Verkriechen

Es dauert drei Tage, bis man wieder in der Lage ist, zu fühlen. Zumindest ging es mir so. Gestern abend kamen all diese Empfindungen hoch, zu denen ich bisher nicht in der Lage war. Ich konnte plötzlich niemanden mehr um mich herum ertragen, nicht einmal mich selbst, was den Abend schwierig machte.

Es könnte ruhig werden hier, in den nächsten Tagen. Zuviel ist hier in mir, zu viele Emotionen, mit denen ich erst einmal klar kommen muss. Ich vermisse ihn. Ich habe noch nicht verstanden, dass er wirklich für immer gegangen ist. Und ich habe damit zu kämpfen, mich auf diese vorgegebenen Rituale des Abschiednehmens einzulassen. Warum kann nicht jeder so Abschiednehmen, wie er es möchte?

Anteilnahme: Wie mach ich’s richtig?

Der Verlust eines lieb gewonnen Menschen ist schwer. Auch für das Umfeld. Denn jeder wird vor die große Frage gestellt, wie er dem anderen mitteilt, dass ihm der Tod Leid tut. Dabei stellt sich die Frage der korrekten Wortwahl. Das ist nicht wirklich einfach. Ein wahrer Emotionskiller: „Herzliches Beileid“. Jedes Mal, wenn ich diesen Spruch zu hören bekomme, schießen mir die gleichen Gedanken in den Kopf: Kann Beileid herzlich sein? Sollte Beileid herzlich sein? Zu sehr erinnert er an „Herzlichen Glückwunsch“, „Herzliche Grüße“, obwohl er doch eigentlich nur ausdrücken soll, dass die Anteilnahme vom Herzen kommt. Trotzdem mag ich die nüchterne Variante „Mein Beileid“ lieber. Sie ist sachlich, nicht aufdringlich und bringt genau das rüber, was man hören will: Ehrliches Bedauern ohne überflüssige Schnörkel.

Am besten finde ich dennoch andere Gefühlsbekundungen. Warum nicht ein „Tut mir leid“, „Ich denk an dich“ oder „Sei gedrückt“. Passt immer und kommt ebenfalls vom Herzen. Wenn der Tonfall stimmt.

On the road (show)

Live Music Hall. Klingt vielversprechend. Nach großer Halle, neu mit viel Drumherum. Stattdessen: Eine Fabrikhalle im Industriegebiet gleich hinter dem Plusmarkt. Mit ausgelagerter Toilette. Erinnerte ein wenig an die Columbiahalle, nur kleiner und ein wenig heruntergekommener. Statt der Pommesbude gleich neben dem Eingang in Form eines Wohnwagens gab’s hier nur einen kleinen Raum, in dem es Crepes gab. Das war’s mit Drumherum. Nur Fabrikgebäude. Vielleicht auch noch andere Dinge.

Der Abend. Er begann nicht wie angekündigt mit Razorlight. Dogs waren angesagt.

Was Neues von der Insel, nicht schlecht, manchmal etwas unausgegoren, aber durchaus unterhaltsam. Laut. Ja, so könnte ich den Abend überstehen. Hauptsache laut, nicht viel nachdenken, Beschallung pur. Nein, kein Bier. Heute nur Musik.

Warm ist es. Hätte ich doch bloß was anderes angezogen. Ein Gedanke, der mich jedes Mal in Konzerthallen überkommt. Nie ist man passend angezogen, nie. Trotzdem: Lass uns weiter nach vorn gehen. Die ganze Zeit suchte ich den Blick auf die Bühne durch diese zwei Typen hindurch, die immer wieder ein paar Worte austauschten. Ja, noch könnt ihr reden. Noch.
Dann: Weiter vorn. The Soundtrack of our Lives.

Eine seltsame Mischung aus ein paar spackeligen Jungen und einem alten, dicken Hippie mit Bart. Hatte vorher nichts von der Band gehört (sorry an alle Fans). Die ersten Takte: Nicht schlecht, der Sound, könnte unterhaltsam werden. Leider sang der dicke Mann dann auch noch und machte immer wieder seltsame Bewegungen mit seinen Armen. Ein bisschen Joe Cocker, ein bisschen Jesus, ein bisschen durchgeknallt. Unterhaltsam, gut zur Beschallung, dem Wegdröhnen der Gedanken. Der Mann am Keyboard hübsch anzusehen. Ansonsten nicht mein Fall. Dafür aber der Fall all jener grau melierten Männer mit Bierbecher um mich herum. Jedem seine Zielgruppe. Ich gehöre zu den anderen.
In der Pause: Noch weiter nach vorn. Ein bisschen weiter links, nicht zu nah an den Boxen, obwohl Keane, die sind ja nicht so laut. Viel Platz auf der Bühne. Für Schlagzeug, Keyboard und den Mann mit dem Mikrofon.

Viel zu viel? Nein, er brauchte ihn. Zum Rumlaufen, auslaufen. Die ersten Klänge, das Licht, Gänsehaut. everybody’s changing. Noch mehr Gänsehaut. I don’t know your face no more, da kullerte sie, die Träne.
Keane. Ein bisschen wenig Rock, aber doch gut live gespielt. So, dass man sich wieder fand. Auch bei einer Gemütslage, die nicht für einen großen Abend gemacht war.
(…)

‚Immer wenn jetzt das Telefon klingelt, hab ich Angst‘ sagte ich noch. Und dann war er es, der Anruf, der alles verändert. Endgültig macht. Der den Abschied erzwingt.
Eingeschlafen ist er. Am Morgen.

