Seltsam?
Ich sitze in einem Zug, mit genau 6 Wagen. Durchnummeriert von 1 bis 6. Ich befinde mich in Wagen 1.
Frau: Ist hier Wagen 3?
Mann: Nee, Wagen 1.
Frau: Oh Mann, dann muss ich jetzt ja durch den ganzen Zug laufen.
(…)
Ich sitze in einem Zug, mit genau 6 Wagen. Durchnummeriert von 1 bis 6. Ich befinde mich in Wagen 1.
Frau: Ist hier Wagen 3?
Mann: Nee, Wagen 1.
Frau: Oh Mann, dann muss ich jetzt ja durch den ganzen Zug laufen.
(…)
Die Sonne scheint. Endlich. Nach vier Tagen bitterer Kälte endlich Sonne und ein bisschen Wärme. Ich musste sogar Socken im Bett tragen. Das tut gut. Deshalb laufe ich nach dem Tag im Büro ein bisschen durch die Straßen. Richtung Elbe, dort soll es schön grün sein. Ich laufe die Straße mit den großen Häusern im stalinistischen Stil entlang. Die Häuser erinnern mich an die Karl-Marx-Allee in Berlin. Nur sind sie hier schon schön hergerichtet. Rechts das Einkaufscenter, was nach der Wende wahrscheinlich in Windeseile aufgebaut wurde. Links dann noch ein bisschen Plattenbau. Ich komme zu einem Platz, in der Imbissbude werden fettarme Pommes verkauft. Ich bin neugierig, kaufe mir eine kleine Tüte. Kurz darauf bin ich enttäuscht. Die Pommes schmecken pappig. Knusprig geht wohl nur mit Fett. Während ich die Kartoffelstücken verspeise, entdecke ich sie. Vier oder fünf Einsatzwagen der Polizei. Sind die nur hier, weil die Vorbereitungen für das Stadtfest auf Hochtouren laufen? Vielleicht nicht. Denn nun entdecke ich auch die jungen Männer in schwarzen Sachen und einem Plakat, das sie zu dritt in die Höhe halten. Sie protestieren. Gegen die Feierlichkeiten vor drei Tagen. Hätten sie das Plakat nicht in der Hand, würde man sie nicht erkennen. Die Haare sind nicht raspelkurz, einer von ihnen hat sogar einen Britpopper-ähnlichen Schnitt. Ungewohnt. Die Passanten zeigen sich unbeeindruckt. Einzig auffällig ist, dass das türkische Pärchen mit ihrem Kinderwagen einen größeren Bogen macht.
Irgendwann habe ich die Pommes verspeist. Während ich an den Jungs vorbei gehe, drückt mir der eine ein Flugblatt in die Hand. Freundlich erklärt er mir, dass ich es ja zuhause mal lesen könne.
Ich gehe weiter. In Richtung Elbe.
*
Wie in jeder größeren Stadt gibt es auch hier ein „Alex“. Davor sitzen ein paar Punks. Sie unterhalten sich.
Nach einem langen Tag mit einer Straßenumfrage kann ich mit Gewissheit sagen, dass die Häufung von Vornamen wie Denny, Diana und Mandy in diesen Regionen kein Mythos ist.
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Auch zum Abschied gibt man sich gerne die Hand, allerdings reicht auch ein lockeres „Tschüss“ in die Runde. Als Antwort echot es dann aber leider „Tschüssiiiiii“ durch das Büro. Oder durch die Eingangshalle. Oder so.
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Kontaktanzeigen lesen in Zeitungen ist auch hier was Feines. Ich kenne eigentlich die Rubriken „Er sucht sie“, „Sie sucht ihn“, „Sie sucht sie“ oder „Er sucht ihn“. Hier heißen die lustiger. Wer als Kerl einen Kerl sucht, muss unter „Siegfried sucht Roy“ stöbern.
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Ach ja, und Jägerschnitzel. Ganz vergessen, dass das eine dicke, panierte Wurstscheibe ist.
