Social Media 2021: Netzwerke, Strategie und Co.

Vergangene Woche war ich zu Gast in dem Podcast „Was mit Medien“ und habe dort mit den Hosts Daniel Fiene, Dennis Horn und Sebastian Pähler über Social Media und deren Bedeutung für Medienschaffende und darüber hinaus in 2021 gesprochen. Herausgekommen ist ein launiges Gespräch, das du dir hier anhören kannst. Ich dachte mir: Da kann ich doch auch nochmal hier ein paar Aspekte für dich hervorheben.

? Die öffentliche Debatte um Social Media Ich glaube, die wird 2021 noch einmal lauter werden – auch wegen des politischen Drucks. Wie funktionieren die Kanäle, wer entscheidet, wer gesperrt wird? Da werden wir noch viele Diskussionen erleben.

? Engagement rules Hast du die jüngste Update-Ankündigung von Facebook gesehen? Auch Seitenbetreiber bekommen mehr Möglichkeiten, mit ihrer Community zu interagieren. In der Arbeitsrealität vieler Redaktionen und Abteilungen hat bisher das Erstellen von Inhalten die größte Aufmerksamkeit bekommen. Das muss sich ändern: Ein Switch zur aktiven Community-Arbeit ist nötig. Bei Instagram und Linkedin hat Engagement in und mit der eigenen Community bereits eine übergeordnete Bedeutung.

? Die ultimative erste Frage Was möchte ich eigentlich erreichen? Das ist sie, die Frage, die du dir beantworten solltest. Denn: Nur weil viele gerade über einen Kanal reden, heißt es noch lange nicht, dass du damit etwas bewirken kannst. Zumal du ja auch noch wissen musst, ob der Kanal dann überhaupt geeignet ist, deine Ziele zu erreichen. Gilt nicht erst seit 2021, aber wurscht.

? Es gibt nicht DAS Netzwerk, auf dem du sein musst Auf welchem Netzwerk du aktiv werden solltest, hängt damit zusammen, was du erreichen möchtest. Willst du vor allem Millennials ansprechen? Dann könnten Tiktok und Instagram etwas für dich sein. Willst du den gesellschaftlichen Diskurs mitbestimmen? Dann schau dir Twitter genauer an. Willst du eine breite Masse ansprechen, aber gleichzeitig in ganz bestimmte Zielgruppen kommunizieren und eine enge Beziehung aufbauen? Dann könnte es richtig sein, dich doch nochmal ausführlicher mit Facebook zu beschäftigen. Möchtest du dich beruflich positionieren? Dann könnte Linkedin eine gute Möglichkeit sein.

? Pinterest Für mich eines der unterschätztesten Netzwerke. Gerade, wenn es um Reichweitenaufbau geht. Und es gibt einige Medienmarken, die dort sehr erfolgreich sein könnten.

? Twitch Hast du die Meldung gesehen: Der spanische Twitch-Streamer TheGrefg enthüllte am Montag einen „Fortnite“-Skin und dabei schauten mal eben zwei Millionen Menschen zu. Meldungen wie die zu Otto, werden wir in diesem Jahr sicherlich häufiger hören.

? Discord Kein klassisches soziales Netzwerk, aber eine Plattform, die sich extrem gut für alle möglichen Dinge eignet, die vielen Kommunikatoren wichtig sind: Communityaufbau und -pflege, kollaboratives Arbeiten, Gaming usw.

Der Text war Teil meines wöchentlichen Newsletters. Hier kannst du ihn abonnieren.

Du willst Social Media stärker nutzen? Regelmäßig biete ich in meiner Akademie Live-Onlineseminare und Workshops an. Schau doch auf meiner Website vorbei, ob ich dir mit eins meiner Seminare helfen kann.

Tiktok, Neues Lernen und Arbeiten, Podcasts und Fokussierung auf noch mehr Digital

Ich hoffe, dass du gut ins neue Jahr gestartet bist. Was wird uns ins 2021 beschäftigen? Jedes Jahr mache ich mir dazu ein paar Gedanken. Das Jahr 2020 war in vielen Dingen sicherlich so nicht vorhersehbar. Manches aber schon: Über Purpose wurde gesprochen, die Bedeutung von Diversität immerhin diskutiert und in neuen Studien belegt, Linkedin, Instagram und Tiktok waren die Kanäle des Jahres. Was kommt also 2021? Zehn Punkte, die im weiten Sinne was mit Medien und Kommunikation zu tun haben.

Neues Arbeiten | Ich glaube nicht daran, dass die meisten von uns nach dieser Pandemie, wann immer das auch sein wird, wieder jeden Tag ins Büro fahren werden oder für Meetings mal eben durch Deutschland jetten. Vieles von dem, was derzeit selbstverständlich ist, wird bleiben. Aber einiges wird eben auch wieder zurück kommen. Denn wie wertvoll zufällige Begegnungen, persönlicher Austausch, aber auch der informelle gemeinsame Kaffee in der Küche sein können, das wissen wir jetzt noch viel besser. Weil sie nicht mehr selbstverständlich sind.