Appell!

Keinen Arsch in der Hose scheint ihr Herren von heute zu haben. Wenn ihr schon keine Lust mehr auf eine Beziehung habt, dann sagt es. Und zwar nicht per Mail, Brief, SMS oder Telefon! Soviel Arsch in der Hose solltet ihr schon haben, um es der Ex-Geliebten doch wenigstens ins Gesicht zu sagen! Ganz besonders dann, wenn es sich um eine Beziehung handelte, die über das Ab-und-zu-ins-Bett-Gehopse hinausging. Scheint so, als würde sich diese Art der Trennung derzeit etablieren. Und nein. Ich bin (diesmal) nicht betroffen.

Verwirrung

Es wird immer schlimmer. So also heute. Abends. Raus aus dem Büro. Die Vorfreude war groß. So groß, dass nun mein MP3-Stick auf meinem Schreibtisch liegt. Keine Musik für den Nachhauseweg. Keine Musik für den morgendlichen Start in den Tag.

Doch das ist nicht alles. Nein, auch mein kleines, feines Mobiltelefon liegt da nun. Einsam. Verlassen. Und auch wenn mich bis morgen früh wahrscheinlich nicht einmal eine SMS erreicht haben wird, bin ich unruhig. Könnte es doch sein, dass sich jemand bei mir gemeldet hat.

Vielleicht sollte ich mein Leben ändern. Rigoros. Einfach alles abschaffen, was ich abends oder morgens vergessen könnte. Nur doof, dass ich für meine Umwelt dann nicht mehr tragbar wäre. Kein Zähneputzen mehr, keine morgendliche Dusche mehr, könnte ich ja vergessen. Keine Klamotten? Na gut, ich überdenke das nochmal.

Männer!

Ob mit oder ohne Haare, wir lieben euch trotzdem. Ehrlich. Trotzdem könnt ihr natürlich mit dem Glatzen-Rechner euer Haarausfallrisiko berechnen.
(Sachen gibt’s.)

Haariges

Vorhin, als die Fernsehpreisverleihung von gestern im ZDF lief, da fiel es mir endlich ein. Seit die neuen Folgen von „Dittsche“ liefen, hatte ich mir immer wieder eine Frage gestellt: Warum schaute Schildkröte eigentlich so anders aus? Dann, als der Einspielfilm zur Kategorie „Beste Comedy“ lief, fiel es mir endlich auf: In den alten Folgen trug Schildkröte das Haar zurückgekämmt, seit neuestem lässt der Gute sein Haar jedoch galant auf die Schultern fallen. Jaja, der Herr von Welt trägt das Haar nun naturbelassen.

Naja. Er hat zumindest gewonnen, gegen Scheibenwischer und den viel zu klein geratenen Olli Pocher. Und die Martina Gedeck auch. Bei der kam übrigens der meiste Applaus. Zu recht.

Weitere Erkenntnisse des gestrigen Abends in Köln: Wenn Thommi mal nicht moderiert, läuft er auf und ab. Wie ein Löwe in seinem Käfig. Nur dass seine Mähne dank stark fixierendem Haarspray nicht mitwippt. Die Haarfarbe des Kanzlers ähnelt der von Udo Jürgens sehr. Und wer glaubte, dass weibliche „Promis“ immer exzellent rasierte Beine haben, der irrt.

Notiz an mich

Merke: Wenn du abend nach acht noch mal aus dem Haus gehst, dich dann auch noch ausnahmsweise mal wieder körperlich sportlich betätigst, dann schalte das Mobiltelefon entweder aus oder die Tastensperre an (du rufst sonst ständig bei Menschen an, mit denen du auf dem Fahrrad wirklich nicht reden kannst). Sprich nicht zu viel, du machst dich nur zum Affen. Setze immer fein die Brille auf, du findest dich sonst einfach nicht zurecht. Außerdem lässt du sie sonst liegen. Und dann musst du an all den Menschen vorbei laufen, vor denen du dich schon zum Affen gemacht hast. Sie begrüßen dich zwar immer wieder mit einem Lächeln, aber Ernst werden sie dich nie wieder nehmen. Nie mehr. So ist das. Und dann weinst du wieder rum, dass dich keiner mag.

Altersstarrsinn

Warum werden die Alten alle so? Verbohrt, zickig, ungerecht. Für ihre Umwelt kaum zu ertragen. Tun sie es, damit den anderen der Abschied leichter fällt? Damit sie eher in der Lage sind, loszulassen? Oder wollen sie mit ihrer Sturheit noch ein letztes Mal auf sich aufmerksam machen? Hey, hier bin ich, das müsst ihr halt noch einmal so richtig merken. Deshalb tyrannisiere ich euch ein bisschen. Es ist nicht einfach. Die Krankheit hat ihn verändert.

Schlimm aber auch, wenn der Altersstarrsinn bereits in jüngeren Jahren einsetzt. Beispiel: männlich, ledig, jung. Naja. Nicht im Kopf halt. Verbohrt, in seine eigenen Ideen verliebt, mit einem ungemeinen Drang zur Selbstdarstellung. Arschloch. Klar, sind wir alle irgendwann. Manchmal ist es aber besonders unerträglich.