Über diese Trends im Internet

Der Journalist Oliver Driesen hat in der aktuellen Ausgabe des „Medium Magazin“ einen Artikel darüber geschrieben, wie dieses neue „Web 2.0“ den Alltag der Journalisten verändert. Am schönsten fand ich den Schluss:

Aber es gab ja bislang auch wenig Anlass, mit dem Plebs zu debattieren, denn wir Journalisten hatten sowieso recht und das Wahrheitsoligopol. Das, wie gesagt, wird „Web 2.0“ hinwegfegen. Leser, Zuschauer – Nutzer – werden uns ganz direkt zeigen, wo wir an ihrem Bedarf vorbeiwirtschaften; ihre eigenen Filme, Hörbeiträge, Artikel und Wortgefechte dürften Gegenöffentlichkeit in noch ungeahntem Ausmaß schaffen. Ja, das wird den „Meinungs-Markt“ unendlich segmentieren und zersplittern. Nein, das dürfte kaum noch kontrollierbar oder auch nur überschaubar sein. Ja, das wird eine Pest und eine Plage sein. Und die Wiederentdeckung eines bürgernahen Journalismus, der sich sein Vertrauenskapital interaktiv verdient.

(Sowieso diesmal eine sehr interessante Ausgabe des Medium-Magazins.)

Über Tomtom

Der Mann meines Herzens hat ein neues Spielzeug. Es ist schwarz, hat eine weibliche Stimme und hört auf den Namen Tomtom. Tinatina wäre logischer, aber bei Spielzeug für Männer kommt es ja nicht auf Logik an. Hauptsache, es ist ein technisches Gerät, hat ein Display und man kann darauf rumdrücken. Neben diesen Eigenschaften hat Tomtom noch ein weiteres Feature: Es zeigt einem den Weg. Seitdem er es hat, begleitet es uns auf jeder Fahrt, die wir gemeinsam und mit dem Auto unternehmen. Leider haben wir bisher nur Fahrten innerhalb Düsseldorfs gemacht. Also, mal holt er mich von der Arbeit ab, dann fahren wir zum Supermarkt.

Man kann nicht sagen, dass Tomtom unnütz ist. Nein. Durch das Spielzeug habe ich einen schnelleren Weg zur Arbeit gefunden, auch wenn ich dorthin eigentlich meist mit der Bahn fahre. Und wahrscheinlich auch nur noch neunmal. Aber so richtig hilfreich ist es auch nicht. Den Weg zum Supermarkt kenne ich leider sehr genau, Tomtom wollte sogar einen Umweg fahren. Als mich der Mann meines Herzens vor kurzem vom Hauptbahnhof abholte, ließ er mich zehn Minuten in der Kälte stehen, weil das Spielzeug einen viel zu langen Weg angeboten hatte, den er natürlich gefahren ist. Und als wir zu einem Restaurant fahren wollten, brauchte Tomtom sehr lange, um einen wegweisenden Satelliten zu finden. Als er ihn gefunden hatte, hatten wir das Ziel bereits erreicht.

Und dann kam er, der Tag, den er fieberhaft erwartet hatte: Zug fahren mit Tomtom. „Dann kann ich endlich mal sehen, wo wir langfahren“, waren seine Worte und das Glitzern in seinen Augen sagte mir, dass an diesem Tag ein sehr sehnlicher Wunsch in Erfüllung gehen sollte. Aber enttäuschen muss ich euch nun schon: Als er am Abend zurückkam und berichtete, dass Tomtom im Zug wohl ebenfalls keine Satelliten findet, hatte er keine Tränen in den Augen. Obwohl ich fest damit gerechnet hatte.

Grosse Vergleiche

Richard Parson, Chef des weltgrößten Medienkonzerns Time Warner im Handelsblatt-Interview :

Frage: Weltweit bröckeln die Auflagen von Zeitschriften und Zeitungen. Wie sehen Sie die Zukunft Ihrer eigenen Blätter?
Antwort: Warum starben die großen Eisenbahngesellschaften? Sie glaubten, sie wären im Eisenbahngeschäft. Tatsächlich waren sie aber im Transportgeschäft. Wir versuchen, diese Fehler nicht zu machen. Wir sind daher nicht im Magazingeschäft, sondern im Verlagsgeschäft.


Nachtrag:
Hier der Link zum gesamten Interview.

Intime Geständnisse

Aufgrund des spärlich gesäten Schlafs am Wochenende war ich leider nicht in der Lage, ein Buch zu lesen den Tatort im Ersten zu schauen („Der Kölner Tatort?“ – „Och nö.“). Stattdessen wich ich zunächst auf eine Viertelstunde „(T)Raumschiff Surprise“ aus („Hab ich noch nicht gesehen“). Das wurde allerdings so unerträglich, dass mir nichts Anderes übrig blieb (Aufzuklärender Tatort-Mord war bereits gesendet), als auf VOX umzuschalten und das Promi-Dinner zu gucken. Erkenntnis: Michaela Schaffrath trägt seltsame Föhnfrisuren, Jana Ina hat hauptsächlich Fotos von sich und ihrem Freund in ihrer Wohnung hängen, diesen RTL-Moderator, der als Journalist bezeichnet wurde, fand ich erst doof, dann sympathisch und dann wieder doof, weil er fest davon überzeugt war zu gewinnen. Und Joey Kelly hat gewonnen. Immer diese Perfektionisten.

