Buch: Siri Hustvedt – Was ich liebte

Dass Bücher mich so sehr berühren, dass ich losheulen muss, habe ich nicht oft. Bei Filmen geht das ja oft ganz schnell, ein bisschen traurige Musik unter eine schicksalshafte Szene gelegt und fertig sind die Tränen. Doch bei Büchern ist das ungleich schwieriger. Deshalb war ich wirklich ein wenig verwundert, dass es mir mal bei einem Buch so ging. Wie ihr euch vorstellen könnt, machte das das Lesen nicht besonders einfach: Im Urlaub, neben mir der Mann meines Herzens, der noch schlief und ich machte nichts anderes, als vor mich hin zu schluchzen. Sehr anstrengend, wie ihr euch vielleicht vorstellen könnt. Das führte dazu, dass ich das Buch nicht unbedingt beiseite legte, weil ich andere Dinge wie frühstücken, packen oder knutschen zu tun hatte, nein, ich legte das Buch beiseite, um mich von diesem emotionalen Ausbrüchen zu erholen. (Eine Freundin vermutete, dass meine Heulattacken eventuell auf hormonelle Beeinträchtigungen zurückzuführen sind. Diese Anmerkung möchte ich allerdings nicht weiter kommentieren.)

Die Handlung: Leo Hertzberg, Professor für Kunstgeschichte, erzählt seine Geschichte. Von seiner Frau, von seinem wohl besten Freund Bill Wechsler und seiner großen Liebe. Wie die Paare Zeit miteinander verbringen, wie der Nachwuchs kommt und wie die fast gleichaltrigen Kinder heranwachsen. Alles läuft so in einigermaßen geregelten Bahnen, bis bei einem Unfall einer der Söhne ums Leben kommt.

Als das geschieht, heule ich zum ersten Mal (Oh Mann, schon ein bisschen peinlich, oder?). Und dann schafft es Siri Huvstedt oder ihre Übersetzerin immer wieder mit kleinen Bemerkungen, mich wieder aus der Bahn zu werfen, weil das, was Leo Hertzberg empfindet so rührend ist, dass ich nicht an mir halten konnte.

Wer also Lust hat auf ein paar Gefühlsaufundabs, der sollte sich dieses Buch antun. Es im Urlaub zu lesen, sollte man allerdings lieber lassen.

BUCH: Martin Walser – Angstblüte

Vorneweg: Ich habe mich bisher wenig mit Martin Walser und seinem Werk befasst. Dies ist mein erstes Walser-Buch und ich habe es vor allem deshalb gelesen, weil es in einer Welt spielt, mit der ich mich beruflich befasse.

Karl von Kahn ist ein alternder Investmentbanker, der sich vor Jahren selbstständig gemacht hat und einen kleinen, ebenfalls alternden Kundenstamm betreut. Er verwaltet ihre Millionen, geht sensibel auf deren Wünsche ein, wie so viele seiner Zunft vergöttert er Warren Buffet. Mit seinen 71 Jahren könnte er eigentlich abtreten, Platz machen für den Nachwuchs, doch dafür scheint er noch nicht bereit. Er hält fest, lässt sich von seinem Freund übers Ohr hauen, und lässt sich von der schönen Schauspielerin Joni Jetter um den Finger wickeln. Diese gibt dem alten Mann, was er braucht, Bestätigung durch das Junge, Schöne, und lässt ihn zwei Millionen Euro in ein seltsames Filmprojekt investieren.

Das Buch liest sich gut, keine Frage. Und es ist auch nicht schlecht. Nur konnte ich nicht wirklich gut damit umgehen, dabei zu sein, wie sich dieser Mann immer weiter ins Abseits begab. Dieses Nichteingestehen des eigenen Alters, der sich vielleicht veränderten Bedürfnisse, diese Besessenheit, noch einmal einer jüngeren Frau zu gefallen. Mich hat das alles unheimlich genervt. Die Geschichte dieses Mannes ist so erzählt, wie es wohl nur ein alter Mann erzählen kann. Einer, der noch alles vor sich haben will. Klischees, Polemik, Walser lässt nichts aus.

Ist natürlich auch schwer, die Distanz zu wahren, mit seinen fast 80 Jahren auf dem Buckel.