Neues Lernen | Schon jetzt boomt das digitale Lernen – jederzeit und überall kann ich mich digital weiterbilden. Ich hoffe, dass auch Lehrende in den nächsten Monaten in der Lage sind sind, auf diese Art und Weise mit ihren Schülerinnen und Schülern in Kontakt zu bleiben und ihnen Wissen zu vermitteln. Und in der Erwachsenenbildung? Ich glaube, dass die Scheu vor digitalen Seminaren und Workshops weiter abnehmen wird. Wenn Begegnungen wieder leichter möglich sind, werden diese sicherlich wieder in Präsenz stattfinden. Die Hürde für digital begleitete Trainings on the jobs könnte allerdings deutlich niedriger geworden sein.

Diversität | Ich lasse das Thema „Diversität“ auf der Agenda, denn ich gehe fest davon aus, dass wir auch hier einen Schritt weiter kommen werden. Weil wir es müssen. In allen Bereichen fehlt es an unterschiedlichen Sichtweisen – ja, auch in 2021 wäre es schon ein Gewinn, Geschlechterdiversität zu erreichen. Das gilt vor allem auch für die Medienbranche. Der Kollege Thomas Baekdal hat dazu einen ganzen, sehr lesenswerten Newsletter geschrieben.

How | In 2020 wurde viel über „Purpose“ diskutiert und da war ziemlich viel Buzzword-Bingo dabei. Dafür werden wir 2021 keine Kapazitäten haben. Denn am Ende muss umgesetzt werden. Keine große Reden schwingen, sondern umsetzen, Prozesse definieren, Best Practises entwickeln – darauf wird es 2021 ankommen.

Polarisierung | Die Polarisierung der Gesellschaft wird weiter zunehmen – sicherlich auch durch die Corona-Pandemie befeuert und das wird sich auch auf Kommunikationsformen jedweder Art auswirken. Dabei spielen die Medien leider eine nicht unerhebliche Rolle – im Kampf um Aufmerksamkeit und Umsätze.

Fragmentierung der Medienmarken | Anfang 2020 hatte ich vorhergesagt, dass die Fragmentierung der vierten Gewalt fortschreiten wird. Gleichzeitig haben wir gesehen, dass gerade in Krisenzeiten auch die klassischen Medien eine wichtige Informationsquelle sein können. Nur leider hat hier nicht überall auch das Geschäftsmodell profitiert. Entlassungen, Effizienzprogramme und Co. werden dafür sorgen, dass die Fragmentierung sich verstetigen wird. Mit zweierlei Effekten: Es werden neue Medienmarken entstehen – spezialisierter, mit einer größeren Fokussierung auf Nischen. Und wir werden sehen, dass es auch hierzulande weitere journalistische Personenmarken geben wird, die ihr eigenes Ding aufziehen. Wer es versäumt, dabei eine Community aufzubauen und diese auch zu pflegen, wird keine Chance haben.

Newsletter | Kann man das 2021 noch als Trend bezeichnen? Wenn ich meine letzten Seminare zu diesem Thema Revue passieren lasse: ja. Noch immer haben vor allem viele Medienmarken und Journalisten nicht erkannt, welche Kraft Newsletter entwickeln können. Und damit meine ich nicht die „Listletters“, in denen einfach nur wild irgendwelche Links verschickt werden. Im Lokalen aber auch für Fachmarken sind Newsletter sehr geeignet: Sie können vielseitig eingesetzt und automatisiert werden, um Säulen für digitale Erlösströme aufzubauen.

Podcasts | Bleibt Trend. Ich empfehle hierzu den Text von Philipp Westermeyer beim Medieninsider.

Socialmedia | Linkedin, Tiktok und Instagram – das sind die Namen der Plattformen, die 2020 zu den Gewinnern zählen werden, habe ich 2020 geschrieben. Würde ich auch für 2021 so sehen und ergänzen: Messenger. Ich gehe fest davon aus, dass sie im Wahlkampf 2021 eine größere Rolle spielen werden als dem einen oder anderen lieb ist.

Digital first | Auch wenn es wie ein Nobrainer klingt: Ende 2021 wird sich kaum einer NICHT mit digitalen Strategien auseinander gesetzt haben. Schon gar nicht in Sachen Kommunikation. Scott Galloway, der Prognosepapst, spricht schon eine Weile von dieser Streuung – denn zusätzlich durch den Pandemie-Effekt ist es noch schwieriger geworden, Menschen auf EINEM Weg zu erreichen – es ist noch notwendiger geworden, verschiedene Wege zu gehen, um seine Zielgruppen zu erreichen. 

Und bei mir: Ein paar Dinge bleiben, wie sie sind: Ich werde meine Kunden in ihrer Digitalstrategie beraten, coachen und unterstützen, ich werde weiter meinen Newsletter schreiben (Hier abonnieren!) und auch wieder öfter hier im Blog und die Goldenen Blogger (Gerade ist die Nominierungsphase gestartet). Ich werde meine Akademie auf- und mein Team ausbauen. Um dann noch ein paar andere Dinge umzusetzen, über die ich zu gegebener Zeit auch hier berichten werde.

Und was meinst du? Was kommt bei dir in 2021?

(Dieser Text war auch Teil meines wöchentlichen Newsletters. Hier kannst du ihn abonnieren.)

