Punkte.

Gerät Nummer eins: das Smartphone
In den Haushalten, in denen die Jugendlichen leben, gibt es ein großes Medienangebot: vom Fernseher über Laptop bis hin zum Sprachassistenten – alles ist dabei. Mehr als 95 Prozent der befragten Jugendlichen besitzen ein Smartphone oder Handy. Und zwar egal ob Mädchen oder Jungen. Bei anderen Geräten gibt es deutliche Unterschiede: Jungs haben häufiger eine Spielekonsole oder einen Computer.
Mit welchem Gerät nutzen Jugendliche das Internet? Auch hier ist die Antwort nicht überraschend – 79 Prozent sagen: mit dem Smartphone. Unterschiede gibt es hier zwischen Jungs (71 Prozent) und Mädchen (88 Prozent). Die Rechnung zahlen bei 63 Prozent übrigens die Eltern.

Freunde first, Family more popular
Die JIM-Studie untersucht auch die Freizeitaktivitäten von Jugendlichen – ohne Medien. Auf Platz 1 liegt mit 71 Prozent „Mit Freunden/Leuten treffen“, gefolgt von „Sport“ mit 69 Prozent und „Familienunternehmungen“ mit 38 Prozent. Spannend: der Vergleich der Zahlen von 2008 und 2018. „Mit Freunden/Leuten treffen“ wird unwichtiger (2008: 88 Prozent), „Familienunternehmungen“ werden wichtiger (2008: 22 Prozent).

Jugendliche vertrauen Tagesschau und Tagesthemen
Die ARD wird es freuen: 84 Prozent der befragten Jugendlichen vertrauen dem Nachrichtenformat im Ersten. Nicht minder spannend: Auf Platz zwei liegen regionale Tageszeitungen Print (77 Prozent), obwohl die gar nicht so häufig konsumiert werden. Überraschend: Das Vertrauen von Jugendlichen in Focus Online und Spiegel Online liegt mit 51 und 50 Prozent ziemlich gleichauf.

Büchernutzung seit Jahren konstant
Trotz Digitalisierung und Smartphone-Konsum liegt der Anteil derer, die mehrmals pro Woche ein Buch lesen, seit Jahren recht konstant bei 40 Prozent. Und das auch eher auf Papier und nicht in Form von E-Books.

Wer Musik hört, tut das bei Musik-Streaming-Diensten
Musik ist wichtig – und erstmals stehen Streaming-Dienste bei den regelmäßigen Nutzungsoptionen auf Platz 1 vor „Live bei Radiosendern“ und „Youtube“. 62 Prozent der Befragten hören so Musik. Die Nutzung von MP3, CD, Kassette oder Platte ist hingegen von 37 Prozent im vergangenen Jahr auf 24 Prozent geradezu abgestürzt.

Die Top3 Online-Angebote
Youtube, Whatsapp, Instagram. Keine Veränderungen, keine Überraschungen.

Die Top3 Apps
Bei den Mädchen: Whatsapp, Instagram, Snapchat. Bei den Jungs: Whatsapp, Youtube und Instagram. Es gibt auch noch ein paar Details zur Frage, wie Instagram und Snapchat genutzt werden. Ganz kurz: Die meisten folgen und kommunizieren mit Freunden.

Wichtige Informationsquellen: Google und Youtube
Welche Medien haben eigentlich gute Youtube-Kanäle? Wer Jugendliche erreichen möchte, muss in seiner Strategie auf Youtube setzen. Denn um sich zu informieren, nutzen Jugendliche zu 88 Prozent Suchmaschinen und 60 Prozent schauen Youtube. Nachrichtenportale von Zeitungen suchen nur 22 Prozent der Jugendlichen mehrmals pro Woche auf.

Die komplette Studie findest du als Download hier.

(Dieser Text ist zuerst als Teil meines Newsletters erschienen, den du hier abonnieren kannst.)

Schön aber unzufrieden – warum kalter Kaffee im Seminar Mist ist

In den vergangenen Monaten war ich wirklich viel unterwegs und habe Seminare und Workshops gegeben – Hamburg, Berlin, Stuttgart, Düsseldorf. Und immer wieder sind es andere Locations mit anderen Rahmenbedingungen, mit denen du als als Trainer oder Dozent, aber auch als Teilnehmer klar kommen musst. Ob er schlauer ist oder sich nun endlich traut, neue Tools auszuprobieren, auf neuen Kanäle zu kommunizieren – ja, das ist alles wichtig. Aber es sind meist die einfachsten Dinge, die am Ende auch darüber entscheiden, ob ein Teilnehmer mit der Fortbildung zufrieden war.