Bizarres aus dem Postfach (2)

Und dann flatterte heute auch noch eine Pressemitteilung eines anscheinend sehr beliebten Versicherers ins Haus. Anlass: Jens Lehmann macht für die jetzt Werbung. Und weil in vielen Redaktionen immer weniger Geld für Fotomaterial ausgegeben wird, hat sich die PR-Abteilung nicht lumpen lassen und ein Bild bereitgestellt. Von Jens Lehmann. Allerdings von einem Jens Lehmann, der meiner Meinung nach alles andere als werbewirksam in die Kamera schaut:

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Sieht er nicht völlig fertig aus?

Bizarres aus dem Postfach (1)

Eine seltsame Pressemitteilung ereilte mich heute:

„Wie dröge Werbegeschenke sein können, wissen nicht nur Einkäufer in der Versicherungs- und Finanzbranche aus eigener Erfahrung: Selten findet sich ein originelles Präsent, das wirklich Aufmerksamkeit erregt. Ein ebenso pfiffiges wie passendes Give-Away hat sich jetzt Funartikel-Spezialist
(piiiiiiiiiieeep) aus (piiiiiiieeeep) ausgedacht: Die Geldspritze. Wer hätte nicht gern von Zeit zu Zeit eine kleine Geldspritze? Bitte sehr: Das Präsent in Form einer echten Arztspritze enthält Banknoten im Wert bis 20.000 DM freilich geschreddert, aber aus der „guten alten Zeit“ und direkt von der Bundesbank. Eingebettet in einer dekorativen Verpackung erhält König Kunde Nostalgie pur. Diese finanzielle Zuwendung der besonderen Art dürfte sicher lange in Erinnerung bleiben. Für den Einsatz als Werbegeschenk in großen
Mengen gelten attraktive Konditionen. Von Trendfahnder Deutschland, und zu beziehen im Internet unter www.
(piiiieeeeeep).de.“

Zur Verdeutlichung der Screenshot:

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Und täglich grüsst Klaus Madzia

Ich hab mir bisher jeden Tag die „Business News“ als PDF heruntergeladen. Hat es eigentlich irgendwas zu bedeuten, dass mir Herr Madzia in seinem Grußwort auf Seite 2 jeden Tag erzählt, dass er mir „ab heute moderne und schnelle Informationen aus Wirtschaft, Finanzwelt, Politik und jungem Leben bieten“ will?!
Ich frag ja nur.

He, ihr Handelsblatt-Leser: Könnt ihr bitte alle mal den Kommentar „Einzig und überfordert“ zur Nahost-Problematik von Thomas Hanke lesen?!

(finde ihn leider nicht online)

Die WAMS über den morgigen Start von Business News.

Zeitschriften im Test: Spiesser

Jaja, die erfolgreichste Jugendzeitschrift kommt aus dem Osten. Genauer gesagt aus Dresden. Und wird von einem Wessi gemacht. Peter Stawowy, sein Name, und wer all die vielen Artikel gelesen hat, die in den vergangenen Monaten über „Spiesser“ geschrieben wurden, der weiß das natürlich auch. Was ich mich bei den vielen Jubelartikeln allerdings immer wieder gefragt habe: Ist „Spiesser“ nicht allein deshalb so erfolgreich, weil es eben umsonst in Kinos, beim Burgerdealer und in Schulen verteilt wird? Schließlich ist das ja auch die Erfolgsgeschichte hinter diesem Apothekenblättchen mit den vielen Kreuzworträtseln drin.
Nein, Kreuzworträtsel gibt es in „Spiesser“ nicht in Hülle und Fülle, obwohl man es bei diesem Namen erwarten könnte. Und auch bei dem Inhalt. Denn eine Jugendzeitschrift, die auf zwei Seiten die Kunst des Papierschöpfens erklärt, ich bitte euch, das können die doch nur dann Ernst meinen, wenn sie sich an Birkenstocksandalen tragende Vorzeigejugendliche wenden, die ihren Schulranzen nicht lässig über eine Schulter sondern das Gewicht ordnungsgemäß über dem gesamten Rücken verteilen.