Die Frauen in „Werk ohne Autor“


Nun endlich auch „Werk ohne Autor“ gesehen, den Drei-Stunden-Epos von Florian Henckel von Donnersmarck. Und wenn man diesen Film einfach mal als ganz normalen Film ansieht – und all die Diskussionen darum, wie viel man sich da jetzt aus den Biografie realer Künstler:innen inspiriert hat, ausblendet, dann ist das ein durchaus unterhaltsamer, ästhetischer Film, der auch nicht zu lang wird und das hätte ich eigentlich vermutet.

Wozu mich der Film inspiriert hat?

Erstens: Im Nachgang habe ich die Wikipedia-Biografie von Gerhard Richter und Joseph Beuys gelesen und mir vorgenommen, nochmal ein bisschen tiefer insbesondere in diesen Teil der Geschichte Düsseldorfs einzusteigen. Spannend und neu für mich: Beuys‘ Verbindung zu dem Tier-Filmemacher Sielmann.

Zweitens: „Werk ohne Autor“ ist ein Film von Männern über Männer, weil eben viele der handelnden Personen im dritten Reich Männer gewesen sind und es natürlich auch viele männliche Künstler gegeben hat. Daher kann es natürlich sinnvoll sein, die Historie an eben solchen Männern zu erzählen. Zudem gibt es diese eine Szene in der Kunstakademie, in der die Studierenden mit „Meine Herren“ angesprochen werden, obwohl da auch sehr viele Frauen gesessen haben. Das hat mich irritiert und ich habe mich gefragt: Wäre mir das auch schon vor zehn Jahren aufgefallen? Vermutlich schon.

Drittens: Was wäre das eigentlich für ein Film, wenn man die Geschichte solcher Männer mal aus der Frauenperspektive erzählt hätte? Wie sähe beispielsweise ein Film aus der Perspektive der Martha Seeband (der Frau des Professors) aus? Wie hält sie es aus an der Seite dieses Egozentrikers und Mörders? Wie erträgt sie seine Eskapaden? Wie rechtfertigt sie ihre Mittäterschaft an der Abtreibung?

Oder aus der Perspektive von Elisabeth Seeband, der Frau des Künstlers? Wie lebt es sich damit, wenn der eigene Vater über Leben und Tod unzähliger Frauen entschieden und nicht mal vor dem Leben der eigenen Tochter halt gemacht hat? Wie lebt es sich an der Seite eines Künstlers nach der Ausreise in den Westen? Auch ich würde mich darüber freuen, wenn historische Ereignisse auch öfter aus der weiblichen Perspektive erzählt werden würden.

Jahresendzeitfragebogen 2020

Traditionen soll man nicht brechen. Auch nicht in diesem doch insgesamt besonderen Jahr. Doch war das Jahr wirklich so schlecht? Es war anstrengend, ja. Weil wir alle viele Routinen brechen mussten. Dinge, an die wir uns gewöhnt hatten, die wir lieb gewonnen haben: Arbeitswege, Urlaub woanders, Kinderbetreuung, Kontakte zu anderen. Erst im Verzicht bzw. kompletten Wegfall wurde mir klar, wie wichtig diese Dinge mir eigentlich sind. Einige davon konnte ich kompensieren. Ein Beispiel: Als ab März plötzlich alle beruflichen Reisen wegfielen, wurde mir klar, dass diese für mich nicht nur berufliche Reisen waren, sondern auch Ich-Zeiten. Zeiten, in denen ich mich nur um mich kümmern musste und die ich zum Lesen, Inspirieren, Nachdenken und Nixtun nutzte. Erst als mir das bewusst geworden war, konnte ich mir diese Ich-Zeiten wieder zurück erobern. Zum Beispiel durch eine erhöhte Zahl an Joggingrunden, abendlichen Podcastsessions. Doch eines war gar nicht so leicht zu kompensieren: der Austausch mit anderen, zufällige Begegnungen.

Alles in allem war 2020 ein gutes Jahr. Trotz allem. Aber auch wegen allem. Denn durch diese Ausnahmesituation habe ich auch viel gelernt. Einiges, was auf den ersten Blick selbstverständlich scheint, schätze ich nun wieder wert und bin dankbar.

Aber wie gesagt: Traditionen soll man nicht brechen und daher der alljährliche Fragebogen. (Für alle Leser, die erst in den vergangenen Monaten dazu gestoßen sind: Früher (siehe unten) wurde dieser Fragebogen von ziemlich vielen Bloggerinnen und Bloggern ausgefüllt. Einige machen das immer noch. Ich gehöre dazu.)

Zugenommen oder abgenommen?

Dank regelmäßiger Jogging-Runden, einigen Yoga- und Freeletics-Betüchtigungen und zahlreichen Spaziergängen weitestgehend gleichgeblieben.

Haare länger oder kürzer?

Mehr oder weniger gleich geblieben. War zwar im November schon da, aber noch hält’s.

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?

Ich befürchte, dass sich altersbedingt was verändert hat. Habe aber erst im Januar einen Augenarzttermin. Bin gespannt.

Mehr ausgegeben oder weniger?

Weniger Urlaubsreisen, also weniger.

Der hirnrissigste Plan?