Der Raum an sich: Ist es hell dort? Sind die Stühle bequem? Nichts ist schlimmer als zu wissen, einen Tag auf furchtbaren Stühlen zu verbringen. Sind die Tische sauber? Kann ich von meiner Position das Flipchart, die Moderationswand, die Präsentation sehen? Und zwar ohne den Kopf zu verrenken? Zieht es gar? Ein Seminar in einem guten Raum zu geben, ist das A und O. Sonst startet der Tag bereits mit Gemecker und das hat Auswirkungen auf die gesamte Runde. 

Die anderen Teilnehmer: Ob ein Tag, ein ganzes Wochenende oder gar eine ganze Woche – wenn die Chemie unter den Teilnehmern nicht stimmt und die Trainerin oder Dozentin darauf nicht eingeht, kann es ganz schnell knallen. Selbstdarsteller reden gern und viel und können die anderen schnell nerven. Egoisten nehmen keine Rücksicht auf die anderen Teilnehmer, können schnell ein ganzes Seminar dominieren. Die Ruhigeren verstummen ganz und sind gefrustet am Ende des Tages, ihre Fragen gar nicht losgeworden zu sein. Diese unterschiedlichen Charaktere in Einklang bringen – die Lauten mal zu bremsen, die Ruhigen zu fordern – das ist die Herausforderung an jedem Seminartag.

Die eigene Verfassung: Schlecht geschlafen? Schlecht geträumt? Ein blöder Anruf am Vorabend? Die dringende Mail am Morgen, deren Beantwortung eigentlich zwei Stunden Recherche und drei Telefonate erfordert? Was die Teilnehmer außerhalb des Seminars gerade beschäftigt, lässt sich nur erahnen. Aber auch hier gilt es: erkennen, im Notfall ansprechen und ausgleichen.
 
Die Verpflegung: Schmeckt der morgendliche Kaffee nicht oder ist er gar kalt, kann so ein Seminartag ganz schnell gelaufen sein. Kondensmilch statt frische Milch, kein Zucker, pappige Kekse – auch bei Dingen, die eigentlich ganz einfach erscheinen, kann viel schief laufen.

Die Technik: USB-Kabel, Adapter, ja selbst Lautsprecher – diese Dinge habe ich eigentlich immer dabei. Manchmal denke ich darüber nach, einen eigenen Beamer in die Grundausstattung zu nehmen. Wie oft mir der Techniker des Hauses schon vormachen wollte, dass mein Rechner nicht funktioniere, obwohl es am Kabel lag. Und wie nervig es für die Teilnehmer ist, wenn der Bildschirm alle paar Minuten flackert oder das Bild zittert, wenn die Referentin etwas am Flipchart notiert.

Auf all das muss sich jede Dozentin, jede Trainerin, jede Seminarleiterin einstellen – und mit Humor, Feingefühl und Schokolade für Ausgleich und gute Stimmung sorgen. Weil am Ende die Zufriedenheit der Teilnehmer zählt.

(Männliche Trainer, Dozenten und Seminarleiter sind in diesem Text mitgemeint.)

(Dieser Text war Teil meines Newsletters – hier entlang!)

Fünf Dinge, die ich über die deutsche Newsletterlandschaft gelernt habe

Ich habe in dieser Woche ein neues Seminar vorbereitet – Thema: Newsletter. Wie funktionieren sie, Inhalt, Aufbau, Storytelling, das ganze Programm und ich habe aus diesem Grund auch sehr viele neue Newsletter abonniert. Um Best Cases zu finden, um zu verstehen, wie sie funktionieren und manche auch wieder ganz schnell abzubestellen. Ein paar Dinge sind mir dabei aufgefallen und ich dachte, sie könnten dich auch interessieren.

Erstens: Es gibt ein paar tägliche journalistische Newsletter. Das Morning Briefing des Handelsblatts, das Steingart-Briefing, der Checkpoint, der Tagesanbruch von T-Online, Trending und noch ein paar andere: Fällt dir was auf? Alles Männer! Liegt das an mir oder gibt es kaum tägliche Newsletter-Schreiberinnen. (EDIT: Als Reaktion auf meinen Newsletter schrieb Lorenz Maroldt vom Tagesspiegel“: „Inzwischen schreiben drei Kolleginnen regelmäßig den Checkpoint (ich mache ja nur noch drei- bis viermal die Woche): Anke Myrrhe, Laura Hofmann und Ann-Kathrin Hipp.“ Danke Lorenz!

