Märchenhaft
Im sachsen-anhaltinischen Halle haben Archäologen jetzt den Brunnen von Frau Holle gefunden. So macht der Name von ihr sogar Sinn.
Im sachsen-anhaltinischen Halle haben Archäologen jetzt den Brunnen von Frau Holle gefunden. So macht der Name von ihr sogar Sinn.
‚Sonnabendabend’ auf dem Magdeburger Bahnhofsplatz. Dort stehen bereits seit einigen Wochen diese Giraffen, die den Besucher der Landeshauptstadt auf die Dali-Ausstellung im City-Carré hinweisen sollen. Ja, Magdeburg feiert seinen 1200. Geburtstag, ich weiß nicht, wie oft ich das in den vergangenen Wochen bereits geschrieben habe. Kein Tag vergeht, an dem es sich nicht irgendwie darum dreht. Ich höre immer wieder Otto, Otto hier und Otto da, der eine ist ein alter Kaiser, der andere ein Wissenschaftler und Bürgermeister. Aber nein, nicht nur, da gibt es ja auch diese Dali-Ausstellung im Einkaufscenter und die Giraffen davor. Für den ‚Sonnabendabend‘ hat man sich da etwas ganz besonderes einfallen lassen. Dann nämlich, so gegen halb elf, werden die großen Tiere nämlich von ein paar Scheinwerfern angeleuchtet. Zu dramatisch klingender Musik geht in regelmäßigen Abständen die Nebelmaschine an, der dem sonst so trostlosen Ort eine gewisse Mystik verleihen soll. Mittlerweile hat sich auch eine ganze Menschenmenge von mehreren 100 Menschen angesammelt. Immer wieder wird die Musik leiser, ein Klatschen vom Band ertönt, aber nein, noch ist es nicht soweit. Nach einer gefühlten Stunde dann der entscheidende Augenblick. Die Musik hat gerade wieder an Dramatik zugelegt, sie wird immer lauter, da passiert es: Auf den Rücken der Giraffen entzündet sich ein Feuer, ihre, nennen wie sie Mähnen, brennen. Es ertönen wirklich ein paar ‚Ooohs’ und ‚Aaah‘. Hinzu kommt Applaus, vom Band und in Farbe.
Enrico und Kathleen waren mal wieder aus. Kurz entschlossen hatte er seinen Hasen, wie er sie liebevoll nannte, heute Nachmittag gefragt, ob sie sich nicht mal wieder das abendliche Kochen sparen wollte. Sie musste nicht antworten, ihre Augen glänzten, schließlich war sie noch nicht im Keller gewesen, um das eingefrorene Putenfleisch aus der Tiefkühltruhe zu holen für das abendliche Menü. ‚Der Heimfrost-Mann müsste auch mal wieder kommen‘, schoss es ihr plötzlich in den Kopf. Na, vielleicht nächste Woche.
Mit ihrer linken Hand fuhr sie sich über ihre blonden, frisch dauergewellten Haare. Erst gestern war sie nach der Arbeit im Büro beim Friseur gewesen, eigentlich perfekt für den abendlichen Ausflug in die Innenstadt. Endlich würde sie mit ihrem Bärchen mal wieder ausgehen. Schnell huschte sie in das gemeinsame Schlafzimmer, um sich die passende Kleidung zusammenzusuchen. Was sollte sie bloß anziehen? Die neue Jeans oder doch einmal den neuen Rock? Beim Einkaufen in dem großen Real-Markt am Rande der Stadt heute Morgen war es recht kühl gewesen, sie hatte in ihrer blauen Esprit-Jeansjacke (used look) sogar ein wenig gefroren.
Rund vier Stunden später saßen die beiden in ihrem schwarzen Ford Mondeo, sie hatte extra die goldene Kette angelegt, die er ihr in ihrem letzten Türkei-Urlaub geschenkt hatte, er, der seine Haare stets kurz trägt, hatte diesmal mit ein wenig Gel nachgeholfen, damit der Igel auch wirklich perfekt saß. Unter der blauen No-Name-Jeansjacke trug er das orangefarbene Hemd, was sie ihm erst in der letzten Woche aus der Stadt mitgebracht hatte. Er fühlte sich gut. Im Radio lief einer seiner Lieblingssongs: Bon Jovis „It’s my life“ und genauso fühlte er sich gerade. Wie gern würde er einmal in einem dieser schnellen Autos, ein Porsche oder vielleicht sogar einem Ferrari…, dazu dieser Song, das wär’s. Er hatte gar nicht bemerkt, wie die Zeit vergangen war, da bogen sie auch schon in das Parkhaus der Innenstadt ein. Kurz bevor er die Fensterscheibe herunterfuhr, blinzelte er seinem Hasen noch einmal zu. Er hatte gar nicht mitbekommen, dass sie ihm die ganze Zeit von dem gestrigen Telefongespräch mit ihrer besten Freundin Mandy erzählt hatte. Die hatte sich wieder einmal von ihrem Freund getrennt, lange hatte sie es noch nie bei einem Mann ausgehalten.
Nachdem sie bei Pizza Hut beide eine Salami-Pizza gegessen hatten, spazierten sie Hand in Hand langsam zum Cinemaxx. Großes Popcorn-Kino am Samstagabend sollte es sein, dazu noch eine Cola, man gönnt sich ja sonst nichts und dank der Menü-Angebote mussten sie dafür sogar nur 7,60 Euro zahlen. ‚Ein Menü und dazu eine Cola für die Dame’, wie leicht das heute alles ging, dachte Enrico. Kino 7, die Platzwahl war frei, sie kuschelten sich in einen der Doppelsitze ohne Armlehne, die beim gemeinsamen Popcornessen eh nur gestört hätte.
