Singende Flüsse

es wird ein warmer abend sein
und wir werden draussen stehen
und wir werden uns berühren
und die nacht sich senken spüren
die flüsse werden für uns singen
sie schenken uns den schlaf
wir werden ohne träume sein

Gibt’s in London eigentlich auch singende Flüsse?

Fuck it

Sie haben ihren Schlüssel verlegt, stehen panisch vor der Haustür und haben bereits die Scheckkarte gezückt, um in die eigene Wohnung zu gelangen? Keine Panik. Alles findet sich wieder. Schauen Sie doch einfach noch mal in der Mülltonne nach, da könnte sich das Schlüsselbund verborgen haben.
Scheiß Tag, nicht nur dass mir die Panik im Gesicht stand, weil ich eben diesen Schlüssel nach dem Einkaufen arg vermisste (he, die pizza taut auf), nein, auch mein Computer zickt wieder einmal. Erst entdecke ich, dass sich eine gewisse bla.exe ins weite Internet aufmachen will (heldenhaft bekämpft), dann schaltet sich der liebe Rechner regelmäßig einfach aus. Dauer bis zum Abschalten: in der Mittagszeit 30 Minuten. In den Abendstunden 45 , danach 5 Minuten. (was bin ich meiner ganz persönlichen seelsorge dankbar.)
Hatte ich auch die nicht funktionierende EC-Karte erwähnt, die mir die Röte an der Supermarktkasse ins Gesicht trieb?

‚This is BFBS, the Forces Station…‘ – immer, wenn das aus meinem Radiowecker schallt, weiß ich: Zeit zum Aufstehen. Paul Bunker Breakfast Show, die The No.1 English speaking Breakfast Show in Germany. (is ja wohl auch nicht schwer, oder gibt es wirklich noch eine alternative?) Egal. Die Äuglein auf und was entdecke ich? Vorsichtige Sonnenstrahlen, die sich im Fenster spiegeln. ‚Endlich‘ denke ich noch, denn der Tag gestern war wirklich unerträglich. Trist und grau und ohne Regen ging nichts. Und dann, 20 Minuten später ist er wieder da. Der vertraute Klang, wenn Regentropfen an die Scheibe klopfen. Willkommen, Herbstdepression. Treten Sie ein.

Update 9:56: Es ist tatsächlich ein wenig heller als gestern. Selbst blauen Himmel habe ich gesichtet.
(so schlimm ist es schon: ein wettereintrag.)

Kulinarisches in D’Dorf

– Ich hätte es ja fast nicht geglaubt. Nach sieben Monaten (uups, schon so lange?) hier in dieser Stadt endlich mal einen Laden gefunden, in dem man eine ordentliche Pizza bekommt (also kein ekliger Boden und so). Dafür war allerdings der Salat scheiße (das dressing.)

– Wenn die Bar nicht so voll ist, haben es Barkeeper gern, wenn man ihnen für den Drink nur eine Richtung (was mit Gin und nicht so süß) vorgibt und sie sich dann so richtig kreativ betätigen können.
– Es ist eine Kunst, eine gute (gute!) Bloody Mary zu machen.

– Es muss eine rheinische Eigenart sein, dieses Möhren-Kartoffel-Gemüse, eine breiige Masse, ein bisschen kartoffelbreimäßig, nur in orange und mit Möhrenstücken drin. Hatte erst an eine Eigenkreation des Kantinenkochs geglaubt, aber als ich dann eine ‚Wurst‘ davon im Supermarkt sah, direkt neben der ‚Wurst‘ Grünkohl, da musste es etwas anderes sein.

– Der Caipirinha heißt übersetzt ‚Getränk des Bauerns‘. Aber das steht auch hier (ich wusste es einfach.)

– Mit Gin Tonic kann man nichts falsch machen.

Schlechte Gesten

Ich liebe ja Routinen. So wie ich jeden Morgen zur gleichen Zeit aufstehe, in die Küche husche, um mir Wasser warm zu machen, die Zwischenzeit nutze, um den ersten Badezimmergang zu vollziehen, und mich später mit Cerealien und Tee noch einmal in mein Bett kuschele (ich glaube, ich wiederhole mich, egal), genau so ist es mittlerweile zur Routine geworden, an meinem Kollegen diese Witze zu erproben. Und sie sind wirklich meistens richtig schlecht. So schlecht, dass bei dem letzten (der mit den pilzen) mein Kollege eine ebenso schlechte Geste ausgrub, mit der er zeigte, wie er den Witz fand: Er hob den Arm und deutete mit der anderen Hand ein Kitzeln an. Lange nicht gesehen und doch wiedererkannt.