Zweitens: Wenn Medienhäuser Newsletter herausgeben, spielt echte Personalisierung eine untergeordnete Rolle. Und damit meine ich nicht, dass ich wenigstens mit Namen angeredet werde – selbst das klappt bei den meisten nicht. Ich hatte gehofft, dass die meisten die vergangenen Jahre genutzt haben, um in die CRM und Infrastruktur zu investieren.

Drittens: Es gibt verdammt viele richtig gute Newsletter, die in One-Woman- oder One-Man-Shows betrieben werden. Johannes Klingebiels Zine, Tibor Martinis 10plus1, seit kurzem auch Nikolaus Röttgers KI-Briefing oder Pit Gottschalks Fußball-Briefing – um ein paar männliche Varianten zu nennen. Aber auch Vanessa Gieses Newsletter, der Kolumbus, Sue Reindkes „E-Mail für dich“ sind toll und lese ich regelmäßig.

Viertens: Es gibt noch so viele andere Newsletter zu entdecken – das hat mein Aufruf bei Facebook gezeigt. Dort haben ganz viele Menschen ihre liebsten Newsletter hinterlassen – es lohnt sich dort zu stöbern!

Fünftens: Die Zahl der bezahlten Newsletter ist gering. Zwar gibt es auch in diesem Bereich einige gut funktionierende Modelle (Stratechery) und Experimente (Social Media Watchblog) aber auch , aber die meisten nutzen Newsletter vor allem zur Kundenbindung, Information, Markenbildung oder zum Abverkauf von Produkten und Dienstleistungen. Ich bin gespannt, ob sich das in den nächsten Monaten wandeln wird.

Was gibt es noch zu entdecken? Ich freue mich über Hinweise.

Meinen Newsletter kannst du übrigens hier abonnieren.

Spielst du noch Pokémon Go?

Erinnerst du dich noch, dass im Sommer 2016 das Spiel Pokémon Go veröffentlicht wurde? Das Spiel fürs Smartphone, bei dem man beim Herumlaufen durch die Stadt kleine Monster findet und diese einfangen und sammeln kann. An spannenden Schauplätzen gibt es virtuelle Pokéstops, bei denen man sich „Einloggen“ kann, um Punkte und Zubehör zu sammeln. Damals drehten alle irgendwie durch – hier in Düsseldorf war monatelang eine Straße an der Kö besetzt, weil es dort vier Pokéstops auf einmal gab und dort viele und vor allem seltene Pokémons auftauchten. In anderen Städten gab es ähnliche Versammlungen.

Und wie es bei Hypes so ist, irgendwann wurde es ruhiger, die Stadt Düsseldorf setzte durch, dass die Ballung an Pokéstops an diesem Standort verschwand und an das Rheinufer verlagert wurde – und damit war die Sichtbarkeit dieser Szene an diesem doch recht prominenten Standort futsch.

Das mediale Interesse nahm ebenfalls ab und als im Sommer 2018 in Dortmund das Pokémon GO Safari Zone Event an den Start ging, waren nicht nur Polizei, Medien, sondern auch die Veranstalter selbst von dem riesigen Interesse überrascht. Zehntausende Menschen fluteten die Stadt und den Park. „Spielt das denn noch irgendwer?“, schlossen viele von sich auf andere.

Denn Niantic, die Firma hinter dem Spiel, hat vielleicht zu Beginn ein wenig lange gebraucht, um neue Features auszurollen, aber seitdem dann doch viel getan, damit die Nutzer bei der Stange bleiben. Mittlerweile vergeht kein Monat ohne irgendwelchen neuen Highlights, keine Woche ohne eine Aktion. Mittlerweile hat jeder Nutzer Freunde, denen er Geschenke schicken kann, die vierte Generation an Pokemon wird gerade ausgerollt und jeder Nutzer kann Aufgaben lösen, um die begehrten Bälle, Beeren oder Tränke zu erhalten. Seit neuestem zählen auch gelaufene Kilometer, wenn das Spiel nicht aktiv ist für das Ausbrüten der Eier. Laut „PC Magazin“ ist Deutschland nach Umsatz das drittgrößte Land weltweit.

Was viele aus meiner Sicht unterschätzt haben? Die Verbindung von Realität und Spiel ist etwas, was eben nicht nur normale „Gamer“ anspricht. Zu gerne würde ich einen Blick in die Nutzerzahlen werfen. Meine Vermutung: Es sind auch zweieinhalb Jahre nach dem Start immer noch alle Altersgruppen vertreten. Nur eine von vielen Anekdoten: Mein Mann traf am vergangenen Wochenende am Rhein auf zwei ältere Damen und einen Mann. Eine der Damen war von dem Pokémon auf ihrem Smartphone völlig begeistert: „Den entwickele ich jetzt“.

