FILM: Wolfzeit

Das ist er also gewesen. Der erste Film in diesem Jahr. Wolfzeit. Das neue Werk von Michael Haneke.

Wirklich viel passiert in dem Film nicht. Eine Familie aus der Stadt fährt aufs Land in ihr Ferienhaus. Dort angekommen nimmt die Tragödie seinen Lauf. Der Familienvater wird von der sich dort befindenden Kleinfamilie per Schuss getötet. Zurück bleibt die Mutter, gespielt von Isabelle Huppert, mit ihren Kindern Ben und Eva.

Von nun an sind sie unterwegs. Mit einem Fahrrad und einigen Tüten machen sie sich auf die Suche nach einer Bleibe. Und etwas Essbarem. Was sie dabei erleben, wird erdrückend langsam erzählt. Die Suche nach Ben, der nach der Beerdigung des Wellensittichs aus der Scheune verschwindet, die Bekanntschaft mit dem streunenden Jungen, der von einem wilden Hund gebissen wurde. Das Eintreffen auf einem alten Industriegelände mit Bahnanschluss. Das Warten auf den Zug. Der die Rettung bringen soll. Das Leben in einer kleineren Gemeinschaft, in der Strukturen entstehen, welche dann, beim Eintreffen eines größeren Rudels Menschen, obsolet werden. Immer wieder lange Einstellungen. Auf das Dunkel der Nacht, verzweifelte Gesichter.

Immer dann, wenn man beginnt, sich mit einer Figur zu identifizieren, versucht, zu verstehen, warum diese so handelt, entgleitet sie wieder. Die Mutter, belastet mit dem Tod ihres Mannes und ihren zwei Kindern, wirkt kalt. Fast so, als ob sie all die Ereignisse um sie herum nicht mitbekommen hat. Eva, ihre Tochter, versucht dem streunenden Jungen näher zu kommen. Dies gelingt ihr nicht. Später versucht sie ihre Erlebnisse zu Papier zu bringen. Als die Mutter das Geschriebene in die Finger bekommt und Gefühlsregungen folgen müssten, wird man allein gelassen. Der kleine Ben, der bis zum Ende des Films keinen Ton sagt, nur durch sein Verschwinden, seine Trauer und als Last agiert. Zum Schluss will er durch den Gang ins Feuer seinem Elend ein Ende setzen will – auch dies scheitert, weil die nächtliche Wache ihn davor bewahrt.

Im Kino selbst war ich fürchterlich enttäuscht, wollte am liebsten gehen, weil ich die Langsamkeit nicht ertragen konnte. Nach dem Kino empfand ich den Film als unheimlich konsequent. Konsequent, weil er keine Empfindungen aufkommen lassen wollte. Weil er zeigt, wie Menschen in apokalyptischen Situationen handeln. Allein, in einer kleineren Gruppe, in der Masse. Im Radio wurde dies als nahezu pädagogisches Abarbeiten von menschlichen Notsituationen bezeichnet. Als ich in dem Film saß, empfand ich das ähnlich. Als ich das Kino verlassen hatte und noch mal nachdachte, störte es mich nicht mehr. Haneke war einfach unheimlich konsequent. Und das hat doch was.

Das Jahr der neuen Spießigkeit

Und nun habe ich doch gute Vorsätze gefasst: Einfach das machen, worauf ich wirklich Lust habe. Und ganz besonders all die Dinge, gegen die ich mich bisher so geweigert habe. Weil sie langweilig sind. Nur die anderen machen sowas. Ich doch nicht. Wo kommen wir denn da hin?

Dieses Jahr wird über Silvester und Neujahr an die Ostsee gefahren. Was haben wir die vielen Leute belächelt, die immer von ihren Plänen sprechen, zwischen den Jahren nach Dänemark zu fahren. Wie langweilig. Nix da! Nichts ist schöner als in der Nacht die kühle Seeluft zu schnuppern. Und der Blick aufs Meer.

Dieses Jahr wird die Weihnachtszugfahrt vorher geplant. Und zwar soweit, dass ich noch einen Sitzplatz reservieren kann. Ohne Probleme.

Dieses Jahr wird kein Small talk gemacht, wenn ich nicht will. Einfach mal nichts sagen. Man muss nicht mit jedem reden. Und wenn dann nur, wenn wirkliches Interesse besteht. Und es was zu reden gibt.

Dieses Jahr benutze ich Pronto, wenn ich mal wieder mein Sofa vom Staub der letzten Wochen befreien möchte. Ist praktisch, einfach zu bedienen. Und macht die geliebte Mutter schließlich auch so.