Daran werde ich mich wohl nie gewöhnen. Befremdlich schaute ich gestern in die Runde, als mir der Praktikant zum Abschied die Hand schüttelte. Hand schütteln? Wozu? Reicht nicht ein freundliches „Schönen Abend noch“ in die Runde? Anscheinend nicht. Denn als ich heute morgen ein paar Minuten früher im Büro erschien und alle nach mir Eintreffenden vor dem Ablegen zunächst einmal eine Runde durch das Büro mit Händeschütteln antraten, wusste ich, was ich vergessen hatte. Jetzt muss ich nur noch heute abend wieder dran denken. Und morgen früh.
Und wieso konnte ich bei der Wahl in NRW eigentlich nicht DIE PARTEI wählen?
Seit gestern bin ich also hier. So richtig, denn die freitägliche Stipvisite führte mich nur kurz in mein neues Zuhause. Tasche abstellen im Zimmer für die nächsten drei Monate, dann weiter in die große deutsche Stadt mit den sechs Buchstaben.
Doch was sind das für Menschen, die mich am frühen Morgen mit den Worten „Wir sammeln übrigens in der Küche keinen Müll, sondern bringen ihn immer gleich runter“ begrüßen. Die kaum sind sie von der Arbeit heimgekehrt, in ihren giftgrünen Wollpulli schlüpfen, der mit glänzenden Unterlegscheiben (Wortschöpfung fand Freitagmorgen gegen halb acht statt und ich war verdammt froh, den Begriff durch die Aufwachphase hinweg behalten zu haben) bestickt ist.
Was ziehe ich nur an? Wie viel Paar Schuhe? Welche Paar Schuhe? Welche Hosen? Welche Röcke? Welche T-Shirts, Blusen. Blusen? Wie viele Jacken? Und dann auch noch Unterwäsche, Socken, Strümpfe.
Welche Tasche nehme ich mit? Die schwarze? Oder die grüne? Oder vielleicht doch beide?
Dann noch das Badezimmer: Handtücher, Duschgel (Mist, fast alle), Shampoo, welches Shampoo?, Rasierer, neue Klingen, Deo, Anmalzeugs, Abmalzeugs, Haarzeugs, anderer Frauenkram.
Was zu lesen, was zu schreiben, was zu hören, was zu trinken.
Noch eine Tasche?
Nach der Kapitalismus-Kritik jetzt also eine Heuschreckenliste. Und dann beschweren sich Müntefering und Co. wieder, dass niemand mehr in Deutschland investieren will und deshalb Arbeitsplätze gestrichen werden.
Ich dachte immer, Sommerloch sei später.
Ich weiß nicht, wie oft er in diesen 15 Minuten von Mannheim nach Heidelberg an der Marlboro-Schachtel gerochen hatte. Immer wieder griff der kleine, dicke Mann mit seiner viel zu großen Jeans zu der Schachtel, nahm vorsichtig eine Light-Zigarette heraus und schnupperte daran. Als ob er sich auf den Genuss einer teuren Zigarre vorbereiten würde. Dann packte er die Zigarette wieder zurück in die Schachtel, ganz vorsichtig. Er legte die Schachtel auf den an der Wand angebrachten Mülleimer und achtete darauf, dass sie nicht zu Boden ging. Nach einem kurzen Griff an die Hosenträger strich er sich nervös über den Schnauzer. Dann schnellte die Hand wieder zur Schachtel und das Prozedere begann von vorn. Schachtel auf, Zigarette raus, riechen, Zigarette wieder rein und Schachtel zu. Dann nochmal an der Schachtel gerochen. Hatte er das Rauchen aufgegeben? Freute er sich darüber, die Schachtel in der Bahn gefunden zu haben? Konnte er den Zeitpunkt seiner Ankunft einfach nicht erwarten, bis er endlich den Rauch in seiner Lunge zu spüren, den herben Geschmack auf der Zunge?
Wenig später griff er sich wieder an den Hosenträger, seine Hand wanderte an den Schnauzer und zur Schachtel. Mit seiner anderen Hand fingerte er aus seinem Jutebeutel eine kleine Plastiktüte. Er packte die Zigarettenschachtel hinein. Dann roch er noch einmal daran.
Sie: Das ist schon spießig, was wir hier machen.
Er: Ja, schon.