Pläne, die im Januar noch völlig langweilig klangen, erschienen im April plötzlich hirnrissig. Flugreisen, die Bahncard abfahren, Zeit alleine zu verbringen, sowas. In die Kategorie „hirnrissig“ fiel dann auch der Plan, das letzte Fortbildungswochenende im Dezember in Köln in einem Hotel zu verbringen. Und hielt daran bis drei Wochen vorher fest. Tja.

Die gefährlichste Unternehmung?

Fällt Weihnachten mit der Mutter zu verbringen da mit rein? Ich befürchte es.

Die teuerste Anschaffung?

Ich habe in diesem Jahr ins Office investiert – Videoseminare und -konferenzen zollen ihren Tribut.

Das leckerste Essen?

Ich bin ein bisschen stolz darauf, dass die Gänsekeule am 1. Weihnachtstag samt Soße ziemlich gut gelungen ist.

Das beeindruckendste Buch?

Am meisten beeindruckt hat mich „Im Grunde gut“ von Rutger Bregman. Was ich sonst noch so gelesen habe – hier steht’s.

Der berührendste Film?

Ich habe sehr wenige Filme geschaut. Wenn überhaupt dann Serien.

Das beste Lied?

Es gibt so viele gute Lieder, die das 2020er-Gefühl eingefangen haben. Cat Ballou, Bernd Begemann, Die Ärzte, Tocotronic, sogar Scooter haben mich berührt in diesem Jahr.

Das schönste Konzert?

Ich habe am 28.12. ein bisschen in das traditionelle Jahresendkonzert von Bernd Begemann reingehört, was schön war, aber auch ein bisschen traurig. 2020 war kein gutes Jahr für Konzerte. Nächste Frage bitte.

Die meiste Zeit verbracht mit?

Den Jungs.

Die schönste Zeit verbracht mit?

Den Jungs. Und der wenigen Zeit auch mal allein.

Vorherrschendes Gefühl 2020?

Nee, oder?

2020 zum ersten Mal getan?

Im Februar noch schnell mit meiner Mutter gewellnesst. Homeschooling und dabei versucht, zu arbeiten. Seit März jeden Donnerstag eine virtuelle Kneipe besucht. Fortbildung digital durchgeführt und selbst besucht (Also über ganze Wochenenden am Stück und über Monate hinweg). Masken genäht und getragen. Das zweite Kind in einer Pandemie eingeschult. Webinare gehalten, sowieso die ganzen virtuellen Seminare. Daran gedacht, dass bestimmte Übungen in der virtuellen Version sogar besser funktionieren als vor Ort.

2020 nach langer Zeit wieder getan?

Ein Kind eingeschult. Um den Beerster See gelaufen. In Cuxhaven am Strand gewesen. Urlaub an der niedersächsischen Nordsee. Kafka gelesen. Gedacht, dass es im Norden echt schön ist.

Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?

Die Sorge um die Angehörigen, die diese Pandemie gebracht hat. Das ständige Rumgehadere, was denn jetzt geht und was nicht. Die Unplanbarkeit dieses Jahres.

Drei Dinge, auf die ich nicht hätte verzichten wollen?

Dazu gezwungen worden zu sein, mal richtig intensiv darüber nachzudenken, was wirklich wichtig ist. Unplanbarkeit hat auch was Feines. Zu merken, wie viel dann doch immer noch geht. So viel Familienzeit. Die Ukulelen-Abende im Sommer. Uups, das waren sogar fünf Dinge und wenn ich noch ein bisschen länger darüber nachdenke, fallen mir bestimmt noch mehr Sachen ein.

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?

Kriegen wir hin.

2020 war mit einem Wort?

Kräftezehrend.

Wer sich nochmal durch die vergangenen Jahre klicken will: 2019,
2018, 2017, 2016, 2015, 2014, 2013, 2012, 2011, 2010, 2009, 2008, 2007, 2006, 2005, 2004, 2003

2020: Das Jahr in Büchern

Mittlerweile auch eine Tradition, dass ich einmal im Jahr drauf schaue, welche Bücher ich so gelesen habe. Deshalb hier auch ein paar Bücher, wie immer ohne Anspruch auf Vollständigkeit, besonders in der Rubrik Fachbücher, aber was soll’s.

Libby Page: Im Freibad

Thees Uhlmann: Die Toten Hosen

Katja Oskamp: Marzahn, mon amour: Geschichten einer Fußpflegerin

Philippa Perry: Das Buch, von dem du dir wünscht, deine Eltern hätten es gelesen
Tolles Buch über Erziehung, Kommunikation und allem drum und dran. Titel stimmt.

Rutger Bregmans: Im Grunde gut
Darüber habe ich ja hier und hier schon geschrieben. Mein Highlight-Buch des Jahres.

„>Elisabeth Wehling: Politisches Framing
Hier schon drüber geschrieben . Seitdem antworte ich auf die Frage: „Und was muss man für die Corona-Impfung zahlen?“ Steuern.

Ian McEwan: Die Kakerlake
Hier schon drüber geschrieben. Das Buch hat mich inspiriert, mal wieder Kafka zu lesen.

Franz Kafka: Die Verwandlung
Siehe oben.