Wochenendrückblick (persönlich)

Immer wieder vertigo von U2. Und Not-Unterwäsche und Not-Socken gekauft, weil die nicht von allein in die Reisetasche gehüpft waren. Festgestellt, dass der Brenner wohl seinen Geist aufgegeben hat (oder gibt es eine andere erklärung, wenn nero zwar anzeigt, dass alles erfolgreich verlaufen ist, aber dann auf der cd nüscht (hach, manchmal vermiss ich dich sehr, berlin) nix drauf ist. Nun endgültig den Thai bei Mandy’s in Heidelberg zum Lieblings-Thai erkoren. (zum nachmachen: die nr. 23 hat’s mir angetan.) Über Herrn Pocher gefreut (und immer wieder dieses Zappen und verharren, wenn er wieder die elektro-kunden verarscht, dieses grinsen und freuen, dass werbung mal wieder lustig sein kann.) Beschlossen, dass „Desperate Housewives“ meine neue Lieblingsserie ist. Wunderbar erzähltes Vorstadt-Drama um vier Hausfrauen und ihre Lebensgeschichten. Eigentlich waren sie zu fünft, doch die fünfte hat sich gleich in der ersten Folge umgebracht und erzählt nun das Leben der anderen aus ihrer Perspektive. (macht süchtig, aber was erzähl ich hier.) Und immer wieder vertigo von u2 (hello, hello..)

Und sonst? Muss ja. War zu kurz schön.
(und dieser moment, wenn der zug aus köln fährt, dieser blick auf den rhein, die beleuchtete Promenade. dieses verharren auf der brücke. ich mag das.)

Sieg nach Punkten

Männer unter sich. Immer wieder fein. Besonders viel Spaß haben sie, wenn sie mal so richtig reden können. Nein, nicht über Frauen, Fußball oder Politik, nee, mal so richtig über technische Geräte. Da wird das Gespräch gleich zu einem Match. ‚Ich will mir ja zu Weihnachten eine Digitalkamera kaufen‘ meinte der eine und hatte dieses gewinnende Grinsen im Gesicht. 1:0. Ganz klar. Wer soviel Mut aufbringt und sich an ein derartiges Gerät heranwagt, hat den Punkt eigentlich schon sicher. Empörung im Gesicht des anderen. ‚Nix da, ich will mir meine Bilder immer noch im Fotoalbum anschauen‘, meinte er. Da half auch nicht der Hinweis, dass das ja auch mit der Digitalkamera geschossenen Bildern möglich und auch gar nicht so teuer ist. Den Punkt hatte er vergeigt.

‚Und warum alle Welt nun Filme nicht mehr auf VHS sondern DVD schauen muss, ist mir auch ein Rätsel‘. Huiuiui, ganz klare Abseitsposition, so kann man keine Punkte holen. Wie von Sinnen manövrierte er sich weiter ins Aus und fügte noch hinzu, dass er ja erst kürzlich, als die Videothek um die Ecke einen Ausverkauf machte, ganz groß zugeschlagen hat, bei den ganzen Videokassetten. Irgendwie schien er das Spiel nicht so richtig verstanden zu haben, ging es doch darum, hier mal so richtig technischen Sachverstand zu beweisen. Der eine hingegen sah seine Zeit gekommen, diese Vorlage so richtig auszunutzen. Denn er hatte sich schon vor einigen Jahren einen DVD-Player angeschafft, damals als der alte Fernseher seinen Geist aufgegeben hatte. ‚Da haben wir gleich das ganze Haus mit neuem technischen Equipment ausgestattet‘. Puh, der saß. 2:0. Vorsicht, dachte ich bei mir und befürchtete schon die ausschweifenden Details. Zu spät. ‚Wenn man die Boxen ganz aufdreht, dann können die Nachbarn aber auch nicht mehr schlafen‘. Ich hatte es kommen sehen.