Schnarchig empfinde ich auch die vielen Sprüche, die auf nahezu jeder Doppelseite zu finden sind. Je nach Thema wird da jemand zitiert. Beispiele gefällig? Gerne doch. Die Berufsberatungsseite ist mit den Worten Benjamin Franklins betitelt: „Eine Investition in Wissen bringt noch immer die besten Zinsen“. Und zum Thema Arm sein gibt’s einen Knaller von Shakespeare: „Wo Liebe rechnet, da wird sie arm.“ Fehlt nur noch der Disclaimer, der den lieben Kinder erklärt, dass „Spiesser“ für das Scheitern von Dates, bei denen diese Worte wiedergegeben wurden, keine Haftung übernimmt.
Ein weiteres Beispiel dafür, dass „Spiesser“ im Wettbewerb am Zeitschriftenkiosk wohl den Kürzeren ziehen würde, ist die Geschichte „Das doppelte Streberchen“. Ich zitiere den Vorspann „Ihr denkt, ihr könnt euch einfach so in die Ferien verdrücken – nix da. Wir zwingen euch, jetzt schön ans nächste Schuljahr zu denken. Findet euch damit ab: Das Lernen hört nie auf“. Äh, bitte? Pädagogisch wertvoll, keine Frage, aber ich wollte solche Texte damals wirklich nie lesen. Und das schon gar nicht am Beginn der Ferien, da hatte ich wohl eher die anstehenden Freibadbesuche im Kopf (Ja, hier erhält „Spiesser“ ein Lob, denn auf zwei Seiten wird auch auf Freibäder und Seen rund um Dresden hingewiesen!)! Gleichzeitig ist dieser Vorspann ein gutes Beispiel dafür, dass man diese oftmals lieber gar nicht lesen sollte. Denn leider verrät dieser mir nicht, dass hier ein weibliches Zwillingspaar ein paar Lernhilfen (CD-Rom, Vokabeltrainer und Co.) getestet hat, von denen es dann auch einige zu gewinnen gibt.

Abgerundet wird das Potpourri an Themen die Geschichte „Teile oder herrsche“, in der es um die Entscheidung geht, zu Hause auszuziehen oder bei Muttern zu bleiben. Klassiker, würde ich sagen, immer wieder interessant. Dann noch ein paar Veranstaltungshinweise und was politisch Korrektes mit der Aktion „Gemeinsam gegen rechts“, viele, viele kleine Infohappen und zum Schluss ein Hinweis auf die im Internet anscheinend stattfindende Diskussion über Spießigkeit. Crossmedia lässt grüßen.

Ein Fazit? „Spiesser“ nennt sich ganz selbstironisch „Spiesser“ und das ist wohl das, was mich bei der Lektüre am meisten aufgeregt hat. Dass sie sich so nennen, das aber nicht durchziehen. Bei aller Political Correctness und Ernsthaftigkeit, bei allem Abgrenzen gegenüber Bravo und Co. – so langweilig wie „Spiesser“ darf unsere Jugend einfach nicht sein!

Wenn das Ignorieren doch so einfach wäre.

Buch: Thommie Bayer – Die gefährliche Frau

Wenn ich dazu sage, dass ich dieses Buch heute im Schwimmbad in einem Rutsch (Also schon mit Unterbrechungen, die ich zum Schwimmen nutzte!) durchgelesen habe, sagt es vielleicht viel aus. Dieses Buch liest sich wirklich wunderbar weg und ich würde es als Urlaubslektüre empfehlen.

Es geht um eine Frau, die die Treue von Ehemännern testet. Ehefrauen engagieren sie, zahlen 1000 Euro, und wenn sie es schafft, mit ihnen ins Bett zu gehen, dann bekommt sie für die Videoaufzeichnung des Geschlechtsakts weitere 1000 Euro überwiesen. Natürlich muss sie dann einen Mann verführen, in den sie sich verliebt. Und natürlich ist das dann alles gar nicht mehr so einfach. Die Geschichte ist wirklich nicht besonders einfallsreich und man ahnt irgendwann wie sie enden wird. Das bewahrheitet sich dann auch und doch gibt es glücklicherweise ganz am Ende noch eine überraschende Wendung, die die Geschichte aufwertet. Ich will nicht zuviel verraten, deshalb nur soviel: Glücklicherweise erklärt und entschuldigt die Wendung doch viel. Denn Klischees werden nicht ausgelassen, bei diesem Sommerbuch.

Wieso ich sowas gerade lese? Weil ich ein paar Tage frei habe. Weil ich im Schwimmbad war und andere Lektüre dann nicht geht. Weil ich vor mehr als 12 Jahren irgendwann mal ein Buch von Thommie Bayer in den Händen hielt, dann auch andere von ihm gelesen habe. Und weil ich bei meinem letzten Besuch in der Heimat mal wieder in der Buchhandlung war und mich dieses Buch an Damals erinnerte. Es ist wirklich nicht sooo schlecht.