Christine Thürmer: Laufen. Essen. Schlafen. Eine Frau, drei Trails und 12700 Kilometer Wildnis
Das habe ich gehört und fand es insofern extrem bereichernd, weil ich seitdem dann auch verfolgt habe, wie Thürmer im Corona-Jahr durch Europa gelaufen ist und dabei auf Instagram so viele schöne Fotos geteilt hat, dass ich da jetzt auch überall hinmöchte und auf meiner Bucketlist des Lebens nun auch eine Alpenüberquerung steht.

Karsten Dusse: Achtsam morden
Das Buch hätte ich vermutlich so nicht gelesen, aber es wurde mir von meiner Fortbildungskollegin empfohlen. Jetzt habe ich hier noch den zweiten Teil liegen.

Im November habe ich Meg Wolitzer: Die Zehnjahrespause
Ich mag Meg Wolitzer. Dieses Buch handelt davon, was sich im Leben verändert, wenn Frauen Kinder bekommen. Es wirft einen Blick auf die Vielschichtigkeit und darauf, dass jeder Weg, den eine Frau dann geht der richtige ist, solange er für sie passend ist.

Ein paar Kinderbücher waren auch noch dabei:
Wir haben viel Zeit mit Snöfrid verbracht, einem mürrischen Wesen, das eigentlich immer nur „Mmh“ sagt und dabei ziemlich viele Dinge meint, was die anderen Wesen erstaunlich häufig richtig verstehen.
Andreas H. Schmachtl: Die ganz und gar unglaubliche Rettung von Nordland (Snöfrid aus dem Wiesental #1)

Andreas H. Schmachtl: Die ganz und gar unglaubliche Reise zu den Nebelinseln (Snöfrid aus dem Wiesental #2)

Andreas H. Schmachtl: Das ganz und gar fantastische Geheimnis des Riesenbaums (Snöfrid aus dem Wiesental #3)

Andreas H. Schmachtl: Die ganz und gar unglaubliche Suche nach den drei Siegeln (Snöfrid aus dem Wiesental #4)

Andreas H. Schmachtl: Das wahrlich sagenhafte Rätsel der Trolle

Timo Parvela: Ella in der Schule
Bei diesem Buch habe ich ziemlich häufig gelacht, was bei nicht vielen Kinderbüchern gelingt. Ich hoffe sehr, dass ich den Sohn überzeugen kann, die anderen Teile von Ella ebenfalls zu lesen.

Erich Kästner: Emil und die Detektive
Wahnsinn, dass ich den Kinderbuchklassiker erst jetzt lese. Und Wahnsinn, wie aktuell Kästner immer noch ist, selbst 100 Jahre nach Ersterscheinung.

Und wenn du wissen willst, was ich in den vergangenen Jahren so gefeatured habe – hier die alten Ausgaben:
2019, 2018, 2013, 2012, 2011, 2010, 2009, 2008, 2007, 2006

Digitale Kommunikation: 9 Dinge, die 2020 wichtig waren

Was hast du gelernt in diesem Jahr? Sicherlich viele Dinge, von denen du Anfang des Jahres noch gar nicht gedacht hättest, dass du dich mit ihnen beschäftigen würdest. Auch ich möchte ein paar Dinge teilen, die ich gelernt habe oder die wichtig waren, in diesem besonderen Jahr. Und zwar in Bezug auf digitale Kommunikation.

1. Es geht sehr viel! Ob Coachings in 1zu1, Workshops oder Seminare – fast alles lässt sich digitalisieren und manches funktioniert so sogar besser als vorher. So wurde aus einer Telefonschalte bei mir plötzlich ein Videomeeting und es kommt nun überhaupt nicht mehr vor, dass wir uns ins Wort fallen, weil die Moderation mit dem Blick in die Gesichter viel leichter fällt. Manche Trainings wurden sogar noch intensiver, weil die Teilnehmerinnen plötzlich viel näher saßen als man das in einem realen Raum getan hätte.

2. Aber nicht alles. Mir ist nochmal bewusst geworden, warum ich auf Veranstaltungen wie beispielsweise die re:publica gehe. Ja, die zahlreichen inspirierenden Vorträge, alles schön und gut, aber viel wichtiger sind die vielen zufälligen und halb zufälligen Begegnungen, das In-Kontakt-bleiben, Updaten und gegenseitige Inspirieren. Auch da entstehen mittlerweile Formate, die das transportieren können, ich möchte hier den Circle der Kreativwirtschaft nennen, den Christine von Fragstein jeden Mittwoch organisiert.

3. Fast jeder benötigt eine Digitalstrategie. Spätestens in diesem Jahr dürften das viele bemerkt haben. Selbst Eisläden lernten, die Kraft von digitalen Kanälen zu schätzen: um wertvolles Feedback zu den geänderten Öffnungszeiten oder Produkten einzuholen oder ganz klar – um Umsätze zu generieren. Aber auch Fachzeitschriften bemerkten schnell, dass sie ihre gedruckten Produkte nur schwer an die Kunden bringen können, wenn sich alle im Homeoffice befinden. (Ich biete übrigens jetzt auch ein offenes Seminar zu diesem Thema an)

4. Aber nicht jede:r braucht einen Podcast. Ja, Podcasts waren einer der Hypes in diesem Jahr, was sicherlich der geänderten Mediennutzung gerecht wird. Aber auch hier zählt das, was unter 3. steht: Strategie zahlt sich aus. Denn nicht für jeden ist ein Podcast bei begrenzten Ressourcen der beste Kanal, um mit seiner Zielgruppe in Kontakt zu treten.