Dieses Jahr könnte man den Sommer-Urlaub ja auch mal vorher planen. So, dass man dann nicht kurz entschlossen, das erste Last-Minute-Angebot bucht. Irgendwohin. Hauptsache weg.

Und wenn Gäste zum Essen kommen, gibt’s auch Servietten.

Bier wird aber trotzdem aus der Flasche getrunken. So wie sich das gehört. Und auch von der Regel „im Sommer Weißwein und im Winter Rotwein“ rücke ich noch nicht ab. Vielleicht ja im nächsten Jahr.

Danke!

Bitte lass uns nicht zu lange allein. Mit den Kerners, Beckmanns, Geissens, Christiansens, all diesen Betroffenheits-Heinis.
Nie wieder würde ich schlecht über Manuel Andrack reden. Abschalten, wenn wieder einer dieser B-Promis auf deinem Stuhl sitzt. Oder wenn mich das Playmobil-Gespiele zu sehr nervt. Ich würde nie wieder während deiner Sendung telefonieren. Bitte gib mir einfach die Möglichkeit, noch kurz bei dir vorbeizuschauen. Vor dem Schlafen gehen. Komm zurück. Egal wie. Und lass mich nicht so lange warten.

Freunde

Zuneigung, Gedanken, Nähe. In der Nacht losfahren, um den anderen zu trösten. Vor ihren Augen tränen zu vergießen und sich nicht zu schämen. Nach einer verkorksten Nacht anrufen dürfen und Duschasyl bekommen. Egal, wie früh es ist. Gemeinsames Lachen. Über eigene Fehler, Macken und Schwächen. Und die des anderen. Weil man weiß, dass es in dieser Zweisamkeit erlaubt ist. Sich freuen. Über gemeinsame Peinlichkeiten. Grandiose Momente. Schwach sein. Wenn man selbst nicht weiter weiß. Meist genügt ein Anruf. Manchmal muss es mehr sein. Aber es geht vorbei. Weil man weiß, dass man nicht allein ist.

Abschiede?

Ich mag ihn. Ja. Weil man ganz wunderbar mit ihm reden kann. Wenn man mit ihm alleine ist. Weil wir uns unheimlich gut kennen. Unsere Macken, unsere Vorlieben, unsere Fehler. Weil wir ehrlich miteinander umgehen. Genauso hasse ich ihn. Wie er sich aufspielt in Gesellschaft. Wie er sich in Szene setzt. In Momenten, in denen es völlig unpassend ist. Wie er beleidigt. Wenn er weiß, dass mir diese Personen sehr lieb sind. Wenn er von gemeinsamen Momenten erzählt, die nur uns etwas angegangen sind. Damals. Wie er andere Personen provoziert, sie angreift und verletzt. Nur um sich zu inszenieren.
Es ist schwierig, dies zu vereinbaren. Ist ein Abschied das richtige? Ja, wenn es ein Abschied von der Vergangenheit wäre. Aber ist er ja nicht. Er wäre auch ein Abschied von der Gegenwart. Vielleicht ist es deshalb so schwierig.

Zurück

Kurz war es diesmal. Sehr kurz. Genau drei Tage hab ich es ausgehalten. Obwohl der erste Tag eigentlich sehr schön war. Wirklich. Doch schon am zweiten Tag stellte sich diese Stimmung ein. Das Zurückziehen meinerseits. Das Nicht-Beteiligen an Gesprächen, weil meine Worte nur fehl am Platz gewesen wären. Das Verlassen des Raumes, um zu flüchten. Weil ich bestimmte Situationen nicht ertragen konnte.
Eigentlich habe ich immer gedacht, dass ich jetzt, da ich älter bin, diese Tage besser ertragen könnte. Aber nein. Ganz ehrlich: Es wird schlimmer. Sicherlich auch, weil die beteiligten Personen älter werden. Seniler und wirrer. Weil ich mich verändere. Ein anderes Leben führe. Eines, welches sie nicht mehr so richtig nachvollziehen können oder wollen. Obwohl es nicht so eigenartig ist.
Aber irgendwie stört es mich nicht. Fand die Entscheidung heute morgen sehr gut. Beschließen, einfach schon heute Abend zu fahren. Nicht abwarten, bis es morgen passt, dass man zum Bahnhof gefahren wird. Sondern einfach handeln. Weil es dann für alle beteiligten Personen besser ist.
Trotz der gesundheitlichen Beeinträchtigung gestern habe ich es geschafft, ein paar Menschen aus der Vergangenheit zu treffen. Mit denen ich immer Zeit verbracht habe. Es tat unheimlich gut, dem Elternhaus zu entkommen. Raus. Zwar nicht alle gesehen. Aber ein paar. Das Gute ist ja: Nächstes Jahr kann man sie wieder sehen. Wie jedes Jahr. Da kann man auch einmal aussetzen. Finde ich.