Georg Meck in der FAS über die Machenschaften eines Hamburger Anwalts im Fall der Media-Saturn-Holding:

Brenzlig würde es für ihn erst dann, wenn nachzuweisen wäre, daß die Abmahnungen zentral gesteuert werden und daß die Media-Saturn-Holding die einzelnen Märkte vorschickt, um die Wettbewerber von mehreren Seiten in die Zange zu nehmen. Solche „Konzernsalven“ wären mißbräuchlich. Die bloße Häufung der Verfahren sei dafür aber kein Indiz, bestätigte jüngst das Münchner Landgericht die Auffassung des Media-Marktes, der stets auf seine spezielle Konstruktion verweist: Jeder der 215 Märkte in Deutschland tritt als eigenständige GmbH auf, mit eigenen Geschäftsführern.

Alkohol ist auch eine Lösung

Sie leiden an Husten und Schnupfen? Das muss nicht sein. Einfach mehr als einen Gin Tonic trinken und abwarten. Schon nach wenigen Schlucken ist die Nase frei. Der Rest ist Prophylaxe.

(Dank an Sebas für diesen hausfraulichen Tipp.)

TV-Filmvorschau (43) – Classic Version

Samstag, 4.11., 20.15 Uhr: „Das Versprechen“ (Sat.1)
Sean Penn führte Regie bei diesem Thriller, in dem Jack Nicholson einen Polizisten spielt, der kurz vor seiner Pensionierung noch einen Kindermord aufklären will.

Sonntag, 5.11., 0.05 Uhr: „Kops“ (NDR)
Ich habe ja eine Schwäche für schwedische Filme und deshalb empfehle ich diesen hier, obwohl ich ihn nicht gesehen habe: Da es in dem schwedischen Städtchen Högsboträsk seit Jahren keine Verbrechen gibt, will die Verwaltung die Polizeiwache schließen. Damit wollen sich die Polizisten nicht abfinden und inszenieren Verbrechen. Wie gesagt, einen deutschen Film mit dieser Handlung würde ich wohl nicht empfehlen.

Sonntag, 5.11., 1.30 Uhr: „Open Hearts“ (NDR)
Einer dieser schönen Filme mit Paprika Steen. Wird mal wieder durchgereicht.

Sonntag, 5.11., 23.15 Uhr: „Höllentour“ (HR)
Der Tour-de-France-Film mit Pepe Danquart wird mal wieder rumgereicht.

Montag, 6.11., 0 Uhr: „Schau mich an“ (Das Erste)
Die unscheinbare Tochter eines bekannten Pariser Schriftstellers kämpft um Anerkennung. Französische Film, der vielversprechend klingt.

Montag, 6.11., 0.15 Uhr: „Gegen die Wand“ (Arte)
Klickst du hier, weißt du mehr.

Mittwoch, 8.11., 21.45 Uhr: „Alles auf Zucker“ (BR)
Wird rumgereicht: Klickst du hier, weißt du mehr.

Mittwoch, 8.11., 23.25 Uhr: „Meschugge“ (BR)
Hab ich damals nicht gesehen, könnte ich wohl jetzt mal tun.

Freitag, 10.11., 23.30 Uhr: „Birkenau und Rosenfeld“ (Das Erste)
Klingt gut und ist mit August Diehl und Anouk Aimée auch gut besetzt: Eine KZ-Überlebende fährt das erste Mal wieder ins KZ Birkenau und lernt dort einen Fotografen kennen, der ein Nazi-Enkel ist.

Befindlichkeitsscheisse (10)

Da freut man sich, das erste Mal an diesem Tag eine freie Nase zu haben und Gerüche wahrzunehmen (Kaffeeduft, beispielsweise), da setzt sich in der S-Bahn mir gegenüber ein nach Bier stinkender Penner. Na, vielen Dank auch.

Einmal Jackson Pollock sein

Alle, die mal lesen wollen, was Wirtschaftsjournalisten eigentlich so machen, sollten den Artikel im „Rheinischen Merkur“ lesen.

Zudem hatte gerade der Börsenboom eine Flut neuer Wirtschaftsjournalisten hervorgebracht, deren Qualifikation durchaus anzuzweifeln wäre. Nicht von ungefähr brachte Tenhagen pikante Beispiele, wie etwa private Krankenversicherungen neue „Reformmodelle“ für das Gesundheitswesen lancieren könnten, die ohne entsprechende Prüfung und Quellenangabe in der Wirtschaftspresse landen würden. Kaum schmeichelhafter waren für renommierte Blätter Beispiele von „Kooperationen“ mit den Objekten ihrer Berichterstattung, etwa von Finanzzeitungen, die mit Fonds zusammenarbeiteten.