5. Das Motto des Jahres: auf Sicht fahren. Wahrscheinlich hast auch du die Erfahrung gemacht: Immer wieder wurden die achtsam geschmiedeten Pläne in diesem Jahr wieder umgeworfen, Planung ging oft nur schwierig. Auch in kommunikativer Sicht. Und deshalb schließt 6. hier nahtlos an….

6. In Kontakt bleiben! Wie wichtig es ist, Kontakte zu pflegen, auch virtuell, auch das ist mir in diesem Jahr sehr bewusst geworden. Aus diesem Grund habe ich in den vergangenen Wochen angefangen, auch mal mit Menschen virtuelle Kaffees zu trinken, die ich sonst eher zufällig getroffen hätte. Und doch tut auch hier Beständigkeit extrem gut. So bin ich im März mehr oder weniger zufällig in eine virtuelle Kneipenrunde gestolpert, aus der mittlerweile ein eingeschworener Kreis aus 14 Menschen in ganz Deutschland geworden ist, die füreinander da sind. (Wir überlegen gerade, ob wir einen How-to-virtuelle-Kneipe-Guide schreiben.)

7. Flexibel bleiben. Eine weitere Dimension von „in Kontakt bleiben“ lässt sich gut im professionellen Kontext erklären: Diejenigen, die durch Lockdown und Co. nicht abgetaucht sind, sondern für ihre Communitys da waren, einen Weg gefunden haben, auf Augenhöhe weiter im Gespräch zu bleiben, die haben gewonnen. Aber all diejenigen, die gehofft haben, dass diese Phase schnell vorübergeht und man dann einfach dort weiter macht, wo man aufgehört hatte, wurden häufig bestraft.

8. Jeden Tag was Neues lernen. Wie wichtig das ist, ich glaube, das wurde vielen von uns in diesem Jahr besonders bewusst. Von kleinen Dingen, wie der Frage nach dem besten Videomeeting-Tool bis hin zu größeren strategischen Fragen, auf die wir plötzlich Antworten benötigen und finden.

9. Neues entstehen lassen. „Dem Gehenden legt sich der Weg unter die Füße“ – ich mag diesen Spruch sehr und ich finde, er passt sehr gut zu diesem Jahr. Nur wenn wir uns auf den Weg machen, Neues ausprobieren, mutig sind, können wir weiter kommen. Das kann der längst überfällige Anruf bei einer alten Bekannten sein, dass kann der längst überfällige Aufbruch einer Redaktion oder Kommunikationsabteilung ins Digitale sein. Letztendlich braucht es nur den Mut, den ersten Schritt zu machen.

Apropos Neues entstehen lassen: Ich habe mit dazu entschieden, eigene Seminare Zoom anzubieten. Die ersten gibt es schon im Januar:
15.1. Strategisch digital kommunizieren – hier anmelden!
22.1. Social-Media-Strategie 2021 – hier anmelden!

Sieben Newsletter, von denen du etwas lernen kannst

Was ist dein Lieblingsnewsletter? Das ist die Frage, die ich die Teilnehmenden in meinen Newsletter-Seminaren gerne stelle, das habe ich hier sogar schon einmal geschrieben. Aber bisher habe ich noch nicht mit dir geteilt, welche Newsletter ich sehr regelmäßig lese, ja deshalb auch wirklich schätze. Deshalb heute für dich: Sieben Newsletter, die ich gerne lese und von denen du etwas lernen kannst.

The Platformer von Casey Newton: Jeder, der sich für die großen Plattformen interessiert, die unser Leben gerade (mit-)bestimmen, sollte diesen Newsletter lesen. Und neben der inhaltlichen Empfehlung ist „The Platformer“ ein gutes Beispiel dafür, wie die Zukunft von Fachzeitschriften aussehen könnte.

Lead Forward: Aus dem wöchentlichen Newsletter von Antonia Götsch, der Chefredakteurin des Harvard Business Manager, kann man aus meiner Sicht zweierlei lernen: Wie man in einer kurzweiligen und gut geschriebenen Kolumne Woche für Woche Themen mit Tiefgang rüberbringen kann, Themen, die zumindest bei mir lange nachhallen, so dass ich mich jedes Mal freue, dass ich wieder Inspiration geliefert bekomme. Zweitens: Wie man das eigentliche Produkt besser nicht so sehr in den Hintergrund stellt, dass ich beinahe vergesse, den Newsletter des Harvard Business Managers zu lesen.

Energiewende direkt: Ja, jetzt wird’s vermutlich überraschend, aber wurscht. Diesen Newsletter verschickt das Wirtschaftsministerium und was du hier lernen kannst: Wie viel Gedanken man sich hier über die Zielgruppe gemacht hat. Grund: Dieser Newsletter ist darauf optimiert, ausgedruckt zu werden.

Elbvertiefung: Als Nicht-Hamburger tue ich mich bei diesem Newsletter der ZEIT noch ein wenig schwer. Aber egal, mit welchen Hamburgerinnen und Hamburgern ich spreche, die „Elbvertiefung“ kennen und schätzen wirklich alle, und das muss man auch erstmal schaffen. Plus: Ich glaube, dass so oder so ähnlich die Zukunft der Tageszeitung aussehen wird.