Der Vorhang ging auf, die Werbung. Eigentlich mochten die beiden Werbung ja nicht, zuhause vorm Fernseher zappten sie dann immer, aber hier im Kino machte Werbung richtig Spaß. Enrico lachte laut auf, als kurz vor Ende des ersten Werbeblocks dieser verrückte Kerl sein T-Shirt von sich riss, weil er bei der Hitze halluzinierte, dass sich die gut aussehende Frau auf dem Plakat für ihn räkelte. Als dann die drei kleinen Kinder mit ihrer Mutter vor dem Gefängnis laut „Happy Birthday“ für ihren Vater sangen und der kleine Junge dann erfuhr, dass er noch 4 mal singen müsse, bis sein Vater aus dem Gefängnis zurückkomme, musste auch Kathleen laut lachen. Sie rutschte noch ein bisschen tiefer, kuschelte sich an ihr Bärchen, gleich musste es losgehen.
Kaum lief der Abspann über die Leinwand sprang Kathleen auch schon auf. Schon in den letzten 10 Minuten war sie nervös auf ihrem Sitz hin und hergerutscht, wäre sie doch bloß vor dem Film noch einmal schnell hinaus, egal, sie konnte nicht anders, kämpfte sich durch die Reihe raus auf den Gang und hinunter zur Toilette. Dort holte sie Enrico dann ab, der sich schon einmal eine Zigarette angezündet hatte. Als sie aus dem Kino heraustraten, zerzauste ein kleiner Windstoß Kathleens frisch gekämmte Haare.
Der Abend war doch noch mild geworden.
Samstag Sonnabendvormittag (ja, auch das dämliche Wort Sonnabendabend steht hier sogar in der Zeitung) in der Supermarktkassenschlange. Aus Versehen schiebt der junge Mann vor mir seinen Einkaufswagen einige Zentimeter nach vorne. Die Reaktion des Vordermanns ist übertrieben. „Müssen Sie mich auch noch anfahren?“, blökt er. Ich weiß nicht, ob es etwas zu sagen hat, dass der zugegebenermaßen etwas übermütige Mann von schwarzer Hautfarbe ist.
Einige Stunden später im Kaffeeladen. Eine Frau asiatischen Ursprungs kommt mit einer Kuchentüte herein. Ich kann nicht verstehen, was sie möchte, doch da sie auf den Kuchen vor ihr zeigt, wird schnell klar, dass sie „Spritzkuchen“ möchte. Sie hatte sich wohl in der Bestellung geirrt, denn in der Tüte vor ihr ist Apfelkuchen. Die Bedienung schaut sie mit großen Augen an. Die Mundwinkel sacken nach unten, ihre Oberlippe zuckt, man könnte ihren Blick als angewidert bezeichnen. Widerwillig tauscht sie den Kuchen aus. Zwei Spritzkuchen wandern in die Tüte. „Und einen Kaffee bitte zum Mitnehmen“, sagt die junge Frau nun verständlicher. „Macht dann einen Euro“, sagt sie und reicht den Pappbecher über die Theke. Als ich an der Reihe war, lächelte sie noch.
“Otto – Der Film‘: ZERKAUT! Wenn es wenigstens ‚Der Pate‘ gewesen wäre.‘
Hunde haben halt auch einen ganz eigenen Geschmack.
Hunger ist, wenn der Kopf nach zweimal Nippen an der Weißweinschorle schwer wird und es in den Füßen kribbelt.
Die schlimmsten Bahnfahrer sind Reisegruppen weiblichen Geschlechts. Noch schlimmer ist es allerdings, wenn diese an Tischen sitzend ihre Schnittchen und die kleinen Wodka-Feige-Flaschen auspacken. Klopfen und weg damit. Dieses Gegacker, wenn der (männliche) Schaffner kommt und die Fahrkarten haben will. 14-jährige Teenager mit kurzgelockten Dauerwellen.
‚Hallo, dieser Anrufbeantworter wird ihre Nachricht wortgemäß an XXX YYY weiterleiten.‘
Was für ein guter Anrufbeantworter. Sollte es mehr von geben.
„Hui, und da kommt ja schon wieder ein Bahnhof…“ Noch bekloppter ist dieser Spruch, wenn man sich gerade im Ruhrgebiet befindet.
Zwei Damen am Tisch.
– ‚Hätten Sie gerne einen Absacker?‘
– ‚Ja, ich hätte gerne einen Ramazotti.‘
– ‚Und Sie?‘
– ‚Ich hätte gerne einen…‘
– ‚Sambuca? Baileys?‘
– ‚Ja, Baileys.‘
Der Kellner entfernt sich.
Sie zu ihr: ‚Eigentlich wollte ich ja einen Amaretto. Aber das passiert mir in letzter Zeit ständig, immer wenn ich nach einem Wort suche, dann fällt es mir gerade nicht ein.‘ – ‚Ich merke mir, dass mit dem Ramazotti auch nur, weil der Sänger auch so heißt.‘
Der Kellner bringt die Absacker. Er entfernt sich wieder vom Tisch.
‚Den würde ich ja auch gerne mal vernaschen.‘