Alle Jahre wieder

Diesmal durfte ich fahren. Zum Abholen. Am Bahnhof: Der Blick in verwirrte Gesichter. „Bist du schon wieder gewachsen?“ – „Oder sind das die Stiefel?“ – Sicher. Es sind die Stiefel. So wie in den letzten Jahren auch schon.

„Gut bist du gefahren.“ Ja, heil sind wir angekommen.

Die alljährliche Kartoffelsuppe. Nicht mit Würstchen drin – schließlich wird heute ja noch genug gegessen. Dafür mit angegrillten Brotstückchen. Gleich beim Betreten der Küche kommt einem der Geruch entgegen – sie sind leider ein bisschen angekokelt.

Das Kaffeetrinken. Liebevoll gebackene Plätzchen, Stollen – in diesem Hause ohne Butter oben drauf. Das wird lange diskutiert. Dann das Ende der ersten Runde – ein Teil der Familie geht in die Kirche. Der Rest bleibt hier, verteilt die Geschenke unter dem geschmückten Baum, kocht oder wartet.

„Musst du das jetzt machen?“ – „Ja, Vater, ich muss. Ihr wollt mich schließlich das ganze Weihnachtsfest hier haben.“

Jahresendzeitfragebogen 2003

Zugenommen oder abgenommen? zu. Aber ich arbeite dran.
Haare länger oder kürzer? kürzer. Wie gut, dass man immer wieder die Bilder aus dem letzten Jahr vorgezeigt bekommt.
Kurzsichtiger oder weitsichtiger? Kurzsichtiger wahrscheinlich. Hab ich aber nicht checken lassen. Sicher ist sicher.
Mehr ausgegeben oder weniger? Wahrscheinlich mehr. Obwohl ja nur phasenweise.
Der hirnrissigste Plan? Pläne waren im Rahmen. Trotzdem nicht alle erfüllt.
Die gefährlichste Unternehmung? Mmh. Eine Woche ohne Schokolade?
Der beste Sex? Bester würde ich nicht sagen. Aber verdammt guter.
Die teuerste Anschaffung? Anfang des Jahres: Mein Sofa.
Das leckerste Essen? Beim Thailänder bei mir um die Ecke.
Das beeindruckenste Buch? South of the border – west of the sun. Von Haruki Murakami.
Der ergreifendste Film? Ergreifend? Der beste war schon der neueste P.T. Anderson Punch-drunk love.
Die beste CD? Blumfeld: Jenseits von Jedem.
Das schönste Konzert? Es kann nur einen geben: Robbie.
Die meiste Zeit verbracht mit…? … meiner Diplomarbeit. Da kommt niemand ran…
Die schönste Zeit verbracht mit…? Wie könnte ich da ein Ranking machen. Mit den meisten war es nett. Auf ihre jeweilige Art.
Vorherrschendes Gefühl 2003? Ungeduld.
2003 zum ersten Mal getan? Die Abschlussarbeit geschrieben.
2003 nach langer Zeit wieder getan? Den Sommer am See verbracht.
3 Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen? Krankheit, Liebeskummer, Depressive Stimmungen
Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte? Mein Können.
Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe? Wie soll ich das beurteilen?
Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat? Ich habe mich gestern wirklich sehr gefreut. Sowas hab ich noch nie bekommen. Und die Stimmung stimmte auch.
Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat? ?
Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe? Kann ich wirklich nicht beurteilen.
2003 war mit 1 Wort…? Besser

„Wenn Du schreiben willst, dann halt´s Maul und schreib!“ – Henry Rollins

Sprachlos

Wenn aus Ungeduld Ärger wird.
Über alles.
Den heutigen Tag.
Den morgigen Tag.
Den Rest der Woche.
Den nächsten Montag.
Und des Jahres.
Schlecht geschlafen.
Viel zu viel nachgedacht.
Kurz sein. Oberflächlich. Nichts anmerken lassen.
Keine langen Erklärungen.
Will nicht verletzen.
Oder verletzt werden.
Höchstens 4 Worte pro Satz.
Zählen Zahlen als Wort?
Mist.