Seit ein paar Tagen hat Niantic übrigens die überarbeitete Version des Pokémon-Vorgängers Ingress auf den Markt gebracht. Der mediale Hype hält sich bisher in Grenzen. Aber wenn ich in meinen vergangenen Jahren in der digitalen Welt eines gelernt habe: Unterschätze niemals Subkulturen.

(Dieser Text war Teil meines Newsletters. Hier kannst du meinen Newsletter abonnieren.)

Programmieren ist nur eine von vielen digitalen Kompetenzen

(Dieser Text war Teil meines Newsletters, den du hier abonnieren kannst)

In dieser Woche ist wieder eine dieser Initiativen in meinem Postfach gelandet, bei der Kindern das Programmieren beigebracht werden soll. So wichtig und richtig ich diese Initiativen finde, so sehr ärgert es mich, wenn die Entwicklung digitaler Kompetenzen so sehr aufs Programmieren reduziert wird. Sicher: Code zu verstehen, ja sogar selbst zu schreiben, ist eine Kompetenz für das 21. Jahrhundert. Allein diese Kindern und Jugendlichen beizubringen, greift allerdings zu kurz. Die Europäische Kommission hat ein Framework entwickelt, in dem es insgesamt 21 digitale Kompetenzen gibt, die in fünf Dimensionen aufgeteilt werden können (mehr dazu hier):

1. Information and data literacy
2. Communication and collaboration
3. Digital content creation
4. Safety
5. Problem Solving

Passend dazu die Studie von McKinsey, die benennt, welche Fähigkeiten in deutschen Unternehmen fehlen. Darunter technologische, insbesondere die komplexe Datenanalyse, aber auch weichere Faktoren wir die Fähigkeit zur Zusammenarbeit und Durchhaltevermögen.

Ich würde mir wirklich wünschen, wenn die Debatte um die Ausbildung von digitalen Kompetenzen nicht immer nur auf das Programmieren reduziert werden würde.

Der geheime Bunker der Bundesbank

Ich habe mich auf eine Zeitreise begeben, in eine Zeit, in der es hier noch die D-Mark gab. Dafür ging es rund 30 Meter unter die Erde in einen Bunker, der vor fast sechzig Jahren in einem Wohngebiet in Cochem an der Mosel gebaut wurde. Vordergründig zum Schutz der Bevölkerung, eigentlich aber, um einen Ort zu schaffen, an dem die Bundesbank 15 Milliarden D-Mark in einer Ersatzwährung lagern konnte – für den Fall der Fälle. 

Bis 1988 wurde dort dieses Geld gelagert, die Anwohner gingen davon aus, dass dort einer der damals üblichen Luftschutzbunker in Betrieb gehalten wurde. Davon gewusst haben vor Ort zwei Menschen: ein Hausmeister und der Leiter des ansässigen Schulungszentrum für Banker, in Frankfurt sechs Menschen bei der Bundesbank. 

Fast 60 Jahre hielt dieses Geheimnis stand, das allein ist schon faszinierend genug. Zum Einsatz kam die Währung nie, einerseits weil ein echter Angriff auf das deutsche Währungssystem ausblieb, zum anderen, weil man sich in den 80er Jahren für neue, fälschungssichere Scheine entschied. Scheine, die den Wert von 15 Milliarden D-Mark haben sollten, wurden geschreddert, die Bundesbank gab den Bunker auf. Warum? Darauf konnte der Touri-Führer leider keine Antwort geben. 

Doch auch die weitere Geschichte dieses Bunkers erzählt deutsche Geschichte. 1993 ging er in den Besitz der Volksbank Cochem über. Im Jahr 2008, Lehman Brothers lässt grüßen, musste die Volksbank übernommen werden, der Bunker wurde verkauft, umgebaut und seit 2016 kann man ihn jetzt besichtigen. 

Seitdem denke über zwei Dinge nach: Wo in Europa wohl der Bunker steht, in dem die Ersatzscheine für den Euro wohl lagern oder wie sieht ein solches Notfallszenario wohl in digitalen Zeiten aus? Zweitens: Irgendwann kam die Frage auf, warum es eigentlich kaum noch Bunker gibt. Die Antwort war klar und gleichzeitig verstörend: weil sie in der heutigen Zeit nutzlos wären. Einen Hintergrund habe ich später noch dazugegoogelt.

Die Bunker-Webseite
Der Bunker auf Wikipedia