„Macht’s euch hübsch“: Gute Laune im Newsletter und das auch noch so kurz vorm Wochenende. Den Newsletter von Stefanie Luxats Blogmagazin „Ohhhmhhh“ lese ich wirklich fast jeden Freitag. Weil er Spaß macht, dieses Wochenendgefühl aufgreift und mir das Gefühl vermittelt, mit dem Wahnsinn aus Job, Familie und fehlender Ich-Zeit nicht allein zu sein. Ein sehr gutes Beispiel dafür, wie Communitybuilding per Newsletter gelingen kann.

Tiktok von Marcus Bösch: Diesen Newsletter lese ich vor allem aus inhaltlichen Gründen, denn er entführt dich in die wunderbare Welt des derzeit meist diskutierten Netzwerks.

Finanz-Szene: Klassiker. Aber du kannst immer noch von Finanz-Szene lernen – wie so genannter Qualitätsjournalismus auch in Deutschland als Newsletter funktionieren kann.

Und welchen Newsletter liest du gerne? Ich freue mich auf deine Hinweise.

(Dieser Text war Teil meines wöchentlichen Newsletters. Hier kannst du ihn abonnieren.)

Meine Challenge: Abschalten

Vor ungefähr vier Wochen habe ich ein Experiment gestartet: Ich schränke meine Smartphone-Nutzung ein. Von 22 Uhr bis 6.45 Uhr morgens habe ich keinen Zugriff auf eine Vielzahl von Apps, außerdem habe ich die Zeit in Social-Media-Apps begrenzt. Das bedeutet nicht, dass ich die Apps nun wirklich immer nur in diesem Zeitrahmen nutze (Es gibt die Möglichkeit, auf „Limit ignorieren“ zu klicken und sich dann entweder 15 weitere Minuten oder sogar durch Klick auf „Heute kein Limit“ unbegrenzten Zugriff bis 0 Uhr zu holen).

Was sich seitdem verändert hat? Zum einen wird mir nun täglich bewusst, wie häufig ich mein Smartphone für eben diese Aktivitäten nutze. Wenn ich berufsbedingt in den Kanälen recherchierte, poppte die Meldung, dass ich noch fünf Minuten meiner Social-Zeit zur Verfügung habe, bereits um 13.35 Uhr auf.

Zum anderen liebe ich mittlerweile die 22-Uhr-Schranke. Sie diszipliniert mich ungemein und hat meine Abende verändert. Mal lese ich noch ein bisschen in einem Buch, mal mache ich mir einen Podcast an. Auf jeden Fall schalte ich bewusster ab. Und das tut gut.
Ebenso entspannend, aber das mache ich schon viel länger so: auch tagsüber keine Pushmeldungen mehr. Nur SMS und Whatsapp lasse ich noch durch. Für alles andere muss ich mich bewusst entscheiden.

Und jetzt bin ich gespannt: Was machst du, um deine Zeit bewusster einzuteilen? Nichts, weil es ohnehin gut klappt? Oder legst du dein Smartphone an einem Tag der Woche gar komplett beiseite und bist unerreichbar? Hast du nur den „Nightshift“-Modus aktiviert?

(Dieser Text war Teil meines Newsletters, den ich wöchentlich verschicke. Hier kannst du ihn abonnieren.)

7 Tipps für virtuelle Seminare und Workshops

In dieser Woche hatte ich mein letztes zweitägiges Seminar für dieses Jahr. Natürlich haben wir wieder gezoomt. Während ich in den ersten Monaten der pandemiebedingten Heimarbeit immer sehr ausführlich die unterschiedlichen Funktionen des jeweiligen Tools erklären musste und wir diese gemeinsam ausprobiert haben, ist das oft gar nicht mehr in dieser Ausführlichkeit notwendig. Die Mikrofone werden bereits automatisch ausgeschaltet – viele von uns sind Profis in virtuellen Meetings, Workshops und Seminaren geworden.

Das für mich überraschendste: Die Arbeit im digitalen Raum kann sogar noch intensiver sein! Denn: Zum einen sitzt du deinem Gegenüber ja sonst auch viel mehr auf Abstand und zum anderen kannst du dich in der 1:1-Situation ja auch viel intensiver auf dein Gegenüber einlassen, zuhören und interagieren. Das weiß ich mittlerweile wirklich zu schätzen!

Aber jetzt sieben Dinge, auf die es in virtuellen Seminaren und Workshops immer ankommt.

1. Guter Ton: Ha, sogar im doppelten Sinn! Und natürlich Mikros aus, wenn nix gesagt wird, damit Hintergrundgeräusche nicht stören (Wenn die Katze in der Küche Randale schiebt). Ich arbeite mittlerweile mit einem Headset und bin sehr zufrieden.

2. Licht von vorne: Klingt logisch, ist es auch, denn wenn das Licht von hinten kommt, siehst du von deinem Gegenüber nix. Wer ein bisschen aufrüsten will, besorgt sich ein günstiges Ringlicht.