Und er ließ nicht locker. Jetzt wollte er es wissen und zeigen, dass er noch mehr zu bieten hatte als einen Haushalt, der auf dem neuesten Stand war. ‚Und so ein Handheld-Ding, das fänd ich ja auch praktisch. Da könnte man dann all seine Termine und Adressen mal richtig verwalten.‘ Ob der andere sich mittlerweile aufgegeben hatte? Anders konnte ich mir seine Antwort auf diese Vorlage wirklich nicht erklären. ‚Ach, was. Das mach ich lieber alles noch auf Papier.‘ Oh Mann, so wird das aber wirklich nichts. Doch falsch gedacht. Der Ehrentreffer, der sollte es dann aber doch noch sein. ‚Hast du denn auch so einen MP3-Player?‘ Ha, er sah seine Chance gekommen, denn er wusste: Das war sein wunder Punkt. ‚Nee, das ist echt das einzige, was ich noch nicht durchblickt habe‘. Der saß also: 3:1. Und nun zückte er auch schon das schicke Gerät, welches schon die ganze Zeit auf seinem Tisch lag und nur darauf gewartet hatte, präsentiert zu werden. ‚Und hier passt meine gesamte Musiksammlung drauf‘, prahlte er mit glänzenden Augen. ‚Hey, mehr als einen Punkt gibt es dafür nicht‘, wollte ich gerade einwerfen, als sich das Blatt dann doch noch wendete. Denn dafür, dass der eine dann berichtete, vor einigen Jahren seine gesamte Plattensammlung an einen Händler verkauft zu haben, dafür gibt es keinen Punkt. ‚Die alten Beatles-Scheiben und so‘ fügte er hinzu. Nein, dafür gibt es höchstens Punkte abgezogen.

Im Briefkasten

Sehr geehrte Frau Franziskript,
kennen Sie das: Beim Lesen werden Ihre Arme „immer länger“?
Äh, nein. Und es strengt Sie immer mehr an? Äh, nein. Dabei haben Sie doch eine Brille. Äh, ja. Ja, vielleicht sogar zwei – eine Lesebrille und eine zweite für die Ferne?! Äh, nein. Es ist aber gar nicht notwendig, mit zwei verschiedenen Brillen zu leben Stimmt. Ich hab ja auch nur eine, ihr Blödmänner. Und eure Gleitsichtgläser werdet ihr mal schön woanders los. So alt bin ich nun wirklich noch nicht.

Der Weckmann

Mein Umzug nach Düsseldorf hat mich auch kulinarisch weiter gebracht. Zumindest testeten wir vorvergangenes Wochenende einen dieser Weckmänner, die man derzeit in jeder Bäckerei käuflich erwerben hinterhergeschmissen bekommt. Dabei handelt es sich um große Brotmänner, die eine Pfeife aus Gips in der Hand haben (ja, ich hab auch versucht reinzubeißen). Gute Weckmänner haben auch Augen aus Rosinen und sind mit einer Zuckerglasur überzogen. Manche sind auch in Mandelstücke gehüllt, dafür haben sie keine Augen. Wer Milchbrötchen mag, dem schmecken auch Weckmänner.

Wie ich jetzt lernte, gibt es diese Form von Gebäck nicht das ganze Jahr. Es scheint einen engen Zusammenhang zwischen den Backgestalten und St. Martin geben. Welchen, habe ich bisher noch nicht herausgefunden.

Wer hilft?

Neulich

Kleiner Junge mit Mama und Papa im Zug. Kleiner Junge fragt: ‚Hat Duisburg eigentlich auch einen Hauptbahnhof?‘ Keine schlechte Frage für einen unter zehn, denke ich. Da muss man auch erstmal drauf kommen. Der Vater: ‚Ja, jede Stadt hat einen.‘ Stimmt das? Gewagte These, aber ich unterstütze den Herrn Papa da, denn bei kleinen Kindern darf man das. Lieber ein bisschen lügen, als gleich die kleine, heile Welt zerstören. Eltern dürfen ja auch auf die Frage, wie lange es denn noch dauert, bis man endlich bei Oma und Opa angekommen ist, sagen, dass es nicht mehr weit ist. Ein paar Minuten noch, auch wenn daraus dann eine geschlagene halbe Stunde wird. Kleiner Junge lässt nicht locker: ‚Und hat Duisburg auch einen Flughafen?‘ Da bin ich jetzt aber mal gespannt. Doch Vater wiegelt ab: ‚Nein. Dafür ist Duisburg zu klein.‘ Soso, zu klein. Kleiner Junge findet die Antwort auch alles andere als befriedigend. Und hat bereits in jungen Jahren erkannt, dass Duisburg zu größerem berufen ist. Nämlich zu einer Stadt mit Flughafen. Deshalb glaubt kleiner Junge fest daran, dass es im Fall der Ruhrpott-Stadt wohl eher an der finanziellen Ausstattung gelegen haben muss. ‚Wir können ja einen für Duisburg kaufen!‘, ruft er begeistert durch den Zug. Da ist selbst der Papa platt.