3. Bildschirme an: Damit ein Seminar gut gelingt, bitte ich die Teilnehmenden immer darum, die Kameras anzulassen, sofern es die Bandbreite zulässt. Mir hilft das sehr, weil ich dann viel besser die Teilnehmenden einbeziehen kann, aber auch Fragezeichen sehen und direkt ansprechen kann.

4. Pausen: Nach 1,5, maximal zwei Stunden mache ich mindestens 15 Minuten Pause.

5. Virtuelle Kaffeeküche: Was ich am meisten am persönlichen Austausch vermisse? Die Gespräche in den Pausen, das Informelle. Einfach einen Breakout-Room (geht zumindest in Zoom) anlegen, in den die Teilnehmenden in den Pausen gehen können zum ungestörten Austausch.

6. Weniger ist mehr: Es gibt so viele verschiedene Tools, von Miro, über Mural bis hin zu Stimmungsmessern etc. Alles schön, aber für viele eben noch eine technische Hürde. (Kerstin Hoffmann hat das Thema Barrierefreiheit kürzlich ebenfalls thematisiert!)

7. Führung: Es fängt bei der Vorstellungsrunde an und hört bei der Feedbackrunde und Abmoderation auf: Vieles dauert im virtuellen Raum länger, manche unnötigen Pausen lassen sich aber auch vermeiden.

Der Text war auch Teil meines wöchentlichen Newsletters. Hier kannst du ihn abonnieren.

Twitter startet Fleets – spät

Heute empfehle ich dir, ein Update deiner Twitter-App auf dem Smartphone zu machen. Was du entdecken wirst? Twitter hat jetzt Stories, äh, Fleets. Bei mir sah das gestern Abend dann so aus:

Damit dir der Einstieg leichter fällt und Du erfährst, ob das neue Feature etwas taugt, beantworte ich heute die wichtigsten Fragen.

Was geht mit Fleets?
In diesen Fleets kannst du einen „flüchtigen Gedanken“ in Form eines Textes, eines Foto oder eines Videos teilen. Du kannst Reaktionen auf einen Tweet teilen und diesen dann mit eigenen Gedanken, Emojis und einem schicken Hintergrund versehen. Wenn du erlaubst, dass man dir Direktnachrichten schicken kann, können Nutzerinnen und Nutzer dir auch auf deinen Fleet antworten. 
Fleets sind 24 Stunden live, danach verschwinden sie wieder. Das Feature gibt es derzeit nur mobil. Twitter hat angekündigt, die Funktion schrittweise auszubauen.

Warum macht Twitter das? Twitter will die Hürde senken, sich zu äußern. In einem Blog-Post erläutern sie, dass einige Nutzerinnen und Nutzer Twitter als unkomfortabel wahrnehmen:

„It feels so public, so permanent, and like there’s so much pressure to rack up Retweets and Likes. That’s why, unfortunately there are so many ? Tweets left in drafts!“  

Im Frühjahr hatte Twitter das Feature in einigen Ländern getestet und herausgefunden, dass Menschen dadurch leichter in Diskussionen eingestiegen sind. 

Braucht Twitter neue Nutzer:innen? Eindeutig: ja! Noch immer funktioniert bei Twitter viel über Text, Instagram ist beispielsweise in den jungen Zielgruppen so erfolgreich, weil hier audiovisuelle Inhalte im Vordergrund stehen. All diesen Nutzer:innengruppen soll der Einstieg so leicht wie möglich gemacht werden. 

Höher, schneller, weiter – jetzt auch bei Twitter? Nicht erst jetzt. Twitter ist schon eine ganze Weile ein börsennotiertes Unternehmen und muss seinen Investoren in jedem Quartal erklären, dass es läuft – dass die Zahlen stimmen und im besten Fall natürlich eine Wachstumsgeschichte erzählt wird (Ich verweise hier gerne nochmal auf meinen Text zu „The Social Dilemma“). Schaut man mal in den letzten Bericht, dann wird dort beispielsweise die Zahl der monatlich aktiven monetarisierbaren Nutzer betrachtet. Die lag im dritten Quartal bei 187 Millionen Nutzern, während es im Vorquartal 186 Millionen waren und davor 166. Sprich: So richtig kommt Twitter da nicht aus den Puschen. Das Unternehmen erhofft sich also mehr, im besten Fall natürlich schnell mehr monetarisierbare Nutzer. Dabei könnte eine Funktion wie Fleets natürlich helfen. Theoretisch.

Der erste Eindruck? Nun ja: Noch scheinen Fleets sehr rudimentär. Man kann dort zwar mehr als 280 Zeichen hinterlassen und das Aufnehmen von Videos erscheint wirklich einfach, doch fehlen mir Filter, Sticker und die ganzen anderen tollen Features, die Instagram zu bieten hat und die zum Verweilen anregen. Vieles davon wird auch hier ausgerollt werden, sagt Twitter. Abwarten. 

Gary Lineker sagt „Fleets are Shit“ – wirklich? Soweit würde ich noch nicht gehen, zumal der komplette Umfang der Funktion ja noch gar nicht live ist. Ein wenig skeptisch bin ich aber schon: Twitter ist spät mit dieser Form des Storytellings, selbst Linkedin war schneller und tut sich bisher noch schwer. Andererseits war eine Öffnung von Twitter für jüngere Zielgruppen längst überfällig. Meine Prognose: Das wird nicht reichen.

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